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	<title>Bibliotheken als Bildungseinrichtungen</title>
	<link>http://bildungundgutesleben.blogsome.com</link>
	<description>Blog zu einem Promotionsprojekt im Bereich der Bibliotheks- und Informationswissenschaft</description>
	<pubDate>Sun, 17 Aug 2008 03:53:48 +0000</pubDate>
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	<language>en</language>

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		<title>Spiele, Geräte und Musik</title>
		<link>http://bildungundgutesleben.blogsome.com/2008/08/17/spiele-gerate-und-musik/</link>
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		<pubDate>Sun, 17 Aug 2008 03:36:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Glücksversprechen und Wünsche</category>
	<category>Nebenher</category>
	<category>Anderswo</category>
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		<description><![CDATA[	Letztens argumentierte ich, dass Bibliotheken mit Nutzerinnen und Nutzern umzugehen lernen m&#252;ssen, deren Mediennutzung immer unterschiedlicher sein wird &#8211; egal, ob das gef&#228;llt oder nicht. Dies auch, weil Menschen, die mit Computern und Spielekonsolen aufgewachsen sind, langsam die 30 &#252;berschritten haben. (Gleichzeitig sind die ersten Jugendlichen, die schon immer Handys hatten, auch schon mit der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p><a href="http://bildungundgutesleben.blogsome.com/2008/06/07/noch-einmal-netbooks-und-gesellschaft/">Letztens</a> argumentierte ich, dass Bibliotheken mit Nutzerinnen und Nutzern umzugehen lernen m&#252;ssen, deren Mediennutzung immer unterschiedlicher sein wird &#8211; egal, ob das gef&#228;llt oder nicht. Dies auch, weil Menschen, die mit Computern und Spielekonsolen aufgewachsen sind, langsam die 30 &#252;berschritten haben. (Gleichzeitig sind die ersten Jugendlichen, die schon immer Handys hatten, auch schon mit der Schule fertig. Und bis die ersten Jugendlichen, f&#252;r die das Internet eine Selbstverst&#228;ndlichkeit ist, die sie schon immer kannten, die Schule abschlie&#223;en, dauert es auch nur noch wenige Jahre.) Diese Medienerfahrung schl&#228;gt sich selbstverst&#228;ndlich im Umgang zu diesen Medien nieder.<br />
Bis Donnerstag (21.08.2008) kann man bei <a href="http://www.pitchfork.tv" target="_blank">Pitchfork.tv</a> in dem lehrreichen und sehr unterhaltsamen Dokumentarfilm <em><a href="http://pitchfork.tv/week/reformat-the-planet/chapter-01" target="_blank">&#8220;Reformat the Planet&#8221;</a></em> &#252;ber die 8Bit-Music/Chiptune-Scene sehen, wohin dieser selbstbewusste Umgang mit den Leitmedien der eigenen Jugend f&#252;hren kann. Die Chiptune-Szene setzt 8Bit-Konsolen, haupts&#228;chlich Gameboys und das Nintendo Entertainment System als Instrumente ein. Die Spielekonsolen der 80er und 90er werden dabei umgenutzt, um eine relativ eigenst&#228;ndige Musik zu komponieren. Selbstverst&#228;ndlich ist es dazu notwendig, sich mit den Ger&#228;ten selber intensiv auseinander zusetzen, sie aufzuschrauben und umzuprogrammieren. Das ist kein einfaches Rumgeklicke, vielmehr wird dem Ger&#228;t abverlangt, kontrollierbar zu sein. Auch wenn davon berichtet wird, dass diese Szene an einigen Orten (vor allem New York, Tokyo und etwas kleiner in einigen europ&#228;ischen St&#228;dten wie Stockholm, London und offenbar auch Moskau) schon einige Jahre pulsieren w&#252;rde, ist sie international vernetzt erst in den letzten 3-4 Jahren richtig aufgetreten.<br />
Interessant scheint mir &#8211; abgesehen von der Musik -, dass diese Szene zeigt, wie kreativ und virtuos Medien von Menschen genutzt werden k&#246;nnen, die diese zu ihrem Alltag z&#228;hlen. Offensichtlich wird an den dargestellten Musikerinnen und Musikern, dass der massive Konsum von Videospielen in der Vergangenheit entgegen aller Bef&#252;rchtungen nicht dazu gef&#252;hrt hat, dass sie zu Medienzombis wurden. Vielmehr haben sie diese Erfahrungen erfolgreich in ihr Leben integriert.</p>

	<p>Au&#223;erdem w&#252;rde ich gerne in diesem Zusammenhang auf den relativ neuen Podcast <em><a href="http://www.gamesinlibraries.org/" target="_blank">Games in Libraries</a></em> hinweisen. In diesem diskutieren Bibliothekarinnen und Bibliothekare seit April diesen Jahres monatlich das titelgebende Thema, &#228;u&#223;ern sich zum Sinn von Brett- und Konsolenspielen im Bestand, zu Gameevents in Bibliotheken und stellen aktuelle Spiele unter dem Fokus, wie sie in Bibliotheken verwendet werden k&#246;nnen, vor. Besonders gelungen ist die <a href="http://www.gamesinlibraries.org/?p=5" target="_blank">Mai-Ausgabe</a>, in welcher die sinnvolle Bestandsentwicklung bei Spielen diskutiert und die Studie <a href="http://www.grandtheftchildhood.com" target="_blank">&#8220;Grand Theft Childhood: The Surprising Truth About Violent Video Games&#8221;</a> besprochen wird.<br />
Der Podcast ist auf die US-amerikanische Bibliotheken zugeschnitten. Interessant ist allerdings, wie konsequent in diesem Spiele, Freizeit, Bildung und gesellschaftloche Aktivit&#228;ten thematisch verbunden werden.<br />
Verantwortlich zeichnet f&#252;r den Podcast <a href="http://www.scottnicholson.com/" target="_blank">Scott Nicholson</a> vom <a href="http://gamelab.syr.edu/" target="_blank">Library Game Lab of Syracuse</a> an der <a href="http://www.syr.edu/" target="_blank">Syracuse University</a>, NY. Auf der <a href="http://gamelab.syr.edu/publications/" target="_blank">Homepage</a> des relativ neuen Library Game Lab finden sich auch die Publikationen dieser Einrichtungen, die sich erwartungsgem&#228;&#223; mit dem Thema Bibliotheken und Spiele befassen.</p>
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		<title>Nächster Bibliothekstag / Erfurt</title>
		<link>http://bildungundgutesleben.blogsome.com/2008/08/14/nachster-bibliothekstag-erfurt/</link>
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		<pubDate>Thu, 14 Aug 2008 09:26:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Grundsätzliches</category>
	<category>Glücksversprechen und Wünsche</category>
	<category>Nebenher</category>
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		<description><![CDATA[	Sagte ich schon, dass laut dem aktuellen Call for Paper f&#252;r den n&#228;chsten Bibliothekstag (offenbar aus Versehen auf der Homepage immer noch nur f&#252;r m&#228;nnliche Bibliothekare ausgeschrieben, und das im Jahr 2008) die erste Schwerpunktveranstaltung fast so hei&#223;en wird, wie dieses Blog hier: &#8222;Bibliotheken sind Bildungseinrichtungen&#8230;&#8220; &#8211; Bibliotheken im Visier der Politik? Nein? Na, dann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Sagte ich schon, dass laut dem aktuellen <a href="http://www.bibliothekartag2009.de/?node=16" target="_blank">Call for Paper f&#252;r den n&#228;chsten Bibliothekstag</a> (offenbar aus Versehen auf der Homepage immer noch nur f&#252;r m&#228;nnliche Bibliothekare ausgeschrieben, und das im Jahr 2008) die erste Schwerpunktveranstaltung fast so hei&#223;en wird, wie dieses Blog hier: <em>&#8222;Bibliotheken sind Bildungseinrichtungen&#8230;&#8220; &#8211; Bibliotheken im Visier der Politik</em>? Nein? Na, dann habe ich es jetzt gesagt.</p>

	<p>Selbstverst&#228;ndlich wird es dort um etwas ganz anderes gehen, als hier bzw. in meiner Promotion. W&#228;hrend bei mir die zwei Fragen im Vordergrund stehen, ob Bibliotheken tats&#228;chlich so sehr Bildungseinrichtungen sind, wie gerne behauptet wird und wie dies &#252;berhaupt nachgewiesen werden k&#246;nnte, geht es auf dem Bibliothekstag &#8211; wenn ich das richtig verstehe &#8211; darum, wie dieses Bild von Bibliotheken als Bildungseinrichtungen m&#246;glichst gut an die Politik verkauft werden kann. Nicht darum, ob dieses Bild so richtig ist; nicht darum, welche Art von Bildungseinrichtung eine Bibliothek eigentlich sein soll; nicht darum, ob einige Bibliotheken lieber etwas anderes w&#228;ren, als Bildungseinrichtungen &#8211; beispielsweise Support-Infrastruktur f&#252;r Bildungseinrichtungen oder Freizeiteinrichtung oder Forschungsst&#228;tte oder auch einfach nur in Ruhe gelassen mit diesen st&#228;ndigen Leitbildern. Nein, es wird wohl darum gehen, wie Politikerinnen und Politiker dazu gebracht werden k&#246;nnen, zu glauben, dass Bibliotheken quasi genau das darstellen, was Schulen und Kindertagesst&#228;tten (theoretisch) darstellen.<br />
Ich w&#252;rde mir w&#252;nschen, wenn diese fast zwanghafte Fixierung auf diese eine wichtige, aber wirklich auch sehr ausgew&#228;hlte und gerade f&#252;r &#214;ffentliche Bibliotheken sehr schwer zu evaluierende Aufgabe von Bibliotheken (Bildung) in dieser Schwerpunktveranstaltung kritisiert w&#252;rde. Realistischer und praktikabler f&#228;nde ich, wenn klar w&#252;rde, dass Bibliotheken Einrichtungen mit unterschiedlichen Aufgaben darstellen, die unter diversen Fokusen betrachtet, bewertet und genutzt werden k&#246;nnen und deshalb auch als Einrichtungen politisch vertreten werden k&#246;nnten/m&#252;ssten, deren Vorteil in der Verbindung verschiedener Aufgabebereiche besteht.<br />
Aber ich wei&#223; schon: W&#252;nschen alleine hilft nicht, da muss man schon selber hinfahren.</p>
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		<title>Naja, Kulturkritik</title>
		<link>http://bildungundgutesleben.blogsome.com/2008/08/03/naja-kulturkritik/</link>
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		<pubDate>Sun, 03 Aug 2008 13:54:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Nebenher</category>
	<category>Zitate</category>
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		<description><![CDATA[	Das Verbrechen der Vernunft von Robert B. Laughlin [Laughlin, Robert B. / Das Verbrechen der Vernuft : Betrug an der Wissensgesellschaft. &#8211; Frankfurt am Main : Suhrkamp, 2008 (edition unseld ; 2)] ist eher eine Dystopie als eine Analyse. Grundthese ist, dass es im Gegensatz zum Verst&#228;ndnis der &#220;berzeugung, dass wir in einer Wissensgesellschaft leben [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Das Verbrechen der Vernunft von Robert B. Laughlin [<em>Laughlin, Robert B. / Das Verbrechen der Vernuft : Betrug an der Wissensgesellschaft. &#8211; Frankfurt am Main : Suhrkamp, 2008 (edition unseld ; 2)</em>] ist eher eine Dystopie als eine Analyse. Grundthese ist, dass es im Gegensatz zum Verst&#228;ndnis der &#220;berzeugung, dass wir in einer Wissensgesellschaft leben w&#252;rden, eine verst&#228;rkte Abschlie&#223;ung von Wissen g&#228;be. Laughlin weist dabei zuerst auf &#8220;gef&#228;hrliches Wissen&#8221;, bei dem die Gesellschaft offenbar der Meinung ist, dass es gesch&#252;tzt werden m&#252;sse, hin. Als paradigmatisch gilt ihm dabei das Wissen um den Bau von Atombomben, aber auch um biologische und chemische Waffen. Das scheint noch nachvollziehbar, auch wenn Laughlin von absurden Situationen zu berichten wei&#223;, die sich aus dem Verschluss dieses Wissens ergeben. Anschlie&#223;end stellt er allerdings dar, dass Wissen seiner Meinung nach auch als &#246;konomisches Gut nur verwertet werden kann, wenn es beschr&#228;nkt und versteckt wird. Die Argumente f&#252;r ein schwaches Copyright &#8211; wie es im deutschen Sprachraum ja vor allem Kuhlen vroschl&#228;gt &#8211; oder der gesamten Open Access Bewegung ignoriert Laughlin g&#228;nzlich. Nur Wissen, das eingeschr&#228;nkt werden kann, gilt ihm als &#246;konomisch sinnvoll, deshalb wird es auch eingeschr&#228;nkt.<br />
(Interessant ist, dass er dabei nicht nur von Patenten spricht, sondern von dem Ph&#228;nomen, das &#252;ber bestimmtes Wissen einfach nicht mehr geredet wird, was aber nicht auff&#228;llt, weil es zahlreiche andere Informationen zum gleichen Thema gibt &#8211; so g&#228;be es zum Beispiel zwar zahllose Informationen &#252;ber bestimmte technische Apparate, die im Alltag verbreitet ist, aber ohne dass es Informationen dar&#252;ber g&#228;be, wie genau diese funktionierten. Das w&#252;rde aber nicht auffallen, bis gezielt nach diesen Informationen gesucht wird, zum Beispiel um diese Ger&#228;te nachzubauen oder ihre Funktion zu verstehen. Die hergestellten Wissensl&#252;cken gehen dieser These nach im Rauschen unter. Sie erschienen auch oft als nicht so gravierend, da man davon ausgeht, sie w&#252;rden schon irgendwo zu finden sein, wenn sie ben&#246;tigt w&#252;rden.)<br />
Das Problem bei diesem Text ist allerdings, das nicht klar wird, ob Laughlin die gesamten Entwicklungen (beispielsweise im Patentbereich) zwar teilweise absurd, aber doch okay findet, ob er davon ausgeht, dass dies alles nichts bringt, weil alle Wissensbeschr&#228;nkungen doch best&#228;ndig umgegangen werden &#8211; durch Kopieren, neue Forschungen oder L&#252;cken im System. Oder aber &#8211; was auch m&#246;glich w&#228;re &#8211; er m&#246;chte die Situation nur sarkastisch beschreiben, geht aber davon aus, dass es eh nicht mehr ge&#228;ndert werden kann. (Immerhin ist Laughlin Physiker und hat am <span class="caps">MIT</span> studiert &#8211; es w&#228;re also nicht &#252;berraschend, wenn er selber diese Art von Geek-Humor teil, den sonst nur andere Geeks verstehen. Aber wenn das alles ein Witz ist: muss man daraus gleich ein ganzes Buch machen?) Oder er will dazu aufrufen, dass alles zu &#228;ndern oder zumindest dr&#252;ber nachzudenken. Das bleibt einfach vollkommen unklar. Zumal, wie schon angedeutet, der Text zwar nicht unbedingt die neuesten Entwicklungen ignoriert, aber Laughlin doch viele Debatten und Entwicklungen, die seiner Beschreibung entgegenstehen, einfach nicht wahrzunehmen scheint. Und dann endet er auch noch in dem seit der Postmoderne eigentlich obsoleten Bild der grunds&#228;tzlich neuen Gesellschaft irgendwo da drau&#223;en, welche die jetzige Menschheit und deren Grundprobleme einfach zur&#252;ckl&#228;sst. (Hier sind es junge Menschen, die auf den Mond auswandern.)<br />
Letztlich hinterl&#228;sst das Buch den gleichen Eindruck, wie zeitgen&#246;ssische kulturkritische Besinnungsaufs&#228;tze: An einigen Stellen nickt man, an vielen will man einfach widersprechen, weil die Vorraussetzungen der Behauptungen, die gemacht werden, einfach falsch sind. Aber letztlich wei&#223; man am Ende nicht, wozu dieser Text da ist, wem genau er was sagen will.</p>

	<p>Dennoch, eine gro&#223;artige Stelle gibt es, die ich gerne zitieren will. Deshalb das Posting:<br />
<blockquote><br />
Die mit dieser [beschriebenen] Entwicklung einhergehende Einstellungen zum Wissen werfen &#228;u&#223;erst beunruhigende Fragen nach dem Grundrecht des Menschen auf, Fragen zu stellen und nach Erkenntnis zu streben. Mehr und mehr erscheint der &#8220;Geistesblitz&#8221;, die pl&#246;tzliche Einsicht in eine Sache und deren Folgen, die wir bei Galilei und Newton bewundern, als Verletzung von Patentrechten oder als Gefahr f&#252;r die Staatssicherheit. Mehr und mehr erweist sich selbst&#228;ndiges Denken als potentiell kriminelle Handlung. [Laughlin (2008), S.10]<br />
</blockquote></p>
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	</item>
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		<title>On-demand Forschung in Bibliotheken</title>
		<link>http://bildungundgutesleben.blogsome.com/2008/07/31/on-demand-forschung-in-bibliotheken/</link>
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		<pubDate>Thu, 31 Jul 2008 17:11:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Glücksversprechen und Wünsche</category>
	<category>Forschungsansätze</category>
	<category>Offene Fragen</category>
	<category>Anderswo</category>
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		<description><![CDATA[	Leanne Bowler und Andrew Large haben schon mehrfach interessante Texte im Schnittfeld von erziehungswissenschaftlicher und bibliothekenswissenschaftlicher Forschung publiziert. Beispielsweise zum Informationsnutzungsverhalten von Jugendlichen im Internetzeitalter [Bowler, Leanne ; Large, Andrew ;Rejskind, Gill: Primary school students, information literacy and the Web. &#8211; In: Education for Information 19 (3) 2001, pp. 201&#8211;223] oder &#252;ber Ans&#228;tze zum Design [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p><a href="http://www.ischool.pitt.edu/people/bowler.php" target="_blank"><em>Leanne Bowler</em></a> und <a href="http://www.mcgill.ca/sis/people/faculty/large/" target="_blank"><em>Andrew Large</em></a> haben schon mehrfach interessante Texte im Schnittfeld von erziehungswissenschaftlicher und bibliothekenswissenschaftlicher Forschung publiziert. Beispielsweise zum Informationsnutzungsverhalten von Jugendlichen im Internetzeitalter [<em>Bowler, Leanne ; Large, Andrew ;Rejskind, Gill: Primary school students, information literacy and the Web. &#8211; In: Education for Information 19 (3) 2001, pp. 201&#8211;223</em>] oder &#252;ber Ans&#228;tze zum Design von Webportalen f&#252;r Kinder mit der Hilfe von Kindern [<em>Large, Andrew ; Bowler, Leanne ; Beheshti, Jamshid ; Nesset, Valerie: Creating Web Portals with Children as Designers : Bonded Design and the Zone of Proximal Development. &#8211; In: McGill Journal of Education 42 (1) 2007, pp. 61-82</em>]. In einem aktuellen Text [<em>Bowler, Leanne ; Large, Andrew: Design-based research for <span class="caps">LIS</span>. &#8211; In: Library &#38; Information Science Research, 30 (1) 2008, pp. 39-46</em>] schlagen sie nun vor, eine Forschungsmethode, die sich gerade in der kanadischen und US-amerikanischen Erziehungswissenschaft [1] etabliert, in die Bibliothekswissenschaft und was noch wichtiger ist, in die bibliothekarische Praxis zu &#252;bernehmen.</p>

