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	<title>Bibliotheken als Bildungseinrichtungen</title>
	<link>http://bildungundgutesleben.blogsome.com</link>
	<description>Blog zu einem Promotionsprojekt im Bereich der Bibliotheks- und Informationswissenschaft</description>
	<pubDate>Sat, 27 Jun 2009 16:24:58 +0000</pubDate>
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	<language>en</language>

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		<title>Thesen zur künstlerichen Produktion im Computerzeitalter</title>
		<link>http://bildungundgutesleben.blogsome.com/2009/06/27/thesen-zur-kunsterlichen-produktion-im-computerzeitalter/</link>
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		<pubDate>Sat, 27 Jun 2009 00:42:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Grundsätzliches</category>
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		<description><![CDATA[	W&#228;hrend einige Firmen und Verlage, die Musik und Journalismus haupts&#228;chlich als Gesch&#228;ft begreifen, dass mit veralteten Gesch&#228;ftsmodellen weiter betrieben werden m&#252;sse (von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen ganz zu schweigen, die ihre &#246;ffentliche bezahlte T&#228;tigkeit offenbar haupts&#228;chlich als Einnahmequelle sehen), ist es vielleicht ganz erfrischend, wenn sich mal ein ansonsten eher abgespacter K&#252;nstler (was wahrlich nicht das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>W&#228;hrend einige Firmen und Verlage, die Musik und Journalismus haupts&#228;chlich als Gesch&#228;ft begreifen, dass mit veralteten Gesch&#228;ftsmodellen weiter betrieben werden m&#252;sse (von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen ganz zu schweigen, die ihre &#246;ffentliche bezahlte T&#228;tigkeit offenbar haupts&#228;chlich als Einnahmequelle sehen), ist es vielleicht ganz erfrischend, wenn sich mal ein ansonsten eher abgespacter K&#252;nstler (was wahrlich nicht das schlechteste Lebensmodell ist, um das noch zu sagen) zu Kunst und Computer &#228;u&#223;ert, n&#228;mlich hellsichtig. Wichtig ist hier selbstverst&#228;ndlich die letzte These.<br />
Hier die Thesen von <a href="http://www.ranret.de/">Ranret</a>, der aktuell noch bis Sonntag bei <a href="http://www.48-stunden-neukoelln.de/">48 Stunden Neuk&#246;lln</a> ausstellt.<br />
<img src='/images/DSC00110.JPG' width='500px' alt='Thesen von Ranret' /></p>

	<p>Aussehen tut die Kunst, auf die sich diese Thesen beziehen, dann unter anderem so:<br />
<img src='/images/DSC00111.JPG' width='500px' alt='Bild von Ranret' /><br />
Auch nicht das schlechteste, was je k&#252;nsterlich produziertwurde  (oder gerade in Neuk&#246;lln ausgestellt wird)</p>

 ]]></content:encoded>
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		<title>Biographisches Lernen im Alter oder Humankapital weiter nutzen?</title>
		<link>http://bildungundgutesleben.blogsome.com/2009/06/05/biographisches-lernen-im-alter-oder-humankapital-weiter-nutzen/</link>
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		<pubDate>Fri, 05 Jun 2009 19:04:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Zielgruppen</category>
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		<description><![CDATA[	Die Publikation Weiterbildung &#8211; Zeitschrift f&#252;r Grundlagen, Praxis und Trends, die fr&#252;her einmal GdWZ (Grundlagen der Weiterbildung) hie&#223; und vielleicht noch unter diesem Namen bekannt ist, ist schon l&#228;nger durch zwei widerstreitende Tendenzen gepr&#228;gt. Einerseits versucht die Zeitschrift Hinweise aus und f&#252;r die Praxis der Weiterbildung zu ver&#246;ffentlichen. Diese Praxis ist aktuell von einem Diskurs [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Die Publikation <em>Weiterbildung &#8211; Zeitschrift f&#252;r Grundlagen, Praxis und Trends</em>, die fr&#252;her einmal <em>GdWZ</em> (<em>Grundlagen der Weiterbildung</em>) hie&#223; und vielleicht noch unter diesem Namen bekannt ist, ist schon l&#228;nger durch zwei widerstreitende Tendenzen gepr&#228;gt. Einerseits versucht die Zeitschrift Hinweise aus und f&#252;r die Praxis der Weiterbildung zu ver&#246;ffentlichen. Diese Praxis ist aktuell von einem Diskurs gepr&#228;gt, der Lernende zu Kundinnen und Kunden von Bildungsangeboten erkl&#228;rt, Bildungsangebote deshalb auch vorrangig als Produkte begreift &#8211; mit den gesamten Problemen der Standardisierbarkeit, Abrechenbarkeit, Reproduzierbarkeit und Eingrenzung, die mit einem solchen Fokus auf soziale Prozesse einhergehen &#8211; und als Hauptgrund, teilweise auch einzigen Grund f&#252;r die Teilnahme an Bildungsaktivit&#228;ten ein direkten oder indirekten finanziellen Gewinn der Teilnehmenden antizipiert. Andererseits versucht die Zeitschrift <em>Weiterbildung</em> immer, wissenschaftliche Beitr&#228;ge, also haupts&#228;chlich erziehungswissenschaftliche, zum jeweiligen Heftthema einzuwerben. Diese wissenschaftlichen Beitr&#228;ge sind im allgemeinen ziemlich interessant und von gestandenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern geschrieben. Allerdings widersprechen sie als erziehungswissenschaftliche Texte best&#228;ndig den oftmals fast schon naiven Praxisbeitr&#228;gen.<br />
Man w&#252;rde vielleicht das Gegenteil erwarten, also das die wissenschaftlichen Texte viel Theorie und wenig Empirie liefern w&#252;rden, w&#228;hrend die praktischen Beitr&#228;ge die Realit&#228;t darstellten. Aber zumindest bei den meisten praktischen Texten in der <em>Weiterbildung</em> dr&#228;ngt sich der Eindruck auf, dass die jeweiligen Schreibenden eine relativ a-gesellschaftliche Sicht auf die Welt haben, die sich um ihr jeweiliges Projekt beziehungsweise ihre jeweilige Firma dreht und das sie mit Vorstellungen &#252;ber das Lernen und die Aneignung von Wissen arbeiten, die wenig mit dem zu tun haben, was die Erziehungswissenschaft &#8211; die allerdings auch oft darauf hinweist, dass sie selber bislang wenig Ahnung davon hat &#8211; &#252;ber die Gr&#252;nde f&#252;r den Erfolg und Misserfolg von Lernaktivit&#228;ten, &#252;ber die Formen der Aneignung von Wissen und die Gr&#252;nde f&#252;r die Teilnahme und Nichtteilnahme von Lernenden wei&#223;. Vielmehr ist diese &#8222;praktische Sicht&#8220; eher betriebswirtschaftlich und wenig p&#228;dagogisch und / oder didaktisch orientiert. (Das hat sein Gr&#252;nde, insbesondere bei freiberuflich Arbeitenden, die sich schlie&#223;lich best&#228;ndig Gedanken machen m&#252;ssen, wie sie sich finanzieren k&#246;nnen. Aber es ist doch fragw&#252;rdig, wie sie dies erfolgreich im Weiterbildungssektor tun k&#246;nnen, wenn sie kaum sagen k&#246;nnen, wie und wieso Menschen &#252;berhaupt etwas lernen. Vielleicht sagt das auch etwas &#252;ber die Qualit&#228;t der Weiterbildung aus.)<br />
Diese auff&#228;llige Ungleichzeitigkeit der Zeitschrift pr&#228;gt auch das aktuelle Heft der <em>Weiterbildung</em> zum Themenbereich &#8222;Lernen im Alter&#8220;. (Es hei&#223;t zwar &#8222;&#220;bergang Beruf &#8211; Ruhestand&#8220;, aber das ist im Heft nur ein &#8211; wichtiger &#8211; Punkt.)</p>

	<p><strong>Nutzung von Humanressourcen</strong><br />
Da gibt es beispielsweise die beiden Texte von <em>Hans-J&#252;rgen und Brigitte Mathias</em> und von<em> Dr. Christiana L&#252;tkes</em> [<em>Mathias, Hans-J&#252;rgen ; Mathias, Brigitte (2009) / Ohne Ruhe, ohne Stand : Beispiel: Seminare zur Gestaltung der dritten Lebensphase. &#8211; In: Weiterbildung 20 (2009) 3, S. 18-20</em> und <em>L&#252;tkes, Christiana (2009) / Freiwillige engagiert bleiben : Beispiel: Agentur f&#252;r gesellschaftliches Engagement. &#8211; In: Weiterbildung 20 (2009) 3, S. 21-23</em>]. Im ersten Text werden Seminare f&#252;r aus dem Dienst ausgeschiedene Berufssoldaten beschrieben (Die offenbar unter sich bleiben wollen, aber vielleicht ist das auch nur mein Eindruck. [1] ), die von den beiden AutorInnen organsiert werden. Der Text selber beschreibt wenig Spannendes. Es werden Seminare angeboten, die helfen sollen, die Situation nach dem Dienst (also &#8222;in Rente&#8220;, aber offenbar wird das nicht in dieser Terminologie benutzt, vielleicht klingt es zu zivil) besser durchzustehen. Es wird konstatiert, dass es offenbar ein Problem gibt, den notwendigen (neuen) Sinn im Leben zu finden. Immerhin waren die Seminare schnell ausgebucht, obwohl sie inhaltlich wenig Neues vermittelten, sondern einen &#220;berblick zu Themen wie Kunst, &#8222;Fragen, die unser Leben begleiten&#8220; [2] und den Leistungen des Sozialdienstes der Bundeswehr boten. Letztlich treffen sich haupts&#228;chlich katholische Zeitsoldaten im Ruhestand mit ihren Ehefrauen [3] und versuchen, sich auf die folgende Lebenszeit vorzubereiten. Wichtig ist den AutorInnen des Textes, darauf zu verweisen, das Zeitsoldaten auch nach ihrem Berufsleben ihre vollen F&#228;higkeiten nutzen k&#246;nnen sollen.<br />
Der zweite Text beschreibt &#8211; geschrieben von der Leiterin &#8211; die <em>Agentur f&#252;r gesellschaftliches Engagement</em> in Hamm. Diese Agentur versucht quasi zwischen sozialen Aufgaben und Seniorinnen und Senioren, die sich f&#252;r diese Aufgaben ehrenamtlich engagieren sollen, zu vermitteln. Es werden Projekte gesucht, die ehrenamtliche Hilfe gebrauchen k&#246;nnen und gleichzeitig Ehrenamtliche f&#252;r Projekte geworben. Die Ehrenamtlichen werden in diesen Projekten unter anderem p&#228;dagogisch unterst&#252;tzt. Sie lehren aus ihrer Erfahrung, arbeiten und lernen gleichzeitig etwas. Ist das schlecht? Nicht wirklich. Wer ehrenamtlich aktiv sein will, sollte dabei unterst&#252;tzt werden, auch p&#228;dagogisch. Und wer sich nicht selbstst&#228;ndig eine ehrenamtlich T&#228;tigkeit suchen will oder kann, sollte dabei auch unterst&#252;tzt werden. Das sollte in einer reichen Gesellschaft, wie der deutschen, die gleichzeitig eh zu wenig Arbeitspl&#228;tze hat, f&#252;r alle normal sein. Irritierend ist allerdings, wie selbstverst&#228;ndlich der Text davon ausgeht, dass Menschen nach ihrer Berufst&#228;tigkeit weiter in dem Bereich, in welchem sie zuvor arbeiteten, t&#228;tig sein wollen, auch ehrenamtlich. Man fragt sich beim Lesen des Textes willk&#252;rlich, warum sie fr&#252;her &#252;berhaupt daf&#252;r bezahlt wurden, wenn sie jetzt im Ruhestand so begeistert weiterarbeiten. Das ist relevant, weil auch die Bildungsangebote f&#252;r diese Ehrenamtlichen auf diese T&#228;tigkeiten im Ehrenamt zugeschnitten sind, nicht etwa auf die direkten Interessen der Seniorinnen und Senioren. [4]<br />
Es gibt noch einige dieser Texte, wichtig ist der Trend in ihnen: der Ruhestand wird als eine Phase beschrieben, die als sinnlos erlebt wird und als gr&#246;&#223;ter Wunsch der Seniorinnen und Senioren wird angenommen, das, was sie schon vorher getan haben, auch weiter tun zu wollen. Es geht um das Denken in Humanressourcen, welches Wissen und F&#228;higkeiten vor allem als Items begreift, welche best&#228;ndig im gesellschaftlich-produktiven Sinne angewandt werden m&#252;ssten. Die gesamten Bildungsangebote, die in diesen Texten beschrieben sind, zielen darauf ab, dies zu unterst&#252;tzen, also entweder Menschen dabei zu helfen, ihr Leben &#8222;sinnvoll&#8220;, dass hei&#223;t haupts&#228;chlich weiterhin produktiv, zu gestalten und / oder das vorhandene Wissen auch nach der Berufst&#228;tigkeit so weit zu updaten, wie es f&#252;r das Ehrenamt gebraucht wird.<br />
Gewiss gibt es Menschen, die von einem solchen Ansatz profitieren. Aber es ist dennoch eine relevante Einschr&#228;nkung der m&#246;glichen Bildungsgr&#252;nde von Menschen im Ruhestand. (Es ist auch eine ziemliche Einschr&#228;nkung der Gr&#252;nde f&#252;r ein ehrenamtliches Engagement, wenn man behauptet, dies w&#252;rde vor allem deshalb praktiziert, weil man quasi nach der Arbeit weiterarbeiten wollte.) Der Witz am Ruhestand ist ja, dass man dann nicht mehr der Arbeitsroutine und den Anforderungen des Arbeitsverh&#228;ltnisses unterworfen ist. Vielmehr kann man im Ruhestand, wenn man dazu Lust hat, auch einfach immer im Bett liegen bleiben und Fernsehen gucken oder, wenn die Rente reicht, auch st&#228;ndig auf Reisen sein oder nochmal Programmieren lernen und einen wichtigen Beitrag zur Fortentwicklung Freier Software leisten. Das ist die Entscheidung einzelner Menschen, nicht der Weiterbildungseinrichtungen, nicht der Gesellschaft und auch nicht der informellen Bildungsorte wie Bibliotheken. Alles andere ist eine Einschr&#228;nkung des Blickwinkels von gesellschaftlichen Einrichtungen, die Menschen im Ruhestand einfach nur als Tr&#228;ger ihres Berufswissens definieren. Daraus resultiert dann auch folgerichtig eine Einschr&#228;nkung der Bildungs- und Bet&#228;tigungsm&#246;glichkeiten dieser Menschen.</p>

	<p><strong>Warum lernen die Alten nicht, was sie lernen sollten?</strong><br />
<blockquote>Wenn kein Sinn (mehr) gesehen wir in weiterer Bildungsakkumulation, dann braucht es allerdings Seminare, die ihren Sinn erst einmal finden lernen lassen, die den Alten, die in die erwerbsarbeitsfreie Lebensphase &#252;bergehen, aufzeigen, was sie dann noch &#8222;Sinnvolles&#8220; tun k&#246;nnen &#8211; um dies schlie&#223;lich als Ergebnis eines autonomen Erkenntnis- und selbstgesteuerten Entscheidungsprozesses verstehen zu k&#246;nnen. [&#8230;] W&#228;re es nicht angemessener, die Alten selbst entscheiden zu lassen, was sie tun wollen und was nicht, anstatt ihnen das Gef&#252;hl zu suggerieren, ohne entsprechende Aktivit&#228;ten nur noch &#8222;altes Eisen&#8220; zu sein? [Bolder, Axel (2009) / Suggerierter Bildungsbedarf? : Gegenrede: Von P&#228;dagogik und Andragogik zur Geragogik. &#8211; In: Weiterbildung 20 (2009) 3, S. 24-26, Seite 26]</blockquote><br />
Nur einige Seiten weiter steht im gleichen Heft das gerade zitierte Fazit. (Okay, das ist etwas getrickst, weil die Rubrik, in der der Text steht, nicht umsonst Gegenrede hei&#223;t. [5] ) <em>Axel Bolder</em> kritisiert in seinem Text gerade die Vorstellung, die in den beiden besprochenen Texten so explizit ge&#228;u&#223;ert wird: dass die Seniorinnen und Senioren lernen m&#252;ssten, in ihrem Leben nach der Karriere einen Sinn zu finden und dass sie daf&#252;r viel lernen m&#252;ssten. Er konstatiert vielmehr, dass ein Gro&#223;teil der Bildungsangebote f&#252;r diese Zielgruppe vollkommen an deren Interessen vorbei geplant ist und diese deshalb auch nicht funktionieren.<br />
Als einen wichtigen Grund f&#252;r dieses Zustand beschreibt er (wieder einmal) die in der Bildungsplanung verbreitete Vorstellung von Bildung, als eine T&#228;tigkeit, die &#8222;sich lohnen m&#252;sse&#8220; (und wenn es &#8222;ideeller&#8220; Art sei). Diese Unterstellung findet sich in den Konzepten von Bildungsangeboten und Bildungseinrichtungen tats&#228;chlich best&#228;ndig wieder, sobald sich diese stark am betriebswirtschaftlichen Denken orientieren. Gerade in seiner platten Form au&#223;erhalb der Universit&#228;ten operiert dieses Denken heutzutage zumeist mit einem sehr sehr simplen Modell um zu erkl&#228;ren, warum Menschen Kaufentscheidungen treffen. Die Idee ist, dass Menschen nur dann Dinge kaufen, wenn sie darin einen Sinn sehen k&#246;nnen. Es wird unterstellt, dass dieser Sinn immer rekonstruierbar sei und deshalb die Kaufentscheidungen immer in gewisser Weise rational w&#228;ren. Als Hauptgrund f&#252;r eine solche rationale Entscheidung wird der Preis angenommen, aber das ist nur ein erster Ansatz. Die tats&#228;chlichen Gr&#252;nde f&#252;r Kaufentscheidungen sind selbstverst&#228;ndlich komplexer, deshalb wird zu dieser Theorie auch immer wieder einmal eine neue Kategorie an &#8222;rationalen Gr&#252;nden&#8220; hinzugef&#252;gt (beispielsweise Wohlbefinden, langfristige Kostenanalyse, Wissen / Nicht-Wissen um Alternativen, Vertrautheit mit einem Produkt etc.). Gleichzeitig betonen die intellektuellen Vertreterinnen und Vertreter immer wieder, dass dies nur ein Modell sei, dass selbstverst&#228;ndlich nicht das gesamte Handeln von Menschen erkl&#228;ren k&#246;nnte. Das scheint aber oft nicht bei denen anzukommen, welche diesen Denkansatz popularisieren. Nimmt man diesen Ansatz aber her und definiert auch Bildungsaktivit&#228;ten als Produkt, dann ist es nur folgerichtig, davon auszugehen, dass die Entscheidung von Menschen f&#252;r eine Bildungsaktivit&#228;t immer einen Sinn haben muss und nicht einfach so oder aus reinem Interesse gef&#228;llt wird. Es ist auch folgerichtig anzunehmen, dass Menschen, die bestimmte Bildungsangebote nicht wahrnehmen, einfach den Sinn dieser Angebote f&#252;r ihr Leben nicht begriffen haben und das sie deshalb vor allem diesen Sinn begreifen m&#252;ssen, um dann selbstmotiviert zu lernen. Bolder meint zu Recht, dass das so nicht funktioniert, insbesondere nicht im Leben im Ruhestand und unter dem modernen Paradigma vom Lebenslangen Lernen als Aufrechterhaltung der Besch&#228;ftigungsf&#228;higkeit durch Bildung. Er f&#252;hrt die Thematisierung von quasi-arbeitsmarkt&#228;hnlichem Lernen f&#252;r das Ehrenamt nach der Berufst&#228;tigkeit auch auf die Interessen der Bildungsanbieter zur&#252;ck, die zuvorderst daran interessiert seien, zu &#252;berleben und nicht, die Interessen der Rentnerinnen und Rentner zu ber&#252;cksichtigen.<br />
Aber es geht nicht nur um diese &#246;konomische Perspektive. <em>Prof. Dr. Peter Faulstich</em> postuliert in seinem Text [<em>Faulstich, Peter (2009) / Lebensentfaltende Bildung : Zielsetzung von Lernen im Alter. &#8211; In: Weiterbildung 20 (2009) 3, S. 8-11</em>], dass es weit mehr Barrieren und Gr&#252;nde daf&#252;r gibt, dass Rentnerinnen und Rentner nicht so lernen, wie sich das im Praxisteil der gleichen Zeitschrift (oder auch aktuell in Brosch&#252;ren des Bundesministerium f&#252;r Bildung und Forschung) vorgestellt wird. Zum einen zeigt er, dass die Vorstellungen davon, was im Alter gelernt wird und werden soll, vom Bild einer Gesellschaft &#252;ber dieses Lebensalter abh&#228;ngt. Das scheint keine gro&#223;e Erkenntnis zu sein, zeigt aber noch, dass die Vorstellung, dass sich Bildungsinhalte quasi &#8222;nat&#252;rlich&#8220; aus der Entwicklung der Gesellschaft und der Menschen erg&#228;ben, gerade f&#252;r das &#8222;dritte Lebensalter&#8220; Unsinn ist. Es ist vielmehr ein Zusammenspiel aus individuellen Faktoren, gesellschaftlichen Rahmendingungen, Altersbildern der Gesellschaft, das bestimmt, ob und wenn ja, wie im Alter was gelernt wird. Der Text selber ist zu kurz, um &#252;ber einige Hinweise hinausgehend diesen Zusammenhang gr&#252;ndlicher darzustellen. Faulstich verweist aber weiterhin darauf, dass auch eine zu naive Lerntheorie dazu beitragen kann, dass Bildungsaktivit&#228;ten oder die Unterst&#252;tzung selbstmotivierter Lernaktivit&#228;ten vollkommen falsch geplant werden. Wenn Lernen als ein Wissen-einimpfen (oder upleveln) verstanden wird und nicht als produktiver Prozess, in dem die Lernenden haupts&#228;chlich selber Wissen generieren oder auch nicht generieren und der auch andere Gr&#252;nde haben kann, als die reine Wissensaneignung, dann ist eine Planung von Bildungsaktivit&#228;ten, die haupts&#228;chlich von der Frage ausgeht, was f&#252;r Wissen die Teilnehmenden am Ende haben sollen, kontraproduktiv. Weitergehend kritisiert Faulstich das Modell, Bildung haupts&#228;chlich als Verringerung eines Defizits anzusehen. Er pl&#228;diert vielmehr daf&#252;r, von einem Prozess auszugehen, der die Pers&#246;nlichkeit der  Lernenden &#8222;entfalten&#8220; hilft.</p>

	<p><strong>Bibliotheken</strong><br />
Bibliothekarinnen und Bibliothekare machen sich ja gerne einen Spa&#223; daraus, nach zu schauen, ob in irgendwelchen Texten Bibliotheken erw&#228;hnt werden. In der <em>Weiterbildung</em> (zumindest in der aktuellen Ausgabe) k&#246;nnen sie sich wieder einmal aufregen: sie werden nicht erw&#228;hnt.<br />
Das hei&#223;t wieder einmal nicht, dass die Texte f&#252;r die Arbeit in Bibliotheken sinnlos w&#228;ren. Vielmehr gab es in den letzten Monaten einige publizierte &#220;berlegungen zur bibliothekarischen Arbeit f&#252;r und mit Menschen im Ruhestand. Nicht alle diese Arbeiten waren gleich sinnvoll, vielmehr scheinen sie zum Teil auch die Defizite aufzuweisen, die weiter oben f&#252;r den praktischen Teil der aktuellen Ausgabe der <em>Weiterbildung</em> benannt wurden und den Ruhestand haupts&#228;chlich als einen Zeitraum wahrzunehmen, in welchem Leute ihr Arbeitsleben weiter fortsetzen wollen, nur halt mit einem anderen Finanzierungsmodell. Gerade deshalb w&#228;ren die erziehungswissenschaftlichen Texte der <em>Weiterbildung</em> auch f&#252;r bibliothekarische Diskussionen sinnvoll, weil sie zeigen, dass es so einfach nun auch nicht ist. Schlie&#223;lich, um das nochmal zu sagen, hat man als Rentnerin oder Rentner auch das Recht, die ganze Zeit nur Fernsehen zu schauen und sich um jedes Buch, jede Zeitschrift und jede weitere Lernaktivit&#228;t zu dr&#252;cken, egal wie gut die Bibliothek um die Ecke arbeitet oder wie viele Freiwilligenagenturen im Kiez aktiv sind. Das ist ja der Witz an der Rente &#8211; man hat lange genug gearbeitet, um endlich von den Zumutungen der Gesellschaft und des Arbeitsmarktes frei zu sein, wenn man das m&#246;chte. Muss man sich als Bibliothek deshalb &#228;rgern, wenn nicht allzu viele Rentnerinnen und Rentner zum Publikum z&#228;hlen? Nein, vielleicht haben sie einfach kein Interesse. Aber f&#252;r die, die ein Interesse haben, sollte man da sein und zwar nicht mit der Zumutung, jetzt weiter zu lernen, als g&#228;lte es nochmal einen Arbeitsplatz zu ergattern.</p>


