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	<title>Bibliotheken als Bildungseinrichtungen</title>
	<link>http://bildungundgutesleben.blogsome.com</link>
	<description>Blog zu einem Promotionsprojekt im Bereich der Bibliotheks- und Informationswissenschaft</description>
	<pubDate>Fri, 22 Jan 2010 11:46:54 +0000</pubDate>
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	<language>en</language>

		<item>
		<title>Museumspädagogik: Ein Vorbild für Bibliotheken</title>
		<link>http://bildungundgutesleben.blogsome.com/2010/01/22/museumspadagogik-ein-vorbild-fur-bibliotheken/</link>
		<comments>http://bildungundgutesleben.blogsome.com/2010/01/22/museumspadagogik-ein-vorbild-fur-bibliotheken/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 22 Jan 2010 11:40:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Grundsätzliches</category>
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		<description><![CDATA[	&#8222;Nun ist der Wunsch &#8218;mehr&#8216; zu wissen und sich f&#252;r eine T&#228;tigkeit zu qualifizieren ein achtenswertes Ziel. Aber kulturelle Bildung meint dar&#252;ber hinaus auch, in ein kritisches Verh&#228;ltnis zu Wissen und Qualifikation zu k&#252;nstlerischen Erfahrungen und [&#8230;] schlie&#223;lich zu jenen Gegenst&#228;nden treten zu k&#246;nnen, die ein Museum anbietet.&#8220; [Treptow, Rainer / Vor den Dingen sind [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p><blockquote>&#8222;Nun ist der Wunsch &#8218;mehr&#8216; zu wissen und sich f&#252;r eine T&#228;tigkeit zu qualifizieren ein achtenswertes Ziel. Aber kulturelle Bildung meint dar&#252;ber hinaus auch, in ein kritisches Verh&#228;ltnis zu Wissen und Qualifikation zu k&#252;nstlerischen Erfahrungen und [&#8230;] schlie&#223;lich zu jenen Gegenst&#228;nden treten zu k&#246;nnen, die ein Museum anbietet.&#8220; [Treptow, Rainer / Vor den Dingen sind alle Besucher gleich : Kulturelle Bildungsprozesse in der musealen Ordnung. &#8211; In: Zeitschrift f&#252;r P&#228;dagogik, 51 (2005) 6, S. 797-809  S. 797]<br />
&#8222;[Das] Wissen und die Bedeutungen, den diese [im Museum pr&#228;sentierten, K.S.] Gegenst&#228;nde als Teil eines kulturellen Ged&#228;chtnisses verkapselt enthalten, dies alles l&#228;sst sich nicht einem Bildungsbegriff einpassen, der Bildung auf N&#252;tzlichkeit, auf unmittelbare oder auch sp&#228;tere Verwertbarkeit oder der Steigerung der eigenen beruflichen Qualifikation verk&#252;rzt.&#8220; [ebenda, S. 798]<br />
</blockquote></p>

	<p>Der gr&#246;&#223;te Teil von expliziten Bildungaktivit&#228;ten &#214;ffentlicher Bibliotheken oder von Aktivit&#228;ten, mit welchen &#214;ffentliche Bibliotheken Bildungprozesse unterst&#252;tzen wollen, orientiert sich an Schulen und zum Teil an Kindertageseinrichtungen. Die wenigen p&#228;dagogischen und didaktischen Konzepte, welche in diesem Bereich bibliothekarischer Arbeit formuliert werden, borgen sich ihre Terminologie und Strukturen aus Debatten der Schulp&#228;dagogik. Zudem verstehen sich &#214;ffentliche Bibliotheken zumeist als Einrichtungen, welche Schulen bei deren Aufgaben unterst&#252;tzen.</p>