	<p><strong>Methode: Wie funktioniert das?</strong><br />
Diese Methodik, design-based Research, wurde haupts&#228;chlich aus den Ingenieurwissenschaften &#252;bernommen. Grunds&#228;tzlich handelt es sich dabei um eine Verschiebung der Forschungsfrage und Forschungsziele. Es geht nicht um den Entwurf, das Falsifizieren und Absicherung von theoretischen Modellen oder die empirsch gest&#252;tzte Nachbildung des Status Quo. Es geht darum, ein Design &#8211; d.h. ein Produkt, eine Situation, zumindest etwas abgrenzbares, das hergestellt und nicht einfach in der Natur vorgefunden wurde &#8211; in seiner Funktion zu begreifen und zu verbessern. Die Grundfrage ist also: Warum funktioniert das, was funktioniert, so wie es funktioniert? Und wie l&#228;sst sich das verbessern?<br />
In den frischen Proceedings of the Linux Symposium 2008 findet sich ein solches Vorgehen mehrfach [als Beispiel verwende ich in diesem Absatz: <em>Brown, A. Leonard ; Wysocki, Rafael J.: Suspend-to-RAM in Linux. &#8211; In: linuxsymposium (ed.): Proceedings of the Linux Symposium : Volume One , pp.39-52, <a href="http://www.linuxsymposium.org/2008/ols-2008-Proceedings-V1.pdf">http://www.linuxsymposium.org/2008/ols-2008-Proceedings-V1.pdf</a></em>]. Erst wird ein Thema, dass als interessant erscheint oder aber st&#228;ndig als reales Problem auftritt, benannt (im Beispieltext die Frage, was genau passiert, wenn ein Rechner unter Linux in bestimmte &#8222;Schlafzust&#228;nde&#8220; versetzt wird), dann wird die Funktion am Produkt (hier ein Rechner unter Linux) untersucht und zwar w&#228;hrend dieses Produkt tats&#228;chlich im normalen Anwendungsfall funktioniert und nicht einfach ein reines Modell im Labor ist. Die Ergebnisse der Untersuchung werden dann abstrahiert dargestellt und schlie&#223;lich daraufhin befragt, wie sie verbessert werden k&#246;nnen (hier wie die Daten der Sitzung beim &#8222;Einschlafen&#8220; des Rechners gesichert und beim &#8222;Aufwecken&#8220; wieder schnell nutzbar gemacht werden k&#246;nnen). Es geht also um eine ad-hoc Forschung, die an den Problemen realer Designs ansetzt (hier: das die Menschen ihre Daten beim &#8222;Einschalfen&#8220; des Rechners gesichert und wieder aufrufbar wissen wollen.).</p>

	<p><strong>Wissenschaft im Krieg</strong><br />
In seiner Studie zu den gesellschaftlichen Versprechen der <span class="caps">RFID</span>-Technik und ihrer Geschichte, beschreibt <a href="http://ssl.einsnull.com/paymate/search.php?vid=5&#38;aid=1804" target="_blank"><em>Christoph Rosol</em></a> [<em>Rosol, Christoph: <span class="caps">RFID</span>: Vom Ursprung einer (all)gegenw&#228;rtigen Kulturtechnologie. &#8211; Berlin : Kulturverlag Kadmos, 2007. (Berliner {Programm} einer Medienwissenschaft 7.0 ; 4)</em>] das Entstehen dieser Methodik als Ergebnis der Forschungsaktivit&#228;ten im Zweiten Weltkrieg. W&#228;hrend dieses Krieges, so Rosols These, h&#228;tte es insbesondere in den <span class="caps">USA</span> und Gro&#223;britannien einen grundlegenden Bedeutungswandel der Ingenieurwissenschaften gegeben. Es war nach Rosol der erste Krieg, bei dem mehr Geld f&#252;r die Forschung ausgegeben wurde, als f&#252;r die Munition. Das erste Mal h&#228;tten Ingenieure w&#228;hrend eines Krieges Waffen und Hilfsger&#228;te entwickelt, die in diesem Krieg eingesetzt wurden und nicht erst im darauf folgenden.<br />
Insbesondere im sogenannten <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Battle_of_Britain" target="_blank">Battle of Britain</a> 1940/41, bei welchem die deutsche Luftwaffe versuchte, die Lufthoheit &#252;ber Gro&#223;britannien zu gewinnen und dann mittels Bombardements eine Invasion vorzubereiten, sei die kriegsentscheidene Bedeutung der Wissenschaft deutlich geworden. Nur durch die schnelle und anwendungsbezogene Forschung, die sich darauf konzentrierte, Radarsysteme zu entwickeln und vor allem existierende best&#228;ndig zu verbessern, sei es der Royal Air Force und der britischen Armee m&#246;glich gewesen, die deutsche Luftwaffe in dieser Schlacht zu besiegen und letztlich den D-Day 1944 zu erm&#246;glichen.<br />
Wie fuktionierte dies? W&#228;hrend des Zweiten Weltkriegs wurde in Gro&#223;britannien und den <span class="caps">USA</span> die F&#246;rderung der meisten grundlegenden physikalischen Forschungen, die sich voraussichtlich nicht kriegsentscheidend auswirken w&#252;rden, zur&#252;ckgestellt. Hauptziel war der Sieg &#252;ber den deutschen und italienischen Faschismus und das japanische Kaiserreich. Daf&#252;r wurden, so m&#246;glich, alle verf&#252;gbaren Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zusammengefasst, teilweise direkt nach dem Studium. Ihre Aufgabe war die dann Unterst&#252;tzung der Armee. Daf&#252;r bauten sie direkt Ger&#228;te und testeten sie unter Einsatzbedingungen. Nicht, weil das gerne gemacht wurde, sondern weil offenbar jede technische Neuerung einen Vorteil gegen&#252;ber den feindlichen Armeen bedeute. Immerhin hatten insbesondere der deutschen und der japanische Staat sich durch intensive Forschungen vor dem Zweiten Weltkrieg einen entscheidenden Vorsprung verschafft, der beispielsweise in den eingesetzten kleinen, aber m&#228;chtigen Flugzeugen (insbesondere die Stuka <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Junkers_Ju_87" target="_blank">Junkers Ju 87</a> und <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Aichi_D3A" target="_blank">Aichi <span class="caps">D3A </span>Kanbaku</a>) sichtbar wurde. [2]<br />
Die Wissenschaftler wurden zusammengefasst in zumeist geheimen Forschungseinrichtungen, die eher Camps mit Werkst&#228;tten glichen, als wissenschaftlichen Einrichtungen. Allerdings Camps mit lauter anderen wissenschaftlich Arbeitenden. Die Aufgaben waren produktorientiert. Ger&#228;te wurden gebaut, sie wurden eingesetzt, beispielsweise von Flugzeugbesatzungen, und Erfahrungen &#252;ber diesen Einsatz wurden zur&#252;ckgemeldet. Diese R&#252;ckmeldungen wurden ad-hoc zur Verbesserung der Ger&#228;te eingesetzt, welche dann verbessert wieder eingesetzt wurden. Dies wurde zu einem Kreislauf, bei dem es zu einer Verbindung von theoretischer und praktischer Arbeit kam. Immer wieder tauchten unerwartete Effekte auf. Beispielsweise als 1941 ein Mikrowellenapparat, der dazu dienen sollte, feindliche Flugzeuge aufzusp&#252;ren, auf einmal auch Bilder von feindlichen U-Booten lieferte. Das wollte das Milit&#228;r selbstverst&#228;ndlich gerne haben: einen Apparat, der von Flugzeugen aus feindliche U-Boote im Tauchgang aufsp&#252;ren konnte. Nun mussten sich die Forschenden die Frage stellen, wie der Apparat, den sie selber gebaut hatten, eigentlich funktionierte, um dieses Ergebnis zu liefern. Diese Arbeit wurde dann zu einem Meilenstein in der Entwicklung des Radars.<br />
Ein weiteres Gro&#223;projekt dieser Art war bekanntlich das Manhattan-Projekt, in welchem ab 1942 die Atombombe entwickelt wurde. Angesichts dessen, dass diese schon drei Jahre sp&#228;ter eingesetzt wurde, kann man &#8211; trotz allen Problemen, welche die Atomkraft mit sich bringt und trotz allen peinlichen Pro-Atomkraft-Kampagnen der Jetztzeit &#8211; von einem gro&#223;en Erfolg dieser Form kriegsorientierter Forschung sprechen. Nicht zuletzt, weil mit diesem Projekt einer deutschen (nationalsozialistischen) Atombombe zuvorgekommen wurde. [3]</p>

	<p><strong>Produktorientierte Entwicklung nach dem Krieg</strong><br />
Das ist alles eine spannende Geschichte. Sie ist auch Beispiel daf&#252;r, wie wichtig <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28386/1.html" target="_blank">eine intensiv betriebene Wissenschaftsgeschichte w&#228;re</a>. Aber interessant sind f&#252;r den hier zu besprechenden Vorschlag von Bowler und Large vor allem die Nachwirkungen auf dem Gebiet der Wissenschaft. Die Entwicklung des Radars und der Atombombe hatten n&#228;mlich bewiesen, dass zumindest f&#252;r einen bestimmten Zeitraum und f&#252;r bestimmte Anwendungen, eine enge Verzahnung von Produktion und wissenschaftlicher Arbeit m&#246;glich und effektiv war. [4] Ein Gro&#223;teil der Erkenntnisse dieser Forschungen basierte auf R&#252;ckmeldungen aus dem Einsatz der im Forschungsprozess hergestellten Ger&#228;te. Die Forschung fand nicht mehr haupts&#228;chlich im Labor statt und ging dann in den Welt, sondern lebte vielmehr von der R&#252;ckkopplung mit der realen Welt.<br />
Selbstverst&#228;ndlich gab es Grenzen dieser Methode. Ohne Grundlagenforschung oder Reflexion der Ergebnisse au&#223;erhalb des Anwendungsdrucks frisst diese Methode buchst&#228;blich die wissenschaftliche Fortentwicklung auf. Jede Wissenschaft muss irgendwann auch einmal zur&#252;cktreten und grundlegende Fragen auf einer strukturellen Ebene untersuchen, ansonsten verbleibt sie im Positivismus und ist nicht mehr in der Lage, Aussagen und Wissens hervorzubringen, die &#252;ber das allt&#228;gliche Anwendungswissen hinausweisen. Dabei ist gerade dies die hervorstechende Aufgabe von Wissenschaft: die Gesellschaft und die Natur von einer &#8222;h&#246;heren&#8220; Position aus zu analysieren. Wenn die grundlegenden theoretischen Modelle aber nicht mehr weiter entwickelt werden, weil alle Arbeit in die praktische R&#252;ckkopplung gesteckt wird, dann gibt es diese Analyse irgendwann nicht mehr und damit auch keine Basis, auf der diese R&#252;ckkopplung aufbauen k&#246;nnte.<br />
Dennoch: es wurde w&#228;hrend des Zweiten Weltkriegs klar, dass sehr produktiv an Problemen und Ger&#228;ten gearbeitet werden kann, wenn diese gleichzeitig produktiv eingesetzt werden. Die Frage, wieso ein Ger&#228;t so funktioniert, wie es funktioniert, wurde zu einer m&#246;glichen wissenschaftlichen Frage. Zuvor konnte man solche Fragen an die Natur stellen, aber die Idee, dass auch von Menschen konstruierte Ger&#228;te unerwartete Effekte zeitigen, die es zu untersuchen lohnt, setzte sich erst mit dieser Forschung richtig durch.</p>

	<p><strong>Zur P&#228;dagogik und in die Bibliothek</strong><br />
In den Ingenieurwissenschaften etablierte sich dieser Ansatz. Auch andere Wissenschaften profitierten mit der Zeit von ihm. Im Beispiel weiter oben klang schon an, dass dieses Vorgehen in der Informatik verbreitet ist. Folgt man nun dem Text von Bowler und Large, beginnt die kanadische und US-amerikanische Erziehungswissenschaft  aktuell, diesen Ansatz ebenfalls produktiv einzusetzen. Als Produkte bzw. Design werden hier vor allem Lernarrangements verstanden, insbesondere neu eingerichtete.<br />
Die Idee ist dabei, diese Arrangements nicht einfach einzurichten, also beispielsweise einen Naturlernpfad mit interaktiven Elementen in einem Schulgarten, sondern dieses Arrangement gleichzeitig als Forschungsgegenstand zu verstehen. Der Fokus verschiebt sich. Es geht nicht darum, wie bei der Evaluation oder dem Marketing-Fokus, zu beweisen, dass das Arrangement funktioniert, damit es perfektioniert (Evaluation) oder als Erfolg verkauft (Marketing) werden kann, sondern darum zu verstehen, warum er funktioniert, wie es funktioniert. Die Grundannahme ist selbstverst&#228;ndlich, das jedes Arrangement Ergebnisse hervorbringt, wobei gerade die unerwarteten spannend sind. Um am Beispiel zu bleiben: das Jugendliche auf diese Naturlernpfad Wissen &#252;ber Pflanzen erwerben, ist zwar interessant (Evaluation) und wichtig (Marketing). Aber wenn gleichzeitig nach einem halben Jahr die Lehrerinnen und Lehrer der Schule, in deren Schulgarten  dieser Pfad angelegt wurde, dazu neigen, mehr virtuelle Lerninstrumente einzusetzen &#8211; dann ist dies die spannende Entwicklung, die es zu untersuchen gilt. Oder wenn die Anwohnerinnen und Anwohner der Schule beginnen, ihre G&#228;rten nach Regeln des Feng-Shui umzugestalten.<br />
Das Versprechen des design-based Research ist dabei, anwendungsgerecht Ergebnisse &#252;ber die Funktionen von Produkten &#8211; hier Lernarrangements &#8211; zu liefern, die &#252;ber das Alltagswissen hinaus weisen, ohne dabei auf lange Forschungswege angewiesen zu sein. Oder mit den Worten von Bowler und Large:<br />
<blockquote><br />
Design-based research holds promise as a method that can bridge the theory/practice divide, particularly in the design of &#8220;user-centred&#8221; information systems and services. [...] [It] combines research, design, and practice into one process, resulting in usable products that are supported by a theoretical framework. [Bowler / Large (2008), p. 39]<br />
</blockquote><br />
So einfach ist das selbstverst&#228;ndlich nicht. Erstens bedarf dieser Ansatz eines relativ ge&#252;bten Umgangs mit wissenschaftlichen Methoden und Werkzeugen. Nur wer sich dar&#252;ber bewusst ist, welche Methoden, Modelle und Gro&#223;theorien von der Wissenschaft zur Verf&#252;gung gestellt werden, kann die jeweils sinnvollsten ausw&#228;hlen und am Forschungsobjekt selber anwenden. Ein solches Wissen muss erworben und regelm&#228;&#223;ig erneuert werden. Zudem ist es notwendig, sich einzuschr&#228;nken und nicht st&#228;ndig sinnlose Datenmengen zu erzeugen. Die Aufgabenstellung im Rahmen der design-based Research lautet, die Effekte der jeweiligen Produkte zu analysieren und auf diesen Effekten aufbauend, die Produkte zu verbessern. Nur viele Daten zu sammeln, ist da eher kontraproduktiv. Ebenso kontraproduktiv ist die Tendenz, nur die Daten in den Forschungsprozess zu integrieren, die entweder leicht zu erhalten sind (weil sie beispielsweise automatisch aufgenommen werden, wie bei Bibliotheken die Ausleihzahlen, die durch die automatisierte Ausleihe leicht verf&#252;gbar sind) oder aber im Sinne des Marketing gut &#8222;verkauft&#8220; werden k&#246;nnen. Dazu muss wiederum ein Wissen vorhanden sein, welche Daten auf welche Weise aufgenommen werden k&#246;nnen und welche Aussagem&#246;glichkeiten diese Daten jeweils er&#246;ffnen. (Was sagt zum Beispiel die Anzahl von Medien pro potentieller/n Nutzer/in &#252;ber ein Bibliothek &#252;berhaupt aus? Was der Wert 87,5% bei der Frage: &#8222;Sind sie mit den Leistungen der Bibliothek zufrieden?&#8220; in einer schriftlichen Befragung von Nutzer/innen? Was der Wert 12,3% bei der gleichen Frage bei einer Befragung aller Sch&#252;ler/innen einer Schule?) Nicht zuletzt ist eine R&#252;ckkopplung an wissenschaftliche Theoriegeb&#228;ude nur m&#246;glich, wenn ein Wissen &#252;ber verschiedene dieser Gro&#223;theorien vorliegt. (Was sind Milieus? Was Schichten? Was Sinus-Milieus? Was ist die Grundfrage der feministischen Naturwissenschaftskritik? Was sagt die Systemtheorie? Was bringt eine Diskursanalyse? Etc.) Letztlich stellt das design-based research relativ hohe Anforderungen an die Kenntnisse &#252;ber wissenschafltiches Wissen. Das beschreiben Bowler und Large auch ansatztweise.<br />
Gleichzeitig gibt es im englisch-sprachigen Raum (und teilweise auch anderswo) seit einigen Jahren die &#8222;Bewegung&#8220; der Evidence Based Library Practice. Unabh&#228;ngig von der Frage, was diese Bewegung einmal ausgel&#246;st hat (u.a. Forderungen von Regierungen nach st&#228;ndigen Evaluationen, aber auch die relativ efolgreiche Evidence Based Pratice im medizinischen Bereich), l&#228;sst sich dies heute als eine Art grass-root Anwendung wissenschaftlicher Methodiken bei der Evaluation und Konzeption bibliothekarischer Angebote beschreiben. Bibliothekarinnen und Bibliothekare versuchen mithilfe relativ ausf&#252;hrlich dokumentierter Forschungen in ihrer lokalen Einrichtung die Frage zu kl&#228;ren, welche Effekte die Angebote ihrer Bibliothek haben. Dabei scheint die Haltung, dies als wissenschaftliche und nicht als marketingrelevante Fragestellung zu formulieren, d.h. sie so anzulegen, dass die Antwort m&#246;glichst offen gehalten ist und gleichzeitig den Fokus auf Komplexe zu legen, welche den untersuchenden Bibliothekarinnen und Bibliothekaren wichtig sind, eine interessanten Effekt zu haben: die Ergebnisse sind nur bedingt positiv und &#8222;verkaufbar&#8220;, zeigen aber dennoch auf, dass Bibliotheken die M&#246;glichkeit haben, proaktiv Angebote zu entwickeln, die etwas bewirken k&#246;nnen (make a difference). Das gelingt auch, weil sich die Evidence Based Library Practice beim Entwurf der Fragestellungen auf die Sicht der Nutzerinnen und Nutzer einl&#228;sst, wie Bowler und Large hervorheben:<br />
<blockquote><br />
The strenght of design-based research lies in its ability to define the problem from a user&#8217;s point of view, thus providing designers with authentic definitions of the problem. [...] It asks practitioners to incorporate reaearch into their daily practice by first generating research evidence and then applying it to determine policies, systems and service. [Bowler / Large (2008) p. 43]<br />
</blockquote><br />
Auf dieser Bewegung, welche sich in zahlreichen Texten in der englisch-sprachigen Bibliothekswissenschaft und <a href="http://ejournals.library.ualberta.ca/index.php/EBLIP/index" target="_blank">einem Open Access Journal</a> nachvollziehen l&#228;sst, obwohl sie selbstverst&#228;ndlich nicht in allen Bibliotheken Anh&#228;ngerinnen und Anh&#228;nger hat, wollen Bowler und Large nun mit der design-based research aufbauen. Ihr Vorschlag ist, zumindest einige bibliothekarische Angebote, die sich mit Bildungsaktivit&#228;ten befassen, in einem Prozess zu untersuchen und on-demand zu verbessern, der sich als design-based research bezeichnen lie&#223;e. In der Erziehungswissenschaft h&#228;tte sich dies f&#252;r bestimmte Fragen bew&#228;hrt. Und zumindest in den Feldern, in denen Bibliotheken sich als Orte f&#252;r Bildung begreifen, sei es deshalb auch m&#246;glich, diesen Ansatz einzusetzen.<br />
Ist also, nach dem Evidence Based Librarianship, die design-based research the next <a href="http://www.collegehumor.com/video:162820" target="_blank">new thing</a>? Bowler und Large machen in ihrem Artikel zumindest den Vorschlag, beides als Werkzeug zu betrachten und dort, wo es sinnvoll erscheint, einzusetzen. Dies w&#252;rde, wie sie herausstellen, bedeuten, dass sich insbesondere praktizierende Bibliothekare und Bibliothekarinnen (in Abgrenzung zu denen, die vor allem an Hochschulen unterrichten und forschen) mit dieser Praxis anfreunden und sich den M&#246;glichkeiten und Grenzen wissenschaftlicher Methoden bewusst werden. N&#246;tig w&#228;re allerdings auch ein bibliothekswissenschaftliche Praxis, die nutzbare Theorieans&#228;tze und Methodiken zur Untersuchung der realen Effekte von Bibliotheken entwickelt und zur Verf&#252;gung stellt. Eine umfassende Herausforderung. Aber erstmal soll dieser Artikel, wie Bowler und Large betonen, ein Diskussionsansto&#223; sein.</p>