	<p><blockquote><br />
Fu&#223;noten:<br />
[1] Aber ich war ja aus guten Gr&#252;nden auch nicht beim Bund.<br />
[2] Das w&#228;re anderswo wohl &#8222;angewandte Ethik&#8220; oder auch &#8222;Alltagsphilosophie&#8220;, allerdings werden die Seminare unter der Schirmherrschaft des Katholischen Milit&#228;rbischofs organisiert, deshalb ist das Lernziel, dass den Teilnehmenden deutlich wird &#8222;,dass Gott ein zuverl&#228;ssiger Begleiter auf den jeweiligen Lebenswegen ist.&#8220; Nun ja. Da kann man auch anderer Meinung sein, zum Gl&#252;ck.<br />
[3] Okay, der Text hat mich doch schon einigerma&#223;en genervt. Ehefrauen werden offenbar vorausgesetzt. Mag sein, dass das bei den katholischen Zeitsoldaten, die aktuell in Rente gehen, noch normal ist, aber wieso muss das so absolut gesetzt werden? Muss man erstens heterosexuell sein, wenn man Zeitsoldat wird, zweitens ein Mann und drittens auch noch heiraten wollen? Im 21. Jahrhundert?<br />
[4] Es wird nicht &#252;berall so sein, aber in Berlin-Neuk&#246;lln, wo ich wohne, tauchten auch schon Aush&#228;nge f&#252;r eine Ehrenamtlichen-B&#246;rse auf, die suggerierten, dass es quasi die Pflicht der Seniorinnen und Senioren sei, sich zu melden, weil einige &#8211; bestimmt wichtige und inhaltlich zu unterst&#252;tzende &#8211; Vereine und Institutionen Bedarf an Ehrenamtlichen h&#228;tten. Es gab dann Termine, bei denen die potentiellen Ehrenamtlichen sich vorstellen durften und &#8211; so zumindest die Terminologie die Aush&#228;nge &#8211; zugewiesen wurden. Vielleicht w&#228;chst man irgendwann in so ein Denken hinein, wenn man in solchen Ehrenamtsagenturen arbeitet, wo bestimmt die Zahl der Vermittlung in &#8222;freie Ehrenamtsstellen&#8220; eine Kennziffer f&#252;r die weitergehende Finanzierung darstellt und meint es noch nicht mal schlecht. Sichtbar wird in diesem Beispiel aber neben dem unversch&#228;mten Anspruch, alle m&#252;ssten quasi solange sie noch gehen k&#246;nnen irgendwie arbeiten, auch, dass bei einer zu starken Institutionalisierung dieser Ehrenamtlichen-Hilfe die Gefahr besteht, dass man nicht mehr von den Interessen der potentiellen Helfenden ausgeht, sondern von den Anforderungen &#8222;der Gemeinschaft&#8220;.<br />
[5] Diese Rubrik gibt es &#252;brigens in jeder Ausgabe der Weiterbildung. Man stelle sich mal vor, in der BuB g&#228;be es eine solche Rubrik, in der best&#228;ndig dem, was im Heftschwerpunkt besprochen w&#252;rde, widersprochen wird. Grund daf&#252;r g&#228;be es oft, aber es scheint nicht so zu sein, dass eine solche Kritik im Bibliothekswesen so sehr gew&#252;nscht ist, wie sie in den meisten p&#228;dagogischen Zeitschriften explizit gef&#246;rdert wird.<br />
</blockquote></p>
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	</item>
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		<title>Medienkonsum und Medienaneignung</title>
		<link>http://bildungundgutesleben.blogsome.com/2009/05/20/medienkonsum-und-medienaneignung/</link>
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		<pubDate>Wed, 20 May 2009 16:45:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Grundsätzliches</category>
	<category>Medien</category>
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		<description><![CDATA[	Diesen Beitrag w&#252;rde ich gerne mit einem Video beginnen:

	

	Okay, seriously: What&#8217;s going on? Zwei Klischeefiguren treffen sich auf dem Dach eines Chicagoer Parkhauses, offenbar kennen sie sich und beginnen sich zu pr&#252;geln, dann verfolgen sie sich aus dem Parkhaus hinaus in ein Hotel und dort wird es nur noch absurder. Erst greift eine Frau, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Diesen Beitrag w&#252;rde ich gerne mit einem Video beginnen:</p>

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	<p>Okay, seriously: What&#8217;s going on? Zwei Klischeefiguren treffen sich auf dem Dach eines Chicagoer Parkhauses, offenbar kennen sie sich und beginnen sich zu pr&#252;geln, dann verfolgen sie sich aus dem Parkhaus hinaus in ein Hotel und dort wird es nur noch absurder. Erst greift eine Frau, die ebenfalls wie ein Klischeebild heruml&#228;uft, auf der Seite der einen Klischeefigur in den Kampf ein, dann ein Typ mit Gitarre auf der anderen Seite und dann wird es immer voller. Ein Franzose, eine Frau mit Sozialarbeiterinnenauftreten, ein Riese mit einem kleineren Begleiter, weitere Klischeegestalten, ein Australier mit starkem Akzent, eine viel zu schnell sprechende Black Woman, ein Frau mit lila Harren und es geht immer weiter. Sie tauchen auf, trennen sich in zwei Gruppen unter der F&#252;hrung der ersten beiden Klischeegestalten &#8230; and kick some ass. Das ist alles nicht ganz ernstzunehmen, sondern wie im Wrestling vollst&#228;ndig &#252;berspitzt. So tauchen mehrere Spielzeugpistolen auf, danach eine Comicfigur (&#8222;Super Mecha Death Christ&#8220;) &#8211; ein Panzer mit Jesuskopf und weiteren Waffen &#8211; der von einem Donkeykong mit Jesuskopf (&#8222;Giant Robotic DonkeyKong Jesus&#8220;) zum Kampf herausgefordert wird, welcher in der Skyline von Chicago in einem Atompilz endet, woraufhin der Kampf im Raum weitergeht. Kumulieren tut dies in einer klischeehaften Ansprache einer weiteren Figur, die auf englischer Gentleman getrimmt ist, und beinhaltete, &#8222;that war is never the answer&#8220; und man sich lieber zusammentun solle, &#8222;to hate other things&#8220;. Alle nicken, stellen sich zum Gruppenbild auf und &#8230; das war es. Obwohl dieses Video eindeutig keine Hollywood-Produktion ist und bestimmt f&#252;r viele Menschen vollkommen verwirrend, ist es doch so etwas wie ein Meisterwerk. Zumindest ist es ein Meilenstein, den man sp&#228;ter hervorzeigen kann, wenn man den Zeitpunkt zu bestimmen versucht, an dem eine weitere wichtige Wende in der gesellschaftlichen Mediennutzung eintrat, so wie man heute die ersten Internetseiten oder handkopierten Fanzines vorzeigt.<br />
Das Video ist eine Zusammenarbeit einer ziemlich gro&#223;en (und fast vollst&#228;ndigen) Zahl von jungen Menschen, die in den letzten Monaten bzw. Jahren eine eigenst&#228;ndige Form von Medienproduktion etabliert haben, welche sie selber als &#8222;Reviews&#8220; bezeichnen. Praktisch sind dies selbst produzierte Internetserien, in denen sie Figuren verk&#246;rpern, welche (zumeist &#228;ltere) Filme, Spiele, Comics, Mangas etc. ziemlich b&#246;sartig besprechen, diese Besprechungen mit schauspielerischen Inhalten f&#252;llen und dabei eigenst&#228;ndige Bewertungssysteme verwenden, welche den Nutzerinnen und Nutzern von Medien n&#228;her zu stehen scheinen, als die Bewertungen in Besprechungszeitschriften und den Vorstellungen der Medienmacher. Interessant dabei ist, dass alle diese Serien tats&#228;chlich einen eigenen Stil entwickelt haben, der sogar eine jeweils eigene Bild&#228;sthetik beinhaltet. Das alles ist ein St&#252;ck der Internetkultur geworden.<br />
Das Video bezieht sich nun auf den ersten Geburtstag eines Portals names <a href="http://www.thatguywiththeglasses.com" target="_blank">thatguywiththeglasses.com</a>. &#8222;That Guy&#8220; ist eine Person (Doug Walker), die gleich drei unterschiedliche Figuren darstellt und zugleich mit einem Team diese Seite geschaffen hat, welche einen Gro&#223;teil der Personen, die in diesem Video auftreten, eine gemeinsame Plattform gibt, obwohl sie fast alle weiterhin ihre eigenen Homepages / Blogs / Youtube-Accounts betreiben. [1] Vor einigen Monaten rief diese Seite zu einer Spendensammlung f&#252;r &#8222;ein gro&#223;es Ding&#8220; auf und als ein Teil dieses &#8222;gro&#223;en Dings&#8220; ist dieses Video zu verstehen. Die Spenden wurden verwendet, um all die Personen im Video und einige Teammitglieder mehr in Chicago zusammenzubringen und ein mehrt&#228;giges Treffen zu veranstalten, w&#228;hrend dem mehrere gemeinsame Filme gedreht wurden. (Dies bedeutete Fl&#252;ge aus der gesamten <span class="caps">USA</span>, aus Gro&#223;britannien und Australien und die Finanzierung des Aufenthalts. Auch wenn die Produktionskosten von Filmen sich heute &#8211; in einem Raum voller Nerds, die allesamt mit ihren Rechnern ordentlich umgehen k&#246;nnen &#8211; relativ gering sind, ist es doch beachtlich, dass durch Mirkospenden &#252;ber eine noch nicht einmal ein Jahr alte Seite eine solche Veranstaltung finanziert werden konnte. Soviel zur Immaterialit&#228;t des &#8222;Virtuellen&#8220;.) Das Video, auf welches ich verweise, ist offenbar der umfangreichste dieser Filme, aber es sind schon zahlreiche weitere Filme und Podcast erschienen und noch mehrere angek&#252;ndigt.<br />
Die etwas d&#252;rftige Story des Filmes ist ein guter Aufh&#228;nger f&#252;r das Schaulaufen all der Personen, die bei diesem Treffen dabei waren. Sie haben allesamt ihren eigenen Auftritt und k&#246;nnen zahlreiche Insiderwitze, die sich auf ihre Figur, ihre Serie, Inhalte, f&#252;r die sie bekannt sind oder die sie behandelt haben, beziehen, einbringen und damit spielen. Zudem ist das Video von weiteren Anspielungen auf Spiele, Filme und andere kulturelle Produkte geschickt. Sicherlich ist deshalb das Video f&#252;r sich alleine nicht wirklich aufregend &#8211; obwohl die schauspielerischen Leistungen f&#252;r eine Amateurproduktion von Menschen, die zumeist gar nicht Schauspielerinnen und Schauspieler sein wollen, beachtlich sind &#8211;, aber f&#252;r diese Internetkultur, in der diese Personen bekannt sind, ist es bislang eines der gr&#246;&#223;ten dekbaren Ereignisse.<br />
Man k&#246;nnte sich den Spa&#223; machen, die ganzen Auftretenden mit ihren Serien darzustellen auf ihre jeweiligen Figuren, Themen und Eigenheiten hinzuweisen und die Insider aufzul&#246;sen. Aber darum soll es hier nicht gehen. [2] Wichtig ist mir der Hinweis auf diese Quasi-Subkultur (die Klickzahlen auf thatguywiththeglasses.com von jeweils &#252;ber 100.000 pro Video zeigen, dass es keine kleine Kultur ist) von Reviewern vornehmlich &#228;lterer Medienprodukte. Die Darstellenden rekrutieren sich aus einer Generation, welche in einem von zahlreichen unterschiedlichen Medien gepr&#228;gten Alltag aufgewachsen ist. Ihre Kreativit&#228;t basiert auf einer best&#228;ndigen Reflexion, Parodie, Auf- und Verarbeitung dieser Medien, verbunden mit einem hohen Ma&#223; an eigenem Wissen und eigener Kreativit&#228;t. Auch diese Generation beweist also etwas, was bei den Diskussionen um Medien, Medienkonsum und Medienwirkung leider auch immer wieder vergessen wird: Medienkonsum findet nicht eindimensional statt und die Nutzerinnen und Nutzer von Medien (was ein besser Begriff ist, als beispielsweise Zuschauerinnen und Zuschauer) sind keine reinen Resonanzobjekte, welche der Wirkung von Medien bedingungslos ausgesetzt sind, vielmehr bedeutet die Konsumtion von Medien immer einen aktiven Prozess, der neben der Aufnahme und Interpretation der Medieninhalte und -formen auch eine soziale T&#228;tigkeit darstellt. Sicherlich formt sich dies nicht immer in solchen Videos, wie dem genannten, aus, aber es ist einfach auch bei &#8222;der Internetgeneration&#8220; nicht m&#246;glich, zu einfache Medienkonsumtionsmodelle zu nutzen. Wenn man wissen will, wie Medien wirken, muss man schauen, was Menschen damit machen.</p>

	<p><strong>Mangelhafte Mediennutzungstheorie und -forschung</strong><br />
<blockquote>&#8222;In der empirisch vorfindlichen Realit&#228;t muss ein solches Verst&#228;ndnis [vom einfachen Zusammenhang zwischen Mediennutzungsh&#228;ufigkeit und Medienwirkung, K.S.] zwangsl&#228;ufig scheitern, denn einzelne Medien lassen sich weder in ihrer nachweislichen Wirksamkeit r&#228;umlich und zeitlich eindeutig identifizieren noch in dem wachsenden konvergierenden Medienverb&#252;nden isolieren. Vor allem finden ihre Nutzung und Rezeption nicht im klinischen Labor statt, vielmehr sind sie eingebettet in soziokulturelle Kontexte, allt&#228;gliche Handlungen, personelle Interaktionen, psychosoziale Befindlichkeiten.&#8220; [K&#252;bler, Hans-Dieter / Mediensozialisation &#8211; ein Desiderat zur Erforschung von Medienwelten : Versuch einer Standortbestimmung und Perspektive. &#8211; In: Diskurs Kindheits- und Jugendforschung, 4 (2009) 1, S. 16]</blockquote><br />
Die <a href="http://www.diskurs-kindheits-und-jugendforschung.de/texte/aktheft.html" target="_blank">aktuelle Nummer der Zeitschrift &#8222;Diskurs Kindheits- und Jugendforschung&#8220;</a> passt mit ihrem Schwerpunkt &#8222;Medienkompetenz in der Kindheit&#8220; zu diesem Hinweis. Der Schwerpunkt geht von dem Ph&#228;nomen aus, dass es zwar sehr viele Vorstellungen und Aussagen zum Mediennutzungsverhalten von Kinder und Jugendlichen gibt, ebenso zahlreiche Einsch&#228;tzungen dazu, wie diese Mediennutzung auf Kinder und Jugendliche wirkt, insbesondere solche, die vor m&#246;glichen Gefahren warnen &#8211; aber gleichzeitig nur sehr wenig Wissen &#252;ber die tats&#228;chliche Medienkonsumtion von Kindern und Jugendlichen und vor allem &#252;ber ihre Verarbeitung von Medienerfahrungen. Oder anders gesagt (auch wenn das im Heft nicht so offen getan wird): es gibt viel Pseudowissen und Angst, aber nur wenige realistische Einsch&#228;tzungen.<br />
Die &#8222;Diskurs Kindheits- und Jugendforschung&#8220; versucht nun, eine Forschung zu etablieren, die Kindheit und Jugend als ganzheitlichen Lebensverlauf wahrnimmt und darauf fokussiert, Entwicklungen einsch&#228;tzen und weniger definitive Aussagen zu machen. (Was sie von einer politischen Haltung unterscheidet, die gerne klare und einfach Aussagen und Anweisungen h&#246;rt, aber das ist ja ein bekanntes Vermittlungsproblem von Wissenschaft.) Deshalb gehen die Beitr&#228;ge im Heft vor allem davon aus, dass es darum geht, was Kinder und Jugendliche aus Medien machen, d.h. wie sie diese interpretieren und umgestalten. Aussagen wie, das ist gut, das ist schlecht, das m&#252;ssen Kinder und Jugendliche unbedingt lernen etc. finden sich kaum.<br />
Insbesondere der am Anfang dieses Abschnitts zitierte Text von Hans-Dieter K&#252;bler stellt dar, wie wenig die Wissenschaft und die Gesellschaft &#252;berhaupt &#252;ber dieses Feld &#8222;Mediennutzung&#8220; wissen. Er schie&#223;t sich dabei wieder einmal &#8211; aber auch nicht unberechtigt &#8211; auf den notorischen Christian Pfeiffer und dessen Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen ein, dass ja f&#252;r ihre ziemlich monokausale und effektheischende Aussagen bekannt ist, unter anderem zum angeblichen Zusammenhang von Medienkonsum und Gewalt oder von Medienkonsum und Schulerfolg. K&#252;bler zeigt auf, dass Studien, f&#252;r die Pfeiffer stellvertretend steht, die einen einfachen Zusammenhang von so-und-so-viel-solcher-Medien-konsumiert (Fernsehen, Computerspiele etc.) und deshalb dies-und-das-gemacht (schlecht in der Schule abgeschnitten, wenig gelernt, gewaltt&#228;tig geworden etc.) mitnichten etwas &#252;ber die tats&#228;chliche Funktion von Medien aussagen. Er spricht davon, dass solche Studien &#8222;Thesen von der &#252;berbordenden Wirkungsmacht der Medien&#8220; [K&#252;bler (2009), a.a.O., S. 16] verbreiten, die Kinder und Jugendliche zu willenlosen Subjekten degradieren und weder empirisch noch theoretisch zu halten w&#228;ren.<br />
Vielmehr pr&#228;feriert er ein Konzept der Medienaneignung (und nicht der Medienwirkung), welches mit reflektiert, dass es immer einen Zusammenhang von Gesellschaft, Medien und Individuen gibt, welcher ein mehrseitiges Verh&#228;ltnis darstellt, dass weder ein reines Subjekt/Objekt-Verh&#228;ltnis (oder in der deutschen Tradition: Herr/Knecht-Verh&#228;ltnis) reproduziert, noch vollkommen individualisiert abl&#228;uft. Ein gesellschaftlich gepr&#228;gtes und konstituiertes Individuum mit einem eigenen Geist eignet sich nach diesem Konzept also ein gesellschaftlich gepr&#228;gtes und von Individuen produziertes Medium an; es gibt keine einfache Wirkung vom Medium oder dem Inhalt des Mediums auf die Individuen, sondern eine mehr oder wenig bewusste Auswahl, Interpretation und Neufassung. Dabei verweist K&#252;bler darauf, dass man insbesondere bei der zunehmend komplexer werdenden Medienwelt nicht so sehr von einer p&#228;dagogisch gesteuerten Mediensozialisation ausgehen kann. Vielmehr spricht er davon, dass der kindliche und jugendliche Medienkonsum eine &#8222;Selbstsozialisation&#8220; [K&#252;bler (2009), a.a.O., S. 21] darstellt.<br />
Schlie&#223;en tut K&#252;bler mit der Feststellung, dass es gerade keine einheitliche Theorie der Mediensozialisation g&#228;be, aber eine Mediensozialisationsforschung &#8211; die seiner &#220;berzeugung nach viel von den Cultural Studies lernen k&#246;nnte &#8211; notwendig und sinnvoll w&#228;re.</p>

	<p><strong>Selbstsozialisation</strong><br />
In einem weiteren Artikel der angef&#252;hrten Nummer der &#8222;Diskurs Kindheits- und Jugendforschung&#8220; [Raufelder, Diana ; Fraedrich, Eva ; B&#228;sler, Sue-Ann ; Ittel, Angela / Reflexive Internetnutzung und mediale Kompetenzstrukturen im fr&#252;hen Ju&#173;gendalter: Wie reflektieren Jugendliche ihre Internetnutzung und welche Rolle spielen dabei Familie und Peers?. &#8211; In: Diskurs Kindheits- und Jugendforschung, 4 (2009) 1, S. 41-55] stellen Diana Raufelder, Eva Fraedrich, Sue-Ann B&#228;sler und Angela Ittel eine Studie vor, bei der sie mithilfe von qualitativen Interviews von 15 Grundsch&#252;lern und 15 Grundsch&#252;lerinnen aus Berlin (11-14 Jahre) untersuchten, wie Jugendliche  Medien rezipieren. Sie &#252;bernahmen dazu ein <a href="http://www.uni-magdeburg.de/iew/web/Marotzki/03-04/Medienbildung/Groeben.htm" target="_blank">Modell von Norbert Groeben</a>, dem man nicht unbedingt folgen muss, dass aber in der (deutschen) Mediennutzungsforschung weit verbreitet ist. Es umfasst sieben Dimensionen:<br />
<ol></p>
	<p><li>Medienwissen / Medialit&#228;tsbewusstsein</li><br />
<li>Medienspezifische Rezeptionsmuster (d.h. technische F&#228;higkeiten)</li><br />
<li>Medienbezogene Genussf&#228;higkeit</li><br />
<li>Medienbezogene Kritikf&#228;higkeit</li><br />
<li>Selektion / Kombination von Mediennutzung</li><br />
<li>Partizipation</li><br />
<li>Anschlusskommunikation</li><br />
</ol></p>
	<p>Die Autorinnen der Studie versuchten, im Rahmen ihrer Interviews zu diesen sieben Dimensionen Aussagen zu erhalten. Hatten die untersuchten Jugendlichen F&#228;higkeiten auf diesen Gebieten? Welche? Woher hatten sie diese? Wer arbeitet mit ihnen daran, diese F&#228;higkeiten zu verbessern? Oder tat dies niemand?<br />
Selbstverst&#228;ndlich sind qualitative Studien nicht einfach f&#252;r die gesamte Gesellschaft zu verallgemeinern, aber sie bieten doch einen Einblick in das Funktionieren der Gesellschaft. Das Ergebnis der Studie zeigte nun, dass es bei allen Jugendlichen ein relativ hohes Wissen um die Medialit&#228;t von Medien gab, dass also kaum das, was als Inhalt vermittelt wurde, einfach so als Wahrheit akzeptiert wird. Gleichzeitig zeigte sich ein Zusammenhang von Mediennutzung und Medienwissen. Je mehr Erfahrungen die Jugendlichen mit dem Internet gesammelt hatten, umso mehr Kompetenz hatten sie, um sich mit diesem Medium differenziert auseinander zu setzen. Raufelder, Fraedich, B&#228;sler und Ittel sprechen davon, dass die Jugendliche selbstst&#228;ndig ein &#8222;reflexives Bewu&#223;tsein&#8220; entwickelt h&#228;tten. Zwar fehlt dem Artikel eine Reflexion dar&#252;ber, ob alle Jugendliche dazu in der Lage sind, dieses &#8222;Bewu&#223;tsein&#8220; zu entwickeln, oder ob nicht &#8211; wie zu vermuten ist &#8211; Jugendliche in bestimmten sozialen Lagen daf&#252;r andere Chancen haben, als Jugendliche ich anderen sozialen Lagen. Von diesem Manko abgesehen, l&#228;sst sich doch die Feststellung nicht wegdiskutieren, dass es vor allem die Jugendlichen selber waren und sind (und eben nicht die Schulen oder andere Erziehungseinrichtungen oder gar irgendwelche Jugendhilfeverb&#228;nde oder das Familienminsterium), welche die Hauptarbeit bei der Ausbildung ihres Medienbewusstseins leisteten.<br />
Ein weiteres Ergebnis der Studie war, dass Familien und andere Erziehungsinstitutionen haupts&#228;chlich kritische Einsch&#228;tzung zu Medien abgeben und Regeln vorgeben &#8211; welchen von den Jugendliche meist mit einen relativ gro&#223;en Verst&#228;ndnis gegen&#252;bergetreten wird &#8211;, w&#228;hrend die Medienkommunikation, also die Kommunikation &#252;ber und mit Medien, haupts&#228;chlich in den Peergroups der Jugendlichen stattfindet.<br />
<blockquote>&#8222;[W]&#228;hrend es in der Familie vorrangig um das Aushandeln der Rahmenbedingungen (Regeln) im Bezug auf die Internetnutzung geht, erleben Jugendliche mit ihren Freunden das Internet h&#228;ufiger als gemeinsame Freizeitaktivit&#228;t und Kommunikationsplattform. Neben dem Austausch der Inhalte (gemeinsame Interneterfahrungen), ist das Nutzungsverhalten der Jugendlichen in ihrer Peer-Group vor allem durch mediale Kommunikation (Chatten/E-Mail) gepr&#228;gt.&#8220; [Raufelder / Fraedrich / B&#228;sler / Ittel (2009), a.a.O., S. 54]</blockquote><br />
Das scheint nun keine umwerfend neue Erkenntnis zu sein, aber es ist immer wieder gut, daran zu erinnern, dass Menschen besonders mit &#8222;Gleichen&#8220; &#252;ber Medien kommunizieren (in einer Subkultur ist das ja nicht anders) und eben nicht mit &#8222;Au&#223;enstehenden&#8220;, die ehedem zumeist wenig Positives in den jeweiligen Medien zu sehen scheinen. Das setzt der Intervention in jedes Mediennutzungsverhalten selbstverst&#228;ndlich bedeutsame Grenzen.</p>

	<p><strong>Junior: andere Gesellschaft, schlechteres Leben, (bessere Musik,) gleiche Schlussfolgerung</strong><br />
<blockquote>&#8222;Ich verstehe nicht, warum die jungen Leute von Waffen angezogen werden, wenn sie sehen, dass alle ihre Freunde abgeknallt werden.&#8220;<br />
&#8222;Das ist eine Kultur. Wenn du in der Kirche aufw&#228;chst, machst du dir die Bibel zu Eigen, und wenn du im Getto mit Waffen aufw&#228;chst, machst du dir die Waffen zu Eigen &#8230;&#8220;<br />
&#8222;Die Leute sagen, daran seien die Filme mit Gewaltszenen schuld.&#8220;<br />
&#8222;Das stimmt nicht, kein Film kann jemand dazu bringen, zu t&#246;ten. Es ist das, was vor seinen Augen geschieht, das t&#228;gliche Leben, die Gemeinheiten, die Misshandlungen. [&#8230;] Das ist der Hauptgrund, glaub mir. Sie haben keine Zukunft, keine Hoffnung, also machen sie das, was ihnen am besten erscheint.&#8220;<br />
[Lee, H&#233;l&#232;ne / Trench Town sehen und sterben : Die Bob-Marley-Jahre. &#8211; H&#246;fen : Hannibal, 2005, Seite 124.]</blockquote><br />
Junior, der hier von H&#233;l&#232;ne Lee interviewt wird, ist ein sogenannter gunman, aus Trench Town, Kingston, dem Getto in der jamaikanischen Hauptstadt, welches am h&#228;rtesten durch die K&#228;mpfe zwischen den Anh&#228;ngern der beiden dominierenden Parteien <span class="caps">JLP</span> und <span class="caps">PNP</span> gepr&#228;gt ist. Trench Town ist seit den 1960er /1970er Jahren &#8222;bewaffnet&#8220;, d.h. Auseinandersetzungen, insbesondere Wahlk&#228;mpfe, werden haupts&#228;chlich mit Feuerwaffen ausgetragen. Das Gebiet ist von &#8222;Bastionen&#8220; der beiden Parteien, von Gangs und Gewalt gepr&#228;gt. Die gunman sind diejenigen, welche auf der einen oder anderen Seite die Hauptgewalt aus&#252;ben und von Auftragsmorden und &#196;hnlichem leben. Obwohl die Gewalt seit den 1990ern leicht nachgelassen hat, sind insbesondere blutige Wahlk&#228;mpfe immer noch an der Tagesordnung.<br />
Insbesondere die <span class="caps">JLP </span>(die &#8222;rechte&#8220; der beiden Parteien, was aber heute wenig bedeutet) macht f&#252;r diese Gewalt gerne die Medien, den sozial engagierten Reggae und &#8211; in einer jamaikanischen Form der gesellschaftlichen Paranoia, die an antisemitische Verschw&#246;rungstheorien in anderen Gesellschaften erinnert &#8211; Homosexuelle f&#252;r diese Gewalt verantwortlich. Gleichzeitig trifft man, wenn man sich wie H&#233;l&#232;ne Lee darauf einl&#228;sst, in Trench Town zahlreiche Menschen, die wissen, wie wenig Medien dazu beitragen, die Situation zu verschlechtern, wenn sie nicht in diesen Sinn interpretiert werden. Immerhin ist Trench Town auch daf&#252;r bekannt, einer der Geburtsorte des Reggae und des Dub zu sein; ein Viertel aus dem nicht nur Bob Marley and the Wailers, sondern eine fast unendliche Reihe von K&#252;nstlern und K&#252;nstlerinnen hervorgegangen ist, die versuchen, &#252;ber Medien (Musik), Medienrezeption (Sound Systems, Partys) und Medieninhalte (&#8222;One Love&#8220; in einer sher weltliche Interpretation des Rastafarianismus und dem Aufruf, sich nicht in Auseinandersetzungen einspannen zu lassen, die einen einfach nichts angehen) einen Ausstieg aus der Gewaltspirale aufzuzeigen.<br />
Medien, so kann man auch aus diesem Beispiel lernen, dass von der deutschen Realit&#228;t so weit entfernt ist, sind ein immer interpretationsbed&#252;rftiges Sozialisationsmittel, diese Interpretation ist nicht zuf&#228;llig, aber individuell und wenn man verstehen will, wie sie funktioniert, muss man schauen, was die Menschen daraus machen, nicht, was einem die Medien eventuell selber sagen, zu sagen scheinen oder nicht sagen.</p>

	<p><blockquote><br />
<strong>Fu&#223;noten:</strong><br />
[1] Interessanterweise entstand die Seite &#8211; so zumindest die <a href="http://thatguywiththeglasses.wikia.com/wiki/Category:History_of_TGWTG.com" target="_blank">von den Machern erz&#228;hlte Geschichte</a> &#8211;, weil youtube best&#228;ndig die eine Reihe names 5-Second-Movies, in welcher Filme auf ihre Quintessenz von 5-30 Sekunden zusammen gestrichen wurden, l&#246;schte. Diese Reihe wurde von Doug Walker erstellt und er gr&#252;ndet damals das Portal thatguywiththeglasses haupts&#228;chlich, um diese Videos au&#223;erhalb von youtube zu publizieren. Das heute daraus ein Portal f&#252;r weitere Personen geworden ist, scheint damals nicht das Gr&#252;ndungskonzept gewesen zu sein. Insoweit hat youtube und dessen Angst vor der Filmindustrie dazu gef&#252;hrt, dass sich diese Subkultur eigene Distributionswege geschaffen hat.<br />
[2] Zumindest aufz&#228;hlen kann man sie, schon f&#252;r den Fall, dass jemand selber mehr von dieser Subkultur sehen m&#246;chte: <a href="http://www.thatguywiththeglasses.com/videolinks/thatguywiththeglasses/nostalgia-critic" target="_blank">Nostalgia Critic</a>, <a href="http://www.cinemassacre.com/new/?page_id=13" target="_blank">Angry Video Game Nerd</a>, <a href="http://www.thatguywiththeglasses.com/videolinks/thedudette/nostalgia-chick" target="_blank">Nostalgia Chick</a>, <a href="http://kylejustinmusic.com/" target="_blank">Kyle Justin</a>, <a href="http://atopfourthwall.blogspot.com/" target="_blank">Linkara</a>, <a href="http://www.thatguywiththeglasses.com/videolinks/bt/benzaie" target="_blank">Benzaie</a>, <a href="http://www.thegameheroes.com/Bios/bios.html" target="_blank">Handsome Tom und 8 Bit Mickey</a>, <a href="http://www.pbc-productions.com/" target="_blank">Little Miss Gamer</a> / <a href="http://leeandz.com/" target="_blank">Z</a>, <a href="http://www.spoonyexperiment.com/" target="_blank">The Spoony One</a>, <a href="http://www.thatguywiththeglasses.com/videolinks/bt/aussie" target="_blank">That Aussie Guy</a>, <a href="http://www.thatguywiththeglasses.com/videolinks/marzgurl" target="_blank">MarzGurl</a>, <a href="http://angryjoeshow.com/" target="_blank">Angry Joe</a>, <a href="http://www.thatguywiththeglasses.com/videolinks/new-guys/sean-fausz" target="_blank">Sean Fausz</a>, <a href="http://www.thatguywiththeglasses.com/videolinks/bt/goggles" target="_blank">ThatChickWithTheGoggles</a>, <a href="http://leeandz.com" target="_blank">Lee</a> / <a href="http://www.thatguywiththeglasses.com/videolinks/bt/lee/still-gaming" target="_blank">Still Gaming</a>, <a href="http://www.thatguywiththeglasses.com/videolinks/new-guys/paw" target="_blank">Paw</a>, <a href="http://www.thatguywiththeglasses.com/videolinks/bt/the-sage" target="_blank">Bennett the Sage</a>, <a href="http://www.thatguywiththeglasses.com/podcasts/tranmission-awesome" target="_blank">Transmission Awesome</a>, <a href="http://www.thatguywiththeglasses.com/articles/thecat" target="_blank">The Cat</a>, <a href="http://thatguywiththeglasses.com/videolinks/thatguywiththeglasses/bum-reviews" target="_blank">The Bum</a>, <a href="http://thatguywiththeglasses.com/videolinks/thatguywiththeglasses/ask-thatguy" target="_blank">That Guy With The Glasses</a>, <a href="http://thatguywiththeglasses.wikia.com/wiki/Bhargav" target="_blank">Bhargav Dronamraju</a>, <a href="http://www.thatguywiththeglasses.com/articles/the-other-guy" target="_blank">Rob Walker</a>.</blockquote></p>
 ]]></content:encoded>
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		<title>Games in Libraries</title>
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		<pubDate>Fri, 08 May 2009 19:38:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Grundsätzliches</category>
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		<description><![CDATA[	Spiele, insbesondere Computerspiele und Gamekonsolen, in Bibliotheken sind in Deutschland immer noch ein kaum &#246;ffentlich besprochenes Thema. Das hei&#223;t nicht, dass es nicht in fast allen &#214;ffentlichen Bibliotheken einige Spiele g&#228;be oder das nicht auch in einigen (gr&#246;&#223;eren) Bibliotheken Versuche g&#228;be, Konsolen und gr&#246;&#223;ere Sammlungen von Spielen in den Bestand aufzunehmen. Aber so richtig scheint [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Spiele, insbesondere Computerspiele und Gamekonsolen, in Bibliotheken sind in Deutschland immer noch ein kaum &#246;ffentlich besprochenes Thema. Das hei&#223;t nicht, dass es nicht in fast allen &#214;ffentlichen Bibliotheken einige Spiele g&#228;be oder das nicht auch in einigen (gr&#246;&#223;eren) Bibliotheken Versuche g&#228;be, Konsolen und gr&#246;&#223;ere Sammlungen von Spielen in den Bestand aufzunehmen. Aber so richtig scheint noch nicht klar zu sein, was dieses Medium kann und warum man es sammeln und der &#214;ffentlichkeit zur Verf&#252;gung stellen sollte.</p>

	<p><strong>In Deutschland und &#214;sterreich</strong><br />
Es gibt beachtenswerte zwei Ausnahmen. Erstens die &#8222;Zukunftswerkstatt&#8220; [<a href="http://zukunftswerkstatt.wordpress.com/" target="_blank">http://zukunftswerkstatt.wordpress.com/</a>] (das sind Christoph Deeg, Jin Tan und Julia Bergmann), deren langfristiges Ziel &#8211; ich bin mal ehrlich &#8211; zumindest mir nicht so richtig klar geworden ist. Aber das muss ja nicht unbedingt schlecht sein. Jedenfalls publiziert die Zukunftswerkstatt immer wieder Beitr&#228;ge zum Themenbereich Spiele und Bibliotheken und veranstaltet auf dem Bibliothekstag 2009 eine &#8211; nun ja, namentlich nicht sehr kreativ &#8211; Zukunftswerkstatt [<a href="http://www.bibliothekartag2009.de/programme/view_symp_detail_short_abstract.asp?node=24&#38;symposiumID=166" target="_blank">http://www.bibliothekartag2009.de/programme/view_symp_detail_short_abstract.asp?node=24&#38;symposiumID=166</a>], auf der offenbar vor allem Spiele und Konsolen gezeigt werden sollen, damit &#8222;librarians can get they hands dirty&#8220;. Das ist schon okay, aber auch irgendwie sehr kurz gedacht. Der Witz ist ja, das Spiele eine wachsende Rolle im sozialen Leben von Kindern, Jugendlichen und (zumindest) jungen Erwachsenen spielen und zur Ausbildung der individuellen Biographien, sozialen und anderen Kompetenzen beitragen und zu einem der bestimmenden Freizeitmedien geworden sind und das auch eine lange Zeit bleiben werden&#8212;- egal, ob Bibliothekarinnen und Bibliothekare diese Spiele kennen oder nicht, m&#246;gen oder nicht m&#246;gen, Spa&#223; damit haben oder auch nicht haben. (Dasselbe gilt f&#252;r Lehrerinnen/Lehrer, Familienminsterinnen und Innenminister, die Presse etc.) Insoweit ist das schon okay, wenn auch Bibliothekarinnen und Bibliothekare, die bislang Konsolen eher nicht kennen (wollen), dazu gebracht werden, auch mal selber Spa&#223; zu haben. Aber darum geht es eigentlich nicht wirklich. (Zumal ich der &#220;berzeugung bin, dass es auch heute schon mehr als nur ein paar junge Bibliothekarinnen und Bibliothekare gibt, die selber spielen oder zumindest mal spielten.)<br />
Zweitens gibt es ein Buch von Mark Buzinkay und Jin Tan namens &#8222;<em>eGaming in Bibliotheken</em>&#8220; [<a href="http://www.buzinkay.net/egaming.html" target="_blank">http://www.buzinkay.net/egaming.html</a>], dass ebenso wie die Zukunftswerkstatt nicht schlecht ist, aber nicht so recht das Interessante am Thema zu erfassen scheint. Einerseits haben die beiden Herausgeber den gro&#223;en Fehler begangen, einen relativ gro&#223;en Teil des Buches mit aktuellen Beispielen von Konsolen und Spielen zu f&#252;llen, also haupts&#228;chlich mit Besprechungen. So etwas ist f&#252;r Zeitschriften und Webprojekte okay, aber f&#252;r ein Buch eher t&#246;dlich, da die Informationen innert weniger Monate veraltet und damit auch die anderen Informationen des Werkes irrelevant werden, weil der Gesamteindruck des Veralteten &#252;berwiegt. Aber auch die Texte, die keine Besprechungen sind, bewegen sich leider sehr an der Oberfl&#228;che. Im Gro&#223;en und Ganzen lassen sie sich wie folgt zusammenfassen:<em> Spiele sind Medien, die von Jugendlichen verst&#228;rkt genutzt werden, deswegen m&#252;ssen Bibliotheken sich mit Spielen mehr auseinandersetzen als bislang und sie verst&#228;rkt in den Bestand aufnehmen.</em> Das ist schon richtig und ehrlich gesagt sollte das Argument auch ausreichen, um eine verst&#228;rkte Aufnahme von Spielen zu motivieren; aber es ist noch nicht ausreichend. Eines der gro&#223;en Missverst&#228;ndnisse, die in Bibliotheken vorherrschen scheint, wird mit dieser einfachen Argumentation n&#228;mlich umgangen: die Vorstellung, dass Spiele haupts&#228;chlich als Appetizer funktionieren, um Jugendliche in die Bibliothek zu kriegen und ihnen dann mehr oder weniger das B&#252;cherlesen aufzudr&#252;cken. Erstens funktioniert das nicht und zweitens &#8211; und das scheint mir wichtiger &#8211;, ignoriert diese Wahrnehmung von Spielen, dass es sich bei Spielen um eine spezifische Medienform mit eigenen Regeln, Mythen, Konsumritualen, Aufgaben und Inhalten handelt und nicht nur um ein &#8222;Nebenprodukt&#8220;. Leider ignoriert die Herangehensweise von Buzinkay und Tan diese Besonderheit, obwohl es ansonsten zu begr&#252;&#223;en ist, dass sie sich mit eGaming auseinandersetzen.</p>

	<p><strong>Mehr fragen, weniger abfeiern oder schlecht machen.</strong><br />
Interessant w&#228;ren andere Fragen. Beispielsweise, was da eigentlich passiert, wenn gespielt wird. Das Bild vom einsam am Rechner sitzenden Jungen ohne soziale Kontakte ist bekanntlich immer mehr zum vollkommen an der Realit&#228;t vorbeigehenden Vorurteil geworden, wenn es das nicht schon immer war. Die Diversit&#228;t der Spiele, Spielger&#228;te und Konsumtionsweisen hat in den letzten Jahren zugenommen, Spielen ist schon l&#228;ngst keine Besch&#228;ftigung einer spezifischen Jugendsubkultur neben anderen Jugendsubkulturen, sondern mehr oder weniger Teil jeder Kindheit und Jugend in westlichen Staaten. (Zumal auch die Grenzen zwischen Jugendsubkulturen heute offener sind, als in den 80er und 90er Jahren.) Die Frage ist also, wie genau das passiert, was beispielsweise an sozialer Kommunikation passiert, wie Spiele als Medium die Kultur beeinflussen und die Kultur in Spiele zur&#252;ck flie&#223;t und wie Spiele unter dem Aspekt des Mediennutzungsverhaltens funktionieren.<br />
Wer spielt was wann, wie und warum? Das ist eine weitere Frage, da es ja schlie&#223;lich auch hierzu gen&#252;gend Vorurteile gibt. Die &#8222;Debatten&#8220; um &#8222;Killerspiele&#8220; sind da nur ein auff&#228;lliger Aufweis des Nicht-Wissens auf Seiten der Politik und &#214;ffentlichkeit. Das, was alles als &#8222;Killerspiel&#8220; gilt und als Grund f&#252;r Gewaltt&#228;tigkeiten gilt, ist so weit verbreitet, dass eigentlich 80% der heutigen Jugendlichen best&#228;ndig mit Waffen auf der Stra&#223;e herumlaufen und den B&#252;rgerkrieg &#252;ben m&#252;ssten, wenn die Vorurteile &#252;ber diese Spiele stimmen w&#252;rden &#8211; was sie nicht tun, egal wie gerne Presse und Politik nach Gewalttaten auf diese Spiele einpr&#252;geln. Aber auch die Spieleindustrie ist sich nicht wirklich sicher, wer was spielt. Immerhin versucht sie, weitergehende Zielgruppen zu erreichen, wie die Spiele f&#252;r M&#228;dchen und Frauen oder f&#252;r Casual Gamers zeigen. Das hei&#223;t aber nicht, dass diese Zielgruppen auch erreicht werden. Aber, wenn Bibliotheken sich als Orte verstehen, die mit Medien umgehen, dann w&#228;ren Antworten auf diese eigentlich einfachen Fragen notwendig.<br />
Nicht zuletzt sind Spiele heute nicht nur Gegenstand von gruppeninternen Kommunikationsprozessen, sie sind auch selber Ort und Inhalt von Freizeitgestaltungen und interpersonellen Prozessen. Deshalb sind erfolgreiche Spieleveranstaltungen unterschiedlicher Art auch immer mehr, als nur tempor&#228;re Orte, an denen gespielt wird. Aber was genau sind sie, wie funktionieren sie, wie sollten sie funktionieren und was sagt dieses Funktionieren &#252;ber aktuelle Medien und Kommunikationsprozesse aus?<br />
Dabei kann auch nicht unterschlagen werden, dass einerseits nahezu alle &#8222;p&#228;dagogischen Spiele&#8220; nicht funktionieren und zudem von einer gro&#223;en Zahl von Menschen nicht angenommen werden, dennoch lernen gerade Jugendliche etwas aus Spielen und das muss nicht unbedingt schlecht sein. Wir wissen nur nicht was und gerade deshalb w&#228;re es auch notwendig, hiernach zu fragen, ohne alles negativ zu malen oder positiv abzufeiern. (Allerdings: haben uns nicht schon unsere Eltern vorgeworfen, dass wir zu viel spielen und nichts aus unserem Leben machen w&#252;rden? Haben wir es nicht damals auch schon besser gewusst? Also, so neu kann diese Feststellung nicht sein.)<br />
Einen Ansatz, der vielleicht nicht unbedingt interessante Ergebnisse liefert, aber immerhin aufzeigt, dass Computerspiele mehr sind, als reine Freizeitunterhaltung und differenzierter untersucht werden k&#246;nnen, als sie einfach nur in gut (&#8222;p&#228;dagogisch&#8220;) und schlecht einzuteilen, liefert Danny Kringiel in seinem Artikel &#8222;Computerspiele &#8216;lesen&#8217; lernen&#8220; [<em>Kringiel, Danny (2009) / Computerspiele &#8216;lesen&#8217; lernen &#8211; Grundlagen einer computerspielspezifischen Medienkompetenz. &#8211; In: merz medien + erziehung, 53 (2009) 2, Seite 43-49</em>]. In diesem Text (der auf seiner Dissertation aufbaut, zu der ich nichts sagen kann, weil ich sie nicht gelesen habe) zeigt er anhand von Max Payne 2 auf, dass sich verschiedene Analyseebenen, genauer eine ludologische, eine filmanalytische, einer &#8222;cyberdramatische&#8220;, eine narrativistische, eine lernbezogene und eine architektonische auf dieses eine Game anwenden lassen und Ergebnisse liefern, die f&#252;r die Ausbildung einer Medienkompetenz im Rahmen von Lernprozessen genutzt werden k&#246;nnen. Er fordert deshalb &#8211; auch einfach aus dem Grund, dass kein Verbot und keine  Nichtbeachtung in p&#228;dagogischen Settings irgendetwas an der Verbreitung von Computerspielen &#228;ndern werden &#8211;, dass Spiele im Schulunterricht eingesetzt werden, um mit den Lernenden eine solche Medienkompetenz aufzubauen.</p>

	<p><strong>Gamestudies</strong><br />
Die Situation wird auch in den Bibliotheken in den <span class="caps">USA</span> nicht g&#228;nzlich anders sein, aber einfach dadurch, dass dort mehr Menschen leben und es mehr Bibliotheken gibt, ist die Chance auch gr&#246;&#223;er, dass sich mehr Menschen finden, die sich mit dem Thema aktiv auseinandersetzen und deshalb auch mehr Theorie und Empirie publizieren. Ich will gar nicht diesen in-den-USA-wird-das-&#252;berall-gemacht-deswegen-muss-das-auch-in-Deutschland-und-&#214;sterreich-gemacht-werden-Druck aufbauen (obwohl ich ansonsten oft dazu tendiere, die US-amerikanische Kultur der Deutschen vorzuziehen), denn: auch in den <span class="caps">USA</span> werden viele Bibliotheken sich nicht n&#228;her mit Computerspielen auseinander setzen, sondern mit anderen Problemen zu k&#228;mpfen haben. Aber es gibt doch einige Menschen mehr, die kontinuierlich an diesem Thema arbeiten und deshalb &#252;ber die, wie gesagt relativ basale, Argumentation, wie sie bei der Zukunftswerkstatt und im Buch von Buzinkay und Tan vertreten wird, hinauszugehen scheinen.<br />
Als erste Anlaufstelle ist dabei weiterhin das gerne von mir empfohlene Library Game Lab an der University of Syracuse, NY zu nennen. [<a href="http://gamelab.syr.edu/l" target="_blank">http://gamelab.syr.edu/</a>] Dr. Scott Nicholson, der diesem Lab vorsteht, ist ebenso in den Amerikanischen Bibliotheksverb&#228;nden engagiert und hat die &#8220;ALA&#8217;s Games and Gaming Member Interest Group&#8220; mit initiiert. [<a href="http://gaming.ala.org/news/">http://gaming.ala.org/news/</a>] Au&#223;erdem steckt er, neben den regelm&#228;&#223;igen Beitragenden, hinter dem &#8222;Games in Libraries Podcast&#8220;, in welchen seit jetzt einem Jahr sowohl &#252;ber Forschungen zum Themenbereich als auch &#252;ber die konkrete Praxis berichtet wird. [<a href="http://www.gamesinlibraries.org/" target="_blank">http://www.gamesinlibraries.org/</a>]<br />
Daneben erschien allerdings letztens auch eine Ausgabe der Library Review zum Themenbereich Spiele und Bibliotheken. Und anders, als in Deutschland, wo in einer solchen Ausgabe h&#246;chstwahrscheinlich ein, zwei Artikel erscheinen w&#252;rden, die sagten, das Jugendlich Spiele spielen und deshalb Bibliotheken, sich diesem &#8222;spannenden&#8220; Thema annehmen m&#252;ssten, weil dann mehr Menschen in die Bibliothek kommen und B&#252;cher lesen; daneben ein Artikel, der argumentierte, dass Bibliotheken sich um B&#252;cher und Lesen zu k&#252;mmern h&#228;tten und nicht um Spiele und dann noch einige eher zuf&#228;llig ausgew&#228;hlte Praxisbeispiele &#8211; auch wenn sie &#8222;best practice&#8220; oder &#228;hnlich genannt w&#252;rden &#8211; scheinen die Artikel in der Library Review sich zumindest auf eine andere Weise mit dem Ph&#228;nomen Games in Libraries zu besch&#228;ftigen.</p>

	<p><em>Zur Situation</em><br />
Endlich auch &#8222;richtig&#8220; ver&#246;ffentlicht wurde die Studie &#8222;Go back to start&#8220;, die Scott Nicholson und das Library Game Lab schon 2007 durchgef&#252;hrt hatten [<em>Nichosoln, Scott (2009) / Go back to start : gathering baseline data about gaming in libraries. &#8211; In: Library Review, 58 (2009) 3, pp. 203-214</em>]. Diese empirische Studie basierte auf einer relativ einfachen und deshalb auch stark fehleranf&#228;lligen Fragebogenmethode, bei der auf ausgefeilte Fragemethoden etc. verzichtet wurde. Die befragten Bibliotheken waren zuf&#228;llig ausgew&#228;hlt worden, die Antworten bezogen sich zumeist auf 2006. Ziel war, &#252;berhaupt erstmal das Feld Games in Libraries (in den <span class="caps">USA</span>) abzustecken. Gibt es das &#252;berhaupt?<br />
Wie gesagt, die Daten sind schon etwas &#228;lter, als Preview wurden sie auch schon vor Monaten auf den Seiten des Library Game Lab ver&#246;ffentlicht. Dennoch eignen sie sich, um die gestellte Frage zu beantworten: Ja, es gibt das Feld Games in Libraries in den <span class="caps">USA</span> als sich entwickelndes Feld. Von rund 400 antwortenden Bibliotheken bemerkten rund 77%, dass sie Spiele und Spielen auf die eine oder andere Weise unterst&#252;tzen. Das hei&#223;t selbstverst&#228;ndlich nicht, dass die Zahl 77% f&#252;r alle Bibliotheken in den <span class="caps">USA</span> gilt, schon weil die Frage, ob man gaming unterst&#252;tzt, sehr unterschiedlich verstanden werden kann. Aber dennoch zeigt die Anzahl der positiv antwortenden Bibliotheken, dass man es nicht mit einem Nischenthema zu tun hat. Geht man davon aus, dass Bibliotheken, insbesondere &#214;ffentliche Bibliotheken in den <span class="caps">USA</span>, die direkt von den Steuerzahlungen ihrer Community-Members abh&#228;ngig sind, mit ihrer Politik jeweils versuchen, auf lokale Anforderungen zu reagieren, zeigt dies auch, wie stark gaming offenbar in der Bev&#246;lkerung verankert ist &#8211; so stark, dass eine gro&#223;e Anzahl von Bibliotheken darauf aktiv reagieren zu m&#252;ssen meint.<br />
Nicholson unterscheidet dann weiter in Formen der Unterst&#252;tzung von gaming durch Bibliotheken. 172 Bibliotheken antworteten, dass sie spezifische (regelm&#228;&#223;ige) Spieleprogramme anbieten w&#252;rden, bei denen in der Bibliothek selber gespielt wird, davon nutzen rund die H&#228;lfte Brettspiele, 13% nannten spezifische Spielekonsolen. Dies bedeutet, so Nicholson ganz richtig, dass man beim Thema gaming nicht nur auf Konsolen- und Computerspiele achten muss, sondern auch auf die anderen Formen wir Brett- und Kartenspiele. Dabei war rund die H&#228;lfte der Programme als Wettbewerb oder als Reihe von Wettbewerben konzipiert, wobei diese Wettbewerbe zumeist Konsolen- und Computerspiele nutzten (2006, auf das sich die meisten Antworten beziehen, war die Zeit, in der mit der Wii, Dance Dance Revolution und Guitar Hero sich die Form der Videokonsolen ver&#228;nderte. Konsolen war nicht mehr nur Ger&#228;te, die &#252;ber &#8222;normale&#8220; Controller bedient werden konnten. Dies war einer der Gr&#252;nde, warum sich 2006 auch die Zielgruppen f&#252;r Konsolen zu &#228;ndern begannen. Interessant w&#228;re deshalb, wenn Nicholson nochmal neuere Daten liefern w&#252;rde.)<br />
Eine erstaunlich geringe Zahl von nur rund 20% verleiht Spiele, wobei Nicholson wieder richtig bemerkt, dass sich dies in Zukunft &#228;ndern k&#246;nnte, falls Konsolen- und Computergames an Bedeutung gewinnen. Sp&#228;ter im Text zeigt sich auch, dass die meisten verliehenen Spiele gerade keine Brettspiele mit zahlreich unterschiedlichen Spielfiguren etc., die verloren gehen k&#246;nnen, sind, sondern Computer- und Konsolenspiele, die zumeist nicht mehr als Medienkombination daherkommen, sondern als <span class="caps">DVD</span> oder auf anderen Speichermedien, die wie Film-DVDs verliehen werden k&#246;nnen. Interessant ist, dass bei &#252;ber 80% der befragten Bibliotheken erlaubt war, auf den hauseigenen Rechnern Spiele laufen zu lassen. Dies ist bedeutsam, weil dereinst diese Rechner mit der Vorstellung eingef&#252;hrt worden waren, dass sie haupts&#228;chlich zu Recherche oder zum Schreiben von Arbeiten und Bewerbungen benutzt w&#252;rden und damals oft Nutzungsweisen wie Spiele direkt ausgeschlossen wurden.<br />
Auch die Bibliotheken in der <span class="caps">USA</span> folgen dem Trend, Spiele haupts&#228;chlich als Marketingfaktor zu sehen, wobei Nicholson bemerkt, dass noch nicht klar ist, ob dieser Effekt &#252;berhaupt und wenn ja, in welcher St&#228;rke auftritt. Die anderen Gr&#252;nde, Spiele zu nutzen &#8211; Fun, Social Activities, Community Activities etc. &#8211; sind zumindest bisher noch unterrepr&#228;sentiert, wenn auch pr&#228;sent. Dabei muss man sich allerdings vor Augen halten, dass die meisten Gaming-Programms heute noch gegen&#252;ber einer &#214;ffentlichkeit und einer Chefetage begr&#252;ndet werden m&#252;ssen, die nicht unbedingt mit dem Argument, dass es Spa&#223; machen w&#252;rde, zu &#252;berzeugen ist. Ob nicht zumindest ein Teil der Bibliotheken, die Spiele als Marketing oder als Teil einer Bildungsaktivit&#228;t bezeichnen, dies eher aus PR-Gr&#252;nden tun, als aus &#220;berzeugung, ist nicht so richtig klar. Immerhin 10% der befragten Bibliotheken nannten als wichtigsten Grund f&#252;r ihre Programme den Faktor Spa&#223;.</p>