	<p><blockquote><br />
Fu&#223;noten:<br />
[1] Dabei muss man im Hinterkopf behalten, dass die Erziehungswissenschaften unglaublich nationale Angelegenheiten sind. (Nicht zu vergessen, dass sie sich intern in Fachbereiche aufteilen, die teilweise so sehr aneinander vorbei forschen und argumentieren, dass der Unterschied zwischen Wissenschaftlichen und &#214;ffentlichen Bibliotheken oder der zwischen der Stadtsoziologie und der Vergleichenden Politikwissenschaft dagegen wie eine reine irrelevante Stilentscheidung wirkt.) Dies gilt nicht nur f&#252;r die deutschen Erziehungswissenschaft, sondern offenbar (fast) weltweit.<br />
Die nationalen Erziehungswissenschaften vertreten zur gleichen Zeit vollkommen unterschiedliche Paradigmen, Forschungsthemen und beziehen sich fast nur auf ihre eigenen, nationalen Diskussionen. Zwar werden auch internationale Forschungen einbezogen, dies scheint aber oft sehr ausgew&#228;hlt zu geschehen &#8211; n&#228;mlich so, dass es die eigenen Forschungsvorhaben unterst&#252;tzt. Insoweit ist es nicht verwunderlich, dass zu einer Zeit, in der die deutsche Erziehungswissenschaft in einer empirischen Wende begriffen ist, in anderen Erziehungswissenschaften g&#228;nzlich andere Themen und Paradigmen vorherrschen. Die Aussagen von Bowler und Large beziehen sich also auf die kanadischen und teilweise auf die US-amerikanische Erziehungswissenschaft (wobei letztere durch die politische Orientierung auf den No Child Left behind Act mehr empirische Werkzeuge anzuwenden scheint, als die kanadische).</p>

	<p>[2] Als eine kriegsentscheidene Wende wird die Entscheidung Deutschlands angesehen, die Ausgaben f&#252;r die Forschung zu reduzieren und auf einige Projekte, wie die V2, zu konzentrieren, die letztlich &#8211; zum Gl&#252;ck &#8211; nicht so erfolgreich waren, wie die Radarforschungen der <span class="caps">USA</span> und Gro&#223;britanniens. Dabei darf nicht unterschlagen werden, dass die deutschen (und die japanischen) Forschungen im Rahmen eines rassistischen Systems durchgef&#252;hrt wurden und auf der Ausbeutung von Zwangsarbeitern und dem System der Vernichtung durch Arbeit im Rahmen des Holocaust basierte. Bei aller kritischen Bewertung der Entscheidungen der <span class="caps">USA</span> und der Sowjetunion nach dem Krieg eine gro&#223;e Zahl deutsche Wissenschaftler (Werner von Braun war ja nur das prominenteste Beispiel) trotz ihres Eingebundenseins in das nationalsozialistische Herrschaftssysteme zu besch&#228;ftigen und zu f&#246;rdern, sollte dieser entscheidene Unterschied nicht aus den Augen verloren werden, dass es zumindest in den Demokratien <span class="caps">USA</span> und Gro&#223;britannien f&#252;r Forschende und Besch&#228;ftigte immer m&#246;glich war, ihre Arbeit einzustellen und &#8211; unter Beachtung von Sicherheitsfragen &#8211; auch anderen T&#228;tigkeiten nachzugehen. Sie waren nicht davon bedroht, aufgrund ihrer Abstammung oder politischen &#220;berzeugung bis zum Tod ausgebeutet zu werden. In der Sowjetunion&#8212;- das ist ein weit schwierigeres Thema, aber auch das dortige Herrschaftssystem basierte nicht auf rassistischer Unterdr&#252;ckung (wiewohl aber in bestimmten Phasen auf Antisemitismus).</p>

	<p>[3] Das war ja bekanntlich auch der Grund, warum &#252;berhaupt pazifistische Physiker wie Albert Einstein sich f&#252;r den Bau dieser Bombe stark machten: weil die Nazis selber an einer arbeiteten und es klar war, was dies f&#252;r die Welt bedeuten w&#252;rde, wenn sie dazu in der Lage w&#228;ren, eine solche zu bauen.</p>

	<p>[4] Daneben hatte die Entwicklung des Radars und der Atomkraft selbstverst&#228;ndlich auch weitere Auswirkungen auf die Gesellschaft, beispielsweise im Bereich des Gesundheitswesens, dass ja von der Radartechnik ungemein profitiert hat. Interessant ist auch, dass &#8211; trotz anderer Vorl&#228;ufer &#8211; gerade diese Kriegswissenschaft entscheidend f&#252;r die Entwicklung der Erwachsenenbildung war. Der Grund ist wieder sehr simpel: Der Einsatz moderner Waffen und Hilfsger&#228;te konnte nur geschehen, indem das Personal verstand, wie diese Ger&#228;te funktionierten. So wurde am M.I.T. w&#228;hrend des Zweiten Weltkrieges die ersten Massenkurse f&#252;r Erwachsene, zuerst Offiziere der Luftwaffe, eingerichtet. Auf einmal hatten die Physiker die Aufgabe, neben der Entwicklung des Radars nicht etwa Studierenden, sondern anderen Erwachsenen, die bis dato davon ausgegangen waren, ausgelernt zu haben, die Grundlagen der modernen Physik beizubringen. Um die Radarger&#228;te einzusetzen war es eben notwendig zu verstehen, wie Radiowellen funktionieren. Ansonsten blieben das Ger&#228;te mit sich bewegenden Punkten. Solche Bildungsg&#228;nge wurden w&#228;hrend des Krieges rasant ausgeweitet und am Ende hatte man eine Anzahl von Soldaten und weiblichem milit&#228;rischen Personal, dass ge&#252;bt darin war, sich fortzubilden und dies auch einforderte. Der Krieg hatte bewiesen, dass dies im gro&#223;en Rahmen m&#246;glich war. Und hier liegt zumindest in den <span class="caps">USA</span> und Gro&#223;britannien der Ausgangspunkt ziviler Weiterbildungsprogramme, nicht &#8211; wie dies so gerne in Texten zum Lebenslangen Lernen dargestellt wird &#8211; in der Entwicklung und den Anforderung der Wirtschaft. Die war damals dank des Fordismus eher an Anlernkr&#228;ften interessiert. Zuv&#246;derst ging es um milit&#228;rische Interessen und Kommunikationsmittel (Funkger&#228;te). Andere, zivile Str&#228;nge von Konzepten der Weiterbildung (z.B. Vorstellungen des bildungsb&#252;rgerlichen &#8222;Herauflesens&#8220;, der Bildung des Proletariats durch sozialdemokratische, kommunistische und anarchistische Intellektuelle f&#252;r den Klassenkampf oder den Versuchen, agrawissenschaftliche Erkenntnisse in der Landwirtschaft zu verbreiten) gab es zwar schon vorher. Sie hatten sp&#228;ter auch sehr gro&#223;en Einfluss auf die Entwicklung der Weiterbildung. Aber wirklich gesellschaftlich verankert wurde Weiterbildung erst durch das Milit&#228;r im Zweiten Weltkrieg, weil es Menschen brauchte, die grundlegende physikalische Kenntnisse aufwiesen, welche sie (damals) nicht im Rahmen ihrer Schulbildung erworben hatten. [vgl. <em>Welton, Michael: Designing the just learning society &#8211; a critical inquiry. &#8211; Leicester : Niace &#8211; National Institute of Adult Continuing Education, 2005</em>]<br />
</blockquote></p>
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		<title>200 Seiten</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Jul 2008 20:26:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Fortschritt</category>
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		<description><![CDATA[	Das ist jetzt eher eine Feststellung f&#252;r mich, aber gerade bin ich beim Schreiben der Promotion auf der 200. Seite angekommen. Selbstverst&#228;ndlich h&#228;lt sich das Dokument an kein filmreife Choreografie, deshalb ist die 200 Seite nicht am Ende eines wichtigen Abschnittes, sondern irgendwo in der Mitte der zweiten Abschnitts. Au&#223;erdem verschiebt sich der Text eh [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Das ist jetzt eher eine Feststellung f&#252;r mich, aber gerade bin ich beim Schreiben der Promotion auf der 200. Seite angekommen. Selbstverst&#228;ndlich h&#228;lt sich das Dokument an kein filmreife Choreografie, deshalb ist die 200 Seite nicht am Ende eines wichtigen Abschnittes, sondern irgendwo in der Mitte der zweiten Abschnitts. Au&#223;erdem verschiebt sich der Text eh im Nachhinein durch die ganzen Korrekturen, Streichungen und Erg&#228;nzungen noch. Zudem sch&#228;tze ich mal, dass da noch rund 100 Seiten vor mir liegen. Also, eine Ende ist das noch nicht.<br />
Aber dennoch: 200 Seiten. Mein l&#228;ngster Text bisher. (Ich wei&#223;: Quantit&#228;t ungleich Qualit&#228;t. Dennoch!) Es geht voran, wenn auch langsam. Gerade schlage ich mich damit herum, wie unterschiedliche Kategorien Sozialer Gerechtigkeit operationalisiert werden k&#246;nnen, um anschlie&#223;end ableiten zu k&#246;nnen, wie Bibliotheken, insbesondere in ihrer Funktion als Bildungseinrichtungen (aber auch als kulturelle Einrichtung etc.) den Status Quo der Sozialen Gerechtigkeit bestimmen und auf diesen reagieren k&#246;nnen. Anschlie&#223;end wird der Abschnitt &#252;ber die Evidence Based Library-Practice folgen, was mich tats&#228;chlich ein wenig antreibt, denn diesen Ansatz finde ich tats&#228;chlich interessant und bin immer noch verwundert, dass dieser in Deutschland irgendwie noch gar nicht angekommen zu sein scheint.</p>
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		<title>Lernen aus Bibliotheksbüchern</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Jul 2008 14:35:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Forschungsansätze</category>
	<category>Evaluation und Empirie</category>
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		<description><![CDATA[	John Amosford berichtet von einer Studie von Bibliotheken im Devon County [England], in welcher versucht wurde, festzustellen, was Nutzerinnen und Nutzer eigentlich aus den B&#252;chern lernen, die sie sich in Bibliotheken ausborgen. [Amosford, John / Assessing Generic Learning Outcomes in public lending libraries. &#8211; In: Performance Measurements and Metrics, 8 (2007) 2, pp. 127-136] Diese [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p><em>John Amosford</em> berichtet von einer Studie von <a href="http://www.devon.gov.uk/libraries" target="_blank">Bibliotheken im Devon County</a> [England], in welcher versucht wurde, festzustellen, was Nutzerinnen und Nutzer eigentlich aus den B&#252;chern lernen, die sie sich in Bibliotheken ausborgen. [<em>Amosford, John / Assessing Generic Learning Outcomes in public lending libraries. &#8211; In: <a href="http://www.emeraldinsight.com/Insight/viewContainer.do?containerType=JOURNAL&#38;containerId=11398" target="_blank">Performance Measurements and Metrics</a>, 8 (2007) 2, pp. 127-136</em>] Diese Frage stellte sich im Rahmen der in England an quasi alle &#246;ffentlichen Einrichtungen ergehenden st&#228;ndigen Aufforderung, die Effekte ihrer Arbeit nachzuweisen und gegebenenfalls auf der Basis nachvollziehbarer empirischer Grundlangen zu verbessern [Evidence Based Librarianship].<br />
Dabei wird selbstverst&#228;ndlich auch in England davon ausgegangen, dass Bibliotheken einen Lerneffekt bei ihren Nutzerinnen und Nutzern ausl&#246;sen w&#252;rden, obwohl Amosford noch einmal kurz diskutiert, warum eine Bibliothek trotzdem keine formale Bildungseinrichtung (wie Schulen oder Universit&#228;ten) sein und mit diesen auch nicht vergliechen werden kann. Allerdings stellt auch Amosford fest, ist dieser weithin angenommen Lerneffekt schwierig zu bestimmen.  Der Ausgangspunkt der Studien war folgender: Bibliotheken w&#252;rden, ganz egal welche Funktionen und Angebote sie ansonsten anbieten und welchen Reformen sie unterworfen w&#252;rde, immer noch vorrangig von der &#214;ffentlichkeit genutzt, um B&#252;cher auszuleihen:<br />
<blockquote><br />
While the role of libraries has broadened in recent years, the book lending function of libraries is still seen as a core function of libraries by many members of the public, and will remain central to debates about service reform. [p. 135]<br />
</blockquote><br />
Das Problem sei nun, dass zwar vermutet werden kann, dass diese B&#252;cher unter anderem f&#252;r Lernaktivit&#228;ten genutzt werden oder &#8220;nebenher&#8221; Wissen vermitteln; aber gerade diese Vermutung schwierig zu beweisen ist. Die Bibliotheken im Devon County versuchten dies mithilfe einer Umfrage anzugehen. Sie formulierten folgende Fragen:<br />
<blockquote><br />
Did the book:<br />
Provide you with insight (knowledge and understanding)?<br />
Help you learn new facts (knowledge and understanding)?<br />
Help develop your skills (skills)?<br />
Challenge your attitudes (attitudes and values)?<br />
Change your opinions (attitudes and values)?<br />
Entertain you (enjoyment, inspiration, creativity)?<br />
Motivate or inspire you (enjoyment, inspiration, creativity)?<br />
Change your daily life (activity behaviour and progression)?<br />
Benefit you personally (activity behaviour and progression)? [p. 129]<br />
</blockquote><br />
Interessant war der Weg, diese Fragen zu stellen. Sie wurden auf einem A4-Blatt zusammegefasst, welches den einzelnen ausgeliehen B&#252;chern beigelegt wurde. Dies machte deutlich, dass sich die Fragen auf das jeweilige Buch bezogen. Au&#223;erdem konnten sie so von den Ausleihenden on-the-fly beim oder gleich ach dem Lesen des jeweilgen Buches beantwortet werden und nicht erst eine Zeit nach dem Lesen, wie dies bei Interviews der Fall w&#228;re.<br />
Amosford spricht von einer Antwortrate von 20%, was einerseits bedeutet, dass die Daten zwar Trends anzeigen, aber nicht als repr&#228;sentativ gelten k&#246;nnen. Dennoch erhielten die Bibliotheken 3636 Anworten f&#252;r belletristische und 1706 f&#252;r Sachliteratur.<br />
Ein Gro&#223;teil der Antwortenden gab an, aus dem jeweiligen Buch etwas mitgenommen zu haben, ob nun eine neue Sichtweise oder neue Fakten. Dies gilt nicht nur f&#252;r die Sachliteratur, sondern ebenso f&#252;r Belletristik. Kaum jemand gibt an, dass das jeweilige sein oder ihr Leben ver&#228;ndert h&#228;tte. Interessant ist allerdings, dass nur eine Minderheit von &#8211; immerhin &#8211; 27% der Menschen, die sich Sachliteratur ausgeborgten, dies taten, weil sie diese f&#252;r eigenst&#228;ndige Lernprozesse ben&#246;tigten. Vielmehr gaben 57% (bei der Belletristik 96%) an, das jeweilige Werk zum privaten Verg&#252;ngen (&#8220;private enjoyment&#8221;) gelesen zu haben. Dies ist ein R&#252;ckschlag f&#252;r die Vorstellung, dass Menschen im Allgemeinen ein konkretes Informationsinteresse formulieren und sich danach gezielt Medien aus der Bibliothek besorgen. Das gibt es auch, aber ein Gro&#223;teil der Menschen liesst offenbar Sachliteratur aus Spass. Es ist zumindest zu fragen, ob man den Bestandsaufbau an stark an solchen angenommenen Informationsinteressen ausrichten sollte.<br />
Obwohl die Methode ihre Grenzen hat, die von Amosford auch besprochen werden, zeigen sie doch einen gangbaren Weg, um zumindest grundlegende Aussagen &#252;ber die Nutzung von Bibliotheksmedien treffen zu k&#246;nnen.</p>
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		<title>Informationskompetenz des 20. oder des 21. Jahrhunderts?</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Jul 2008 00:38:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Kompetenzen</category>
	<category>Offene Fragen</category>
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		<description><![CDATA[	Eine interessante, aber bislang nicht beantwortete Frage stellten Leanne Bowler, Andrew Large und Gill Rejskind in einer 2001 ver&#246;ffentlichten Studie. [Bowler, Leanne ; Large, Andrew ; Rejskind, Gill / Primary school students, informations literacy and the Web. &#8211; In: Education for Information, 19 (2001), pp. 201-223] N&#228;mlich die, ob das, was heute als Informationskompetenz in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Eine interessante, aber bislang nicht beantwortete Frage stellten <a href="http://www.ischool.pitt.edu/people/bowler.php" target="_blank">Leanne Bowler</a>, <a href="http://www.mcgill.ca/sis/people/faculty/large/" target"=_blank">Andrew Large</a> und Gill Rejskind in einer 2001 ver&#246;ffentlichten Studie. [<em>Bowler, Leanne ; Large, Andrew ; Rejskind, Gill / Primary school students, informations literacy and the Web. &#8211; In: <a href="http://www.iospress.nl/html/01678329.php" target="_blank">Education for Information</a>, 19 (2001), pp. 201-223</em>] N&#228;mlich die, ob das, was heute als <em>Informationskompetenz</em> in (kanadischen) Klassenr&#228;umen gelernt wird, tats&#228;chlich eine Kompetenz darstellt, die sich auf die aktuellen Medien- und Informationsangebote bezieht und f&#252;r die allt&#228;gliche Praxis der Lernenden sinnvoll ist oder aber, ob es sich nicht eher bei vermittelten Informationskompetenz zumeist um F&#228;higkeiten handelt, die in einer anderen Zeit mit einem anderen Medienmix notwendig waren:<br />
<blockquote><br />
A generation ago, before such themes as active learning, inquiry-based learning, authentic learning and meaningful learning were part of the vocabulary of educators, school projects that required independent research would have involved finding an article in an encyclopedia, and faithfully copying the text word for word. This level of information literacy was sufficient in a classroom where the expected learning outcome was to find the correct answer to a specific question and know the facts. What information literacy skills do students need in the early twenty-first century? Are the learning objectives in the classroom reflected in the information literacy skills exhibited by students? Do the learning experiences in the classroom facilitate the acquisition of these skills or, have the learning experiences simply been repackaged in the new technologies, giving the impression of being up-to-date, while they remain qualitatively the same as learning experiences from thirty years ago? [p. 201]<br />
</blockquote><br />
Die Ergebnisse ihrer auf diese Frage folgenden Studie basieren auf Daten, sind 1998 gewonnen und deshalb gr&#246;&#223;tenteils &#252;berholt. Aber der Trend ihrer Ergebnisse ist dennoch relevant f&#252;r die Frage, welche Kompetenzen heute eigentlich als &#8220;Informationskompetenz&#8221; zu gelten.<br />
<em>Bowler / Large / Rejskind</em> hatten die Suchstrategien von 12-j&#228;hrigen in einem kanadischen Klassenraum untersucht. Dabei wurden den Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern eine Anzahl mehr oder weniger offener Fragen zu einer Anzahl von Sportarten vorgelegt, die sie in selbstgew&#228;hlten Kleingruppen mithilfe des Internets [1] beantworten mussten. Aufgabe war dabei, dieses Ergebnisse (zeitgem&#228;&#223; auf Disketten) zu speichern und schlie&#223;lich anhand eines Posters zu pr&#228;sentieren. Die Recherche umfasste je nach Arbeitsgruppe drei bis sechs je 30-min&#252;tige Sitzungen. Diese Sitzungen wurden auf Video aufgezeichnet und anschlie&#223;end ausgewehrtet. Zudem wurden die Poster als Ergebnis der Rechercheanstrengungen zur Auswertung herangezogen. Dies ist ein interessanter Schritt, da auf diese Weise nicht &#252;berpr&#252;ft wurde, ob die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler bestimmte Fakten gefunden hatten, sondern ob sie in der Lage waren, relativ alltagsnah Informationen zu suchen, auszuwerten, darzustellen und zur Beantwortung einer komplexeren Fragstellung zu benutzen. Abschlie&#223;end wurden ausgw&#228;hlte Lernende zu ihrem Vorgehen bei der Recherche interviewt. Dieser multidimensionale Zugriff erm&#246;glichte es den Forschenden, mehrere Wahrnehmungsebenen in ihre Analyse einzubeziehen und sich teilweise erg&#228;nzen zu lassen. So konnten Beobachtungen auf den Videotapes in den Interviews verifiziert werden.<br />
Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler &#8211; so kann man die Ergebnisse der Literatur&#252;bersicht und Datenanalyse der Studien zusammenfassen &#8211; haben jeweils auch ohne Informationskompetenzvermittlungen eine, auf dem allt&#228;glichen Umgang mit dem Internet basierende, Informationskompetenz ausgepr&#228;gt. [2]<br />
Die Recherchen waren dadurch gekennzeichnet, dass sie nicht wirklich geplant waren, bevor sie durchgef&#252;hrt wurden. Interesanterweise fiel es den Lernenden dadurch schwieriger, konkrete Faktenfragen zu beantworten, w&#228;hrend sie offene und relativ weite Fragen gut beantworten konnten.<br />
Weiterhin stellen <em>Bowler / Large / Rejskind</em> fest, dass die effektive Recherche im Netz ein Wissen &#252;ber die technischen Ger&#228;te voraussetzt. Auch wenn die von ihnen festgestellten Probleme (beispielsweise beim Speichern von Daten auf Disketten) sich ver&#228;ndert haben oder auch obsolet geworden sind, ist doch folgende Feststellung weiterhin g&#252;ltig:<br />
<blockquote><br />
The Web is a technology-dependent platform for information delivery. To use it successfully, one must understand and be able to perform basic functions on the computer. Evidence from the search sessions indicates that the students were hampered by their lack of technical literacy. [p. 208]<br />
</blockquote><br />
<em>Bowler / Large / Rejskind</em> thematisieren dies zwar nicht, aber es ist im Umkehrschluss auch logisch anzunehmen, dass Menschen, die Informationskompetenz im Internet vermitteln wollen, vor der gleichen Herausforderung stehen: die Vermittlung jedweder internetbasierter Informationskompetenz bedarf eines grundlegenden Wissens &#252;ber die benutzte Technik und die Funktion verschiedener Internetdienste. Dabei geht es, wenn man der Studie von <em>Bowler / Large / Rejskind</em> folgt, nicht einmal um die st&#228;ndige Nachvollziehung von Hypes. Es geht um die Orientierung an der zeitgen&#246;ssischen Medienrealit&#228;t.</p>

	<p><blockquote><br />
[1] Offenbar war es &#8211; einen solchen Anschein vermittelt zumindest der Text &#8211; 1998 schon normal, dass ein kanadisches Klassenzimmer mit mehreren Computern und Internetzug&#228;ngen ausgestattet war. In Deutschland hatte sich zwar 1996 die Initiative <a href="http://www.schulen-ans-netz.de/ueberuns/derverein/geschichtedesvereins/entwicklung.php" target="_blank">Schulen ans Netz</a> gegr&#252;ndet worden und galt als extrem fortschrittlich. (Obwohl es auch Stimmen gab, welche diese Initiative vor allem als Werbeveranstaltung der Telekom ansahen, welche sich angeblich auf diese Weise kurz vor der Deregulierung des Telefonmarktes zum Quasi-Monopolist in Sachen Internet aufschwingen wollte.)  Allerdings konnte diese Initiative erst 2001 vermelden, dass quasi jede Schule in Deutschland einen Internetzugang ausgestattet w&#228;re. Von Computern im normalen Klassenraum war dann 2001 in Deutschland erst langsam die Rede.<br />
[2] Das war zumindest zum Untersuchungszeitpunkt in Deutschland auch nicht wirklich denkbar. 1998 nutzten rund 10% der Deutschen das Internet gelegentlich. Heute sind dies, laut <a href="http://www.forschungsgruppe.de/_/PM_Strukturdaten/web_II_08_1.pdf">den aktuellen Internet-Strukturdaten</a>, rund 64%.<br />
</blockquote></p>
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		<title>Woher kamen eigentlich die PISA-Studien?</title>
		<link>http://bildungundgutesleben.blogsome.com/2008/07/12/woher-kamen-eigentlich-die-pisa-studien/</link>
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		<pubDate>Sat, 12 Jul 2008 00:48:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Grundsätzliches</category>
	<category>Bildung</category>
	<category>Glücksversprechen und Wünsche</category>
	<category>Evaluation und Empirie</category>
	<category>Zitate</category>
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		<description><![CDATA[	Vor einigen Jahren dominierten in Deutschland die PISA-Studien die &#246;ffentliche Debatte, die Bildungspolitik und auch die bibliothekarischen Konzeptpapiere und Texte. Das scheint heute anders geworden zu sein, so richtig wurde PISA 2006 nicht mehr wahrgenommen und langsam verschwindet die Phrase, dass man an den PISA-Studien sehen k&#246;nnte, wie schlecht das deutsche Bildungssystem ist und das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Vor einigen Jahren dominierten in Deutschland die <a href="http://www.pisa.ipn.uni-kiel.de/" target="_blank"><span class="caps">PISA</span>-Studien</a> die &#246;ffentliche Debatte, die Bildungspolitik und auch die <a href="http://www.gew-berlin.de/blz/731.htm" target="_blank">bibliothekarischen</a> <a href="http://www.bz-sh.de/fachstellenserver/kinderbibliotheken/dokumente/pisa.doc">Konzeptpapiere</a> <a href="http://www.bibliotheksverband.de/presse/Pressemitteilung_dbv_12_2007.pdf">und</a> <a href="http://www.b-u-b.de/0207/index.php?frame=editor" target="_blank">Texte</a>. Das scheint heute anders geworden zu sein, so richtig wurde <span class="caps">PISA 2006</span> nicht mehr wahrgenommen und langsam verschwindet die Phrase, dass man <em>an den <span class="caps">PISA</span>-Studien sehen k&#246;nnte, wie schlecht das deutsche Bildungssystem ist und das deshalb eigentlich sofort xxxx [1]</em>, wieder aus diesen Texten.<br />
Was allerdings in diesen Debatten und auch heute nicht so richtig gefragt wurde, war, wieso es eigentlich diese Studien gab. Immerhin kosteten sie jeweils (f&#252;r Deutschland) rund 30 Millionen Euro. Und sie waren auch nicht die einzigen Studien im Feld der Bildungsstatistik. Hinzu kamen unter anderem die <a href="http://www.ifs-dortmund.de/iglu.html" target="_blank"><span class="caps">IGLU</span>-</a><a href="http://www.ifs-dortmund.de/IGLU2006.html" target="_blank">Studien</a>, die <a href="http://www.stefi.de/" target="_blank">Stefi-Studie</a>, die <a href="http://www.dipf.de/desi/" target="_blank"><span class="caps">DESI</span>-Studie</a> und weitere lokale Studien wie <a href="http://www.lars-balzer.info/projects/projekt_markus.html" target="_blank">Markus</a>, <a href="http://www.mbjs.brandenburg.de/sixcms/media.php/1227/schulforschung_heft1_quasum.pdf">QuaSum</a>, <a href="http://www.hamburger-bildungsserver.de/schulentwicklung/lau/" target="_blank"><span class="caps">LAU</span></a> und <a href="http://waxmann.com/kat/1587.html" target="_blank">LaC</a>. Nicht zu vergessen die Anstrengungen, eine <a href="http://www.bildungsbericht.de/" target="_blank">nationale Bildungsberichtserstattung</a> aufzubauen (nicht nur &#8211; wie schon l&#228;nger praktiziert &#8211; f&#252;r die <a href="http://www.bmbf.de/pub/berichtssystem_weiterbildung_neun.pdf">Weiterbildung</a>, sondern auch f&#252;r <a href="http://www.dji.de/cgi-bin/projekte/output.php?projekt=648" target="_blank">Kindertagesst&#228;tten</a> oder den gesamten Bildungssektor). Hingegen erschienen die <span class="caps">PISA</span>-Studien in den meisten Texten, die sich auf sie bezogen, quasi vom Himmel gefallen zu sein. Irgendwie schien irgendwer (die <span class="caps">OECD</span>, wenn man genauer nachschaute) auf den Gedanken gekommen zu sein, diese Studien durchzuf&#252;hren und irgendwie konnten sie dann auch relativ einfach durchgef&#252;hrt werden (was immerhin hie&#223;, dass jeweils rund 5.000 Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler drei Stunden Tests schreiben und zudem von allen beteiligten Schulen Frageb&#246;gen ausgef&#252;llt werden mussten). Die eigentlich selbstverst&#228;ndliche Frage, welche Aufgaben diese Studien haben, wie sie initiiert und durchgef&#252;hrt wurden, schien kaum gestellt zu werden, bevor sie jeweils zur Untermauerung des eigenen bildungspolitischen Standpunkts herangezogen wurden.<br />
Dabei sind diese Studien Teil einer relativ grundlegenden Wende der deutschen Bildungspolitik. Es herrscht heute die Vorstellung vor, dass Bildungseinrichtungen nur durch eine m&#246;glichste breite und gro&#223;e Unterst&#252;tzung durch wissenschaftliche Methoden politisch gesteuert werden k&#246;nnten. Euphemistisch wird diese Hinwendung zu Vergleichsstudien gerne als Anpassung an internationale Gepflogenheiten dargestellt. Das ist selbstverst&#228;ndlich so nicht richtig. Es gibt einige Staaten, in denen in der Bildungspolitik ein Focus auf die externe und interne Evaluationen gelegt wird und es gibt auch Staaten, die sich nicht auf solche Evaluationen konzentrieren oder in denen die Bedeutung von Bildungsevaluationen (schon wieder) zur&#252;ckgeht. [2] Letztlich ist das immer eine politische Entscheidung, egal wie sehr sich darauf berufen wird, dass es sich bei den Studien um wissenschaftliche Werke handeln w&#252;rde. [3]<br />
Diese Umorientierung in der Bildungspolitik ist &#8211; egal, was man von ihr h&#228;lt &#8211; weit relevanter, als dies in den meisten Bez&#252;gen auf die <span class="caps">PISA</span>-Studien thematisiert wurde. Die Hinwendung zu empirischen Bildungsberichten verschiebt die Wahrnehmung der Politik von der Aufgabe und Funktion von Bildungseinrichtungen relevant. Letztlich machen diese Bildungsstudien das Versprechen, dass es m&#246;glich ist, Bildungsqualit&#228;t empirisch zu messen und dies sogar in einer solchen Weise, dass (faire) Vergleiche zwischen Bildungseinrichtungen m&#246;glich werden und sich aus diesen Ergebnissen Handlungsoptionen f&#252;r die Bildungspolitik ableiten lassen. Dieses Versprechen wird seit etwas mehr als zehn Jahren in der deutschen Bildungspolitik allgemein geteilt, auch wenn der gesellschaftliche und journalistische Hype um die <span class="caps">PISA</span>-Studien offenbar vorbei ist. Letztlich ist dieser Paradigmenwechsel auch relevanter, als beispielsweise jede Aussage &#252;ber die Lesekompetenz deutschen Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler im Vergleich zu Lernenden in anderen Staaten, die mithilfe der <span class="caps">PISA</span>-Studien gemacht wurde.<br />
Eine sehr &#252;bersichtliche Zusammenfassung der Versprechen, welche sich die Bildungspolitik von dieser empirischen Wende macht, liefert <em><a href="http://www.uni-mainz.de/FB/Paedagogik/AG_Schulpaedagogik/434.php" target="_blank">Isabell van Ackeren</a></em> [<em>Ackeren, Isabell van (2007) / <a href="http://www.bmbf.de/pub/nutzung_grossflaechiger_tests_fd_schulentwicklung.pdf">Nutzung gro&#223;fl&#228;chiger Tests f&#252;r die Schulentwicklung : Exemplarische Analyse der Erfahrungen aus England, Frankreich und den Niederlanden</a>. &#8211; Bonn ; Berlin : Bundesministerium f&#252;r Bildung und Forschung. &#8211; (Bildungsforschung ; 3)</em>] im ersten Teil ihrer Untersuchung &#252;ber verschiedene Ans&#228;tze der Nutzung des in solchen Vergleichsstudien generierten Wissens.<br />
<blockquote><br />
Der Blick &#252;ber die nationalen Grenzen zeigt, dass in vielen Schul&#173;systemen Europas die Einzelschulen in den letzten Jahren immer st&#228;rker dazu angehalten werden, Verantwortung &#252;ber ihre Leistun&#173;gen abzulegen. Zentral organisierte Leistungsmessungen und Eva&#173;luationsprogramme spielen dabei eine wichtige Rolle. Mit ihrer Hilfe werden Ausk&#252;nfte &#252;ber die Qualit&#228;t der Einzelschule einge&#173;holt und &#246;ffentlich oder/und vertraulich verschiedenen Zielgrup&#173;pen zur Verf&#252;gung gestellt. Gro&#223;fl&#228;chige externe Evaluationsfor&#173;men stellen ein wichtiges Element grunds&#228;tzlicher, auf die Anhe&#173;bung des Leistungsniveaus eines Bildungssystems ausgerichteter Reformen dar: Die Schulen vieler L&#228;nder sind zum Subjekt einer Gesetzgebung und Politik geworden, die gro&#223;e Ver&#228;nderungen in Bereichen wie &#8218;Curriculum&#8217;, &#8218;Leistungsmessung&#8217; und &#8218;Schulauto&#173;nomie&#8217; mit sich brachten. So sind die curricularen Forderungen restriktiver geworden, Testverfahren, aber auch regelm&#228;&#223;ige Schul&#173;inspektionen wurden ausgeweitet, Bildungspolitik wurde bei gleichzeitiger Dezentralisierung der Verantwortung f&#252;r ihre Imple&#173;mentierung st&#228;rker zentralisiert und verschiedene Regierungen haben versucht, Marktelemente im Bildungsbereich einzuf&#252;hren, indem Eltern verst&#228;rkt Schulwahlm&#246;glichkeiten einger&#228;umt wur&#173;den und die Finanzierung der Schulen an die eingeworbene Sch&#252;&#173;lerzahl gekoppelt wurde. In diesem Kontext ist ein Denken in be&#173;trieblichen Begriffen auch im schulischen Bereich nicht mehr ungew&#246;hnlich. Unterricht wird durchaus als ein Produktionsprozess gesehen, mit dem Inputs in Outputs transformiert werden. Die Auspr&#228;gung solcher Reformen variiert von Land zu Land aufgrund historischer, kultureller, institutioneller und politischer Faktoren. Es gibt einige gemeinsame Elemente, die sich &#252;ber die L&#228;ndergrenzen hinweg identifizieren lassen; gro&#223;fl&#228;chige, extern gesteuerte Evaluationsformen sind ein Beispiel daf&#252;r, obgleich solche Reform&#173;elemente im Kontext des jeweiligen nationalen Bildungssystems einschlie&#223;lich seines historischen und gegenw&#228;rtigen sozialen Zusammenhangs zu betrachten sind. Vor diesem Hintergrund stre&#173;ben Regierungen vieler L&#228;nder der ganzen Welt nach M&#246;glichkeiten, Wissen und Kompetenzen zu testen und sie interessieren sich daf&#252;r, ob und wie dadurch das Lehren und Lernen mit den entsprechenden Arbeitsergebnissen kontrolliert werden kann. Die Etablierung von Tests, Pr&#252;fungen und Studien wird als wichtiger Steuerungsmechanismus in vielen L&#228;ndern angesehen: Alle Sch&#252;&#173;ler/innen werden demnach zur Teilnahme an standardisierten Tests und Pr&#252;fungen verpflichtet. Das Erreichen bzw. Nicht-Errei&#173;chen der geforderten Standards ist nicht selten mit positiven bzw. negativen Sanktionen, z. B. finanzieller Art, verkn&#252;pft, um in Schu&#173;len und Klassenr&#228;umen &#196;nderungen zu erreichen und dadurch insgesamt Reformen in Bildungssystemen umzusetzen. Die erhofften M&#246;glichkeiten einer testbasierten Reform scheinen dabei auch aus Kostengr&#252;nden attraktiv. Tests sind offensichtlich weniger teuer als Reformen, die direkten Einfluss auf das Unterrichtsgeschehen nehmen wollen.<br />
[Ackeren (2007), S. 8f.]<br />
</blockquote><br />
Diese Versprechen werden sich nicht im erhofften Ma&#223;e erf&#252;llen &#8211; dies ist aufgrund internationaler Erfahrungen und der Erfahrung aus anderen Bildungsreformen in Deutschland, schon jetzt problemlos vorher zu sagen. Allerdings ist ein teilweises Scheitern von Reformen im Rahmen demokratischer Prozesse auch kein wirkliches Problem, sondern Triebfeder gesellschaftlicher Auseinandersetzungen. Deswegen wird auch dieses Scheitern insgesamt nicht zum Untergang des deutschen Bildungssystems f&#252;hren, auch wenn solcher Szenarien immer wieder gerne aufgerufen werden. Trotzdem bestimmen diese Vorstellungen aktuell die Wahrnehmung von Bildungseinrichtungen durch die Bildungspolitik. Und, auch dies ist kein wirklich schwierige, Vorhersage, wenn Bibliotheken Einrichtungen sein wollen, die irgendetwas mit Bildung zu tun haben wollen, dann werden sie gezwungen sein, sich unter dieses Regime zu ordnen. Die <span class="caps">PISA</span>-Studien sind nicht vom Himmel gefallen, sie sind Teil eines politischen Paradigmenwechsels. Und dieser ist &#8211; wie alle Paradigmenwechsel &#8211; weder eindeutig zu begr&#252;&#223;en noch eindeutig abzulehnen.</p>