	<p><em>Zum Sinn von Spielen im Bestand</em><br />
&#8222;What is the purpose of a library anyway?&#8220; Suellen S. Adams stellt sich in ihrem Text [<em>Adams, Suellen S. (2009) /  The case for video games in libraries. &#8211; In: Library Review, 58 (2009) 3, pp. 196-202</em>] der Frage, ob Video- und Computerspiele &#252;berhaupt in Bibliotheken geh&#246;ren, indem sie darauf verweist, dass die Aufgabe einer Bibliothek nicht so einfach zu bestimmen ist, wie dies vielleicht intuitiv erscheint, sondern vielmehr eine Sache sozialer Aushandlungsprozesse und lokaler Bedingung ist. Erst, wenn klar ist, welche Aufgaben eine spezifische Bibliothek &#252;bernehmen soll, sei zu bestimmen, ob und wenn ja, welche Arbeit mit Spielen und welche Bestandspolitik im Bezug auf Spiele sinnvoll ist. Adams z&#228;hlt dazu als Beispiele Bildungsziele, soziale und lokal-gesellschaftliche Ziele sowie Freizeitinteressen auf. Das kann man erg&#228;nzen, man kann auch andere Schl&#252;sse ziehen, als Adams, die vor allem naheliegende Spiele aufz&#228;hlt. Interessant ist aber ihr instrumentaler Ansatz, der gleichzeitig darauf verweist, dass Bibliotheken gerade nicht nur dazu da sind, irgendwelche gesellschaftlichen Aufgaben zu erf&#252;llen, sondern eben auch einfach die Freizeitgestaltung von Menschen unterst&#252;tzen k&#246;nnen, ohne das man das irgendwie gesellschaftlich als Bildung u.&#228;. Begr&#252;nden m&#252;sste.<br />
Eine spezielle Funktion von Spielen beschreibt Carl Cross [<em>Cross, Carl (2009) / Making games seriously : Creating a peer designed video game for use in library promotion and instruction . &#8211; In: Library Review, 59 (2009) 3, pp.215-227</em>], der die Erstellung eines Spiels beschreibt, welches eingesetzt werden soll, um Nutzerinnen und Nutzer die Derbyshire Libraries, UK und andere Bibliotheken nahezubringen. Der Artikel beschreibt kein fertiges Spiel, sondern den Weg dorthin. Wichtig ist, dass Cross zumindest andenkt, Spiele nicht nur zu nutzen, sondern die Bibliothek auch selber als Medienproduzent aufzutreten zu lassen. Gleichzeitig zeigt es aber auch, in welche Fallen man dabei geraten kann. So baut das betreffende Bibliothekssystem aktuelle eine Gruppe von 12- bis 16-J&#228;hrigen auf, welche die Entwicklung des Spieles unterst&#252;tzen soll. Das hei&#223;t allerdings, dass auch Cross und sein Team offenbar weiterhin der Meinung sind, dass Spiele vor allem 12- bis 16-J&#228;hrige erreichen w&#252;rden, obwohl das so schon lange nicht mehr stimmt. Spiele sind ein Medium f&#252;r Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene und immer noch Teil des Alltags von vielen &#252;ber-30-j&#228;hrigen. Zudem muss man es immer wieder sagen: Spiele lehren etwas, aber gleichzeitig funktionieren die meisten Spiele, die explizit zum lehren von bestimmten Inhalten produziert werden, nicht und werden auch nicht von den Spielerinnen und Spielern angenommen. Je &#8222;p&#228;dagogischer&#8220; ein Spiel ist &#8211; und das von Cross&#8217; beschriebene scheint eines zu werden &#8211; um so langweiliger f&#228;llt es aus.<br />
Auf einen letzten Artikel sei noch verwiesen, indem Mary Laskowski und David Ward [<em>Laskowski, Mary ; Ward, David (2009) / Building next generation video game collections in academic libraries. &#8211; In: The Journal of Academic Librarianship , in Print</em>] auf wichtige Fragen der Bestandsarbeit mit Computerspielen verweisen. Beide gehen davon aus, dass nicht daran zu zweifeln sei, dass Spiele in Bibliotheksbest&#228;nde aufgenommen werden m&#252;ssten. Sie zeigen aber, dass sich dabei weiterhin technische, lizenzrechtliche und andere Probleme stellen, die sich eigentlich auch schon bei &#8222;normaler&#8220; Software seit einigen Jahrzehnten immer wieder einmal angesprochen werden, aber offenbar immer noch nicht gekl&#228;rt sind.</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Schulbibliotheken in Berlin, 2009</title>
		<link>http://bildungundgutesleben.blogsome.com/2009/04/26/schulbibliotheken-in-berlin-2009/</link>
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		<pubDate>Sun, 26 Apr 2009 21:28:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Grundsätzliches</category>
	<category>Evaluation und Empirie</category>
	<category>Schule und Bibliothek / Schulbibliothek</category>
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		<description><![CDATA[	Ich hatte schon im letzten Jahr eine Recherche zu den Schulbibliotheken in Berlin durchgef&#252;hrt, die an eine Recherche anschloss, die ich 2006 in meiner Magisterarbeit verwendet hatte. Diese Recherche habe ich nun in diesem Monat wiederholt. Dabei habe ich die Homepages aller Berliner Schulen nach Hinweisen zu Schulbibliotheken durchsucht.
Wozu das ganze? Es gibt einfach keine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Ich hatte schon im letzten Jahr eine Recherche zu den Schulbibliotheken in Berlin durchgef&#252;hrt, die an eine Recherche anschloss, die ich 2006 in meiner Magisterarbeit verwendet hatte. Diese Recherche habe ich nun in diesem Monat wiederholt. Dabei habe ich die Homepages aller Berliner Schulen nach Hinweisen zu Schulbibliotheken durchsucht.<br />
Wozu das ganze? Es gibt einfach keine anderen Daten zu Schulbibliotheken. Deshalb schweben alle Angaben und Texte zu Schulbibliotheken erstaunlich unempirisch in der Luft, es sei den, sie basieren auf individuellen Erfahrungen (wie z.B. bei <a href="http://www.libreas.eu/podcasts/podcast_11/index.html" target="_blank">G&#252;nter Schlamp</a>). Solche Erfahrungen sind selbstverst&#228;ndlich wichtig und interessant, aber sie erlauben beispielsweise nicht, Aussagen dar&#252;ber zu treffen, wieviele Schulbibliotheken es eigentlich gibt. Angesichts dessen, dass der Bildungspolitik alle paar Jahrzehnte mal einf&#228;llt, dass Schulbibliotheken irgendwie sinnvoll sein k&#246;nnten, ist das schon erstaunlich. Berlin bietet sich als Recherchegegenstand an, weil es gerade nicht als Hochburg der Schulbibliotheken bekannt ist.<br />
Eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse:<br />
<ul></p>
	<p><li>Schulbibliotheken sind weiterhin schulinterne Einrichtungen, die sich nach den Anforderungen der jeweiligen Schule richten, nicht danach, was in den (seltenen) bibliothekarischen oder p&#228;dagogischen Texten &#252;ber sie gesagt wird.</li><br />
<li>Sie sind deshalb vollst&#228;ndig eigenst&#228;ndig. Es scheint keine Gemeinsamkeit in Ausstattung, Nutzungskonzept, tats&#228;chlicher Nutzung, &#214;ffnungszeiten, Personal, Bestand und Bestandsentwicklung, Einbindung in den Schul- und Unterrichtsalltag, Etat oder anderes zu geben.</li><br />
<li>&#214;ffentlichen und Schulbibliotheken arbeiten in Berlin offenbar so gut wie gar nicht zusammen.</li><br />
<li>Eine relativ gro&#223;e Anzahl von Schulen betreibt Schulbibliotheken (oder erm&#246;glicht es, dass andere, z.B. Schulf&#246;rdervereine sie betreiben), allerdings entscheidet sich die gro&#223;e Zahl von Schulen dagegen. Einige wenige Schulen geben daf&#252;r Geld- und Raumnot an, der Gro&#223;teil besch&#228;ftigt sich zumindest in &#214;ffentlichen Dokumenten nicht mit dieser Frage.</li><br />
<li>Die gerundeten Zahlen: Nach Eigenangabe haben in Berlin 25,3% der Grundschulen (110 von 434), 11,3% der Hauptschulen (6 von 53), 6,8% der Realschulen (5 von 73), 28,7% der Gymnasien (31 von 108), 30,2% der Gesamtschulen (16 von 53), 11,0% der Schulen mit besonderem F&#246;rderschwerpunkt (8 von 73) und 11,1% (naja, 1 von 9) Freien Schulen, also insgesamt 22,0% (177 von 803) Schulen bis zur Sekundarstufe II eine Einrichtung, die sie als Schulbibliothek, -b&#252;cherei, -mediothek oder &#228;hnlich beschreiben.</li><br />
<li>Im Vergleich zu den Daten von 2008 ist das eine leichte Steigerung bei allen Schultypen, wobei es immer noch so ist, dass die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, die einen &#8220;hohen&#8221; Bildungsabschluss anstreben, eine weit gr&#246;&#223;ere Chance haben, eine Schulbibliothek zu nutzen, als diejenigen, welche einen &#8220;geringeren&#8221; Bildungsabschluss anstreben. Oder anders: Gymnasiasten und Gymnasiastinnen haben mehr Schulbibliothek, als Lernende auf Real- und Hauptschulen, obwohl Schulbibliotheken zumeist diskursiv mit dem Lesenlernen verbunden werden und nicht mit dem Abitur. Allerdings reichen zwei Datensammlungen nicht aus, eine Entwicklungstendenz zu konstatieren.</li><br />
</ul></p>
	<p>Ich habe einen kleinen Text, &#8220;<strong>Schulen und Schulbibliotheken in Berlin, 2009</strong>&#8221; geschrieben, welcher die Daten genauer bespricht. Dieser findet sich hier: <a href="http://www.divshare.com/download/7214782-286" target="_blank">http://www.divshare.com/download/7214782-286</a><br />
Au&#223;erdem habe ich f&#252;r diejenigen, welche mit den Daten arbeiten wollen, diese Daten inklusive der Zotero-Schnappsch&#252;ssen in ein Archiv gepackt, welches hier zu finden ist: <a href="http://www.divshare.com/download/7214551-9de" target="_blank">http://www.divshare.com/download/7214551-9de</a> [Achtung: durch die Zotero-Dateien ist es ziemlich gro&#223;, genauer gesagt 67 MB.]<br />
Die Daten zur Recherche 2008, nach denen ich auch immer wieder mal gefragt wurde, finden sich hier: <a href="http://www.divshare.com/download/7214893-71f" target="_blank">http://www.divshare.com/download/7214893-71f</a></p>
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		<item>
		<title>Freie Lernorte, einige Erfahrungen</title>
		<link>http://bildungundgutesleben.blogsome.com/2009/03/26/freie-lernorte-einige-erfahrungen/</link>
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		<pubDate>Thu, 26 Mar 2009 13:45:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Grundsätzliches</category>
	<category>Bildung</category>
	<category>Anderswo</category>
		<guid>http://bildungundgutesleben.blogsome.com/2009/03/26/freie-lernorte-einige-erfahrungen/</guid>
		<description><![CDATA[	Wenn Bibliotheken sich dar&#252;ber Gedanken machen, wie sie als Bildungseinrichtungen oder als Orte der informellen Bildung wirken k&#246;nnen und dabei &#252;ber den einfachen Punkt hinausgehen, dass sie den Zugriff auf zahlreiche Medien und &#252;ber die Fernleihe auf noch mehr Medien erm&#246;glichen, dann f&#228;llt sehr oft der Begriff der Freien oder Offenen Lernorte. Teilweise wird darunter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Wenn Bibliotheken sich dar&#252;ber Gedanken machen, wie sie als Bildungseinrichtungen oder als Orte der informellen Bildung wirken k&#246;nnen und dabei &#252;ber den einfachen Punkt hinausgehen, dass sie den Zugriff auf zahlreiche Medien und &#252;ber die Fernleihe auf noch mehr Medien erm&#246;glichen, dann f&#228;llt sehr oft der Begriff der <em>Freien</em> oder <em>Offenen Lernorte</em>. Teilweise wird darunter (einfach) verstanden, dass Bibliotheken an sich als Offene Lernr&#228;ume funktionieren w&#252;rden, weil die Menschen hier &#8211; solange sie nicht durch Spiralcurricula oder &#228;hnliche Veranstaltungen dazu verpflichtet werden &#8211; allesamt freiwillig lernen w&#252;rden, wenn sie denn lernen. Dieser Fakt ist zwar nicht falsch, allerdings stellt sich dann die Frage, was Bibliotheken von anderen Orten unterscheiden w&#252;rde, an denen ebenso freiwillig gelernt werden kann &#8211; also beispielsweise dem Jugendclub, der Galerie oder dem Stra&#223;encaf&#233;?<br />
Ein anderer Teil der Bibliotheken begreift diese Aussage berechtigt als Herausforderung: Wenn eine Bibliothek nicht einfach nur passiv als Einrichtung existieren will,  in der Menschen vielleicht oder vielleicht auch nicht Medien f&#252;r individuelle Lernprozesse ausborgen oder direkt vor Ort nutzen, sondern aktiv eine Bildungseinrichtung sein soll, dann muss die Einrichtung Bibliothek auch selber aktiv werden. Die verbreitetste Vorstellung scheint dabei zu sein, innerhalb der jeweiligen Bibliotheken ausgewiesene Bereiche als Offene Lernr&#228;ume einzurichten.<br />
Dabei ist wiederum nicht wirklich klar, was genau das hei&#223;t. Selbst die wenigen dokumentierten Beispiele von Freien Lernorten in (&#214;ffentlichen) Bibliotheken zeigen eine gro&#223;e Bandbreite an konkreten Umsetzungen dieser Idee. Dies muss nicht unbedingt falsch sein, schlie&#223;lich geht es in jeder Bibliothek um andere (potentielle) Nutzerinnen und Nutzer mit unterschiedlichen Anforderungen und damit auch Lernbedarfen und -strategien. Gleichzeitig ist auff&#228;llig, dass nicht wirklich bekannt ist, wie ein &#8222;richtiger&#8220; Offener Lernort aussehen und wirken soll. Und noch weniger ist klar, wie genau die Lernorte, die &#8211; unter sehr unterschiedlichen Namen &#8211; in Bibliotheken eingerichtet sind, tats&#228;chlich wirken. Bringen sie etwas? Wenn ja, f&#252;r wen: f&#252;r die Nutzungszahlen der Bibliotheken oder f&#252;r die Lernenden? Gibt es Dinge, die gut f&#252;r bestimmte Aufgaben funktionieren oder Dinge, die sich in der Praxis schon als nichtfunktional herausgestellt haben? Sehr offensichtlich ist, dass es keine Debatte und keine Austausch von Erfahrungen zu den &#8222;freien Lernorten&#8220; in den (deutschen) Bibliotheken gibt.<br />
&#196;hnlich &#220;berlegungen gibt es allerdings auch in anderen Bereichen, beispielsweise im schulischen. Der Verein <em>Schulen ans Netz e.V.</em>, der in den 1990er Jahren daf&#252;r bekannt war, alle Schulen in Deutschland mit Internetzug&#228;ngen auszustatten, hat sich &#8211; nachdem er zumindest technisch sein erstes Ziel seit einigen Jahren erreicht hat &#8211; ebenfalls mit dem Thema Freie Lernorte befasst und ein Projekt namens &#8222;Freie Lernorte &#8211; Raum f&#252;r mehr&#8220; durchgef&#252;hrt. Dieses bezog sich auf Ganztagsschulen und die M&#246;glichkeiten, welche sich aus dieser Organisationsform von Schulen ergeben.<br />
Ein kurzer Text von Daniela Bickler (<em>Bickler, Daniela / Freie Lernorte &#8211; Ein p&#228;dagogisches Konzept entsteht. &#8211; In: merz medien + erziehung, 53 (2009) 1, S. 41-46</em>) stellt die Ergebnisse des Projektes dar. Dabei ist der Text selbstverst&#228;ndlich auch eine Werbeschrift f&#252;r den Verein und deshalb mit Vorsicht zu genie&#223;en: es gibt in ihn einfach nur positive Ergebnisse und keine R&#252;ckschl&#228;ge etc. (Aber das kennt man ja auch aus Texten &#252;ber bibliothekarische Projekte, da ist erstaunlicherweise am Ende auch immer alles erfolgreich.) Dennoch lassen sich aus dem Projekt einige Erfahrungen ableiten, die auch f&#252;r Bibliotheken sinnvoll verwendet werden k&#246;nnen, wenn diese &#252;ber Offene Lernorte nachdenken.<br />
Das Projekt selber bestand darin, mit Ganztagsschullehrerinnen und -lehrern Freie Lernr&#228;ume zu entwerfen und diese eine Zeit lang, unter aktiver Mitarbeit der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler der jeweiligen Schulen zu nutzen. Wichtig war dabei, nicht einfach Projektr&#228;ume zu installieren, weil dies von au&#223;en gesehen vielleicht gut f&#252;r die einzelnen Schulen war, sondern diese im Rahmen der Kultur der jeweiligen Schulen als aktiv genutzte, p&#228;dagogische R&#228;ume zu organisieren und in den schulischen Alltag, insbesondere in die p&#228;dagogische und didaktische Gestaltung desselben zu integrieren.<br />
Einige der, laut Bickler, wichtigsten Erkenntnisse dieses Projektes seien kurz angesprochen:<br />
<ul></p>
	<p><li>Freie Lernr&#228;ume sind flexibel und bieten sehr unterschiedliche Medien an. Diese Medien sind nicht beliebig, sondern werden (sowohl was die Form der Medien als auch ihren Inhalt betrifft) einem p&#228;dagogischen Konzept folgend ausgesucht. Oder anders: der Medienbestand ist im Bezug auf die Medienformen gemixt, die Bestandsentwicklung folgt einem p&#228;dagogischen Konzept, welches am Beginn des Bestandaufbaus stehen muss.</li><br />
<li>Freie Lernr&#228;ume sind nur sinnvoll, wenn sie auch als solche p&#228;dagogisch genutzt werden. Es geht also nicht darum, sie einzurichten und sich dann selbst zu &#252;berlassen, sondern vielmehr darum, in ihnen Unterricht zu gestalten. Andernfalls ist ihr Nutzen sehr beschr&#228;nkt. Dies ist selbstverst&#228;ndlich f&#252;r Bibliotheken, die sich ja als Einrichtungen verstehen, die wenig p&#228;dagogisch eingreifen (und deren Personal ja auch nur selten p&#228;dagogisch ausgebildet ist), eine schwierige Aussage. Man sollte dies aber nicht vom Tisch wischen, sondern sich klar machen, dass die Aussagen von Bickler auf Erfahrungen aus rund 60 Schulen in Deutschland basieren. Offenbar ist ein Lernerfolg der Individuen &#8211; zumindest so, wie er im schulischen Rahmen f&#252;r Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern bestimmt wird &#8211; ohne p&#228;dagogisches Konzept nicht in dem Ma&#223;e zu erwarten, dass sich allein deshalb die Einrichtung Offener Lernorte (in Schulen) lohnen w&#252;rde. [Wobei es auch andere Gr&#252;nde f&#252;r die Einrichtung von Offenen Lernr&#228;umen geben kann, als die direkt zu messenden Lernvorteile. Einerseits k&#246;nnen sich die Vorteile des Lernens in diesen R&#228;umen erst in der weiteren Bildungsbiographie der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler zeigen, andererseits kann man auch mit gutem Recht darauf hinweisen, dass das eher selbstbestimmte Lernen in solchen Lernr&#228;umen dem Bild des m&#252;ndigen Individuums n&#228;her kommt, als andere Lernformen. Und immerhin sollen Schulen ja vorrangig m&#252;ndige B&#252;rgerinnen und B&#252;rger ausbilden, welche die demokratische Gesellschaft gestalten sollen und nicht etwa reine &#8222;Arbeitsmarktsubjekte&#8220;.]</li><br />
<li>Interessant ist, dass Offen bzw. Frei nicht regellos und beliebig hei&#223;t. Vielmehr erwarten Lernende zumeist, dass ihnen Hinweise zur Nutzung der Lernorte mitgegeben werden. &#8222;Auch wenn von den Lernenden h&#228;ufig die offene Form des Unterrichts favorisiert wird, erwarten sie Anleitung, Kompetenz und Hilfestellung. Damit das selbstgesteuerte Lernen an Freien Lernorten erfolgreich umgesetzt werden kann, m&#252;ssen die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler methodische Kompetenzen entwickeln. Hierf&#252;r wird an einigen Projektschulen ein auf die Freien Lernorte zugeschnittenes Methodencurriculum entwickelt bzw. das vorhandene Methodencurriculum mit den entstehenden Freien Lernorten in Zusammenhang gebracht.&#8220; [S. 44] Dies l&#228;sst sich aber auch f&#252;r Bibliotheken (und andere Einrichtungen), die Offene Lernr&#228;ume unter welchem Namen auch immer einrichten wollen, als Aufforderung lesen, sich &#252;ber M&#246;glichkeiten Gedanken zu machen, die potentiellen Lernenden anzusprechen und wenn gew&#252;nscht zur Nutzung des Lernortes anzuleiten. Einfach nur den Lernort zu stellen, scheint nicht wirklich ausreichend, solange man nicht einfach voraussetzt, dass die Individuen die notwendigen Kenntnisse in der Schule gelernt haben m&#252;ssen. (Zudem stellt sich auch hier das Problem, dass man es in Schulen mit Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern zu tun hat, die es gewohnt sind, p&#228;dagogisch betreut zu werden und sich in der Rolle der Lernenden zu befinden, w&#228;hrend Bibliotheken und &#228;hnliche Einrichtungen ja dem Anspruch nach auch mit Erwachsenen umgehen sollen, die sich gerade nicht gerne in die Rolle der Lernenden gedr&#228;ngt sehen wollen.)</li><br />
<li>Ein weiteres Ergebnis des Projektes ist, dass Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, welche aktiv an der Gestaltung des Lernraumes partizipieren, mit diesem auch anders und verst&#228;rkt umgehen, als andere Lernende. Insoweit ist es sinnvoll und ein wichtiger Lerneffekt, den Raum best&#228;ndig durch Lernende ihren Vorstellungen nach umgestalten zu lassen. Der Raum selber ist also in gewisser Weise lebendig und zwar nicht (nur), weil die M&#246;bel flexibel w&#228;ren und von Zeit zu Zeit einmal die Tische und Sitzm&#246;bel umgestellt w&#252;rden, sondern weil alles best&#228;ndig ver&#228;ndert und ausgetauscht werden kann. Quasi wachsen die Lernenden mit dem Lernort und organisieren deshalb auch ihre Lernprozesse in dessen, von ihnen mitgestalteten Setting. Die M&#246;glichkeit, einen Raum seiner Bestimmung nach zu gestalten und umzugestalten ist also ein wichtiger Lerneffekt, der aber nicht nur einer Sch&#252;lerinnen- und Sch&#252;lergeneration zugute kommen sollte, sondern auch den nachfolgenden, die daf&#252;r wieder den Raum selbstst&#228;ndig gestalten m&#252;ssen, wenn auch nicht (mehr) von Grund auf. Dies ist allerdings eine finanzielle und organisatorische Herausforderung, welche auf Einrichtungen zukommt, die Freie Lernr&#228;ume in diesem Sinne er&#246;ffnen wollen. Sie m&#252;ssen einen Ort akzeptieren, der niemals als fertig angesehen werden kann, sondern best&#228;ndig (von immer wieder wechselnden Personen) ver&#228;ndert wird, einfach um ihn zu ver&#228;ndern. Das geht offenbar nicht im F&#252;nf- oder Zehnjahresrhythmus, es wird best&#228;ndig Geld, Arbeitszeit und Nerven kosten und sollte auch nur begonnen werden, wenn die jeweilige Einrichtung sich darauf einlassen will, einen solchen best&#228;ndigen Umbau unter Einbeziehung immer neuer Lernender zuzulassen.</li><br />
</ul></p>