	<p><blockquote><br />
Fu&#223;note:<br />
[1] Hier beliebige bildungspolitische Massnahme einsetzen. Gerade in der Hochzeit der Debatte schien es, als k&#246;nnte einfach jede politische Entscheidung (von der egalit&#228;ren Ganztagsgesamtschule bis zur F&#246;rderung der Bildung im Familienverband) und kulturelle Veranstaltung mit den <span class="caps">PISA</span>-Studien begr&#252;ndet werden, auch wenn das die eigentlichen Studien bei genauerem Lesen eher selten hergaben.<br />
[2] Dies hat auch lange nicht so viel mit den in Deutschland gerne gepflegten modernen Feindbildern zu tun, wie dies auf den ersten Blick erscheinen k&#246;nnte. Beispielsweise ist Englang ein Land, in welchem fast ausschlie&#223;lich Evaluationen und (sich st&#228;ndig &#228;ndernde) Bildungsstandards zur Steuerung von Bildungseinrichtungen eingesetzt wird, wohingegen in Schottland nicht einmal ein allgemein akzeptiertes landesweites Curriculum f&#252;r Bildungseinrichtungen existiert. In Wales und Nordirland haben Evaluationen ebenso nicht die Bedeutung, die sie in England haben. &#196;hnlich verh&#228;lt es sich mit den <span class="caps">USA</span>, in dem die Bedeutung von Vergleichsstudien f&#252;r die nationale Bildungspolitik gro&#223; ist &#8211; was allerdings in seiner Wirkung dadurch eingeschr&#228;nkt ist, dass die Bundesregierung keinen verfassungsrechtlichen Anspruch auf die Bildungspolitik der Staaten hat und wenn &#252;berhaupt, dann durch die Vergabe von Finanzmitteln Einfluss auf die Bildungspolitik nehmen kann. In einigen US-amerikanischen Bundeststaaten ist die Bedeutung solcher Studien ebenfalls gro&#223;, in anderen ist sie praktisch sehr gering. Auch die in Deutschaldn gerne als Vorbild begriffenen skandinavischen Staaten sind &#228;hnlich divers. Norwegen setzt stark auf Bildungsevaluationen und die Ver&#246;ffentlichung der auf diesem Weg gewonnen Daten, w&#228;hrend Schweden sehr verhalten damit umgeht. Auch in Finnland, dass in Deutschland gerne als &#8220;PISA-Gewinner&#8221; begriffen wird, haben Bildungsstatistiken einer eher geringen Wert. Und das Frankreich ebenso wie Deutschland in den <span class="caps">PISA</span>-Studien eher schlecht abschnitt, hat die dortige Bildungspolitik nicht wirklich gro&#223; tangiert. Man sollte also mit einfachen Erkl&#228;rungen, warum in einem Land empirische (und teilweise auch pseudo-empirische) Bildungsberichterstattungen eine gro&#223;e Bedeutung haben und in anderen nicht, sehr zur&#252;ckhaltend sein. Dies scheint sehr von der nationalen Bildungspolitik und den dort vertrenden Ansichten beeinflusst zu sein.<br />
[3] Was f&#252;r einige Studien, die au&#223;erhalb Deutschlands eingesetzt werden, teilweise bestritten werden kann.<br />
</blockquote></p>
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		<title>Wünsch dir was</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Jun 2008 16:42:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Grundsätzliches</category>
	<category>Glücksversprechen und Wünsche</category>
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		<description><![CDATA[	Der Berufsverband Information Bibliothek hat, im Anschluss an das eigentlich gescheiterte Projekt Bibliothek 2007, eine Arbeitsgruppe gebildet, die eine Fortf&#252;hrung dieses Projektes organisieren wollte. Vorgelegt hat diese Arbeitsgruppe vor einiger Zeit das Strategiepapier &#8222;21 gute Gr&#252;nde f&#252;r gute Bibliotheken&#8221;. Es gab zu diesem nicht nur eine Veranstaltung auf dem Bibliothekstag, sondern auch ein Blog, in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Der <a href="http://www.bib-info.de/positionen/bibliothek2012/" target="_blank">Berufsverband Information Bibliothek</a> hat, im Anschluss an das eigentlich gescheiterte Projekt Bibliothek 2007, eine Arbeitsgruppe gebildet, die eine Fortf&#252;hrung dieses Projektes organisieren wollte. Vorgelegt hat diese Arbeitsgruppe vor einiger Zeit das Strategiepapier &#8222;<a href="http://www.bib-info.de/positionen/bibliothek2012_mai2008.pdf">21 gute Gr&#252;nde f&#252;r gute Bibliotheken</a>&#8221;. Es gab zu diesem nicht nur eine Veranstaltung auf dem Bibliothekstag, sondern <a href="http://bibinfo.wordpress.com/" target="_blank">auch ein Blog</a>, in dem eigentlich eine Diskussion &#252;ber das Papier stattfinden sollte. Leider scheint dieses Blog nahezu vollkommen untergegangen zu sein, bis dankeswerterweise <a href="http://www.bibliothek2null.de/" target="_blank">Patrick Danowski</a> darauf hinwies. Er selber &#228;u&#223;erte in f&#252;nf Teilen Kritik an dem Papier (<a href="http://http://www.bibliothek2null.de/2008/06/23/bibliothek2012/" target="_blank">1</a>, <a href="http://www.bibliothek2null.de/2008/06/24/bibliothek2012_teil2/" target="_blank">2</a>, <a href="http://www.bibliothek2null.de/2008/06/25/bibliothek2012_teil3/" target="_blank">3</a>, <a href="http://www.bibliothek2null.de/2008/06/26/kritik-an-21-gute-grunde-fur-gute-bibliotheken-teil-4-von-5/" target="_blank">4</a>, <a href="http://www.bibliothek2null.de/2008/06/27/kritik-an-21-gute-grunde-fur-gute-bibliotheken-teil-5-von-5/" target="_blank">5</a>), tene hat in <a href="http://chaoslinie.blogger.de/" target="_blank">ihrem Blog</a> das Papier daraufhin in drei Teilen (<a href="http://chaoslinie.blogger.de/stories/1160755/" target="_blank">1</a>, <a href="http://chaoslinie.blogger.de/stories/1160758/" target="_blank">2</a>, <a href="http://chaoslinie.blogger.de/stories/1160761/" target="_blank">3</a>) kritisiert, Prof. Umst&#228;tter meldete sich <a href="http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg36699.html" target="_blank">in der inetbib-Liste zu Wort</a>. Eine wirkliche Diskussion ist dies noch nicht, aber immerhin ein Anfang. Auch ich m&#246;chte einen Beitrag zu diesem Text beisteuern, immerhin soll das Strategiepapier nach Vorstellung der Arbeitsgruppe in den n&#228;chsten Jahren eine wichtige Rolle im deutschen Bibliothekswesen spielen. Mir ist zwar nicht klar, wie man sich dies nach dem eigentlich folgenlosen Auslaufen der Vorg&#228;ngerprojekts vorstellen soll. Aber immerhin besteht der Anspruch.<br />
Im Gegensatz zu den anderen Kritiken, die sich sehr am Text selber orientierten, w&#252;rde ich gerne das Papier allgemeiner kritisieren, wobei diese Kritik nicht als Verriss gelesen werden sollte, sondern an etwas, dass man in anderen Kreisen als &#8222;solidarische Kritik&#8220; verstehen w&#252;rde.</p>

	<p><strong>Wozu?</strong><br />
Grunds&#228;tzlich muss ich eingestehen, dass ich nicht hinter das Konzept des Textes gestiegen bin. Ich meine: hinter die Idee eines Strategiepapieres. Ein Strategiepapier, wie ich es kenne, schreibt man im Rahmen eines Selbstfindungsprozesses politischer Initiativen. Daf&#252;r treffen sich die Mitglieder der Initiative, man tauscht sich dar&#252;ber aus, was man bisher gemacht hat, was die pers&#246;nlichen Ziele sind, was man sich in n&#228;chster Zeit erwartet. Nach einigen heftigen Streitigkeiten schreibt dann eine Gruppe alle akzeptierten Ziele zusammen, die Anwesenden nicken es ab. Und danach legt man das Papier zu den Akten und macht mit der politischen Arbeit weiter. So ungef&#228;hr kenne ich es: ein Papier, dass als Ergebnis am Ende einer, zum Teil drastischen, gemeinsamen Auseinandersetzung einer Organisation steht und auf das sich anschlie&#223;end kaum jemand mehr bezieht, weil das wichtige am Erstellen des Papiers der Rekonstitutionsprozess im Laufe der Debatten ist, nicht der Text, der am Ende geschrieben wird. Die Wirkung eines solchen Strategiepapiers ist immer eine interne.<br />
Aber darum geht es bei &#8222;21 gute Gr&#252;nde f&#252;r gute Bibliotheken&#8220; offenbar nicht. Das Papier ist kein Ergebnis eines Diskussionsprozesses des Bibliothekswesens. Und offensichtlich ist das Bibliothekswesen auch nicht das anvisierte Gespr&#228;chsumfeld, in das hinein das Papier wirken soll. Das war bei Bibliothek 2007 schon &#228;hnlich unverst&#228;ndlich, aber immerhin gab es bei dem damaligen Papier noch etwas zu diskutieren. Bei &#8222;21 gute Gr&#252;nde&#8220; ist es mir vollkommen unnachvollziehbar, an wen sich das Papier richtet, was es bewirken soll, was es mit dem Bibliothekswesen zu tun hat und was eigentlich seine strategische Aufgabe sein soll. Es ist einfach da und macht einige Aussagen. Aber es hat noch nicht mal mich, der eigentlich im Zweifel dann doch immer f&#252;r die Bibliothek ist, &#252;berzeugt &#8211; weil: ich wei&#223; gar nicht, wovon es mich &#252;berzeugen soll.<br />
Wenn ich es richtig aus Bibliothek 2007 abgeleitet habe, soll ein solches Strategiepapier dazu dienen, Bibliotheken in politischen Debatten zu verankern. Was auch immer das wieder hei&#223;en soll. Sollen Politikerinnen und Politiker das Papier lesen, sich an den Kopf fassen, &#8222;ja, stimmt, wie konnte ich das nur vergessen?&#8220; murmeln und dann sofort f&#252;r eine Umverteilung des Etats sorgen? Vielleicht haben andere Menschen ja andere Erfahrungen, aber ich habe nun schon einige Jahre auf unterschiedlichen Ebenen und Themenfeldern Politik gemacht, hatte dabei unterschiedlich engen Kontakte zu Politikerinnen und Politiker der drei politischen Ebenen (Kommune, Land, Bundesrepublik) in allen Parteien zwischen <span class="caps">CDU</span> und Linkspartei und fast allen gro&#223;en gesellschaftlichen Institutionen von Gewerkschaft bis Bund der Arbeitgeber. Diese Menschen haben viele Fehler, alle. Aber &#8211; solange sie nicht gerade vollkommen neu im politischen Gesch&#228;ft sind &#8211; sind diese Menschen alle sehr rational denkende und handelnde Wesen, die bekanntlich einen Bildungshintergrund haben, der weit &#252;ber dem gesellschaftlich durchschnittlichen liegt. Sie wissen, was Werbetexte sind, sie lassen sie auch regelm&#228;&#223;ig aus der Post entfernen. Sie wollen, um Entscheidungen zu treffen, klare Aussagen, nachvollziehbare Zusammenh&#228;nge und ein erkennbares Gesamtkonzept. Und dies bitte kurz und knapp. Eine Meinung haben sie schon alleine, daf&#252;r sind sie ja in der Politik. Alles andere ist Parteitagslyrik, die man bei offiziellen Veranstaltungen &#252;ber sich ergehen l&#228;sst, aber ansonsten ignoriert. Anders w&#252;rde das politische Gesch&#228;ft nicht funktionieren.<br />
Ich kann mir nicht vorstellen, welchen Effekt bei solchen Menschen der Text mit den &#8222;21 guten Gr&#252;nden&#8220; haben soll. Ehrlich gesagt w&#228;re ich &#252;berrascht, wenn er in seinem jetzigen Umfang und seiner Aufmachung &#252;berhaupt von Sekretariat weiter gereicht w&#252;rde. Aber abgesehen davon fehlt dem Text einfach die inhaltliche Substanz. Die behaupteten Effekte, die Bibliotheken angeblich haben, sind nicht untermauert (Merksatz: &#8222;Don&#8217;t argue, proof it.&#8220;), die Aussagen, die getroffen werden sollen, muss man zumeist raten, zumindest sind sie nicht klar erkenntlich und viel schlimmer: auch wenn man den Text mehrfach gelesen hat, wird nicht klar, was von den Lesenden nun erwartet wird. Bei den meisten Textabschnitten ist einfach nicht klar, was nun das jeweilige Argument sein soll. Das sollte eigentlich in jedem Text klar werden, der politische Relevanz erlangen will. Notwendig ist eher folgende Struktur: Aussage &#8211; Beweis &#8211; Handlungsm&#246;glichkeiten. Ob die Aussage dann akzeptiert wird, der Beweis anerkannt oder die Handlung vollzogen, ist dann eine andere Sache.<br />
Und nochmal aus meiner Erfahrung: ausnahmslos scheinen mir (verantwortliche) Politikerinnen und Politiker gestanden Menschen zu sein, zumeist mit Hochschulabschluss. Hingegen ist der Text, sowohl in seinem Aufbau, als auch nach seiner Diktion &#8230; tja, albern. Ein wenig erinnert er an Kinderb&#252;cher, &#252;ber weite Strecken auch an missgl&#252;ckte Versuche von Sozialarbeiterinnen/Sozialarbeitern, Jugendliche &#252;ber eine angebliche Jugendsprache &#8222;zu erreichen&#8220;, anstatt klar zu sagen worum es geht. Polikerinnen und Politiker sagen das nicht so direkt, aber ich kann mir gut vorstellen, dass sie sich vom belehrend-kumpelhaften Duktus des Textes genauso verarscht vorkommen werden, wie ich. Garantieren tue ich dies zumindest f&#252;r alle unter 30. [1]<br />
Es ist mir also zusammengefasst nicht klar, wozu es &#252;berhaupt ein Strategiepapier geben soll und warum dann ein solches.</p>

	<p><strong>Wo ist das?</strong><br />
Abgesehen davon scheint der Text von einer kontinuierlichen &#220;bersch&#228;tzung der realen Leistungsf&#228;higkeiten der (durchschnittlichen) Bibliotheken in Deutschland gezeichnet zu sein. Das hat auch damit zu tun, dass bestimmte Aufgaben von Bibliotheken best&#228;ndig betont werden (Medien zu Verf&#252;gung stellen, Informationen beschaffen) und daf&#252;r andere Aufgaben einfach nicht vorkommen. Genau einmal wird erw&#228;hnt, dass Bibliotheken (angeblich) die drohende Spaltung der Gesellschaft verhindern w&#252;rden, was so simpel gedacht &#252;berhaupt nicht stimmt. [2] Einmal steht im Text etwas von Meinungsvielfalt, die durch Bibliotheken erm&#246;glicht w&#252;rde; einmal etwas von gro&#223;er Medienkompetenz, die in Bibliotheken verbreitet sei; einmal wird die kulturelle Funktion von Archivbibliotheken angedeutet. Die Bibliothek als soziale und gesellschaftliche Einrichtung kommt im ganzen Text nicht vor. Das ist selbstverst&#228;ndlich eine politisch bedeutsame Aussage.<br />
Aber was an bibliothekarischer Arbeit geschildert wird, scheint aus einer anderen Dimension zu stammen, in der Bibliotheken politisch, vom Etat und der Zukunftsperspektive her l&#228;ngst abgesichert sind: alles klappt super. St&#228;ndig will man die Autorin an die Hand nehmen und durch ein paar zuf&#228;llig ausgesuchte durchschnittliche Bibliotheken f&#252;hren und sagen: schauen sie, Bibliotheken geht es schlecht, das Personal ist &#252;berarbeiten, das meiste ist Improvisation und jede Bibliothek hat unl&#246;sbare Aufgaben im Keller, die sie seit Jahren vor sich herschiebt. Die meisten Medienkompetenzen mussten sich die Bibliothekarinnen und Bibliothekare selber aneignen. Warum sollen die besser sein, als die der Gesamtbev&#246;lkerung? Fast alles ist veraltet, fast alles ist zu knapp. Das ist die Realit&#228;t. Let&#8217;s face it.<br />
Vielleicht soll diese best&#228;ndig positive Darstellung der Situation eine Utopie sein, ein Bild, wie Bibliotheken funktionieren k&#246;nnten. Es scheint &#246;fter, als w&#252;rden hier bibliothekarische Tr&#228;ume von funktionierenden Bibliotheken geschildert und nicht die Realit&#228;t. Nichts gegen Utopien. Aber: wer soll damit &#252;berzeugt werden? Keine Politikerinnen und Politiker, denn diese wissen zumeist sehr genau, wenn sie daf&#252;r verantwortlich sind, wie die Situation &#8222;ihrer Bibliotheken&#8220; ist. [3]<br />
Neben dieser best&#228;ndigen &#220;bersch&#228;tzung von Bibliotheken scheint der Text durchzogen von einer teilweise schon beleidigenden Untersch&#228;tzung der Nutzerinnen und Nutzer. Best&#228;ndig scheint der eigentlich seit einigen Jahrzehnten obsolete Gestus der Volksbildung durch, wo der wissende Bibliothekar der dummen Bev&#246;lkerung beibringen muss, wie man mit B&#252;chern umgeht, wie man Informationen findet etc. Insbesondere die best&#228;ndige Angst vor der Informationsflut, die im Text aufgerufen wird, stellt die Nutzerinnen und Nutzer als bedr&#228;ngte Wesen dar, denen geholfen werden muss. Das untersch&#228;tzt einfach, dass auch schon bisher der Gro&#223;teil der Menschen relativ funktionale Strategien entwickelt hat, mit diesem Aufkommen einer best&#228;ndig steigenden Zahl von Informationen umzugehen.<br />
Dazu kommt, dass die Vorstellung davon, wie und wieso Menschen eigentlichen Bibliotheken nutzen, ebenso an der Realit&#228;t vorbei zu gehen scheinen. Da tauchen im Text best&#228;ndig Menschen auf, die klare Informationsbed&#252;rfnisse haben, die f&#252;r klare Lernaufgaben in die Bibliothek kommen, die genau wissen, was sie eigentlich wollen. Rekreation, browsen, rumh&#228;ngen, Zeit rumbringen und &#196;hnliches wird nicht einmal erw&#228;hnt, au&#223;er wenn es irgendwas mit Lernen zu tun hat. Und wieder m&#246;chte man die Autorin an die Hand nehmen und f&#252;r einige Tage in einige durchschnittliche Bibliotheken setzen, um sich einmal anzuschauen, was die Menschen da eigentlich tun. Sicher wird sie ein paar Menschen mit klaren Informationsbed&#252;rfnissen sehen, aber nur sehr wenige.<br />
Absurd wird es, wenn die Autorin versucht, die Bedeutung von Bibliotheken f&#252;r den Alltag anhand von Beispielen zu untermauern. Sie f&#252;hrt einmal ein deutsch-t&#252;rkisches M&#228;dchen an, dass in der Bibliothek deutsch und t&#252;rkisch lernen w&#252;rde und eine Vater h&#228;tte, welcher sich vor seiner Einb&#252;rgerung in der Bibliothek in deutsch und t&#252;rkisch &#252;ber die Bundesrepublik informiert h&#228;tte. Das ist dann doch eher ein Mythos. Eine deutsche Bibliothek, die tats&#228;chlich einen fremdsprachigen Bestand hat, aus dem man relevante Informationen &#252;ber das politische System Deutschlands ziehen k&#246;nnte, noch dazu einen aktuellen, ist eine Rarit&#228;t. Es gibt sie, aber wie viele werden das sein? Und wie viele werden dass sein, wenn man nicht t&#252;rkische oder englische Texte sucht? Das Bild ist als Utopie brauchbar, aber nicht als Beschreibung der Realit&#228;t des deutschen Bibliothekswesens. Und die Idee, dass Bibliotheken von Menschen verwendet werden, um politische Informationen zu erhalten, geistert zwar schon l&#228;nger in der bibliothekarischen Debatte herum, aber jeder Versuch, dies beispielsweise im englisch-sprachigen Bibliothekswesen empirisch zu best&#228;tigen, geht best&#228;ndig schief. Die Menschen befragen immer zuerst Menschen, denen sie vertrauen, dann sehr viele andere Stellen und Medien und erst am Ende die Bibliothek. Egal, wie sehr diese in der Community verankert ist und egal, wie gro&#223; der Respekt vor der Arbeit in Bibliotheken bei den Menschen ist.<br />
Das Bild vom deutsch-t&#252;rkischen Vater ist also eines, dass mit der Realit&#228;t in deutschen Bibliotheken nichts zu tun hat. Vielleicht gibt es ihn irgendwo, aber er wird einer von hundertausend sein.<br />
Die Autorin z&#228;hlt aber auch noch einige Menschen auf, welche die Bibliothek f&#252;r ihre Arbeit brauchen: einen &#220;bersetzer, einen Redenschreiber f&#252;r ein Ministerium und einen Althistoriker. Okay. Nichts gegen &#220;bersetzer und Althistoriker, beide tun eine wichtige Arbeit. (Redenschreiber, naja.) Das sind die drei Berufe, die angef&#252;hrt werden, um zu zeigen, dass Bibliotheken f&#252;r die gesamte Gesellschaft wichtig sind. Nur wieviele Prozent der Bev&#246;lkerung sind das wohl? Ich sch&#228;tze mal, dass das noch nicht einmal ein Prozent sein wird. Was ist mit den anderen Menschen und Berufen? Das &#220;bersetzer und Althistoristoriker Bibliotheken brauchen, wird niemand bestreiten. Aber so ausgew&#228;hlt, wie die Beispiele sind, k&#246;nnen sie schnell nach hinten losgehen: &#252;ber 99% der Bev&#246;lkerung scheinen dem Papier nach keine Bibliothek zu ben&#246;tigen.</p>

	<p><strong>B&#228;h, Computer</strong><br />
Die Autorin mag das Internet nicht. Das wird im Text offensichtlich. Sie scheint zwar nur Google zu kennen, aber das reicht offenbar. Wirklich absonderlich wird das, wenn sie Lesen mit &#8222;B&#252;cher lieben&#8220; in Beziehung bringt. Irgendwie scheint ihr entgangen zu sein, dass das Internet an sich eine textlastige Angelegenheit ist und gerade wegen dessen Verbreitung von einer Wiederzunahme der Bedeutung des Lesens ausgegangen wird. Allerdings scheint sie mit dieser Haltung: ja, das Internet gibt es, aber wir haben B&#252;cher und wissen auch ansonsten besser &#252;ber Informationen Bescheid, als der Rest der Welt, tats&#228;chlich einmal eine Meinung zu vertreten, die mit der realen Meinung vielen Bibliothekarinnen und Bibliothekare &#252;bereinstimmt. Und selbstverst&#228;ndlich ist eine solche Meinung f&#252;r eine und einen pers&#246;nlich m&#246;glich. Aber wozu das in einen offiziellen Text schreiben, der &#8211; wie auch immer &#8211; die Zukunft der Bibliotheken bestimmen soll?<br />
Vor allem geht dies vollkommen an der realen Bedeutung des Internets in der Gesellschaft vorbei. Es ist doch offensichtlich, dass das Internet nicht der Feind ist, sondern von den meisten Menschen im gr&#246;&#223;eren Medienverbund genutzt wird. Und zwar nicht alleine als Informationsliefermaschine, sondern &#8211; wie andere Medien auch &#8211; ebenso als Teil der Freizeit und der Freitzeitgestaltung. Das Internet ist integraler Bestandteil des Medienalltags vieler Menschen geworden, ohne dass davon die Welt schlechter geworden w&#228;re. [4] Ebenso Spielkonsolen. Warum muss dann in einem Text, der 2008 geschrieben wurde, eine best&#228;ndige Grenze zwischen der Bibliothek / den B&#252;chern und dem Internet gezogen werden?<br />
Die Frage kann man schon zu Beginn des Textes stellen, wo wieder einmal gesagt wird, dass Bibliotheken trotz Internet notwendig seien. Wann hat man den bittesch&#246;n etwas anderes geh&#246;rt? Irgendwie scheint sich hier eine Bedrohung durch das Internet in den K&#246;pfen von Bibliothekarinnen, Bibliothekaren und Autorinnen, die Bibliotheken unterst&#252;tzen, festgesetzt zu haben, die nicht mehr existiert. Falls tats&#228;chlich einmal irgendein Politiker oder eine Politikerin ernsthaft behauptetet hat, dass Bibliothek durch das Internet abgel&#246;st w&#252;rden, ist das schon so lange her, dass man es einfach vergessen sollte. Die Probleme sind andere.</p>

	<p><strong>Wunschzettel</strong><br />
Beendet wird der Text mit dem Abschnitt &#8222;Was Bibliotheken brauchen&#8220;. Dieser Abschnitt ist nicht viel mehr, als eine Wunschliste, die gr&#246;&#223;tenteils aus Bibliothek 2007 abgeschrieben wurde. Wozu? Keine Ahnung. Auff&#228;llig ist erstmal, dass in der Liste selber mehrere Punkte enthalten sind, die schon, als sie in Bibliothek 2007 standen, diskutiert h&#228;tten werden m&#252;ssen. Und zweitens f&#228;llt auf, dass diese Wunschliste mit den Text zuvor nichts zu tun hat. Da erscheinen auf einmal solche Aussagen, wie, dass Bibliotheken nah sein m&#252;ssen, Vernetzung und Standards brauchen, ohne dass das irgendwie begr&#252;ndet wurde. Der Text und die Wunschliste: sie haben einfach &#252;berhaupt nichts mit einander zu tun, auch wenn es den Anschein hat, weil sie in einem Dokument stehen. Ehrlicher w&#228;re es, wenn der letzte Abschnitt unter der &#220;berschrift &#8222;Wir w&#252;nschen uns&#8220; oder &#8211; da es letztlich eine Fortschreibung von Bibliothek 2007 ist &#8211; &#8222;Wir und die Bertelsmann-Stiftung w&#252;nschen uns&#8220; separat ver&#246;ffentlicht w&#252;rden. Da w&#252;sste man zumindest, woran man ist.<br />
Aber auch so sollte die Liste besser noch einmal im Bibliothekswesen diskutiert werden, bevor sie an die &#214;ffentlichkeit gegeben wird. So wird beispielsweise einfach mal ein Anbindung an &#8211; angeblich etablierte &#8211; internationale Standards, die Einrichtung einer Bibliotheksentwicklungsagentur, die Vernetzung mit anderen Einrichtungen oder die Ausweitung der &#214;ffnungszeiten von Bibliotheken auf das Wochenende gefordert; obwohl es zu all diesen Punkten auch gewichtige Gegenargumente geben w&#252;rde, g&#228;be es den eine Debatte. Standards bringen nicht halb so viel, wie gerne vermutet wird, und produzieren stattdessen viel Sonderarbeit; eine Bibliotheksentwicklungsagentur ist solange sinnlos, solange nicht gesagt wird, was die eigentlich tun soll [5]; Wochenend&#246;ffnungszeiten hei&#223;t, dass die auch jemand abdecken muss und da gibt es aus Sicht der Besch&#228;ftigten auch gute Gr&#252;nde gegen. F&#252;r mich scheint diese Liste &#252;berhaupt nicht publikationsw&#252;rdig.</p>