	<p>PS.: Die Homepage des Projektes, inklusive des Kontaktes zum in diesem Rahmen gegr&#252;ndeten Verein Netzwerk Freie Lernorte findet sich unter <a href="http://www.freie-lernorte.de/" target="_blank">www.freie-lernorte.de</a> Trotz seines Namens sind offenbar nur (oder vielleicht auch fast nur) Schulen in diesem Netzwerk vertreten, zudem sind die Darstellungen auf der Homepage selber viel zu positiv, um wahr zu sein. Aber dennoch ist das ganze einen Blick wert, wenn man sich Gedanken dar&#252;ber macht, wie Freie Lernorte wirken, wirken k&#246;nnten und wirken sollten.</p>
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		<item>
		<title>Bildungsberatung: Von der Professionalisierungsfront</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Mar 2009 15:23:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Grundsätzliches</category>
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		<description><![CDATA[	In einem kurzen, aber inhaltsreichen Beitrag in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift &#8222;Der p&#228;dagogische Blick&#8220; zeigen Steffi Robak und Monika Kil auf, dass sich Lebenslanges Lernen (LLL) nicht als reine Umbenennung schon existierender Angebote von Bildungseinrichtungen oder als Werbema&#223;nahme verstehen l&#228;sst. [Robak, Steffi ; Kil, Monika / Beratung als professionelles Handlungsfeld und Gegenstand erziehungswissenschaftlicher und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>In einem kurzen, aber inhaltsreichen Beitrag in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift &#8222;Der p&#228;dagogische Blick&#8220; zeigen Steffi Robak und Monika Kil auf, dass sich Lebenslanges Lernen (LLL) nicht als reine Umbenennung schon existierender Angebote von Bildungseinrichtungen oder als Werbema&#223;nahme verstehen l&#228;sst. [<em>Robak, Steffi ; Kil, Monika / Beratung als professionelles Handlungsfeld und Gegenstand erziehungswissenschaftlicher und erwachsenenp&#228;dagogischer Qualifikation. &#8211; In: Der p&#228;dagogische Blick, 17 (2009) 1, S. 51-54</em>] Vielmehr insistieren sie darauf, dass die Anforderungen, die sich aus dem Konzept des <span class="caps">LLL</span> ergeben, eine Erweiterung der Aufgaben der gesamten Bildungsinfrastruktur implizieren. Eine Gesellschaft, die &#8211; so will es das Konzept des <span class="caps">LLL </span>&#8211; aus Individuen besteht, welche best&#228;ndig in neuen, selbstgesteuerten oder anderweitige motivierten Lernprozessen involviert sind, welche diese Lernprozesse fortw&#228;hrend selber ausw&#228;hlen und best&#228;ndig dar&#252;ber reflektieren, welche Lernaktivit&#228;ten sie ben&#246;tigen, um individuelle Probleme zu bew&#228;ltigen, gew&#252;nschte Kompetenzen zu erwerben oder selbstgew&#228;hlte Ziele zu erreichen; bedarf einer Bildungsinfrastruktur, in welcher die Aufgabe der Bildungsberatung ernst genommen wird.<br />
Das ist in diesem Blog schon mehrfach f&#252;r Bibliotheken thematisiert worden, die sich, wenn sie als Einrichtungen gelten wollen, die das Lebenslange Lernen unterst&#252;tzen, auch auf diese Aufgabe einlassen m&#252;ssten, obwohl dies gleichzeitig in den bibliothekarischen Beitr&#228;gen, die gerade behaupten, dass Bibliotheken solche Einrichtungen seien, nicht angesprochen wird. Steffi Robak und Monika Kil, Erziehungswissenschafterinnen &#8211; einmal an der Humboldt Universit&#228;t zu Berlin, einmal an der Universit&#228;t Bremen &#8211; thematisieren dies in ihrem Text allgemein f&#252;r die gesamte Breite von Bildungseinrichtungen. Dies tun sie insbesondere vor dem Hintergrund einer sozial stratifizierten Gesellschaft, in der eben nicht davon ausgegangen werden kann, dass die Bildungsbeteilung und gesellschaftliche Nutzung von Bildungsergebnissen eine rein individuelle Wahl sei:<br />
<blockquote>Will man gesamtgesellschaftlich unterst&#252;tzen, dass sich Individuen der unterschiedlichen Schichten und Milieus passf&#228;hig Wissen durch Weiterbildung erarbeiten und f&#252;r Prozesse des Weiterlernens motiviert und bef&#228;higt werden, braucht es neutrale Beratungsstellen, die f&#252;r komplexe Verwertungsfelder Unterst&#252;tzungsstrukturen und kompetentes Personal bereitstellen. [S. 51f.]</blockquote><br />
Dabei verzichten Robak und Kil darauf, zu thematisieren, ob eine Gesellschaft, in der Individuen &#8222;passf&#228;hig&#8220; &#8211; dass hei&#223;t gerade auch, so wie die Gesellschaft und die Arbeitgeber es gerne h&#228;tten &#8211; &#252;berhaupt w&#252;nschenswert ist oder ob in einer liberalen Gesellschaft nicht gerade auch Lernprozesse unterst&#252;tzt werden m&#252;ssten, die gerade nicht &#8222;passgenau&#8220; sind. Nichtsdestotrotz machen die beiden Autorinnen im Anschluss an eine Tagung zum Thema Professionalisierung der Bildungsberatung zwei grunds&#228;tzlich wichtige Aussagen.<br />
Erstens bieten sie eine (weitere) Differenzierung des Feldes Bildungsberatung an. Sie postulieren, dass eine Unterscheidung in die folgenden f&#252;nf Felder sinnvoll w&#228;re, um auf diese Unterscheidung aufbauend die Beratungsarbeit von Bildungseinrichtungen zu organisieren:<br />
<ul></p>
	<p><li>individuelle Orientierungsberatung (Leitfrage: Welche Beratung ist individuell passend?)</li><br />
<li>individuelle Weiterbildungsberatung / Laufbahnberatung</li><br />
<li>individuellen Beratung (kurzfristig, auf einen Lernaktivit&#228;t bezogen)</li><br />
<li>Qualifikationsberatung f&#252;r Organisationen</li><br />
<li>Organisationsberatung f&#252;r Weiterbildungseinrichtungen (also eine Art Metaberatung)</li><br />
</ul></p>
	<p>Man muss dieser Differenzierung nicht folgen, zumal sie ganz offensichtlich weniger daran orientiert ist, denn Status Quo der Beratung festzustellen, als vielmehr eine Professionalit&#228;t der Weiterbildungseinrichtungen zu behaupten, die in dieser Form eventuell noch gar nicht gegeben ist. Zudem ist die Differenzierung sehr am Konzept der &#8222;Passf&#228;higkeit&#8220; orientiert, d.h. weniger von den Interessen der Individuen her gedacht. Dennoch scheint diese Einteilung einen wichtigen Diskussionsstrang im Feld der Weiterbildung zu repr&#228;sentieren, der nicht einfach ignoriert werden kann. Nicht zuletzt l&#228;sst sich aus dieser Einteilung auch die Frage ableiten, wo sich den Bibliotheken in diesem Feld verorten, welche Aufgaben sie im Rahmen des politische favorisierten Konzeptes Lebenslanges Lernen &#252;bernehmen wollen und k&#246;nnen. Auff&#228;llig ist ja, dass in den Debatten der Weiterbildungseinrichtungen der Zugang zu potentiellen Lernmedien &#8211; auf den Bibliotheken gerne rekurieren, wenn sie davon sprechen, Einrichtungen zu sein, welche <span class="caps">LLL</span> unterst&#252;tzen w&#252;rden &#8211; kaum thematisiert wird. Anscheinend wird dies nicht als Thema und / oder Problem der Weiterbildungseinrichtungen wahrgenommen.<br />
Die zweite relevante Aussage von Robak und Kil ist eher eine Behauptung. Sie postulieren, dass die Diplom-P&#228;dagogen und Diplom-P&#228;dagoginnen eigentlich schon l&#228;ngst die F&#228;higkeiten erworben h&#228;tten, diese Beratungsleistungen vorzunehmen und diesen Fakt einfach &#8222;nur noch&#8220; den Verantwortlichen klar machen m&#252;ssten, um den Beruf des Weiterbildungspersonals zu professionalisieren:<br />
<blockquote>Fast alle Diplom-P&#228;dagogen/-innen haben Beratung als <u>die</u> Grundform ihres p&#228;dagogischen Handelns in ihren beruflichen Handlungsvollz&#252;gen bereits professionell etabliert. An diese Kompetenz, Expertise und Vorbildung sei in der Diskussion um die Professionalisierung und Professionalit&#228;t von &#8222;Beratung&#8220; erinnert. Diese Absolventen/-innen verf&#252;gen &#252;ber zentrale Voraussetzungen, n&#228;mlich das von Beraterschulen unabh&#228;ngige Grundwissen &#252;ber Funktionslogiken von Erziehung, Bildung, Lernen und Lehren in verschiedenen gesellschaftlichen Konstellationen. Vor allem wenn es um Bildungs-, Lern- und Laufbahnberatung geht, haben wir [&#8230;] bereits akademisch grundlegend ausgebildete Experten/-innen f&#252;r Lehr-, Lern-, Entwicklungs- und Sozialisationsprozesse, die sich grundlegend mit dem Bildungssystem auseinandergesetzt haben, zur Verf&#252;gung. [&#8230;] Dies ist f&#252;r die Qualit&#228;ts- und Professionalit&#228;tsprofielierung [&#8230;] nicht unerheblich und kann aufbauend f&#252;r die Weiterentwicklung und Ausdifferenzierung dieses Arbeitsfeldes genutzt werden. [S. 53f.]</blockquote><br />
Ziemlich deutlich wird in diesem Abschnitt, dass es gerade nicht &#8211; wie behauptet &#8211; gesellschaftlich so klar ist, wer eigentlich welche Form von Bildungsberatung anbieten kann bzw. soll. Der Halbsatz vom &#8222;von Beraterschulen unabh&#228;ngige[m] Grundwissen&#8220;, zielt zum Beispiel sehr explizit auf private Beratungseinrichtungen, die ebenfalls den Anspruch erheben, Bildungsberatung anzubieten. Immer, wenn eine Profession &#8211; hier die Diplom-P&#228;dagogen/-innen &#8211; sich mit Texten und Kommuniqu&#233;s in dieser Form an die &#214;ffentlichkeit wendet, um eine Themenfeld als das ihre zu reklamieren, die sich auch als &#8222;Hier-ich-ich-ich&#8220;-Haltung beschreiben l&#228;sst, ist klar, dass es sich um ein zumindest aktuell umstrittenes Feld handelt. Dies scheint ein Spezifik der Professionalisierung und Deprofessionalisierung von Berufsfeldern zu sein und sollte nicht beunruhigen.<br />
(Es ist ja &#228;hnlich mit den Behauptungen von Bibliotheken, die ma&#223;gebliche Einrichtung zu sein, welche Informationskompetenz vermitteln k&#246;nnte. Das ist in der Gesellschaft und vor allem bei den anderen Bildungseinrichtungen auch noch lange nicht so unbestritten, wie das die bibliothekarischen Verb&#228;nde gerne h&#228;tten. Hingegen m&#252;ssen sich &#8211; in westlichen Staaten &#8211; heutzutage keine Anw&#228;lte und Anw&#228;ltinnen mehr hinstellen und behaupten, die einzige Profession zu sein, welche vor Gericht auftreten d&#252;rfe. Das ist einfach akzeptiert, d.h. Der Anwaltsstand hat sich soweit professionalisiert, dass daran niemand mehr zweifelt &#8211; wie gesagt in westlichen Staaten.)<br />
Nichtsdestotrotz macht der Text von Robak und Kil, der durch zahlreiche &#228;hnliche erg&#228;nzt werden k&#246;nnte, klar, dass es sich beim Thema Bildungsberatung um eine Themenfeld handelt, welchem &#8211; nicht zu Unrecht &#8211; eine gesellschaftliche Funktion zugeschrieben wird. Dieses Feld ist aktuell umstritten. Wer wann wie dar&#252;ber bestimmen wird, wie Bildungsberatung aussehen wird, wie sie von wem durchgef&#252;hrt wird (und wie nicht und von wem nicht), wird mit hoher Wahrscheinlichkeit &#252;ber die Gestaltung des zuk&#252;nftigen Bildungssystems bestimmen. Solange so verbissen um die Deutungshoheit gerungen wird, wie dies im Text von Robak und Kil durchscheint, ist es auch m&#246;glich, sich selber als Person oder als Vertreterin bzw. Vertreter einer anderen Profession, beispielsweise des Bibliothekswesens, einzubringen, solange man daf&#252;r Argumente beibringen kann. Sp&#228;ter, wen sich eine oder eine kleine Anzahl von Professionen mit ihrem Anspruch durchgesetzt haben, wird das dann wieder schwieriger sein.</p>
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		<item>
		<title>Bildung ist kein Allgemeinschlüssel</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Mar 2009 11:54:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Grundsätzliches</category>
	<category>Bildung</category>
	<category>Glücksversprechen und Wünsche</category>
	<category>Offene Fragen</category>
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		<description><![CDATA[	Die Debatten um Bildung sind in Deutschland &#8211; auff&#228;lligerweise mit Ausnahme der Debatten in den Erziehungswissenschaften selber &#8211; aktuell (wieder einmal) von einem un&#252;bersehbar naiven Glauben &#252;ber die sozialen M&#246;glichkeiten von Bildung gepr&#228;gt. Bildung wird allgemein als die L&#246;sung f&#252;r fast alle Probleme der Gesellschaft und dabei insbesondere f&#252;r die Probleme auf dem Arbeitsmarkt angesehen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Die Debatten um Bildung sind in Deutschland &#8211; auff&#228;lligerweise mit Ausnahme der Debatten in den Erziehungswissenschaften selber &#8211; aktuell (wieder einmal) von einem un&#252;bersehbar naiven Glauben &#252;ber die sozialen M&#246;glichkeiten von Bildung gepr&#228;gt. Bildung wird allgemein als die L&#246;sung f&#252;r fast alle Probleme der Gesellschaft und dabei insbesondere f&#252;r die Probleme auf dem Arbeitsmarkt angesehen. In einer positiv gewendeten Darstellung wird &#8211; auch von Einrichtungen, die sich als Teil der Bildungsinfrastruktur begreifen &#8211; deshalb gerne unterstellt, dass Bildung zur L&#246;sung aller m&#246;glichen (individuellen) Probleme eine fast unfehlbare L&#246;sung darstellen w&#252;rde.<br />
Diese Vorstellung scheint zur Zeit nicht kritisierbar, insbesondere wenn es um Probleme geht, welche auf die einzelnen Individuen reduzierbar erscheinen: wer bestimmte Probleme nicht l&#246;sen kann, dem oder der wird sehr schnell unterstellt, nicht gen&#252;gend Bildung akquiriert zu haben und damit ist er oder sie auch selber Schuld. Lenkt man den Blick von den Individuen fort, wird die Absurdit&#228;t dieser Auffassung schnell klar: beispielsweise wird Arbeitslosen schnell unterstellt, sie h&#228;tten zu wenig oder zu geringe Bildungsg&#228;nge absolviert und w&#252;rden deshalb keine sozialversicherungspflichtigen Besch&#228;ftigungen finden, obwohl gleichzeitig klar ist, dass ein Hauptproblem des Arbeitsmarktes aktuell darin besteht, generell zu wenig Stellen anzubieten und dies auf fast allen Qualifizierungsstufen. Ebenso wird &#8211; mehr oder minder direkt &#8211; gerne darauf verwiesen, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund Schwierigkeiten auf dem Ausbildungsmarkt h&#228;tten, weil sie kein ausreichendes Deutsch sprechen w&#252;rden &#8211; dabei ist nicht-deutsch-sprechen eigentlich kein Hinweis auf mangelnde Bildung, sondern einzig darauf, eine spezifische (und zudem eigentlich auch relativ langweilige und schwierige) Sprache nicht zu sprechen. Aber diese (geringe) Deutsch-F&#228;higkeit l&#228;sst erst einmal keinen R&#252;ckschluss dar&#252;ber zu, welche F&#228;higkeiten jemand im Bereich der Atomphysik, des Kochens, der Molekularbiologie oder irgendeiner anderen Sprache besitzt. In den meisten deutschen Diskussionen ist allerdings ein schlechtes Deutsch immer noch eine Chiffre f&#252;r geringe Bildung.<br />
Aus dieser Perspektive ergeben sich allerdings auch die meisten L&#246;sungsans&#228;tze f&#252;r gesellschaftliche Probleme: wenn es angeblich die zu geringe Bildung von Individuen ist, welche das Hauptproblem darstellen w&#252;rde, muss folgerichtig die Vermittlung von noch mehr (oder der richtigen) Bildung an diese Individuen die ultimative L&#246;sung darstellen. Ganz abgesehen davon, dass mit einem solchen mechanistischen Verst&#228;ndnis von Bildungswirkungen jegliche andere Wirkung, welche Bildung seit der Aufkl&#228;rung zugeschrieben wurde (begonnen bei der &#8222;Befreiung aus der selbstverschuldeten Unm&#252;ndigkeit&#8220; und der Erm&#246;glichung der Teilhabe an demokratischen Strukturen und Gesellschaften bis hin zur zweckfreien Selbstbesch&#228;ftigung oder dem Leisten eines Beitrags zum technischen und moralischen gesellschaftlichen Fortschritt), komplett ignoriert wird, macht es eine solche Zuschreibung auch leicht, den Individuen Fehler zuzuschreiben und damit gesellschaftliche Strukturen (moralisch) zu entlasten.<br />
Ein Indiz f&#252;r eine solche Verwendung von Bildung als Subjektivierung gesellschaftlicher Zust&#228;nde scheint die aktuelle Beliebtheit der empirischen Bildungsforschung in der deutschen Politik zu sein. An sich ist gegen eine empirische Durchdringung des deutschen Bildungswesens nichts zu sagen. Schlie&#223;lich wurde lange der berechtigte Vorwurf erhoben, dass es viel zu wenig Daten g&#228;be, um wirklich nacheisbare Aussagen &#252;ber die Bildungswirklichkeit in Deutschland zuzulassen. (Das gilt auch heute noch f&#252;r die nicht-formal organisierten Bildungsaktivit&#228;ten.) Schaut man sich allerdings die tats&#228;chlich von der Politik gef&#246;rderten und ver&#246;ffentlichten Dokumente der empirischen Bildungsforschung und dazu die Interpretationen dieser Dokumente an, scheint sehr schnell eine Interpretation vorzuherrschen, die sich nicht mit den realen Bildungsaktivit&#228;ten der Individuen, sondern mit einer quantifizierten Einsch&#228;tzung zufrieden gibt, die hinter all dem Zahlenwerk haupts&#228;chlich nach Gruppen sucht, die es anzusprechen und zu mehr Bildung zu ermutigen g&#228;lte. Zwar wird in Rechnung gestellt, dass es einige Menschen einfacher h&#228;tten, Bildung zu akkumulieren als andere &#8211; sei es wegen ihres famili&#228;ren Hintergrundes, der &#246;konomischen Ausstattung, der schon erworbenen Bildungstitel oder anderem. Doch dies scheint sehr schnell vergessen, wenn es um die tats&#228;chlichen L&#246;sungsans&#228;tze geht, die zumeist darin bestehen, &#8222;Problemgruppen&#8220; zu definieren und diese haupts&#228;chlich dazu zu ermutigen, mehr Bildung zu akkumulieren. Die Rechnung dabei ist relativ einfach: Bildung wird mit besseren Chancen auf dem Arbeitsmarkt gleichgesetzt&#8212;- und das war es dann meist auch schon. Beispielsweise wird ignoriert, dass, wenn alle Menschen hohe Bildungsabschl&#252;sse erwerben, diese Bildungsabschl&#252;sse auf dem &#8211; ja, wie dies schon Adam Smith bemerkte, als Konkurrenz organisierten &#8211; Arbeitsmarkt weniger Wert sind.<br />
(Wobei es selbstverst&#228;ndlich andere Gr&#252;nde daf&#252;r gibt, dass es gut w&#228;re, wenn alle Menschen hohe Bildungsabschl&#252;sse erwerben, da Bildung beispielsweise auch zu einem reflektierteren und damit besseren Leben f&#252;hren kann und die M&#246;glichkeit erh&#246;ht, Situationen nicht einfach hinzunehmen, sondern sie zu ver&#228;ndern. Aber diese Wirkung von Bildung wird in der aktuellen Bildungspolitik aktuell nicht beachtet.)<br />
An dieser Vorstellung schlie&#223;en auch Bildungseinrichtungen und Bibliotheken an, wenn sie versuchen, die unbestreitbar vorhandenen gesellschaftlichen Probleme als Argument f&#252;r die Gestaltung ihrer Arbeit zu interpretieren. Es wird dann vor allem dar&#252;ber nachgedacht, wie Menschen aus &#8222;Problemgruppen&#8220; erreicht werden k&#246;nnen. Nicht debattiert wird, ob die in den einzelnen Einrichtungen in welcher Form auch immer angebotene Bildung tats&#228;chlich ein L&#246;sung f&#252;r die &#8222;Probleme der Problemgruppen&#8220; darstellen w&#252;rde. Dies wird vielmehr als gegeben angenommen. Dass in bibliothekarischen Texten in den letzten Jahren Vorstellung von Zielgruppen, das hei&#223;t also der Vorrang von Ansprachestrategien f&#252;r die an sich gleichbleibenden Angebote, fast vollst&#228;ndig unkritisiert ausgebreitet werden konnte, hat wohl auch etwas mit dieser Delegation der Probleme an die Individuen zu tun: sollten sie tats&#228;chlich haupts&#228;chlich allein Schuld sein an ihrer Situation (wenn auch ungewollt), so w&#228;re es n&#246;tig, sie dazu zu bringen, selber diese Situation zu ver&#228;ndern. Die Aufgabe der Bibliotheken w&#228;re es dann, ihre Arbeit an dieser Individuen zu &#8222;verkaufen&#8220;. Damit entledigt man sich der Frage, ob man als Institution nicht auch seine Arbeit ver&#228;ndern m&#252;sste, ob man eventuell gar keinen richtigen Einfluss auf die Probleme der &#8222;Problemgruppen&#8220; hat oder ob das Problem eventuell gar nicht darin besteht, die &#8222;richtige&#8220; arbeitsmarktgerechte Bildung zu vermitteln.</p>

	<p><strong>Bildung vs. Rassismus</strong><br />
<em>Claudia Diehl</em>, <em>Michael Friedrich</em> und <em>Anja Hall</em> publizierten in der aktuellen Ausgabe der <em>Zeitschrift f&#252;r Soziologie</em> eine Arbeit, die empirische Hinweise daf&#252;r liefert, dass diese einfache Vorstellung von der Wirkung von Bildung nicht zutrifft. (<em>Diehl, Claudia ; Friedrich, Michael ; Hall, Anja / Jugendliche ausl&#228;ndischer Herkunft beim &#220;bergang in die Berufsausbildung: Vom Wollen, K&#246;nnen und D&#252;rfen. &#8211; In: <a href="http://www.uni-bielefeld.de/soz/zfs/jg_38/38_1_diehl.html" target="_blank">Zeitschrift f&#252;r Soziologie</a>, 38 (2009) 1, S. 48-67</em>)<br />
Nun ist dies nicht die erste Arbeit, welche dies tut. Auch ohne bildungssoziologisches Wissen ist bekannt, dass Kinder aus einem Intellektuellen-Haushalt selber meist mehr und einfacher Bildung akquirieren, als Kinder aus armen Arbeiterfamilien und das sie diese Bildung im Allgemeinen auch besser &#246;konomisch und sozial nutzen k&#246;nnen. Das ist solange kein Vorurteil, solange man dies nicht als angeborene und vererbte Eigenschaft begreift. Aber auch die Bildungssoziologie hat, haupts&#228;chlich im Anschluss an Pierre Bourdieu, ausreichend nachgewiesen, dass es nicht allein auf das Individuum ankommt, wenn es um Bildung und Bildungswirkung geht, sondern das die gesellschaftlichen Strukturen und Diskurse einen unhintergehbaren Einfluss darauf haben, wie welche Bildung erworben und sozial eingesetzt wird. Aber dieses Wissen scheint aktuell nicht gerne rezipiert zu werden. Vielleicht, weil es zeigt, dass sich zu einfach L&#246;sungsans&#228;tze verbieten und die Idee, haupts&#228;chlich mit Marketing- und Informationskampagnen die Gesellschaft zu verbessern, schnell als Versuch erscheinen kann, eigentlich m&#246;glichst wenig zu ver&#228;ndern, aber dennoch einen guten Eindruck zu hinterlassen.<br />
Diehl, Friedrich und Hall untersuchten aufgrund einer Teilmenge der Schulabg&#228;ngerbefragungen des Bundesinstituts f&#252;r Berufsbildung 2004, 2005 und 2006 die Chancen und Voraussetzungen von Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund beim &#220;bergang von der Schule in den Ausbildungsmarkt. Bei dieser Befragung werden Jugendliche, die gerade auf der Schwelle von der Schule zur Ausbildung (oder Arbeitslosgkeit ohne Ausbildungsplatz) stehen, auf ihre Ausbildungsziele, auf ihre Suchstrategien und ihre tats&#228;chlichen Erfolge auf dem Ausbildungsmarkt befragt und diese mit den statisch erfassbaren Werten der Jugendlich, beispielsweise den Schulabschlussnoten, dem Migrationshintergrund oder der sozialen Situation, in Verbindung gesetzt. Bei ihrer Auswertung versuchen Diehl / Friedrich / Hall, bestimmte Erkl&#228;rungsans&#228;tze f&#252;r den bekannten Sachverhalt, dass Jugendliche in Deutschland mit Migrationshintergrund geringere Chancen bei diesem &#220;bergang haben als Jugendliche ohne Migrationshintergrund, zu testen. Die Fallzahlen der Untersuchung sind dabei allerdings &#8211; so zumindest die Aussage von Diehl / Friedrich / Hall &#8211; zu gering, um eine weitere Differenzierung der Jugendlichen mit Migrationshintergrund vorzunehmen. Sie definieren, dass Jugendliche, bei denen mindestens ein Elternteil nicht in Deutschland geboren wurde, als Jugendliche / Jugendlicher mit Migrationshintergrund gelte. Diese Definition, die &#228;hnlich auch in den <span class="caps">PISA</span>-Studien verwendet wurde, fasst selbstverst&#228;ndlich sehr unterschiedliche Jugendliche zusammen, obwohl bekannt ist, dass es auch zwischen diesen Jugendlichen und den Problemen, denen sie in der deutschen Gesellschaft begegnen, gro&#223;e Unterschiede gibt. Ein Jugendlicher mit kanadischem, franz&#246;sischem, britischem oder israelischem Elternteil hat bekanntlich andere Chancen und M&#246;glichkeiten, als Jugendliche aus russischen Aussiedlerfamilien oder mit einem t&#252;rkischen Migrationshintergrund. Insbesondere die Jugendlichen mit einem oder zwei Elternteilen aus einem fern&#246;stlichen Staat scheinen sich in Deutschland &#8211; &#228;hnlich den asian-americans in den <span class="caps">USA </span>&#8211; aktuell gerade durch eine hohe Bildungsaffinit&#228;t und einem &#252;berdurchschnittlichen gesellschaftlichen Aufstieg auszuzeichnen. Dies betrachten Diehl / Friedrich / Hall leider nicht weiter, obwohl es weitere Aufschl&#252;sse &#252;ber die deutsche Gesellschaft erm&#246;glichen w&#252;rde.<br />
Dennoch sprechen ihre Daten eine deutliche Sprache: es stimmt zum einen nicht, dass sich etwa die Suchstrategien von Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund auf dem Ausbildungsmarkt relevant unterscheiden w&#252;rden. Sie greifen alle rund zur H&#228;lfte auf die Hilfe von Verwandten- und Bekanntennetzwerken zur&#252;ck, sie bewerben sich alle durchschnittlich 20 Mal. (Au&#223;er den erfolgreichen Jungen ohne Migrationshintergrund, die nach rund 15 Bewerbungen eine Lehrstelle finden. Das hat aber offenbar mit diesem Erfolg zu tun, nicht mit ihrer Suchstrategie.)<br />
Bekannt ist zwar, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund weit schlechtere Bildungsabschl&#252;sse erwerben, das hei&#223;t in Hauptschulen &#252;berrepr&#228;sentiert und in Realschulen und Gymnasien unterrepr&#228;sentiert sind. (Aus diesem Fakt wird ja geschlossen, dass bei diesen Jugendlichen der Besuch von Gymnasien gef&#246;rdert werden m&#252;sse.)  Ein Vorteil der Untersuchung von Diehl / Friedrich / Hall ist, dass sie nicht innerhalb des Systems Schule verbleiben, sondern die Frage stellen, wie die Zertifikate der Schulen umgesetzt werden. Und hier zeigt sich, dass es nicht allein der Bildungsabschluss &#8211; also zugespitzt: Hauptschulabschluss oder Abitur &#8211; ist, der dar&#252;ber bestimmt, ob ein Jugendlicher mit oder ohne Migrationshintergrund einen Ausbildungsplatz finden. Vielmehr werden Jugendliche ohne Migrationshintergrund auch beim Vorliegen der gleichen Bildungszertifikate mit den gleichen Noten bevorzugt. Dies hat, so Diehl / Friedrich / Hall, auch so gut wie nichts mit den Deutschkenntnissen der Jugendlichen zu tun. Vielmehr ist der Einfluss der Sprache auf die Chancen, einen Ausbildungsplatz zu erhalten oder nicht, kaum nachweisbar. Dies &#252;berrascht etwas angesichts des in den letzten Jahren in politischen Debatten best&#228;ndig vorgebrachten Arguments, dass das gr&#246;&#223;te Problemen von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland sei, dass sie kein ordentliches Deutsch sprechen w&#252;rden.<br />
Erstaunlich ist an den Daten, die Diehl / Friedrich / Hall vorlegen, auch, dass sich die gew&#252;nschten Ausbildungsberufe von Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund kaum unterscheiden. Es gibt in diesen Daten zwar einen nachweisbaren Genderbias, aber keinen wirklichen Bias zwischen Jugendlichen ohne und mit Migrationshintergrund. Angesichts dessen, dass die &#8222;realistischen&#8220; Karriereerwartungen f&#252;r Jugendliche mit (zumindest t&#252;rkischem und arabischen) Migrationshintergrund weit geringer sind und sich auf weniger Berufsbilder beziehen, als bei Jugendlichen ohne Migrationshintergrund, ist dies erstaunlich. Gelegentlich wird in der Bildungspolitik und Bildungseinrichtungen ja davon ausgegangen, dass sich Karrieren von Jugendlichen haupts&#228;chlich durch positive Vorbilder beeinflussen lie&#223;en. Die Idee ist, dass, wenn Jugendliche mit Migrationshintergrund sehen, dass Personen mit einem ihnen &#228;hnlichen Hintergrund eine beruflich und / oder gesellschaftlich wichtige Stellung einnehmen k&#246;nnen, sie eher ein Interesse daran entwickeln, auch eine solche Karriere anzustreben. (Nach dieser Vorstellung sind Cem &#214;zdemir und Barak Obama nicht nur normale Politiker, sondern Vorbilder, die ganzen in der Politik in Deutschland beziehungsweise den <span class="caps">USA</span> unterrepr&#228;sentierten Gruppen zeigen, dass es auch f&#252;r sie m&#246;glich ist, eine politische Rolle zu &#252;bernehmen; und zwar ganz abgesehen davon, wie man die tats&#228;chliche Politik von &#214;zdemit und Obama findet.) Obwohl sich Studien finden lassen, die genau dies andeuten, l&#228;sst sich mit Diehl / Friedrich / Hall auch fragen, ob das Hauptproblem der Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf dem Ausbildungsmarkt nicht anderswo gesucht werden sollte.<br />
Der Witz der Studie ist n&#228;mlich, dass es nicht die Selbstbilder der Jugendlichen sind, auch nicht ihre Bildungsaspiration oder die erworbenen Bildungsabschl&#252;sse, welche die unterschiedlichen Erfolge auf dem Ausbildungsmarkt erkl&#228;ren. Vielmehr errechnen Diehl / Friedrich / Hall, dass es vor allem ihr Status als Jugendliche mit Migrationshintergrund ist, der &#8211; kontrolliert man alle anderen Variablen &#8211; den geringeren Erfolg bei der Ausbildungsplatzsuche dieser Jugendlichen erkl&#228;rt. Die einzige andere Variable, die eine empirische Erkl&#228;rung f&#252;r den unterschiedlichen Erfolg liefert, ist das Geschlecht: m&#228;nnliche Jugendliche mit Migrationshintergrund haben bei einer betrieblichen Ausbildung 25% geringer Chancen eine Ausbildungsplatz zu erhalten, als Jugendlichen ohne Migrationshintergrund aber ansonsten gleichen Variablen, weibliche Jugendliche haben immer noch 7% geringere Chancen. Und bei diesen Zahlen sind, wie schon gesagt, die einzelnen Migrationshintergr&#252;nde noch nicht einmal differenziert, dass hei&#223;t f&#252;r bestimmte Gruppen von Jugendlichen wird die Situation noch schlechter aussehen. Egal, wie sehr sie sich in der Schule anstrengen, wie viel Deutsch sie lernen und wie sehr sie Bildung an sich sch&#228;tzen: einfach dass sie keine &#8222;deutschen Deutschen&#8220; sind, schr&#228;nkt ihre Ausbildungs- und damit auch Arbeitsmarktchancen relevant ein.<br />
Diehl / Friedrich / Hall schiffen mehrfach um eine Erkl&#228;rung f&#252;r ihre Befunde herum. Sie sprechen erst einmal von &#8222;Bildern&#8220; von (vor allem m&#228;nnlichen) Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die sich bei den Ausbildungsleitern festgesetzt h&#228;tten. Es ist hat ein wissenschaftlicher Text. Aber auch sie kommen am Ende nicht herum, dass tats&#228;chliche Problem anzusprechen:<br />
<blockquote><br />
Unseres Erachtens spricht vor allem auch der gro&#223;e Unterschied zwischen jungen Frauen und M&#228;nnern mit Migrationshintergrund daf&#252;r, dass Diskriminierungsprozesse seitens der Ausbilder bei der Vergabe von Ausbildungspl&#228;tzen eine Rolle spielen. [S. 64-65]<br />
</blockquote><br />
Man kann es aber auch bei seinem einfachen Namen nennen: Rassismus. Und zwar keine eliminatorischer Rassismus, sondern ein struktureller, der aber dennoch fraglos wirksam ist.</p>