	<p><strong>Kleinigkeiten</strong><br />
Daneben gibt es noch kleinere Sachen und Formulierungen, die ich kritisch sehe:<br />
<ul></p>
	<p><li>blame parents: In Deutschland scheint es &#252;blich, dass niemals die Bildungs- und Betreuungseinrichtungen Schuld sind, wenn mit Kindern und Jugendlichen etwas nicht stimmt, sondern immer die Eltern. W&#228;hrend in anderen Staaten Schulen und Bibliotheken den Fehler auch bei sich suchen, wenn die jeweiligen Bildungsziele nicht erreicht werden und daraus auch (immer bestreitbare) Konsequenzen ziehen, springt der Text einfach auf den deutschen Diskurs auf. Wozu? Der Gro&#223;teil der Eltern ist von den zahlreichen Vorw&#252;rfen und Anspr&#252;chen schon &#252;berfordert und versucht trotzdem das Bestm&#246;gliche. Da ist ein Satz, wie der folgende, vollkommen unn&#246;tig und inhaltlich zudem falsch: &#8222;Viele Kinder lernen das [Lesen] zu Hause nicht mehr, weil da keiner ist, der mit ihnen Bilderb&#252;cher bl&#228;ttert oder ihnen vorliest &#8211; Vor-lesen auch im Sinne von: Vorbild sein. Viele Kinder sehen zu Hause niemanden mehr beim Lesen, niemanden, den man jetzt nicht st&#246;ren soll, weil er liest, niemanden, der sp&#228;ter begeistert erz&#228;hlt, was er wieder f&#252;r abenteuerliche Dinge aus einem Buch oder einer Zeitung erfahren hat.&#8220;</li><br />
<li>Die Autorin will darstellen, dass Bibliotheken f&#252;r die wissenschaftliche Arbeit notwendig seien und schreibt deshalb folgenden Abschnitt: &#8222;90 Prozent aller Studierenden und Wissenschaftler nutzen ihre Bibliotheken. Zwei Millionen Studierende an deutschen Hochschulen brauchen sie t&#228;glich, um effizient lernen und arbeiten zu k&#246;nnen. Ohne sie sind Forschung und Lehre nicht denkbar. Das Internet hat daran nichts ge&#228;ndert &#8211; au&#223;er dass der Physiker dank der Bibliothekslizenz die Versuchsergebnisse seiner Kollegen weltweit schneller auf dem Bildschirm hat.&#8220; Das ist selbstverst&#228;ndlich das schlechteste aller m&#246;glichen Beispiele. Gerade die Physik gilt als die Wissenschaft, die dank dem Internet eine eigene Publikationskultur ausgepr&#228;gt hat, welche auf Preprints basiert. Da kommt jede und jeder einfach so ran: <a href="http://arxiv.org/" target="_blank">hier, in arxiv.org</a>. Oder anders: bevor ein Physiker wegen einer Bibliothekslizenz ein Arbeitsergebnis auf dem Bildschirm hat, ist dieses schon l&#228;ngst veraltet.</li><br />
<li>Die Idee, dass es etwas Besonderes w&#228;re, dass Bibliotheken sich spezialisieren, kann ich nicht nachvollziehen. Das machen doch alle Einrichtung nach einer bestimmten Zeit. Insbesondere auf dem freien Markt ist das oft eine Voraussetzung f&#252;r das &#220;berleben kleinerer Firmen.</li><br />
<li>&#8222;Hippe Japanerinnen k&#246;nnen den neuen Bestseller von Kultautor Haruki Murakami l&#228;ngst auf dem Handy durchklicken.&#8220; Dieses Bild bringt die Autorin, um anschlie&#223;end zu sagen, dass Bibliotheken aber auch B&#252;cher haben. Was immer dieses Bild genau sagen soll, so wie es eingesetzt wird, ist es fast schon rassistisch. Japanerinnen und Japaner lesen auf ihren Handys B&#252;cher und Zeitungen, weil dies aufgrund technischer Entwicklungen m&#246;glich ist. Gerade beim Aufbau des Handynetzes wurden in Japan einige andere Grundentscheidungen getroffen wurden, als in Deutschland, zum Beispiel die, dass Internet sehr schnell in den Handybetrieb zu integrieren. Deshalb sehen die Handys in Japan auch anders aus. Dies ist ein sch&#246;nes Beispiel f&#252;r die Bedeutung von Medienpolitik und Mediengeschichte. Allerdings hat das &#252;berhaupt nichts damit zu tun, dass die Menschen Japanerinnen sind. Die Japaner, die ich hier in Berlin kenne, nutzen deshalb elektronische Ger&#228;te auch nicht anders, als die Deutschen, Polen oder Kurden in Berlin. Und gen&#252;gend nicht-japanische Menschen, die in Japan leben, benutzen halt das Handy zum Lesen von B&#252;chern. Das hat nicht damit zu tun, wie die Bibliotheken ausgestattet sind. Auch in Japan gibt es funktionierende Verlage und Bibliotheken. Das verwendete Bild ist einfach Grundfalsch.</li><br />
<li>Da der Autorin gerade Google als Feindbild gilt, ist es noch nachvollziehbar, dass dieser Markennamen im Text auftaucht. Aber wozu m&#252;ssen im Text weitere Markennamen stehen? Der Text soll eine &#8222;Strategiepapier&#8220; sein, keine journalistische Reportage (wenn ich das richtig verstanden habe). Da sollten Markennamen einfach nicht drin vorkommen, weil die Argumentation sich eigentlich auf Strukturen bezieht, nicht auf einzelne Produkte.</li><br />
</ul></p>


	<p><blockquote><br />
Fu&#223;noten:<br />
[1] Ich hatte &#252;berlegt, ob der Duktus eventuell durch die &#8222;bekannte Publizistin Anne Buhrfeind&#8220; (Berufsverband) alleine zu verantworten ist, die als leitende Redakteurin in einem evangelischen Magazin arbeitet. Vielleicht redet man in der Kirche so? Ist das der Sprachstil, der heute im Gottesdienst einer evangelischen Gemeinde angeschlagen wird? Nun bin ich Atheist und kenne mich damit nicht wirklich aus. Aber meine Erfahrungen aus dem Studium (immerhin zwei Semester feministische Theologie), dem Religionsunterricht (bei uns freiwillig, weil es kein Philosophie- oder Ethikunterricht gab) und pers&#246;nlichen Kontakten sind andere. Wer redet den so,wie dieser Text geschrieben ist?<br />
[2] Was Bourdieu f&#252;r das franz&#246;sische Bildungssystem konstatierte, stimmt auch f&#252;r Bibliotheken in Deutschland: Das Bildungssystem reproduziert und verst&#228;rkt soziale Ungleichheiten, indem es sie ignoriert. Oder, in anderer Terminolgie: eine Einrichtung, die so tut, als w&#228;ren alle Menschen gleich, obwohl sie es in der Gesellschaft nicht sind, perpetuiert die vorhandenen sozialen Ungleichheiten. Funktionieren Bibliotheken so? Selbstverst&#228;ndlich nicht, &#252;berall wird versucht, Menschen besonders zu helfen, die es n&#246;tiger haben, als andere. Aber wenn man die &#8222;21 guten Gr&#252;nde&#8220; lie&#223;t, ist davon nichts zu finden. Dort geht es fast nur um &#8222;Bildungsb&#252;rger&#8220;.<br />
[3] Ein weiterer Fakt &#252;brigens, der mich am Sinn eines Strategiepapiers zweifeln l&#228;sst, und zwar auch schon bei Bibliothek 2007: bei allen f&#252;r Bibliotheken verantwortlichen Politikerinnen und Politikern habe ich bisher immer ein sehr gro&#223;es Verst&#228;ndnis f&#252;r die Situation von Bibliotheken und ein gro&#223;es Wissen &#252;ber die reale Situation festgestellt, oft auch Zukunftskonzepte, die weitsichtiger waren, als die, welche in bibliothekarischen Debatten immer wieder formuliert werden. Diese Menschen braucht man nicht davon &#252;berzeugen, dass Bibliotheken wichtig sind. Etwas anderes sind Politikerinnen und Politiker, die praktisch die Interessen der Verlage vertreten. Aber deshalb vertreten sie ja auch die Interessen der Verlage. Doch auch die wissen, dass die in den &#8222;21 guten Gr&#252;nden&#8220; geschilderten Bibliotheken Idealvorstellungen sind.<br />
[4] Es ist eher besser geworden, zumindest f&#252;r einige.<br />
[5] Wer jetzt &#8222;Innovation&#8220; sagt, kommt auch nicht weiter. Innovation um der Innovation willen bedeutet zumeist auch nur mehr Stress. Das Deutsche Bibliotheksinstitut wurde beispielsweise auch deshalb gesch&#228;tzt, weil es vollkommen uninnovative Zeitschriften f&#252;r Spezialbibliotheken herausgab. Soll das auch eine Aufgabe der Bibliotheksentwicklungsagentur sein? Und wieso soll eine Agentur eigentlich besser funktionieren, als das abgewickelte Bibliotheksinstitut oder die m&#246;gliche innovative Arbeit in den einzelnen Bibliotheken?<br />
</blockquote></p>
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	</item>
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		<title>Ungewollte Effekte weitflächiger Evaluationen</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Jun 2008 16:47:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Grundsätzliches</category>
	<category>Evaluation und Empirie</category>
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			<content:encoded><![CDATA[	<p><blockquote>[Gesellschaftliche] Technik, im umfassenden Sinne begriffen, ist <em>funktionierende Simplifikation</em>, ist eine Form der Reduktion von Komplexit&#228;t, die sich konstruieren und realisieren l&#228;&#223;t, obwohl man die Welt und die Gesellschaft nicht kennt, in der dies geschieht: ausprobiert an sich selber. Die Emanzipation der Individuen &#8211; wohlgemerkt: auch der unvern&#252;nftigen Individuen &#8211; ist ein unvermeidlicher Nebeneffekt dieser Technisierung.<br />
Nur ein so weit gefa&#223;ter Technikbegriff kann den Anspruch einl&#246;sen, zur Selbstbeschreibung der modernen Gesellschaft beizutragen. Er mach das Beiseiteschieben von Hinsichten und R&#252;cksichten verst&#228;ndlich. Er bezeichnet das Absehen von individualpsychologischen und von &#246;kologischen Auswirkungen gleicherma&#223;en. Er kl&#228;rt die technische Seite der Wissenschaft, und zwar ganz unabh&#228;ngig von den Anwendungen wissenschaftlicher Erkenntnisse auf Produktionsprozesse. Er macht verst&#228;ndlich, da&#223; die moderne Gesellschaft zur humanistischen und zur &#246;kologischen Selbstkritik neigt; aber auch: da&#223; sie in Reaktion darauf wiederum nur Technik einsetzen kann, indem sie zum Beispiel Humandefizite und &#246;kologische Probleme als Fianzierungsprobleme auffa&#223;t.<br />
[Luhmann, Niklas / Beobachtungen der Moderne. &#8211; 2. Aufl. &#8211; Wiesbaden : <span class="caps">VS </span>Verlag f&#252;r Sozialwissenschaften, 2006 [1992], S.21f.]</blockquote></p>

	<p>Am 24. und 25. Juni 2008 fand am <a href="http://www.wzb.eu/" target="_blank">Wissenschaftszentrum Berlin f&#252;r Sozialforschung</a> (WZB) die eher wenig besucht Konferenz &#8222;<a href="http://www.wzb.eu/aktuell/educational_accountability.de.htm" target="_blank">Changing Educational Accountablility in Europe</a>&#8220; statt. W&#228;hrend im deutschen Bildungssystem, haupts&#228;chlich im Bezug auf Schulen, Diskussionen dar&#252;ber gef&#252;hrt werden, ob allgemeine Standards zu einer Erh&#246;hung der Schulqualit&#228;t f&#252;hren k&#246;nnen, ob mehr nationale und internationale Vergleichsstudien zu einer Verbesserung der Bildungsergebnisse f&#252;hren werden und ob die Orientierung am betriebswirtschaftlichen Paradigma der informierten Kundin bzw. des informierten Kunden und einem verst&#228;rkten Wettbewerb zwischen autonomen Schulen positive Effekte f&#252;r Sch&#252;lerinnen, Sch&#252;ler und deren Familien haben k&#246;nnten, ist eine solche Test- und Wettbewerbssituation in anderen Staaten die allgemeine Praxis im Schulsystem. Dabei stechen die <span class="caps">USA</span> und England (nicht Schottland, Wales und Nordirland) hervor, in denen die bildungspolitische Steuerung der Schulen haupts&#228;chlich &#252;ber nationale, regionale und kommunale Standards, Test und Wettbewerbssituationen erfolgt. Erkl&#228;rtes Ziel der deutschen Bildungspolitik ist es, sich dieses Praxis anzun&#228;hern. Der sogenannte <a href="http://www.kmk.org/schul/pisa/konstanz.htm" target="_blank">Konstanzer Beschluss</a> von 1997, in welchem die Kultusministerkonferenz beschloss, dass Deutschland (wieder) an internationalen vergleichenden Bildungsstudien teilnehmen und die Ergebnisse dieser Studien zur Weiterentwicklung des Bildungssystems nutzen soll, war der offizielle Beginn dieses bildungspolitischen Paradigmenwechsels. Die <span class="caps">IGLU</span>- und die <span class="caps">PISA</span>-Studien waren seine bisher bekanntesten Ergebnisse.</p>

	<p><strong>Inkonsistente Studienergebnisse</strong><br />
Die Grundfrage der Konferenz war, so die Pr&#228;sidentin der <span class="caps">WZB </span><a href="http://www.wzb.eu/wzb/allmendinger.de.htm" target="_blank">Jutta Allmendinger</a>, herauszufinden, was das Messen, Testen und Standardisieren im Hinblick auf Schul- und Unterrichtsqualit&#228;t bringt. Insbesondere interessierten die Veranstaltenden dabei ungewollte Effekte dieser Steuerungsmodelle. Dabei steht man, wenn man einmal versucht, &#252;ber eine einzelne Studien hinauszuschauen, best&#228;ndig vor einem weiteren R&#228;tsel: die Ergebnisse verschiedener Studien lassen sich kaum konsistent miteinander verbinden. Als Beispiel zeigte Prof. Allmendinger, dass es keinen statistischen Zusammenhang zwischen den Ergebnissen von Staaten in den <span class="caps">PISA</span>-Studien und der Verteilung und Anzahl und vorgeblichen Qualit&#228;t der Schulabschl&#252;sse in diesen Staaten gibt. Einen solchen Zusammenhang gibt es auch nicht, wenn man die einzelnen deutschen Bundesl&#228;ndern miteinander vergleicht. Wie im Laufe der Konferenz ersichtlich wurde, gilt dies f&#252;r verschiedene Studien und Kriterien, die zur Bestimmung der Qualit&#228;t von Bildungssystemen herangezogen werden.</p>

	<p><strong>name and blame</strong><br />
<a href="http://www.lse.ac.uk/people/r.g.bevan@lse.ac.uk/publications.htm" target="_blank"><em>Gwyn Bevan</em></a>, Professor an der <a href="http://www.lse.ac.uk/" target="_blank">London School of Economics and Political Science</a>, stellte die Praxis des <em>name and blame</em> im englischen Gesundheitssektor vor. Der Gesundheitssektor ist dabei als Vorreiter einer Entwicklung zu sehen, welche mit einiger Verz&#246;gerung auch im englischen Bildungssektor zur Anwendung kam. Gesundheitseinrichtungen &#8211; Krankenh&#228;user, Kurh&#228;user, einzelne Praxen &#8211; werden als relativ autonome Akteure auf einem Pseudomarkt verstanden. Diese Institutionen werden so wenig wie m&#246;glich direkt b&#252;rokratisch kontrolliert und gesteuert, sondern &#8211; soweit m&#246;glich &#8211; als Black-Box verstanden, die einen Input erhalten und einen messbareren Output erzielen sollen. Wie sie den Weg von Input zu Output organisieren, bliebt dabei idealtypisch ihnen selbst &#252;berlassen. Die Eingriffsm&#246;glichkeiten des Staates soll sich &#8211; neben der Gesetzgebung &#8211; auf Hilfe im unabwendbaren Notfall und die finanzielle F&#246;rderung guter Praxis beschr&#228;nken. Gemessen wird diese &#8222;gute Praxis&#8220; mithilfe von Standards, d.h. mit mehr oder weniger komplexen Frages&#228;tzen, deren Antworten in m&#246;glichst einfache Zahlen &#252;bersetzt werden. Im Allgemeinen werden diese Ergebnisse in einfach Punktesystemen (z.B. null bis vier Sterne) und Ranglisten ausgedr&#252;ckt und in dieser Form auch intensiv medial verbreitet. Insbesondere die Einrichtungen, die bei solchen Tests schlecht abschneiden, werden &#246;ffentlich von der Regierung und der Presse benannt und als schlechte Beispiele dargestellt. Dies ist zwar unter der New Labour Regierung seit 1997 verst&#228;rkt worden, wurde aber &#228;hnlich schon unter der Regierung der Conservative Party praktiziert.<br />
Erwartet wurde nun, dass sich Institutionen anstrengen w&#252;rden, m&#246;glichst hohe Punktzahlen (Sternchen) zu erhalten, dass sie dies durch eine allgemeine Steigerung der Qualit&#228;t tun w&#252;rden und dass gleichzeitig die Grunds&#228;tze des kapitalistischen Wettbewerbs dazu f&#252;hren w&#252;rden, dass die durch die Ranglisten informierten B&#252;rgerinnen und B&#252;rger das jeweils beste Produkt w&#228;hlen, bzw. die jeweils beste Einrichtung besuchen w&#252;rden und somit diejenigen Einrichtungen, die schlechte Ergebnisse erreichen, entweder ihre Qualit&#228;t verbessern oder aber untergehen w&#252;rden. [1]<br />
Das trat allerdings, so l&#228;sst sich der Vortrag von <em>Bevan</em> zusammenfassen, nicht ein. Egal, wie gut oder schlecht eine Praxis oder ein Krankenhaus abschnitt: es gingen weder relevant mehr noch relevant weniger Menschen hin. Dies ist bei Schulen nicht anders: immer noch gehen Kinder und Jugendliche vor allem in m&#246;glichst wohnortnahe Schulen, egal wie sehr sich diese spezialisieren oder wie gut und schlecht diese Schulen bei Rankings abschlie&#223;en. Der erwartete Markteffekt, welcher durch die Darstellung m&#246;glichst einfach nachvollziehbarer Informationen [2] und m&#246;glichst gro&#223;er Wahlm&#246;glichkeit der Individuen erreicht werden soll, trat bis heute nicht ein. &#196;hnliches berichtete im Laufe der Tagung auch <a href="http://staffdirectory.uv.uio.no/singleview/v1/index.php?user=gurisk" target="_blank">Guri Skedsmo</a> f&#252;r das norwegische Schulsystem, welches ebenso die Wahlfreiheit der Sch&#252;lerinnen, Sch&#252;ler und Eltern f&#246;rdert.<br />
Ebenso ist allerdings auch kein qualit&#228;tssteigender Effekt auf die einzelnen Einrichtungen nachzuweisen. Zwar steigen die gemessenen Werte tendenziell, aber das auch &#252;berall. Die Abst&#228;nde bleiben &#228;hnlich gro&#223;.<br />
Hingegen sind negative Effekt f&#252;r die Reputation und Selbstwahrnehmung der getesteten Einrichtungen nachzuweisen. Zum einen das Gef&#252;hl des Personals, f&#252;r minderwertige Einrichtungen zu arbeiten, dass insbesondere nach schlechten Testergebnissen auftritt. <em>Bevan</em> erw&#228;hnte Berichte von Menschen, die sich &#8222;am Tag danach&#8220; (d.h. nach einem schlechten Testergebnis) leer und ausgebrannt f&#252;hlen und auf ihr Arbeitsstelle als trostlos und emotional herabziehend ansehen. Dies ist nicht nur bei Null-Sterne-Ergebnisse zu beachten, sondern auch bei (meist vor&#252;bergehenden) Verlusten von einem Stern, was zu wahren Panikreaktionen in den Einrichtungen f&#252;hren kann. Zudem ist zu beobachten, dass gerade Einrichtungen, die mit einer solchen Abqualifzierung rechnen, haupts&#228;chlich auf Marketing-Aktionen setzen und nicht auf langfristige Strategien.<br />
Verst&#228;rkt wird dieser Effekt dadurch, dass es nicht etwa ein einziges nationales Testsystem g&#228;be, welches immer und &#252;berall angewandt w&#252;rde, sondern immer wieder wechselnde Tests , ausgehend von unterschiedlichen politischen Ebenen und mit unterschiedlichen Blickwinkeln.</p>