	<p><strong>Wer muss hier gebildet werden?</strong><br />
Bei all dem darf nicht vergessen werden, dass es weiterhin eine Unterschied von Bildungsabschl&#252;ssen gibt: ein Abitur ist auf dem Ausbildungsmarkt mehr &#8222;wert&#8220; als ein Hauptschulabschluss. Deshalb ist es selbstverst&#228;ndlich f&#252;r einen individuellen Jugendlichen mit Migrationshintergrund, der sich nicht dem Problem aussetzen m&#246;chte, dass sein Realabschluss einfach aufgrund seines Migrationshintergrundes weniger wert sein wird, als der gleiche Abschluss seines Mitsch&#252;lers ohne Migrationshintergrund (ohne, dass einer der beiden etwas daf&#252;r k&#246;nnte), immer noch eine individuelle L&#246;sungsstrategie, ein Abitur anzustreben. Insoweit ist eine Arbeit von Bildungseinrichtungen, die ihn dazu ermutigen, ein Abitur anzustreben, an sich nicht falsch. Aber die L&#246;sung ist individuell und vor allem ist sie diskriminierend: warum muss ein Jugendlicher mit Migrationshintergrund ein Abitur machen, um auf dem Ausbildungsmarkt &#228;hnliche Chancen wie ein Jugendlicher ohne Migrationshintergrund, aber Realschulabschluss zu haben?<br />
Zumindest &#8211; dass macht die Studie von Diehl / Friedrich / Hall klar, auch wenn sie gar nicht darauf abzielt &#8211; ist die Vorstellung, dass sich gesellschaftliche Probleme vor allem dadurch l&#246;sen lie&#223;en, dass man &#8222;Problemgruppen&#8220; mehr Bildung vermittelt, falsch, zumindest in der Unbedingtheit, in der sie aktuell ge&#228;u&#223;ert und zur Grundlage politischer und institutioneller Aktivit&#228;ten gemacht wird. Und auch die in diesen Aktivit&#228;ten enthaltene Unterstellung, dass das Hauptproblem bei den Individuen (oder deren Familien) selber liegen w&#252;rde, die nicht gen&#252;gend Bildung akkumulieren w&#252;rden, wird angesichts solcher Ergebnisse unhaltbar.<br />
(Nicht, dass Bildung an sich etwas schlechtes w&#228;re. Ich bin gewiss nicht in der Lage, so etwas glaubhaft zu behaupten. Es geht mir um eine bestimmte, mechanistische und f&#252;r die anvisierten &#8222;Zielgruppen&#8220; oft auch beleidigenden Vorstellung von Bildung, welche zu kritisieren ist. Letztlich l&#228;uft dies wieder einmal auf den Unterschied vom Recht auf Bildung f&#252;r alle und der Pflicht zu Bildung f&#252;r alle hinaus.)<br />
Vielmehr wirft die Studie eine g&#228;nzlich andere Frage auf, n&#228;mlich wer hier eigentlich Bildung erfahren m&#252;sste. Wenn Jugendlichen der Eintritt in den Ausbildungsmarkt nur deshalb schwer gemacht wird, weil sie einen Migrationshintergrund haben, dann sind es offensichtlich diejenigen, die &#252;ber den Eintritt in den Ausbildungsmarkt entscheiden &#8211; dass sind in erster Linie die Verantwortlichen in den Ausbildungsbetrieben, in zweiter Linie diejenigen, die f&#252;r einen Diskurs verantwortlich sind, welcher zur Reproduktion eines strukturell rassistischen Weltbildes beitr&#228;gt und in dritter Linie auch diejenigen, die es durch das best&#228;ndige Artikulieren eines mechanistischen Verst&#228;ndnis von Bildungswirkungen aktuell praktisch verunm&#246;glichen, &#252;ber andere Gr&#252;nde von gesellschaftlicher Ungerechtigkeit nachzudenken &#8211;, welche Bildungsaktivit&#228;ten unterworfen werden sollten, n&#228;mlich solchen, die ihnen helfen, ihr Weltbild zu &#228;ndern. Dabei ist klar, dass es sich bei diesen Personen gerade oft nicht um explizite Rassisten und Rassistinnen handelt, sondern um Menschen aus der Mitte der Gesellschaft, die offenbar dennoch einem Weltbild folgen, in welchem ein (deutscher) Jugendlicher ohne Migrationshintergrund per se ausbildungsgeeigneter w&#228;re, als ein (deutscher) Jugendlicher mit Migrationshintergrund. Dies w&#228;re eine Aufgabe gerade f&#252;r nicht-formale Bildungseinrichtungen und Institutionen, die informelle Bildungsaktivit&#228;ten unterst&#252;tzen wollen. Man m&#252;sste sich daf&#252;r aber &#8211; unter anderem &#8211; von einigen einfachen Bildern der Wirkung von Bildung verabschieden. (Bildern &#252;brigens, die so einfach in der Erziehungswissenschaft &#8211; also der Wissenschaft, die man eigentlich fragen sollte, anstatt haupts&#228;chlich den Dokumenten von Stiftungen und bildungspolitischen Aktiven zu vertrauen &#8211; nie geteilt wurden.)</p>

	<p><strong>Weitere Themen</strong><br />
Wie gesagt, ist die Studie von Diehl / Friedrich / Hall nicht die erste, die auf relevante Unterschiede bei den Umsetzungschancen von Bildung in anderen Bereichen der Gesellschaft hinweisen. (Dies sollte nicht als Kritik an der Studie verstanden werden.) Bekannt ist beispielsweise auch, dass M&#228;dchen und Frauen statistisch weit bessere Bildungsergebnisse erzielen, als Jungen und M&#228;nner. Au&#223;er bei den abgeschlossenen Promotionen und Habilitationen bezieht sich dies auch auf alle Ebenen der Bildungsbereiche. (Und es gibt auch keinen Grund anzunehmen, dass Frauen nicht auch in diesen beiden Zertifikaten in den n&#228;chsten Jahren bessere Ergebnisse erzielen werden, als M&#228;nner, die dies bisher noch tun.) Und dennoch f&#252;hrt dies bekanntlich nicht dazu, dass Frauen bessere Arbeitspl&#228;tze und h&#246;here L&#246;hne erhalten w&#252;rden. Vielmehr setzen M&#228;nner (statistisch gesehen) ihre schlechteren Bildungsabschl&#252;sse auf dem Arbeitsmarkt weit erfolgreicher um, als Frauen. Es gibt mehr als einen Erkl&#228;rungsansatz f&#252;r diese auff&#228;llige Ungerechtigkeit, die hier nicht dargelegt werden sollen. Mir geht es darum, wieder einmal an diesen Fakt zu erinnern. Es gibt noch zahlreiche andere Barrieren bei der Umsetzung / Nutzung von Bildung in der Gesellschaft, egal ob diese Bildung formell oder informell erworben, ob sie zertifiziert oder nicht zertifiziert wurde. Aber die beiden hier genannten Beispiele sind die bekanntesten und zumindest der letztgenannte ist ja durch die feministische Forschung in den letzten Jahrzehnten auch sehr detailliert untersucht worden.<br />
Was beide Beispiele unter anderem anzeigen, ist, dass die Behauptung, Bildung w&#228;re eine allgemeine L&#246;sung f&#252;r Probleme, auf der ja auch zahlreiche Aussagen zum Gewinn individuelle Lernens in einer Gesellschaft, die dem Paradigma &#8222;Lebenslanges Lernen&#8220; folgt, basiert, in dieser Einfachheit nicht haltbar ist. Sie zeigen auch, dass es &#8211; im Sinne der Gesamtgesellschaft &#8211; gerade nicht immer f&#252;r die betroffenen Individuen sinnvoll w&#228;re, Bildung zu erwerben, sondern das vielmehr andere Personengruppen etwas zu lernen h&#228;tten, um gesellschaftliche Probleme zu l&#246;sen. Dies ist auch ein Grund, warum die implizit in der aktuellen Bildungspolitik vermittelte Vorstellung, dass man mit dem m&#246;glichst genauen Messen von Bildungskarrieren die Grundlage f&#252;r die L&#246;sung gesellschaftliche Probleme legen w&#252;rde, weil man dann in Werbekampagnen oder mit der Hilfe einiger (viel zu gering bezahlten) Sozialp&#228;dagoginnen und -p&#228;dagogen diese Gruppen zu mehr Bildung auffordern k&#246;nnte, scheitern wird. Dies ist kein Pl&#228;doyer gegen m&#246;glichst viel Bildung f&#252;r alle, gegen Sozialp&#228;dagogik oder der gezielten Anspruch von Menschen aus gesellschaftliche Gruppen, die ansonsten wenig Zugang zu Bildung suchen. Aber ist doch offensichtlich, dass dies nicht die L&#246;sung f&#252;r die Probleme der Gesellschaft darstellt. Und es ist auch Hinweis darauf, dass man sich als Bildungseinrichtung irgendwann unglaubw&#252;rdig macht, wenn man die einfache Gleichsetzung von Bildung = gesellschaftlicher Erfolg immer wieder reproduziert. Mit einer solchen Strategie wird man vielleicht in Reden des Bundespr&#228;sidenten aufgenommen; man zeigt aber auch, dass man tats&#228;chlichen Probleme m&#246;glicher Nutzerinnen und Nutzer ignoriert, wenn man beispielsweise Jugendlichen mit Migrationshintergrund immer weiter den Eindruck vermittelt, dass sie keinen Ausbildungsplatz finden l&#228;ge vor allem daran, dass sie zu wenig lesen, schreiben oder die Bibliothek besuchen w&#252;rden, anstatt zu realisieren, dass diese Jugendlichen schon selber wissen, dass ihr Migrationshintergrund als eigenst&#228;ndiger Fakt einer der Hauptgr&#252;nde daf&#252;r ist, dass sie keine Ausbildung finden.<br />
Bildung im Sinne einer Arbeitsmarktressource ist halt nicht unbedingt immer und &#252;berall ein Probleml&#246;ser. (Dies wird etwas anderes, wenn man Bildung als Erm&#246;glichung von politischer Partizipation versteht, aber auch dann ist keine eins zu eins &#220;bersetzung m&#246;glich.)</p>

	<p><blockquote><br />
Literatur zur politischen Darstellung und zum politischen Verst&#228;ndnis von empirischer Bildungsforschung:<br />
<ul></p>
	<p><li><span class="caps">BMBF</span>, Bundesminsterium f&#252;r Bildung und Forschung. 2008. Rahmenprogramm zur F&#246;rderung der empirischen Bildungsforschung. Bonn; Berlin: <span class="caps">BMBF </span><a href="http://www.bmbf.de/pub/foerderung_der_empirischen_bildungsforschung.pdf">http://www.bmbf.de/pub/foerderung_der_empirischen_bildungsforschung.pdf</a>.</li><br />
<li>Konsortium Bildungsberichterstattung. 2008. Bildung in Deutschland: Ein indikatorengest&#252;tzer Bericht mit einer Analyse zu &#220;berg&#228;ngen im Anschluss an den Sekundarbereich I. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag <a href="www.bildungsbericht.de/daten2008/fachtagung_bb2008.pdf">www.bildungsbericht.de/daten2008/fachtagung_bb2008.pdf</a>.</li><br />
<li>Konsortium Bildungsberichterstattung. 2006. Bildung in Deutschland: Ein indikatorengest&#252;tzter Bericht mit einer Analyse zu Bildung und Migration. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag <a href="http://www.bildungsbericht.de/daten/gesamtbericht.pdf">http://www.bildungsbericht.de/daten/gesamtbericht.pdf</a>.</li><br />
<li>Wei&#223;huhn, Gernot. 2001. Gutachten zur Bildung in Deutschland: Erstellt von Prof. Dr. Gernot Wei&#223;huhn, Technische Universit&#228;t Berlin, im Zusammenhang mit der Erarbeitung eines Berichtes der Bundesregierung &#252;ber &#8216;Lebenslagen in Deutschland&#8217;. herausgegeben von Bundesministerium f&#252;r Bildung und Forschung. Bonn: Bundesminsterium f&#252;r Bildung und Forschung <a href="http://www.bmbf.de/pub/gutachten_zur_bildung_in_deutschland.pdf">http://www.bmbf.de/pub/gutachten_zur_bildung_in_deutschland.pdf</a>.</li></p>


	<p></ul></p>
	<p></blockquote></p>
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	</item>
		<item>
		<title>Bibliothekspolitisches Interesse kontra bildungssoziologisches Grundwissen</title>
		<link>http://bildungundgutesleben.blogsome.com/2009/03/09/bibliothekspolitisches-interesse-kontra-bildungssoziologisches-grundwissen/</link>
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		<pubDate>Mon, 09 Mar 2009 12:57:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Grundsätzliches</category>
	<category>Schule und Bibliothek / Schulbibliothek</category>
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		<description><![CDATA[	Einen eher irritierenden Text zu deutschen Schulbibliotheken legte vor kurzem Birgit Dankert vor. [Dankert, Birgit. 2008. Bibliotheken und Schulbibliotheken als Instrument der F&#246;rderung von Risikogruppen. In: Kinder- und Jugendliteratur f&#252;r Risikosch&#252;lerinnen und Risikosch&#252;ler?: Aspekte der Lesef&#246;rderung, hg. v. J&#246;rg Knobloch, 114-123. kjl&#38;m extra. M&#252;nchen: kopaed.] Irritierend ist dieser Text, weil er es schafft, in einem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Einen eher irritierenden Text zu deutschen Schulbibliotheken legte vor kurzem Birgit Dankert vor. [<em>Dankert, Birgit. 2008. Bibliotheken und Schulbibliotheken als Instrument der F&#246;rderung von Risikogruppen. In: Kinder- und Jugendliteratur f&#252;r Risikosch&#252;lerinnen und Risikosch&#252;ler?: Aspekte der Lesef&#246;rderung, hg. v. J&#246;rg Knobloch, 114-123. kjl&#38;m extra. M&#252;nchen: kopaed.</em>] Irritierend ist dieser Text, weil er es schafft, in einem Sonderheft der kjl&#38;m (Kinder-/Jugendliteratur und -medien) zu Risikosch&#252;lerinnen und Risikosch&#252;ler vollkommen an den Erkenntnissen, die im Rest des Heftes &#252;ber die Gruppe von Lernenden mit geringer Lesekompetenz und der Aussicht auf eine nicht erfolgreiche Bildungsbiographie (eben die genannten Risikosch&#252;lerinnen und -sch&#252;ler) dargelegt werden, vorbei zu schreiben und dies vor allem aus dem Grund, weil Dankert erkennbar Bibliothekspolitik machen will und gerade <span class="caps">NICHT</span> auf die (m&#246;gliche) Aufgabe von Schulbibliotheken und &#214;ffentlichen Bibliotheken bei der F&#246;rderung von Risikosch&#252;lerinnen und -sch&#252;lern eingeht. Insoweit ist der Text auch ein Beispiel daf&#252;r, wie sehr die bibliothekspolitische Debatte es teilweise schafft, an der Realit&#228;t von Bibliotheken und Bildungseinrichtungen vorbei zu argumentieren. Sichtbar wird dies am Text von Dankert vor allem, weil er in einem Umfeld publiziert wurde, welches sich wenig bis gar nicht um die in bibliothekarischen Debatten best&#228;ndig reproduzierten Vorstellungen von Bibliotheken &#252;ber ihrer eigene Wichtigkeit schert und vielmehr ein eigenes Bild von Bibliotheken entwickelt, dass sich vor allem am Wert dieser f&#252;r die eigene p&#228;dagogische Arbeit orientiert. [1]<br />
Die kjl&#38;m, in welcher der betreffende Text erschien, hat als Zeitschrift eine lange Geschichte, wenn auch der Name relativ neu ist (seit 2007). Ehemals als &#8222;Jugendschriften-Warte&#8220; der Vereinigten Pr&#252;fungsaussch&#252;sse gegr&#252;ndet (also als Blatt, in dem vor allem Lehrer sagten, welche Literatur f&#252;r Kinder und Jugendliche gute Literatur sei und welche nicht) und lange Zeit als Beitr&#228;ge Jugendliteratur und Medien benannt, hat sich diese Zeitschrift unter einem p&#228;dagogischen Fokus auf Kinder- und Jugendliteratur spezialisiert. Als 2000 die Schulbibliothek aktuell &#8211; die bislang einzige Zeitschrift f&#252;r Schulbibliotheken in Deutschland &#8211; wegen der Abwicklung des Deutschen Bibliotheksinstituts eingestellt werden sollte, ging diese in der jetzigen kjl&#38;m auf. Deshalb hat die kjl&#38;m immer noch den Anspruch, nicht nur f&#252;r die Schulpraxis, sondern ebenso f&#252;r (Kinder- und Jugend-)Bibliotheken und Schulbibliotheken publiziert zu werden. Damit ist sie in Deutschland die einzige Zeitschrift, die versucht gleichzeitig f&#252;r das Schul- und das Bibliothekswesen da zu sein.</p>

	<p><strong>Diverse Problemlagen</strong><br />
Nun erschien im letzten Jahr der Sonderband &#8222;Kinder- und Jugendliteratur f&#252;r Risikosch&#252;lerinnen und Risikosch&#252;ler?: Aspekte der Lesef&#246;rderung&#8220;. In diesem sollte untersucht werden, wer diese in der p&#228;dagogischen und politischen Diskussion so oft aufgerufene Gruppe der Risikosch&#252;lerinnen und -sch&#252;ler eigentlich genau sind, was genau eigentlich ihr Risiko ist, ob und wie auf dieses Risiko mit Lesef&#246;rderung reagiert werden kann und welche Grenzen bei der Arbeit mit diesen Lernenden bestehen.<br />
Die Beitr&#228;ge des Bandes halten fest, dass es sich bei der genannten Gruppe von Lernenden nicht wirklich um eine neue Gruppe handelt, sondern dass auch schon vor den <span class="caps">PISA</span>-Studien, im Rahmen deren &#8211; bzw. der auf sie folgenden Debatten &#8211; der Begriff erst popularisiert wurde, der Gro&#223;teil der Fakten, welcher mit dieser Gruppe verbunden werden, bekannt gewesen sei. Ebenso h&#228;lt der Band fest, dass die in den &#246;ffentlichen Diskussion gerne genutzte Bilder von Gro&#223;stadtjungen mit (t&#252;rkischen oder arabischen) Migrationshintergrund als dem Paradebeispiel f&#252;r den Risikosch&#252;ler so nicht zutreffen und das insbesondere die einfach Herleitung (spezifischer) &#8222;Migrationshintergrund = bildungsferne Familiensituation = Risikosch&#252;ler mit Hauptschulkarriere&#8220; am eigentlichen Problem vorbeigeht. Die im Heft selber besprochenen Gr&#252;nde daf&#252;r, dass Kinder und Jugendliche zu Risikosch&#252;lerinnen und Risikosch&#252;lern werden, lassen sich etwas simpel zusammenfassen: sie sind vielgestaltig, nicht schicksalhaft (d.h. sie treten nicht mechanisch bei allen Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern in einer bestimmten Situation auf), sie h&#228;ngen stark strukturell mit dem deutschen Schulsystem zusammen und lassen sich aber nicht auf die Haupt- und Sonderschulen reduzieren. Vor allem m&#252;ssen die Ans&#228;tze, um Risikosch&#252;lerinnen und -sch&#252;ler beim Erwerb von ausreichenden Lesekompetenzen zu unterst&#252;tzen (was als Ziel von allen Artikeln akzeptiert wird), auf sehr unterschiedliche Problemlagen reagieren. Die Gruppe der Risikosch&#252;lerinnen und -sch&#252;ler ist &#228;u&#223;erst divers, ebenso ihre Probleme. (Wer dies genauer ausgef&#252;hrt haben m&#246;chte, sollte eher zum Heft selber greifen, in einem Blogbeitrag ist das nicht wirklich m&#246;glich.)</p>