	<p><strong>Campbell&#8217;s Law</strong><br />
<blockquote>The more any quantitative social indicator is used for social decisionmaking, the more subject it will be to corruption pressures and the more apt it will be to distort and corrupt the social processes it is intended to monitor. [<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Campbell%27s_Law" target="_blank">Campbell&#8217;s Law</a>]</blockquote><br />
<em><a href="http://www.gse.harvard.edu/faculty_research/profiles/profile.shtml?vperson_id=47648" target="_blank">Daniel Koretz</a></em> von der <a href="http://www.harvard.edu/" target="_blank">Harvard University</a> zitierte Campbell&#8217;s Law, um die Wirkung von Tests im us-amerikanischen Bildungssystem zu kennzeichnen. Campbell&#8217;s Law besagt, dass ein Indikator um so mehr ein Objekt von direkter und indirekter Korrumption wird, je mehr er als Basis f&#252;r gesellschaftliche und politische Entscheidungen herangezogen wird.<br />
Bevor er dies ausf&#252;hrte, stellte <em>Koretz</em> klar, dass der &#252;berw&#228;ltigen Bedeutung von unterschiedlichen Tests und Evaluationen im politischen und gesellschaftlichen Diskurs wenig bis quasi gar kein Wissen &#252;ber diese Tests gegen&#252;berstehen. Die gesamten Tests, egal ob lokal eingesetzte &#220;berpr&#252;fungen von Standards oder Tests im Umfang der <span class="caps">PISA</span>-Studien, sind selber bisher kaum Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen geworden. Wir haben kaum Daten &#252;ber die Reliabilit&#228;t von Tests, wir haben auch kaum ein Wissen dar&#252;ber, wie gro&#223; die tats&#228;chliche Aussagekraft solcher Tests tats&#228;chlich ist.<br />
Dabei erinnerte <em>Koretz</em> an einen eigentlich trivialen, aber gerne &#252;bersehenen Fakt, n&#228;mlich daran, dass Tests das jeweils gemessene auf small samples reduziert, beispielsweise die Schulabschlusspr&#252;fung das Lernen von 10 oder mehr Jahren Schule in einige Stunden Tests oder die <span class="caps">IGLU</span>- und <span class="caps">PISA</span>-Studien die Lernerfolge von Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern der vierten Klasse respektive 15-J&#228;hrigen in jeweils 2-st&#252;ndigen Tests. Das jeweils abgefragte Sample soll also immer einen gr&#246;&#223;eren Wissens- und Kompetenzbestand repr&#228;sentieren. Ob das Sample dies tats&#228;chlich tut, ist nicht so klar, wie dies gerne angenommen wird. Dies ist bei Schulnoten aus zahlreichen Anekdoten bekannt und immerhin soweit akzeptiert, dass gegen Noten der Klageweg vor Gericht m&#246;glich ist. Bei den <span class="caps">PISA</span>-Studien hingegen oder auch zahlreichen anderen Evaluationen scheint das quasi nicht thematisiert zu werden.<br />
Desweiteren stellte <em>Koretz</em> auf der Basis seiner Forschungsergebnisse zu Evaluationen im Bildungsbereich klar, dass die in diesen Evaluationen jeweils gemessenen Daten und Kompetenzen zumeist &#8222;simple and unspecified&#8220; seien, bzw. dass sie zumeist so grob gefasst werden, dass die Menschen zwar mit ihnen umgehen, aber nicht wirklich sagen k&#246;nnen, was jetzt genau gemessen wurde und was die jeweiligen Ergebnisse hei&#223;en. Lesekompetenz zum Beispiel: was ist das?<br />
Und nicht zuletzt scheint ein Charakteristika von Ergebnissen solcher Test zu sein, dass sie regelm&#228;&#223;ig f&#252;r Aussagen herangezogen werden, die eine gesellschaftliche oder politische Bedeutung haben, aber &#252;berhaupt nicht getestet wurden. Hier kann beispielsweise an die im Rahmen der Debatten um die <span class="caps">PISA</span>-Studien mit voller &#220;berzeugung ge&#228;u&#223;erte Behauptungen verweisen werden, dass Bibliotheken einen positiven Einfluss auf die Entwicklung der &#8211; wie gesagt nicht wirklich klar gefassten &#8211; Lesekompetenz haben w&#252;rden, obwohl dieser Einfluss in den Studien &#252;berhaupt nicht abgefragt wurde.</p>

	<p>Die &#220;berbetonung einzelner Werte, die Campbell&#8217;s Law als problematisch herausstellt, f&#252;hrt laut <em>Koretz</em> in US-amerikanischen Schulen zu vier ungewollten Mechanismen:<br />
<ol></p>
	<p><li><em>Cheating, also einfacher Betrug.</em> Je bedeutender das Erreichen bestimmter Werte f&#252;r die Existenz einer Einrichtung ist oder auch nur daf&#252;r, von weiteren Beobachtungen und ungewollten Unterst&#252;tzungsleistung verschont zu bleiben wird, umso h&#246;her ist die Chance, dass dies mit Betrug versucht wird. Dieser Effekt ist allerdings zu erwarten und wird in den meisten Anlagen von Testl&#228;ufen antizipiert.</li><br />
<li><em>Changing which people are treated or measured.</em> Bei jedem bedeutsamen Test kommt es laut Koretz dazu, dass Schulen und lokale Beh&#246;rden versuchen, bestimmte Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler aus Tests herauszuhalten, indem beispielsweise Ausschlussgr&#252;nde, die es in jedem Test gibt, sehr weitreichend ausgelegt werden. Bevans hatte &#196;hnliches f&#252;r Gesundheitseinrichtungen in England berichtet, wo teilweise bestimmtes Personal oder bestimmte Patientinnen und Patienten an Testtagen von der Einrichtung ferngehalten wird. Selbstverst&#228;ndlich verzerrt sich so jedes Ergebnis.</li><br />
<li><em>Shifting efforts from unmeasured to measured outcomes.</em> Dieser Effekt ist eigentlich vorhersehbar, insbesondere, wenn Evaluationen best&#228;ndig wiederholt werden. Man muss sich allerdings daran erinnern, dass die jeweils gemessenen Werte konstruiert werden, um Aussagen &#252;ber weiterreichende Kompetenzen zu liefern. Bei der Konstruktion der Tests wird jeweils davon ausgegangen, dass durch das Messen eines Teilbereiches eine Aussage &#252;ber eine ganzheitlich vermittelte Kompetenz getroffen werden k&#246;nne. So wurde aus den Ergebnissen der <span class="caps">PISA</span>-Test geschlossen, wie die tats&#228;chliche Lesekompetenz der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sei. Lesekompetenz ist dabei ein Konstruktion, welches den allt&#228;glichen und problemzentrierten Einsatz des Lesens und der Verarbeitung des Gelesenen beinhaltet. Letztlich waren aber auch diese Test zeitlich begrenzte schriftliche Kontrollen im Klassenraum. W&#228;hrend dies bei einmaligen Test vor allem eine Problem der Aussagekraft darstellt, wird dies bei regelm&#228;&#223;iger Wiederholung zu einen Verzerrungsproblem und f&#252;hrt zu einer Ver&#228;nderung des Unterrichts. Die Vermittlung von ganzheitlichen Lernstoffen wird zur&#252;ckgestellt zugunsten des Lernens von getesteten Werten. Dies ist bei den <span class="caps">PISA</span>-Studien so &#252;berhaupt nicht gewollt. Eigentlich sollen diese Tests so etwas wie ein Photo aus verschiedenen Schulsystemen liefern, w&#228;hrend die Schulsysteme davon unbeeinflusst nebenher laufen sollen. Aber das funktioniert einfach nicht. Die Studien selber ver&#228;ndern, worauf im Unterricht und der Wissensvermittlung geachtet wird. Schwierig ist es, den Einfluss dieser Test auf die Gestaltung des Unterrichts genau zu beziffern, aber Koretz nannte Sch&#228;tzungen, wonach es in US-amerikanischen Schulen &#252;blich sei, sechs Wochen eines Schuljahres vor allem f&#252;r solche Test &#8211; die, anders als die &#8222;normalen&#8220; Schularbeiten oder Schuabschlusstests, keinen Einfluss auf die Bildungskarriere der Lernenden haben &#8211; zu &#252;ben. Abgefragt wird durch die Tests dann also vor allem eine Erinnerung an Ge&#252;btes, nicht &#8211; wie eigentlich impliziert &#8211; eine Kompetenz oder ein Wissensbestand. [3]</li><br />
<li><em>Undermining the measured outcomes.</em> Das ist einer unerw&#252;nschter, aber eigentlich auch zu erwartender Nebeneffekt: gemessenen werden Daten immer, um mehr, als sich selber auszudr&#252;cken. Aber die Fokussierung auf diese Daten &#8211; die f&#252;r die Vergleichbarkeit zwischen Einrichtungen oft notwendig ist &#8211; f&#252;hrt dazu, dass die Aussagekraft dieser Daten abnimmt. Die Einrichtungen werden sich, bewusst oder unbewusst, darauf ausrichten, diese Datenwerte zu verbessern und zwar nicht nur, indem die Qualit&#228;t des Gesamtzusammenhangs, der durch die Daten repr&#228;sentiert werden soll, verbessert wird, sondern auch indem haupts&#228;chlich die gemessenen Werte beeinflusst werden. Dies funktioniert oft viel banaler, als man sich das gerne vorstellen will. Der Effekt ist aus Bibliotheken in klein bekannt: am Eingang werden durch einen Z&#228;hler die Menschen gez&#228;hlt, die durch diesen Eingang gehen. Aus dieser Zahl wird auf die Annahme der Bibliothek durch Besucherinnen und Besucher geschlossen. W&#252;rde &#8211; so die dahinter stehende &#220;berlegung &#8211; die Qualit&#228;t der Bibliothek erh&#246;ht, w&#252;rden auch mehr Menschen diese besuchen. Deshalb wird bei der Bewertung von Bibliotheken die Zahl der Besuche best&#228;ndig einbezogen. Aber da jede Bibliothek das wei&#223;, kann sie auch darauf achten, dass die Anzahl der am Eingang gez&#228;hlten Menschen hoch ist, ohne dabei wirklich zu cheaten: beispielsweise andere Ein- und Ausg&#228;nge schlie&#223;en, ein Hinweis darauf abringen, dass es ein &#246;ffentliches Klo in der Bibliothek gibt, h&#228;ufig den offiziellen Eingangs f&#252;r bibliotheksinterne G&#228;nge nutzen und nicht den Personaleingang, Best&#228;nde anschaffen, die zum Mitnehmen und weniger zum in-der-Bibliothek-Nutzen anregen. Das hei&#223;t nicht, dass die Zahl der Menschen, die durch den Eingang gehen, unbedeutend w&#228;re. Sinkt sie innerhalb eines Jahres um 50% Prozent, ist das immer noch ein schlechtes Zeichen. Aber ihre Aussagekraft sinkt tendenziell immer weiter, je mehr sich das Wissen um die Bedeutung eines Wertes f&#252;r die Bewertung einer Einrichtung verbreitet.</li><br />
</ol></p>
	<p>Hinzu kommt, so <em>Koretz</em> weiter, dass im schulischen Kontext die Pr&#228;sentation von Tests zu g&#228;nzlich unterschiedlichen Ergebnissen f&#252;hrt, also beispielsweise eine Frage, die als Aufz&#228;hlung pr&#228;sentiert wird zu anderen Ergebnissen f&#252;hrt, als die gleiche Frage, die als Flie&#223;text oder als Tabelle pr&#228;sentiert wird. Insgesamt sei die Aussagekraft von Tests sehr gering, bzw. gr&#246;&#223;tenteils &#8222;Nonsense&#8220;. Als Forschungsperspektive im Bereich Evaluationen und Standards nannte Koretz abschlie&#223;end den impact on behavoir and on learning and the score inflation.<br />
[Vgl. auch: Koretz, Daniel / <a href="http://www.hup.harvard.edu/catalog/KORMAK.html?show=reviews" target="_blank">Measuring Up : What Educational Testing Really Tells Us</a>. &#8211; Cambridge, MA: Harvard University Press, 2008]</p>

	<p>In der abschlie&#223;enden Fragerunde nannte <em>Koretz</em> auf explizite Nachfrage als positiven Effekt der best&#228;ndigen Evaluation und Testung US-amerikanischer Schulen, dass sowohl die Lehrkr&#228;fte als auch die Schulleitungen gezwungen w&#228;ren, ihre eigene Arbeit schriftlich zu dokumentieren und zu reflektieren. (Allerdings gibt es aus englischen Bibliotheken auch schon die Klage, dass sie durch das  st&#228;ndige Berichteschreiben nicht mehr zum bibliothekarischen Arbeiten k&#228;men.)<br />
<em>Gwyn Bevan</em> argumentierte im Anschluss an <em>Koretz&#8217;</em> Vortrag, dass die Steuerung &#246;ffentlicher Einrichtungen durch Evaluationen und Standards strukturelle &#196;hnlichkeiten zum Kommandosystem der Sowjetunion aufweise, in welcher auch der Gro&#223;teil der Verantwortung bei den jeweiligen Einrichtungen gelegen h&#228;tte und haupts&#228;chlich &#252;ber die Vorgabe von zu erreichenden Werten, die zumeist vereinheitlicht waren und auf die realen Gegebenheiten vor Ort wenig R&#252;cksicht nahmen, regiert wurde.<br />
Seine geringe Meinung von Testwerten untermauerte <em>Koretz</em> noch einmal mit dem Hinweis, dass seiner Erfahrung nach Tests zumeist nur das herauskriegen, was eh bekannt sei. Unerwartete Ergebnisse seinen zumeist auf Fehler in den Tests zur&#252;ckzuf&#252;hren. <a href="http://www.ua.ac.be/main.aspx?c=wouter.vandooren" target="_blank"><em>Wouter Van Dooren</em></a> (<a href="http://www.ua.ac.be/" target="_blank">Universiteit Antwerpen</a>) illustrierte das an den <span class="caps">PISA</span>-Ergebnissen in Belgien. Belgien besteht bekanntlich aus zwei Regionen, Flandern und Wallonien, sowie der Hauptstadt Br&#252;ssel als eigener Region. Die Geschichte des Schulsystems in den beiden gro&#223;en Regionen lange gleich verlaufen, erst vor ungef&#228;hr zehn Jahren wurden sie in den Verantwortungsbereich der Regionen &#252;berlassen, wobei die Struktur der Schulsysteme trotzdem &#228;hnlich blieb. Die Schulen haben in beiden Landesteilen eine relativ gro&#223;e Autonomie. Die <span class="caps">PISA</span>-Ergebnisse fallen allerdings radikal auseinander: nimmt man nur Flandern, dann ist diese Region besser, als Finnland und S&#252;dkorea, misst man nur Wallonien, dann ist diese Region ungef&#228;hr so schlecht wie Deutschland. Es gibt f&#252;r diese Ergebnisse keine wirkliche Erkl&#228;rung, da die Strukturen, die gesellschaftlichen und sozialen Voraussetzungen und die Geschichte der Schulsysteme nahezu identisch sind. Eventuell, so <em>Van Doorens</em> Vermutung, liegt der Fehler tats&#228;chlich in der Konzeption der <span class="caps">PISA</span>-Studien, nicht in den Schulsystemen, was allerdings die Frage aufwirft, wozu diese Studien dann &#252;berhaupt gut seien.</p>

	<p><a href="http://www.lse.ac.uk/people/a.west@lse.ac.uk/publications.htm" target="_blank"><em>Anne West</em></a> (<a href="http://www.lse.ac.uk/" target="_blank">London School of Economics and Political Science</a>) konnte <em>Koretz&#8217;</em> Einsch&#228;tzungen f&#252;r die Schulen in England best&#228;tigen. Sie stellte einen weiteren ungewollten Effekt der best&#228;ndigen Evaluation, das ressourcen fest. Englische Schulen werden nach Standards bewertet, die beispielsweise besagen, dass 30% der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler in einem bestimmten Test eine bestimmte Note erhalten sollen. Nun haben Schulen immer solche Lernenden, die diese Noten von sich aus erreichen, Lernende, welche solche Noten nicht erreichen und Lernende, deren durchschnittlichen Leistungen an der Grenze dieser Noten liegen, die also vielleicht, aber vielleicht auch nicht diese Note erreichen. Intern logisch, aber nicht intendiert, ist nun, dass Schulen ihre Ressourcen auf die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler konzentrieren, die sich an dieser Grenze befinden, also beispielsweise Nachhilfestunden oder besondere F&#246;rderung im Unterricht erhalten, damit diese bei den relevanten Tests die bessere Note erreichen. Davon haben weder die Klassen als Gesamtverband etwas, da nur ein Teil der Lernenden gef&#246;rdert wird, noch die leistungsschwachen Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, die eigentlich besondere Aufmerksamkeit verdienen w&#252;rden und f&#252;r deren F&#246;rderung eigentlich von Regierung Mittel bereitgestellt werden, die aber von den Schulen zum gro&#223;en Teil zum ressourcen genutzt w&#252;rden.<br />
Zudem best&#228;tigte auch <em>West</em> den Trend, das Schulen versuchen, Kinder und Jugendliche bei Test au&#223;en vor zu halten, auch wenn es daf&#252;r keine direkten Hinweise g&#228;be. Wichtig ist, dass diese Trends allgemein festzustellen sind, es also kein individuelles Fehlverhalten einzelner Schulen oder Lehrkr&#228;fte sei, sondern Effekte, die in der Struktur von Evaluationen und Bildungsstandards angelegt scheint.<br />
Die Frage, warum &#252;berhaupt evaluiert