	<p><strong>Bibliothekspolitik</strong><br />
Birgit Dankert hatte nun in diesem Heft die Aufgabe, die M&#246;glichkeiten von Schulbibliothek und (sic!) schulbibliothekarischer Arbeit von &#214;ffentlichen Bibliotheken (d.h. Der Arbeit von &#214;Ben f&#252;r Schulen) f&#252;r diese Risikogruppe zu beschreiben. Und dies ging gr&#252;ndlich schief.<br />
Was an ihrem Text als erstes auff&#228;llt, ist, dass er nicht im geringsten auf die anderen Texte der Ausgabe oder der in diesen st&#228;ndig wiederholten Erkenntnisse eingeht. [2] F&#252;r Dankert scheint das Bild einer zusammengeh&#246;rigen Gruppe von Risikosch&#252;lerinnen und Risikosch&#252;lern eine ausreichende, selbsterkl&#228;rende Beschreibung zu sein, wobei sie sich letztlich sogar weigert zu bestimmen, wie diese Gruppe aussieht. [3] Vielmehr setzt sie diese einfach als bekannt voraus: die Risikogruppe sind einfach alle Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, die bei den <span class="caps">PISA</span>-Studien in der Lesekompetenz auf der untersten Stufe eingeordnet wurden. Das ist zwar &#8211; wie im Heft selber oft betont wird &#8211; mehr als umstritten, aber f&#252;r den Text von Dankert scheint es auf einmal auszureichen.<br />
Sodann macht sie eine an sich richtige Bemerkung:<br />
<blockquote><br />
Es k&#246;nnte auf den ersten Blick absurd erscheinen, mit Literatur, mit Bibliotheken, noch dazu mit Schulbibliotheken und Kinder- und Jugendb&#252;chern gegen Leseschw&#228;che und gesellschaftliche Desintegration vorzugehen, also genau das Instrument zur &#220;berwindung eines Defizits zu benutzen, dessen Beherrschung ja gerade abgelehnt wird. Denn zweifellos sind Kinder- und Jugendliteratur und &#214;ffentliche wie Schulbibliotheken integrierter, aber nachweisbar zu wenig und nur selektiv integrierender Teil des Systems, das die Risikogruppen wenn vielleicht nicht hervorruft, so doch auch nicht verhindert. [ebd., S. 115]<br />
</blockquote><br />
Der Witz an dieser Aussage ist, dass es im gesamten Text keine Widerlegung derselben gibt, beziehungsweise: der zweite Blick, der auf den angesprochenen ersten Blick folgen und irgendetwas anderes, als die bezeichnete Vorstellung, vermitteln w&#252;rde, findet sich einfach nicht. Es erscheint tats&#228;chlich absurd, auf Leseschw&#228;che mit noch mehr Lesen und gro&#223;en Medienbest&#228;nden zu reagieren, aber Dankert gibt auch keine Aussage dazu ab, warum sie es nicht absurd findet, in diesem Zusammenhang umstandslos weiterhin f&#252;r Schulbibliotheken und &#214;ffentliche Bibliotheken zu argumentieren. Sie scheint sich den gesamten Text &#252;ber zu weigern, auf dieses von ihr erkannte Problem einzugehen und sich beispielsweise zu fragen, wie durchschnittliche Schulbibliotheken wohl auf leseschwache Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler in einem (schulischen) Umfeld wirken, in dem gutlesen zu k&#246;nnen als Wert an-sich gilt. (Sicherlich w&#228;ren Antworten oder zumindest Ans&#228;tze von Antworten, die sich allerdings auch mit einer m&#246;glichen oder realen bibliothekarischen Arbeit neben der Lesef&#246;rderung einlassen m&#252;sste, denkbar. Aber diese werden &#252;berhaupt nicht angesprochen.)<br />
Dankerts Antwort auf das von ihr selbst beschriebene Problem geht ungef&#228;hr so: Wir m&#252;ssen Zielgruppenarbeit machen [4] , Bibliotheken sind allgemein f&#252;r alle zug&#228;nglich, also (so scheint zumindest die Argumentation zu gehen) gerade f&#252;r die gut, die wenig lesen oder schlecht lesen k&#246;nnen (was so ungef&#228;hr jeder p&#228;dagogischen und sp&#228;testens seit Pierre Bourdieus und Jean-Claude Passerons &#8222;Die Illusion der Chancengleichheit&#8220; [dt. 1971] auch soziologischen Erkenntnis zur Wirkung von vorgeblich egalit&#228;ren Bildungsangeboten widerspricht), aber die Politik reagiert nicht &#8222;auf die seit den siebziger Jahren kontinuierlich gef&#252;hrten bibliothekspolitischen Kampagnen zur F&#246;rderung von Schulbibliotheken&#8220; [ebd., S. 116]. Einmal abgesehen davon, dass die Behauptung, es g&#228;be seit den 1970er Jahre eine kontinuierliche bibliothekarische Kampagne f&#252;r Schulbibliotheken, gelinde gesagt eine ziemliche &#220;bertreibung ist (vielmehr werden diese auch in bibliothekspolitischen Texten, wenn &#252;berhaupt, eher am Rand erw&#228;hnt; meistens wollen Bibliothekarinnen und Bibliothekare von diesen Einrichtungen aber lieber nichts wissen und pr&#228;ferieren Stadtteilbibliotheken); ist auch die Haltung von Dankert zu den Problemen der Risikosch&#252;lerinnen und -sch&#252;ler, die im Sonderheft selber reichlich dargelegt werden, fast schon typisch f&#252;r bibliothekspolitische Texte: es wird nicht auf die Probleme eingegangen, auch nicht auf die realen M&#246;glichkeiten bibliothekarischer Arbeit (was auch hei&#223;en m&#252;sste, zu kl&#228;ren, ob eventuell bisher nicht im Sinne der jeweiligen Aufgabe gearbeitet wird), sondern kurz gesagt, dass Bibliotheken an sich die L&#246;sung f&#252;r ein Problem darstellen, um dann zu fordern, dass es mehr Geld, mehr Bibliotheken und mehr Macht f&#252;r bibliothekspolitische Vorstellungen geben m&#252;sste. Letztlich sagt der Text also, dass Bibliotheken alles richtig machen und das Problem nur darin besteht, zu wenig Geld zu haben.<br />
Dabei ist nicht zu bestreiten, dass Bibliotheken unterfinanziert sind. Auch w&#228;re es wohl m&#246;glich, wenn man dies genauer plant, daf&#252;r qualifiziertes Personal hat (also solches, dass nicht unbedingt bibliothekarisch, sondern haupts&#228;chlich p&#228;dagogisch arbeiten kann) und auf die tats&#228;chlichen Interessen der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler und die vorhandenen Barrieren eingeht, Schulbibliotheken unter anderem daf&#252;r einzusetzen, Risikosch&#252;lerinnen und -sch&#252;ler dabei zu unterst&#252;tzen, dass sich ihr jeweiliges Risiko [5] nicht als Problem manifestiert und reproduziert. Aber das alles hat mit Dankerts Text nichts zu tun. Erst beklagt sie weitreichend, dass die Politik sich nicht um Schulbibliotheken k&#252;mmern w&#252;rde; dann klagt sie nebenbei ein, dass vor allem Bibliothekarinnen und Bibliothekare dar&#252;ber zu bestimmen h&#228;tten, wie Schulbibliotheken auszusehen und zu arbeiten h&#228;tten, ohne wirklich darauf einzugehen, dass die meisten Schulbibliotheken in Deutschland gerade nicht von explizit bibliothekarisch ausgebildetem Personal betrieben werden und trotzdem im Rahmen ihrer M&#246;glichkeiten funktionieren.<br />
Anschlie&#223;end f&#252;hrt sie &#8211; und dies zeigt, wie wenig ihr offenbar klar ist (oder wie wenig sie davon wissen will), wie vorgeblich egalit&#228;re Bildungsangebote auf eine Sch&#252;lerinnen- und Sch&#252;lerschaft wirkt, die sehr unterschiedlich ist &#8211; aus, wie sie sich vorstellt, dass Schulbibliothek oder &#214;ffentliche Bibliotheken die leseschwachen Lernenden unterst&#252;tzen k&#246;nnten: mit Klassenf&#252;hrungen, fachbezogener Recherche in der Bibliothek, Medienpr&#228;sentationen in der Schule und mit Spiralcurricula. [ebd. S. 120f.] [6] Um das noch mal klar zu sagen: als Mittel zur Hilfe von Risikogruppen empfiehlt sie Unterricht f&#252;r den gesamten Klassenverband, der allerdings &#8211; dazu braucht es eigentlich keiner p&#228;dagogischer Ausbildung &#8211; gerade denen zugute kommt, die eh&#8217; schon eine hohe Bildung mitbringen und gerade denen weniger bringt, die weniger Vorbildung einbringen k&#246;nnen. Anstatt sich also Gedanken darum zu machen, wie man Risikogruppen helfen kann, empfiehlt Dankert gerade solche Aktivit&#228;ten, die dazu beitragen, das Risiko der Risikogruppen zu festigen. Ganz am Ende ihres Textes macht sie sich dann doch noch einmal Gedanken um die tats&#228;chlichen M&#246;glichkeiten von Schulbibliotheken:<br />
<blockquote><br />
Risikogruppen, wie sie von <span class="caps">PISA </span>[sic!, nicht den <span class="caps">PISA</span>-Studien] definiert und gesellschaftspolitisch diskutiert werden, sind in der Kinderbibliothek eine Zielgruppe, die weniger nach ihren mangelnden schulischen Leistungen, als vielmehr nach ihrem sozialen Status, ihrem allgemeinen Medienverhalten und &#8211; oft genug &#8211; nach ihrer potentiellen Bibliotheksabstinenz definiert wird. [7] Au&#223;erdem geh&#246;ren sie zu der Benutzergruppe, die nach anf&#228;nglicher Leselust in der Vorpubert&#228;t die Bibliothek verl&#228;sst und zum gr&#246;&#223;ten Teil den Leseunwillen der m&#228;nnlichen Jugendlichen repr&#228;sentiert. Bibliothekarische Projekte f&#252;r diese Risikogruppen setzen daher auch bei Ber&#252;cksichtung der medialen Vorlieben von leseungewohnten Jugendlichen, bei Einrichtungssegmenten nach jugendlichem Geschmack, bei Veranstaltungen an der Interessenssph&#228;re junger M&#228;nner an. Sie vertrauen auf die Verfestigung des Lese- und Bibliothekshabitus im fr&#252;hesten Lesealter, auf die Kontaktaufnahme mit Eltern und Gro&#223;eltern und das spielerische, leistungsfreie Element von Ferienprogrammen, Wettbewerben und der Patenschaft bekannter Personen und Vorbilder in der Medienwelt der Jugendlichen. [ebd., S. 121]<br />
</blockquote><br />
Einmal abgesehen davon, dass &#252;berhaupt nicht klar ist, warum die von Dankert angesprochene Orientierung auf den jugendlichen Gestus, wie sie in der medien@age in Dresden oder der <span class="caps">HOEB4U</span> in Hamburg versucht wird, gerade diejenigen Jugendlichen ansprechen sollte, die geringe Lesekompetenzen haben und nicht wieder gerade die Jugendlichen, die ehedem schon zu den Nutzerinnen und Nutzern der Bibliothek z&#228;hlen [8], ist auch die Aussage von Dankert in diesem Abschnitt vollkommen einfach: wir wollen Jugendliche ansprechen, also richten wir uns auf Jugendliche aus. Okay, daran ist grunds&#228;tzlich nichts zu kritisieren, zumal sie immerhin das &#8222;leistungsfreie Element&#8220; von Freizeitaktivit&#228;ten erw&#228;hnt. Aber letztlich sagt das nichts dar&#252;ber aus, wie genau dies in den Schulbibliotheken &#252;berhaupt getan werden soll. Was soll jemand, der oder die eine Schulbibliothek gr&#252;nden will, mit dieser Aussage anfangen? Zumal diese Aussage eine wichtige Erkenntnis der Bildungsforschung zu ignorieren scheint: das Problem ist nicht, dass &#8222;Bildungsferne&#8220; spezifisch etwas gegen Bildung h&#228;tten. Vielmehr &#228;u&#223;ern sich nahezu alle Menschen, wenn sie gefragt werden, positiv gegen&#252;ber der Idee von Bildung. Die Probleme liegen anderswo, nicht etwa darin, dass Eltern und Gro&#223;eltern etwas dagegen h&#228;tten, wenn ihre Kinder, Enkelinnen und Enkel lesen &#8211; solch eine Haltung ist eher die gro&#223;e Ausnahme. Das scheint Dankert aber nicht zu interessieren, sie behauptet einfach, dass man etwas Spiel- und Freizeitraum und etwas mehr Jugendlichkeit im Kinder- und Jugendbereich von Bibliotheken und in Schulbibliotheken schaffen m&#252;sse und schon w&#252;rde man die &#8222;Risikogruppen&#8220; erreichen. Das wird so nicht funktionieren, zeigt aber, wie sehr bibliothekspolitische Texte sich darauf fixieren, die Arbeit von Bibliotheken, so wie sie schon ist, als richtig zu postulieren und das Problem auf die Unterfinanzierung zu reduzieren. Das sie dabei reale Probleme, bei Dankert die der Risikosch&#252;lerinnen und Risikosch&#252;ler, in anderen Texten auch andere Probleme, in ihrer Problemhaftigkeit ignorieren und auf reine Argumente f&#252;r das eh-schon-richtige-Bibliothekswesen reduzieren, scheint die Autorinnen und Autoren dieser Texte kaum zu interessieren.</p>

	<p><strong>Andere M&#246;glichkeiten</strong><br />
Vielleicht wird der Text von Dankert hier etwas &#252;berinterpretiert. Er scheint symptomatisch f&#252;r die Bibliothekspolitik in Deutschland; nur f&#228;llt die Differenz zwischen den Aussagen des Textes und der problematisierenden Argumentation im p&#228;dagogischen Rahmen so stark auf, weil er im direkten Zusammenhang mit weit reflektierteren Texten publiziert wurde. Dieses Problem stellt sich f&#252;r bibliothekspolitische Texte, die in rein bibliothekarischen Zeitschriften erscheinen im Allgemeinen nicht. Aber die Grundform l&#228;sst sich auch anderswo &#8211; nicht zuletzt in den &#8222;21 Guten Gr&#252;nden f&#252;r Bibliotheken&#8220; &#8211; wiederfinden: anstatt sich mit realen Problemen der Gesellschaft oder den Forschungen auf bestimmten Gebieten zu befassen, werden wissenschaftliche und pseudo-wissenschaftliche Studien und politische &#196;u&#223;erungen daraufhin abgeklopft, ob sie irgendein Argument hergeben, an das man den Halbsatz &#8222;... und deshalb m&#252;ssen Bibliotheken mehr gef&#246;rdert (d.h. Finanziell ausgestattet) werden&#8220; anh&#228;ngen kann.<br />
Das Problem dabei ist, dass man sich nicht nur nicht mit den Problemen der Gesellschaft, in die hinein man als &#246;ffentliche &#8211; d.h. von der &#214;ffentlichen Hand finanzierte &#8211; Einrichtung wirken sollte, sondern vor allem mit sich selber besch&#228;ftigt. Damit macht man sich nicht nur unglaubw&#252;rdig, sondern verpasst es gerade, die tats&#228;chlichen M&#246;glichkeiten von Bibliotheken zur Verminderung von bestimmten gesellschaftlichen Problemen zu bestimmen. Diese L&#246;sung besteht eben (oft) nicht darin, einfach nur mit mehr Geld das Gleiche zu machen, was man schon immer macht und dies immer wieder neu in einer jeweils aktuellen politischen Terminologie zu beschreiben. Mit diesen bibliothekspolitischen Strategie schr&#228;nkt man vielmehr die tats&#228;chlichen M&#246;glichkeiten von Bibliotheken radikal ein.<br />
Um das klar zu sagen: das Problem ist nicht, dass man dar&#252;ber nachdenkt, ob Schulbibliotheken etwas dazu beitragen k&#246;nnten, Risikosch&#252;lerinnen und Risikosch&#252;ler dabei zu unterst&#252;tzen, ihr Risiko nicht manifest werden zu lassen. (Sicher w&#252;rde man sich w&#252;nschen, dass in diese &#220;berlegungen auch nicht-bibliothekarisch gef&#252;hrte Schulbibliotheken einbezogen w&#252;rde &#8211; schon weil sie den Gro&#223;teil der Einrichtungen stellen. Aber das w&#228;re von der Bibliothekspolitikerin Dankert nicht wirklich zu erwarten.) Das Problem ist, dies einfach ohne jeden Grund zu behaupten, um mehr Geld zu fordern und damit das Nachdenken &#252;ber die gestellten Probleme praktisch einzustellen. Die richtige Antwort auf die Frage, ob Schulbibliotheken ein Instrument der Lesef&#246;rderung f&#252;r leseschwache Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sein k&#246;nnten, w&#228;re wohl nicht einfach: &#8222;Klar, wir haben ja Medien. Gebt uns mehr Geld&#8220;, sondern eher &#8222;Wir wissen es nicht wirklich. (Dies hat unter anderem damit zu tun, dass Schulbibliotheken, &#214;ffentliche Bibliotheken und die Forschung &#252;ber Bibliotheken unterfinanziert sind.)&#8220; Das w&#252;rde nicht den Untergang von Schulbibliotheken bedeuten, da sie auch so ihre Berechtigung h&#228;tten; es w&#252;rde aber erm&#246;glichen, weitere Fragen zu stellen und sich &#8211; anstatt mit immer neuen &#8222;spannenden&#8220; Veranstaltungen, die doch meistens immer wieder die Gleichen sind &#8211; mit den tats&#228;chlichen Bildungsbarrieren und der tats&#228;chlichen Wirkung von Bildung und Bibliotheken zu befassen.<br />
Allerdings: Birgit Dankert und andere sind routiniert darin, auf jedes Problem Texte zu schreiben, die den gleichen Inhalt haben, n&#228;mlich ohne eine wirkliche Ver&#228;nderung bibliothekarischer Praxis und Arbeit anzudenken, mehr Geld zu fordern. Das ist wenig hilfreich, ebenso wenig hilfreich, wie der Versuch von Dankert, ihre Vorliebe f&#252;r Projekte der Bertelsmann-Stiftung (d.i. in diesem Fall das Spiralcurriculum, anderswo die Vorstellung, dass Standards f&#252;r Schul- und andere Bibliotheken eine gute Idee w&#228;ren) einfach als allgemein akzeptierte Entwicklungen des Bibliothekswesens in Deutschland zu pr&#228;sentieren. Vor allem bringt das weder die Bibliotheken in Deutschland weiter, noch sagt das irgendetwas &#252;ber die tats&#228;chlichen M&#246;glichkeiten von Schulbibliotheken im deutschen Schulwesen aus. Es ist Bibliothekspolitik und sollte auch als solche bezeichnet werden.</p>

	<p><blockquote><br />
Fu&#223;noten:<br />
[1] Wobei dieses Feld, das p&#228;dagogische, ebenfalls daf&#252;r bekannt ist, nicht gerade auf andere Diskurse einzugehen, sondern vielmehr in sich selbst geschlossen zu sein.<br />
[2] Dabei w&#228;re es auch eine Aufgabe der Redaktion, so etwas bei einer expliziten Sonderausgabe zu verhindern. Sie sollte ihre Autorinnen und Autoren zumindest dann, wenn sie weit hinter die Erkenntnisse der anderen Beitr&#228;ge zur&#252;ckfallen, darauf hinweise und zur Not Texte nicht publizieren.<br />
[3] Sie schreibt zwar teilweise von Gruppen, aber wieso die Mehrzahl verwendet wird, wird im Text selber nicht klar. Wozu eine Differenzierung andeuten, wenn dann nichts differenziert wird?<br />
[4] Wer wir ist, welche Arbeit genau f&#252;r welche Zielgruppen gemeint ist, wer diese Zielgruppen wie erfassen soll, wieso f&#252;r bibliothekarische Arbeit eigentlich Begrifflichkeiten der Betriebswirtschaftslehre verwendet werden m&#252;ssen und warum daf&#252;r Schulbibliotheken notwendig sind, wird nicht klar.<br />
[5] Das Risiko der Lernenden ist ja gerade nicht immer gleich, sondern hat sehr wohl eine jeweils individuelle Auspr&#228;gung, weswegen es auch keine generell f&#252;r alle Problemsch&#252;lerinnen und -sch&#252;ler funktionierenden Projekte, Instrumente, Einrichtungen et cetera geben kann.<br />
[6] Dabei hebt Dankert die Spiralcurricula als angeblich neue Form der Lesef&#246;rderung [sic!, die Brosch&#252;ren des bdv sprechen ja eher von Informationskompetenz, aber hier geht es offenbar um Politik, da scheint jedes Argument richtig, wenn es nur irgendwie past] hervor, welche vorgeblich auf die Interessen der Lehrerinnen und Lehrer eingeht, ohne zu erw&#228;hnen, dass sie selber eine der (wenigen) F&#246;rdererinnen dieses Konzeptes ist.<br />
[7] Das andere Texte im gleichen Sonderheft der kjl&#38;m betonen, dass es wenig hilfreich ist beispielsweise den Migrationshintergrund oder die Vorliebe f&#252;r bestimmte Medienformen als Synonym f&#252;r die das Risiko von Risikosch&#252;lerinnen und -sch&#252;lern zu nutzen &#8211; ganz abgesehen von Studien, die unter anderen zeigen, dass gerade die Jugendlichen mit gro&#223;en Bildungserfolgen solche negativ belegten Medien wie &#8222;gewaltt&#228;tige&#8220; Computerspiele bevorzugen &#8211; weil dies nicht nur gesellschaftliche Ausgrenzungsmerkmale reproduziert, sondern auch den Blick auf die tats&#228;chlichen Risikosch&#252;lerinnen und -sch&#252;ler verstellt, wird wie gesagt bei Dankert nicht reflektiert.<br />
[8] Wobei das keine Argumentation gegen die medien@age, die <span class="caps">HOEB4U</span> oder &#228;hnliche Projekte sein soll. Auch bildungsnahe Jugendliche sollten verst&#228;rkt von Bibliotheken erreicht werden und eventuell zum l&#228;ngeren Aufenthalt in der Bibliothek angehalten werden. Die Frage ist hier nur, woher die Vorstellung kommt, dass man mit diesen Projekten gerade bildungsferne Jugendliche ansprechen w&#252;rde. Diese Vorstellung ist nicht wirklich nachzuvollziehen.<br />
</blockquote></p>
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		<title>Bildung in nicht-formellen Bildungseinrichtungen: Defizitmodell vs. Kompetenzmodell</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Mar 2009 13:56:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Grundsätzliches</category>
	<category>Bildung</category>
	<category>Thesen</category>
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		<description><![CDATA[	In ihrem Artikel &#8222;Recht auf Bildung ist keine Pflicht&#8220; [Reutter, Gerhard und Rosemarie Klein. 2008. Recht auf Bildung ist keine Pflicht: Gegenrede; Die andere Wirklichkeit der Erwachsenenbildung. Weiterbildung 19, Nr. 6: 22-25.] weisen Gerhard Reutter und Rosemarie Klein am Beispiel der Erwachsenenbildung f&#252;r Migrantinnen und Migranten auf ein gewichtiges Problem f&#252;r alle Bildungsprozesse au&#223;erhalb des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>In ihrem Artikel &#8222;Recht auf Bildung ist keine Pflicht&#8220; [<em>Reutter, Gerhard und Rosemarie Klein. 2008. Recht auf Bildung ist keine Pflicht: Gegenrede; Die andere Wirklichkeit der Erwachsenenbildung. Weiterbildung 19, Nr. 6: 22-25</em>.] weisen Gerhard Reutter und Rosemarie Klein am Beispiel der Erwachsenenbildung f&#252;r Migrantinnen und Migranten auf ein gewichtiges Problem f&#252;r alle Bildungsprozesse au&#223;erhalb des formalen Bildungswesens hin: Eine wirkliche selbstbestimmte Bildung ist auf die Interessen, die Einsch&#228;tzungen und die Mitarbeit der Lernenden angewiesen; oder genauer: versteht man Bildung nicht als rein &#246;konomisch zu nutzenden Variable, dann ist es das Recht der potentiell Teilnehmenden an Bildungsprozessen, Bildungsangebote und die Unterst&#252;tzung individueller Bildungsaktivit&#228;ten einzufordern, w&#228;hrend es gleichzeitig nicht einfach m&#246;glich ist, von Seiten der Bildungseinrichtungen (oder der Politik) zu fordern, dass von den Lernenden bestimmte Bildungsinhalte erworben und -angebote genutzt werden.<br />
Reutter und Klein machen dies in durchaus gesellschaftspolitischer Absicht am Bild von Migrantinnen und Migranten, welchem implizit in Bildungseinrichtungen und Bildungsprogrammen gefolgt wird, fest. Sie insistieren darauf, dass Migrantinnen und Migranten zwar beispielsweise das Recht haben Integrations- und Deutschkurse einzufordern, gleichzeitig aber nicht einfach aus ihrem Status &#8211; welcher ja zuv&#246;rderst ein politischer Status ist und keiner, der eine Aussage &#252;ber die Kompetenzen der Menschen, denen dieser Status zugeschrieben wird, erm&#246;glicht &#8211; geschlossen werden k&#246;nne, dass sie bestimmte Inhalte zu lernen h&#228;tten. Dass ist zuerst eine Position gegen die aktuell in der deutschen Politik verbreitete Vorstellung, dass Integration vor allem dadurch erreicht werden k&#246;nnte, dass man alle Migrantinnen und Migranten zu Integrationskursen verpflichtet. Im zweiten Schritt weisen Reutter und Klein aber darauf hin, dass nicht nur die Politik, sondern auch ein Gro&#223;teil der Erwachsenenbildung implizit der Vorstellung folgenden w&#252;rde, dass sie qua ihrer Konstitution als Bildungseinrichtungen in der Lage seien, f&#252;r Menschen mit einem bestimmten politischen und/oder gesellschaftlichen Status einfach die Inhalte notwendiger Bildungsaktivit&#228;ten bestimmen zu k&#246;nnen. Die Bildungseinrichtungen w&#252;rden, so der Vorwurf, sich stark als die Instanz konstruieren, welche das Recht h&#228;tte, zu bestimmen, was an Bildung notwendig und richtig ist.<br />
<blockquote>Eine [&#8230;] Auff&#228;lligkeit ist, dass in vielen Grundbildungsangeboten [der Erwachsenenbildung, K.S.] Menschen mit Migrationshintergrund die Zielgruppe darstellen und es in den Angebotsbeschreibungen oft unklar ist, ob es bereits grundbildungsbed&#252;rftig macht, nicht ausreichend &#252;ber deutsche Sprachkenntnisse zu verf&#252;gen. [Reutter / Klein (2008), S. 22]</blockquote></p>

	<p><strong>Das Defizitmodell</strong><br />
Neben dem politischen Impetus des Textes thematisieren Reutter und Klein auch ein Problem, welches in Zeiten, in denen Bildung &#8211; wie aktuell &#8211; haupts&#228;chlich als L&#246;sung f&#252;r wirtschaftliche und gesellschaftliche Probleme thematisiert wird, schnell in Vergessenheit ger&#228;t, obwohl es schon lange unter diversen Namen bekannt ist: das Frage, ob Bildung mithilfe eines Defizit- oder eines Kompetenzmodells begriffen werden sollte.<br />
Eigentlich ist diese Frage f&#252;r die nicht-formelle Bildung durch den vorherrschenden Diskurs vom Lebenslangen Lernen schon entschieden, da dieses Lernen nur vom Kompetenzmodell ausgehend sinnvoll zu gestalten ist. Allerdings planen und handeln sowohl die Erwachsenenbildung als auch die Politik (und ebenso Bibliotheken) nach einem Defizitmodell von Bildung.<br />
Beim Defizitmodell wird, einfach gesprochen, von einem normativen Bildungsinhalt ausgegangen, der an das Wissen der Individuen angelegt wird. Das daraus entstehende Defizit definiert, was von den Individuen gelernt werden soll, das erkl&#228;rte Ziel ist eine vollst&#228;ndige Deckung als notwendig definierten Inhalts und dem Wissen der lernenden Individuen. Das Hauptproblem mit diesem Modell ist offensichtlich: es bedarf einer Institution, die festlegt, um welche Bildungsinhalte es geht. Dies wird zunehmend schwieriger, da heute allgemein akzeptiert ist, dass aus dem Inhalt einer Bildungsaktivit&#228;t alleine noch nicht der endg&#252;ltig bei den lernenden Individuen realisierte Sinn derselben bestimmt werden kann &#8211; das gleiche Wissen f&#252;hrt, selbst wenn es vollst&#228;ndig vermittelt wird, nicht automatisch bei allen Individuen zu den gleichen Ergebnissen. Vielmehr konstituieren diese ihr jeweiliges Wissen bekanntlich selber.</p>

	<p><strong>Gr&#252;nde f&#252;r ein Defizitmodell</strong><br />
Eine bekannte Anwendung dieses Defizitmodells stellt der Anspruch des Staates dar, durch die Schulpflicht und die Kontrolle &#252;ber die Schulpl&#228;ne (bzw. bei freien Schulen zumindest &#252;ber die Abschlusspr&#252;fungen) einen Einfluss auf die Allgemeinbildung der Bev&#246;lkerung zu nehmen. F&#252;r diese Auffassung gibt es gute Gr&#252;nde, schlie&#223;lich zeigen die Erfahrungen aus anderen Zeiten, dass die vollst&#228;ndige Freigabe von Lehrinhalten nicht zu einer Allgemeinbildung f&#252;hrt, sondern zu einer noch tieferen Spaltung der Gesellschaft im Bezug auf Bildung und der Vererbung von Bildungserfolgen innerhalb von Familien. Zudem stellt die Schulpflicht zumindest in der Theorie sicher, dass Kinder und Jugendliche ein bestimmtes Grundwissen vermittelt kriegen und ist somit &#8211; wieder zumindest in der Theorie &#8211; ein Garant daf&#252;r, dass Menschen w&#228;hrend ihrer Schulzeit Grundz&#252;ge des demokratischen Handelns, der s&#228;kularen Gesellschaft und der M&#246;glichkeiten, sich zumindest theoretisch von seinem / ihren &#8222;Schicksal&#8220; zu emanzipieren, vermittelt bekommen. Sicherlich funktioniert dass nicht immer, wird best&#228;ndig angegriffen (beispielsweise aktuell in Berlin von einer religi&#246;sen Initiative, die ernsthaft den Ethikunterricht f&#252;r religi&#246;se Kinder und Jugendliche praktisch abschaffen will), es gibt auch immer einige berechtigte Kritik sowohl am konkreten Schulsystem und an der Schulpflicht. [1] Nicht zuletzt existiert immer die Gefahr, dass die Schulpflicht von nicht-demokratischen oder nicht-s&#228;kularen Gesellschaften genutzt wird, um Kinder gerade nicht demokratisch und / oder nicht s&#228;kular zu erziehen. Wichtig ist hier aber erstmal das Vorgehen: der Staat bestimmt &#8211; heutzutage im Namen der Gesellschaft, in Preu&#223;en beispielsweise noch bei der Einf&#252;hrung der dortigen Schulpflicht Ende des 18. Jahrhunderts im Namen des Staates Preu&#223;en &#8211; den Inhalt einer Bildungsaktivit&#228;t (d.h. der Schulbildung) und begreift Bildung erst als gegl&#252;ckt, wenn dieser Inhalt vermittelt wurde. Dies wird durch zahlreiche Tests w&#228;hrend der Schulzeit gemessen: der Abstand zwischen dem geforderten und dem von den Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern nachgewiesenen Wissen. (Das ist sehr verk&#252;rzt, selbstverst&#228;ndlich wird in den Tests auch anderes abgefragt, beispielsweise die Anstrengung, die in die L&#246;sung einer Aufgabe gesteckt wurde. Zensuren dr&#252;cken zudem solche Werte wie die Mitarbeit von Lernenden aus.)<br />
Es gibt innerhalb der Gesellschaft noch weitere Bildungsaktivit&#228;ten, bei denen die Anwendung eines Defizitmodells einigerma&#223;en begr&#252;ndet und akzeptiert ist, insbesondere dort, wo das Wohl anderer Menschen von der Vermittlung eines bestimmten Wissens abh&#228;ngt. F&#252;hrerscheine als Ergebnis einer Bildungsaktivit&#228;t sind daf&#252;r ein gutes Beispiel: Neben dem Beherrschen des Fahrzeugs muss der Fahrsch&#252;ler / die Fahrsch&#252;lerin bekanntlich in der Fahrpr&#252;fung und der zuvor zu absolvierenden theoretischen Pr&#252;fung ein ausreichendes Wissen &#252;ber die Stra&#223;enverkehrsordnung beweisen. Ist er oder sie dazu (noch) nicht in der Lage, weil dieses Wissen nicht erworben wurde, wird er oder sie im Allgemeinen nicht zur Fahrpr&#252;fung angemeldet. Es ist also bei F&#252;hrerscheinen allgemein akzeptiert, dass es einen Bestand an Wissen gibt, der im Rahmen einer Bildungsaktivit&#228;t erworben werden muss und zum Abschluss &#252;berpr&#252;ft wird.<br />
&#196;hnliches gilt f&#252;r die Approbation bei &#196;rzten, die Pr&#252;fungen bei anderem medizinischen Personal oder den Staatsexamen f&#252;r Juristinnen, Juristen, Lehrer, Lehrerinnen und einige andere Berufe. [2]<br />
Der Vorteil eines solchen Defizitmodells f&#252;r die Bildungseinrichtungen besteht darin, dass die Bildungsziele ohne Ansicht der lernenden Individuen bestimmt werden. Vielmehr wird eine reale oder postulierte gesellschaftliche &#220;bereinkunft &#252;ber die notwendigen Inhalte in Curricula umgesetzt (auch wenn die Erstellung dieser Lehrpl&#228;ne oft nicht wirklich von der Gesellschaft, daf&#252;r aber zum Teil von den Interessenvertretungen der betroffenen Berufe beeinflusst wird). Es ist deshalb f&#252;r die Bildungseinrichtungen auch m&#246;glich, sich relativ klar auf die Vermittlung von Inhalten zu spezialisieren, die allesamt vor einem Bildungsgang feststehen. Ebenso ist die Messung des Erfolges der Bildungsaktivit&#228;ten relativ leicht m&#246;glich, sie definiert sich dar&#252;ber, wie viel des geforderten Inhalts vermittelt wurde.</p>

	<p><strong>Das Kompetenzenmodell</strong><br />
Allerdings: je weniger es eine gesellschaftliche &#220;bereinkunft dar&#252;ber gibt, dass ein bestimmter Bildungsinhalt vermittelt werden soll, umso weniger ist das Defizitmodell von Bildung zu begr&#252;nden. Letztlich erhebt sich in diesem Modell immer eine Institution &#252;ber die Individuen und bestimmt dar&#252;ber, was diese zu lernen h&#228;tten. Eine solche Position muss (zum Gl&#252;ck) innerhalb einer liberalen Gesellschaft immer einen sehr klaren Grund haben: beispielsweise verhindern, dass Kinder und Jugendliche &#8211; wie vor der Einf&#252;hrung der Schulpflicht in Deutschland &#8211;  vor allem im Lesen der Bibel und wenig mehr ausgebildet w&#252;rden (bzw., wie es Friedrich Engels in Die Lage der arbeitenden Klasse in England schildert, vor allem lernen, warum die Angeh&#246;rigen anderer Denominationen schlechte Menschen seien, die in die H&#246;lle kommen w&#252;rden), oder weil eine gewisse &#220;bereinkunft dar&#252;ber herrscht, dass der Stra&#223;enverkehr f&#252;r alle Menschen (und die Umwelt) weit ungef&#228;hrlicher ist, wenn Menschen erst einen F&#252;hrerscheinpr&#252;fung bestehen m&#252;ssen, bevor sie selber ein Fahrzeug im &#246;ffentlichen Stra&#223;enverkehr f&#252;hren d&#252;rfen.<br />
Sicherlich, jede und jeder kann einen Wissensbestand definieren und behaupten, dieser sei f&#252;r bestimmte Dinge notwendig. Teilweise funktioniert dies ja bei Weiterbildungseinrichtungen, die bestimmte Bildungsg&#228;nge definieren und f&#252;r diese Zertifikate vergeben. Aber diese Zertifikate sind immer nur sehr beschr&#228;nkt &#8211; wenn &#252;berhaupt &#8211; anerkannt. Viel wichtiger ist allerdings, dass sie dem allgemeinen Bild des selbstverantwortlichen Individuums widersprechen, welches einerseits das Leitbild jeder liberalen Gesellschaftskonzeption (im Sinne des Menschenbildes, nicht unbedingt im Sinne einer wirtschaftsliberalen Gesellschaftsutopie, sondern auch beispielsweise im wie auch immer sonst zu bewertenden demokratischen Sozialismus heutiger linker Parteien oder gro&#223;er Teile der intellektuellen Opposition in den real-sozialistischen Staaten) und gleichzeitig der zeitgen&#246;ssischen Vorstellung des Lebenslangen Lernens darstellt. Den Menschen wird zugestanden bzw. zugemutet, dass sie im Anschluss an ihre Grundausbildung in Schule, Berufsausbildung und / oder Hochschule eigenst&#228;ndig w&#228;hlen, welche Bildung sie wie, wann und wo erwerben wollen und k&#246;nnen. Dabei wird vorausgesetzt, dass die Individuen sich selber zu solchen Bildungsaktivit&#228;t motivieren m&#252;ssen, auch wenn sie dabei unterst&#252;tzt werden k&#246;nnen. Die Aufgabe von Bildungseinrichtungen ist diesem Bild des Lebenslangen Lernens folgend eigentlich, Menschen dabei zu unterst&#252;tzen, Bildungsaktivit&#228;ten zu finden, die ihnen zusagen.<br />
Hier setzt das Kompetenzmodell an: es wird von den vorhandenen Kompetenzen und Wissensbest&#228;nden eines Individuums sowie von dessen pers&#246;nlicher Wahl einer Bildungsaktivit&#228;t oder einer Bildungsrichtung ausgegangen. Nicht die Institution oder die wie auch immer vermittelte gesellschaftliche Notwendigkeit, sondern die Individuen selber bestimmen dar&#252;ber, wie die Bildungsaktivit&#228;t aussehen sollen, an denen sie teilhaben oder die sie selbstst&#228;ndig unternehmen wollen, ebenso bestimmen sie &#252;ber die Inhalte dieser Bildungsaktivit&#228;ten. [3]<br />
Dieser an sich intuitiv sinnvolle und gerechte Perspektivwechsel bedeutet allerdings f&#252;r Bildungseinrichtungen einen gro&#223;en Einschnitt, der weder in den Einrichtungen selber noch in der  Bildungspolitik, die unverdrossen &#8211; neben den Schulleistungsstudien &#8211; den Diskurs des Lebenslangen Lernens perpetuiert, wahrgenommen zu werden scheint: die Richtung, die Geschwindigkeit, der Inhalt, die Ergebnismessung von Bildungsaktivit&#228;ten sowie die Wahl, ob &#252;berhaupt Gelernt oder doch keine Bildungsaktivit&#228;t unternommen wird, liegt in den H&#228;nden der Individuen. Und in deren H&#228;nden sollte sie auch bleiben. Die Bildungseinrichtungen haben &#8211; ebenso wie die Politik oder Interessenverb&#228;nde &#8211; zwar die M&#246;glichkeit, Vorschl&#228;ge zu machen und Menschen zu beraten. Aber sie haben nur unter sehr bestimmten Umst&#228;nden, die begr&#252;ndbar sein m&#252;ssen &#8211; wie die Schulpflicht &#8211; das Recht, den Individuen einen Bildungsweg oder einen Bildungsinhalt vorzuschreiben.<br />
F&#252;r die Bildungseinrichtungen hei&#223;t dies auch, dass sie eigentlich eine individuelle Bildungsberatung etablieren m&#252;ssten, welche von den Kompetenzen der einzelnen Individuen ausgehen sollte, nicht von den Vorstellungen der Einrichtungen oder Beratungskr&#228;ften, was an Inhalten gut f&#252;r die Individuen / gut f&#252;r die Gesellschaft / gerade im Angebot der Einrichtung ist. Dazu m&#252;ssen die Beratenden auch in der Lage sein, die Kompetenzen von Menschen zu bestimmen. (Wobei sich hierbei wieder die Frage stellt, was wie als Kompetenz definiert wird.)</p>

	<p><strong>Wer darf was bestimmen?</strong><br />
Reutter und Klein stellen nun fest, dass f&#252;r die Erwachsenenbildung in einer liberalen Gesellschaft das Kompetenzmodell vorherrschen m&#252;sste und das Defizitmodell nur in sehr ausgew&#228;hlten Bereichen der Bildung genutzt werden d&#252;rfte, n&#228;mlich dort, wo es zu begr&#252;nden w&#228;re. Hingegen scheint es ihnen, dass das Defizitmodell weiterhin die Grundlage der Bildungsplanung von Einrichtungen und Politik darstellt und das Kompetenzmodell nur eine sehr beschr&#228;nkte Rolle spielt. Oder anders ausgedr&#252;ckt: die Politik und die Bildungseinrichtungen m&#252;ssten eigentlich die Menschen m&#246;glichst autonom entscheiden lassen, setzen sich aber entgegen dieser Anforderung best&#228;ndig als normative Instanz, die in der Lage w&#228;re, zu bestimmen, welche Bildungsinhalte f&#252;r fast alle Individuen in der Gesellschaft n&#246;tig w&#228;ren.<br />
Das Beispiel der Migrantinnen und Migranten, &#252;ber die eher bestimmt wird &#8211; beispielsweise, dass sie unbedingt Deutsch lernen m&#252;ssten &#8211;, als dass an ihren Interessen angesetzt wird, ist dabei nur ein, wenn auch besonders offensichtliches, Beispiel. Ebenso ist auf die Praktiken der Agentur f&#252;r Arbeit zu verweisen, in der Angestellte &#8211; zumeist ohne p&#228;dagogische Ausbildung &#8211; dar&#252;ber entscheiden, welche &#8222;Ma&#223;nahmen&#8220; Menschen zu durchlaufen h&#228;tten (wobei im Verst&#228;ndnis der Agentur diese Ma&#223;nahmen als Bildungsaktivit&#228;t begriffen werden, obwohl aus der Praxis der meisten dieser Ma&#223;nahmen, insbesondere solcher, die fast alle Hartz IV-Empf&#228;ngerinnen und -Empf&#228;nger durchlaufen m&#252;ssen &#8211; wie das ber&#252;chtigte Bewerbungstraining, in welchem man lernt, den Rechner an zu machen und einen tabellarischen Lebenslauf zu erstellen &#8211; ernsthafte Zweifel &#252;ber diese Funktion angebracht sind. Aber das ist ein anderes Thema).<br />
Verbunden sind diese bildungspolitischen Entscheidungen &#252;ber (sic!) Migrantinnen, Migranten und sozial und &#246;konomisch Schwache zumeist mit sehr mechanistischen Vorstellungen von der Wirkung von Bildung, die beispielsweise von Uwe Bittlingmayer und Helmut Bremer einige Ausgaben vor dem Artikel von Reutter und Klein in derselben Zeitschrift kritisiert wurde:<br />
<blockquote>Der Diskurs um Weiterbildung in der Wissensgesellschaft reproduziert h&#228;ufig das simplifizierende Bild von Weiterbildungsangebot und Weiterbildungsnachfrage, ohne sich um die sozialen Determinanten individueller Bildungspr&#228;ferenzen zu k&#252;mmern. Aus einer Perspektive der Theorie und Empirie differenzierter sozialer Milieus sind standardisierende Appelle zur Erh&#246;hung der Weiterbildungsquote und Anstrengungsbereitschaft kritisch zu betrachten: Gerade f&#252;r bildungsferne Gruppen k&#246;nnen sie im Extremfall zurecht als Kolonialisierung ihrer milieuspezischen Lebenswelt beschrieben werden, weil die Standardisierungen zur symbolischen Abwertung ihrer milieuspezifisch differenten Alltagspraktiken und Handlungsroutinen f&#252;hren, die nicht mit dem Hintergrundszenarien kompatibel scheinen.<br />
Der R&#252;ckgriff auf Weiterbildung als einen Universalschl&#252;ssel biografischer Sicherheitsproduktion macht f&#252;r bildungsferne Gruppen wenig Sinn, weil nicht nur die symbolischen H&#252;rden aller Art formalisierter Bildungsangebote sehr hoch sind, sondern auch die anschlie&#223;enden Umsetzungschancen des erlangten Weiterbildungspatents weniger Erfolg versprechen sein d&#252;rften, als bei &#8211; im Hinblick auf formalisierte Bildungsprozesse &#8211; bildungsgewohnten sozialen Gruppen.<br />
[<em>Bittlingmayer, Uwe und Helmut Bremer. 2007. Empowerment f&#252;r den gesellschaftlichen Anschluss?: Grenzen bildungsgesteuerter Sozialpolitik. Weiterbildung 18, Nr. 2: 10-13, S. 12</em>]</blockquote><br />
Dar&#252;ber hinaus kritisieren Reutter und Klein, dass die Anwendung des Defizitmodells entgegen des Anspruchs der Erwachsenenbildung, Menschen dabei zu unterst&#252;tzen, selbstst&#228;ndige, eigenverantwortliche und kritische Pers&#246;nlichkeiten zu werden, in fast allen Bildungseinrichtungen angewandt wird. Dabei geht es gerade nicht nur um einen Widerspruch zwischen Diskurs (oder auch Ideologie) und Realit&#228;t. Es geht auch um eine politische Frage: Was berechtigt die Bildungseinrichtungen (und die Politik) eigentlich dazu, sich &#252;ber die Interessen der Individuen zu setzen, obwohl ihre Aufgabe eigentlich die Unterst&#252;tzung der Individuen darstellt? Und: ist diese Praxis hinzunehmen oder m&#252;sste ihr nicht &#8211; gerade im Sinne einer liberalen Gesellschaft &#8211; widersprochen werden?</p>

	<p><strong>Bibliotheken</strong><br />
(&#214;ffentliche) Bibliotheken verstehen sich nun, wenn sie sich &#252;berhaupt als Bildungsort verstehen, zuv&#246;rderst als offene Bildungsr&#228;ume. Sie bieten Medien an, zumeist auch Lernbereiche und im besten Fall eine habituelle Atmosph&#228;re, welche Lernprozesse motiviert. Fraglich ist allerdings, ob dies ausreicht, um als Bildungseinrichtung zu gelten.<br />
Vielmehr w&#228;re es, w&#252;rde man dem Kompetenzmodell von Bildung folgen, n&#246;tig, die Interessen der Individuen, die wirklich in Bibliotheken lernen oder potentiell dort lernen k&#246;nnten, wahrzunehmen und in einem ersten Schritt diese Interessen in die Entwicklung des Bestandes und die Innenarchitektur der Bibliotheken einflie&#223;en zu lassen. Dies w&#252;rde grundlegende Fragen aufwerfen: Wie nimmt man die Interessen der Individuen wahr? Wie organisiert man die Bestandsentwicklung, die Bestandspr&#228;sentation und den Aufbau des Raumes Bibliothek, um als Bildungseinrichtung zu gelten? Wie w&#228;re solch eine Aufgabe mit anderen Aufgaben von Bibliotheken zu verbinden? Oder: Will man das &#252;berhaupt? Die letzte Frage muss man nicht positiv beantworten. Man kann auch gut daf&#252;r argumentieren, dass Bibliotheken nicht in der Lage sind / sein wollen, diese ganzen Aufgaben zu &#252;bernehmen. Dann allerdings w&#228;re die Verbindung zwischen Bibliotheken und Lebenslangen Lernen, die so gerne von bibliothekarischen Verb&#228;nden postuliert wird, nicht wirklich vorhanden. Nicht zuletzt m&#252;sste &#8211; w&#252;rde man den Anspruch des Lebenslangen Lernens, wie im Kompetenzmodell reflektiert wird, ernstnehmen &#8211; im einem weiteren Schritt eine tats&#228;chliche Lernberatung etabliert werden, welche auf die Kompetenzen der Individuen eingeht, ohne immer gleich mit der L&#246;sung Lesen-Sie-ein-Buch zu enden.<br />
Relevanter ist allerdings, dass die wenigen Bildungsaktivit&#228;ten von &#214;ffentlichen Bibliotheken &#8211; also aktuell vor allem die, welche Spiralcurricula genannt werden &#8211; dem Defizitmodell folgen und zu vermuten ist, dass sich diese Haltung auch auf andere Bildungsaktivit&#228;ten, die nicht dokumentiert werden sowie der Wahrnehmung von Bildung durch Bibliotheken niederschl&#228;gt. Bibliotheken gehen in den genannten Spiralcurricula beispielsweise davon aus, dass sie in der Lage w&#228;re, zu bestimmen, was den Kindern und Jugendlichen im Umgang mit Medien und Informationen fehlt und zudem setzen sie voraus, dass sie als Einrichtungen das Recht h&#228;tten, dieses Wissen normativ als notwendig zu setzen. Sicher wird dies oft mit der Begr&#252;ndung getan, dass dieses Wissen f&#252;r eine Teilhabe an der zeitgen&#246;ssischen und zuk&#252;nftigen Gesellschaft notwendig sei. (Zudem suchen Bibliotheken erkl&#228;rterma&#223;en, sich mit diesen Konzepten als prim&#228;re Kooperationspartner von Schulen zu etablieren, weil sie der Meinung sind, dass dies erstens notwendig und zweiten noch nicht im ausreichenden Ma&#223;e umgesetzt w&#228;re.) Ich w&#228;re nicht der erste, der Zweifel anmeldet, ob Bibliotheken wirklich die Kompetenzen haben, um den Inhalt einer zuk&#252;nftig notwendigen Informationskompetenz zu bestimmen und zu vermitteln oder ob sie nicht eher die vorhandenen Kompetenzen von Jugendlichen beim Umgang mit Medien und Informationen systematisch untersch&#228;tzen, um sich im Umkehrschluss als notwendige Einrichtungen zu konstituieren, obwohl das Wissen, welches sie unter dem Schlagwort Informationskompetenz vermitteln wollen ,zu gro&#223;en Teilen schon bekannt und / oder schon wieder &#252;berholt ist.<br />
Wichtig ist mir allerdings eher, darauf hinzuweisen, dass sich die Kritik von Reutter und Klein auch auf Bibliotheken &#252;bertragen l&#228;sst: nimmt man den Anspruch einer liberalen Gesellschaft ernst, dann darf Bildung nur unter sehr spezifischen Umst&#228;nden &#8211; die zudem best&#228;ndig neu begr&#252;ndet werden m&#252;ssten &#8211; dem Defizitmodell folgend interpretiert werden. Ansonsten m&#252;sste einem Kompetenzmodell &#8211; welches erst fragt, welche Kompetenzen bei den konkreten Individuen tats&#228;chlich vorhanden sind und welche von diesen entwickelt werden wollen &#8211; gefolgt werden. (Dabei ist es ebenso bedeutsam, sich zumindest im ersten Schritt den Anforderungen, die von Seiten der Politik, Wirtschaft etc. an Bildung erhoben werden zu verweigern, wenn dies bei den Individuen selber ebenso gehandhabt wird.) Die M&#246;glichkeit f&#252;r eine solche Bildungsarbeit scheinen im Aufbau von Bibliotheken als (normativ) egalit&#228;r zug&#228;nglichen Orte gegeben, aber es bed&#252;rfte wohl einer Reflexion der Anforderungen, die mit einem solchen Bildungsverst&#228;ndnis einhergehen. Gleichsam automatisch wird sich dies wohl nicht umsetzen.</p>

	<p><blockquote><strong>Fu&#223;noten:</strong><br />
[1] Wobei hier noch nicht einmal diskutiert werden soll, ob eine Unterrichtspflicht &#8211; wie in anderen Staaten, bspw. D&#228;nemark &#8211; nicht ebenso diesen Anspruch einl&#246;sen kann, ohne gleich fast alle Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler auf ein staatliches Schulwesen festzulegen. Es gibt einige gute Argumente daf&#252;r, allerdings auch einige gute dagegen. Insbesondere scheint mir eine reine Unterrichtspflicht im Gegensatz zur Schulpflicht die ehedem schon vorhandene Ungleichheit im Zugang zu Bildung in Deutschland potentiell noch weiter zu versch&#228;rfen und zudem eine M&#246;glichkeit f&#252;r bestimmte anti-demokratische Gruppen &#8211; in Deutschland haupts&#228;chlich christlich-fundamentalistische &#8211; zu er&#246;ffnen, zumindest die eigenen Kinder in einem explizit autorit&#228;ren, anti-aufkl&#228;rerischen  Sinne und entgegen gewisser gesellschaftlicher Grundbest&#228;nde an Wissen &#8211; im Beispiel der christlich-fundamentalistischen Gruppen bspw. Zur Biologie, Sexualaufkl&#228;rung, den Grundlagen des Antisemitismus und der s&#228;kularen Gesellschaft &#8211; zu unterrichten. Dies scheint mir nicht nur f&#252;r die betreffenden Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, sondern auch f&#252;r die gesamte Gesellschaft gef&#228;hrlich. Allerdings ist es auch richtig, dass eine liberale Gesellschaft sich fragen muss, wie weit sie bei der Erziehung von Menschen mit einer gesetzlichen Pflicht arbeiten will und darf. Als Nebenbemerkung scheinen mir allerdings auch alle bisher vorliegenden Konzepte zur Umsetzung einer Unterrichtspflicht nicht das Problem gel&#246;st zu haben, die p&#228;dagogische Qualit&#228;t des Unterrichts zu garantieren. Diese wird ja nicht dadurch erreicht, dass bspw. Einige Eltern es gut meinen und ihren Kindern eine Alternative Schule bieten. P&#228;dagogische Kompetenzen erwirbt man nicht durch es-gut-meinen, sondern durch das Erlernen derselben. (Dies vielleicht auch als Anmerkung zu quasi-p&#228;dagogischen oder quasi-didaktischen Konzepten zu Veranstaltungen in Bibliotheken, die von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren &#8211; die es ebenso fraglos gut-meinen &#8211; erarbeitet werden.)<br />
[2] Wobei man &#252;ber den Inhalt dieser Staatsexamen immer noch einmal gesondert streiten kann.<br />
[3] Selbstverst&#228;ndlich greift hier der postmoderne Hinweis, dass die Konstitution der Individuen inklusive ihrer Begehren und W&#252;nsche sich nicht kontextlos, sondern in Widerspiegelung der existierenden Gesellschaft vollzieht und best&#228;ndig performativ wiederholt. Insoweit sind auch &#8211; knapp gesagt &#8211; die W&#252;nsche und Vorstellungen der Individuen konstitutiv mit der Gesellschaft verbunden, d.h. die gesellschaftlichen Anspr&#252;che und Notwendigkeiten sind in den Subjekten innerhalb einer Gesellschaft selber schon vermittelt, wenn auch nicht nach einem einfachen &#220;bernahme-Mechanismus, sondern im Zuge einer jeweils eigenen Aneignung und Interpretation. W&#228;hrend eine solche Einschr&#228;nkung dabei helfen kann zu verstehen, warum Individuen bestimmte Bildungsaktivit&#228;ten w&#252;nschen und wie sie diese gestalten, ist sie dennoch kein Widerspruch zu der Feststellung, dass das Kompetenzmodell &#8211; im Gegensatz zum Defizitmodell &#8211; vom Individuum und nicht der Bildungsinstitution oder der Gesellschaft ausgeht.</blockquote></p>
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