	<p><strong>Warum eigentlich immer Schulen?</strong><br />
Dies ist weder selbstverst&#228;ndlich noch folgerichtig. Bibliotheken unterscheiden sich signifikant von Schulen und deren p&#228;dagogischen und didaktischen M&#246;glichkeiten und Aufgaben. Schulen haben beispielsweise einigerma&#223;en klare Curricula, sie haben p&#228;dagogisch ausgebildetes Personal und Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler unterliegen in gewisser Weise einem Lern- oder zumindest Anwesenheitszwang. Zudem sind bei den einzelnen Schulen und Kindertagesst&#228;tten die Lernenden zumindest von Alter her klar eingegrenzt. All das ist bei &#214;ffentlichen Bibliotheken nicht gegeben. Insbesondere die implizite Eingrenzung von bibliothekarischen Bildungsangeboten auf Kinder und Jugendliche ist eigentlich kontra-intentional. &#214;ffentliche Bibliotheken sind f&#252;r die gesamte Gesellschaft da und der gr&#246;&#223;te Teil dieser Gesellschaft ist gerade nicht mehr im Kinder- oder Jugendalter.<br />
Es gibt selbstverst&#228;ndlich akteurslogische Gr&#252;nde einzelner Bibliotheken, sich an Schulen und deren Form von Bildung zu orientieren. Dennoch w&#228;re es zumindest ebenso logisch, sich an Einrichtungen, welche &#228;hnlich prek&#228;r zum Bildungswesen stehen wie Bibliotheken selber und deren p&#228;dagogischen und didaktischen Debatten zu orientieren. Zwar wird man diese ebenso nicht direkt f&#252;r Bibliotheken &#252;bernehmen k&#246;nnen, aber dennoch wohl Hinweise f&#252;r eine bibliothekarische Bildungsarbeit finden.<br />
Es gibt einige dieser Einrichtungen. Im Folgenden soll es um Museen und die Museumsp&#228;dagogik gehen. (Denkbar w&#228;re aber beispielsweise auch, sich einmal die Soziale Arbeit oder die p&#228;dagogische Arbeit in Jugendclubs anzuschauen.) Museen sind ebenso wie &#214;ffentliche Bibliotheken nicht unbedingt immer und &#252;berall als Bildungseinrichtungen akzeptiert; es wird ihnen aber auch nicht unbedingt abgesprochen, etwas mit Bildung zu tun zu haben. Gleichzeitig ist allgemein akzeptiert, dass Museen aus sehr unterschiedlichen Gr&#252;nden besucht werden &#8211; eben nicht nur, um Bildung zu erwerben. Zudem ist das Spektrum der Besucherinnen und Besucher sehr breit und nicht auf eine Altersgruppe einzuschr&#228;nken. All das l&#228;sst sich &#228;hnlich auch &#252;ber &#214;ffentliche Bibliotheken sagen. Im Gegensatz zu Bibliotheken gibt es aber eine gewissen museumsspezifische P&#228;dagogik und eine Diskussion, inklusive einiger Forschungen, &#252;ber eine Museump&#228;dagogik. Deren Aussagen und Erkenntnisse sind selbstverst&#228;ndlich nicht ann&#228;hernd so tief und breit, wie in der P&#228;dagogik f&#252;r Schulen und Kindertageseinrichtungen. Im Gegensatz zur &#8222;Bibliotheksp&#228;dagogik&#8220;, welche eher ein Mythos darstellt, als eine irgendwo niedergeschriebene und diskutierte P&#228;dagogik, kann man aber tats&#228;chlich von einer Museumsp&#228;dagogik sprechen.</p>

	<p><strong>Museen: Einige Fakten</strong><br />
&#196;hnlich wie im Bibliotheksbereich kann man bei Museen nicht von dem einen Museum ausgehen, sondern von sehr unterschiedlichen Einrichtungen, welche sich zwar anhand einiger Kriterien in Gruppen zusammenfassen lassen, aber jeweils eigene Interpretationen ihrer Aufgaben und Arbeit vornehmen (m&#252;ssen). Und &#228;hnlich wie im Bibliotheksbereich ist die Gr&#246;&#223;e, Ausstattung, Organisationsform und verwaltungstechnische Zuordnung von Museen &#8211; die zudem auch zu einem Teil gar nicht von staatlichen, sondern von privaten oder zivilgesellschaftlichen Einrichtungen betrieben werden &#8211; &#228;u&#223;erst divers. Aussagen, die f&#252;r alle Museen gelten, sind deshalb &#8211; wieder analog zum Bibliotheksbereich &#8211; &#228;u&#223;erst schwierig.<br />
Das Institut f&#252;r Museumsforschung differenziert immerhin neun Formen von Museen, wobei die siebente und die neunte Form eine Verbindung anderer Museumsformen darstellt. <em>[Nach: Staatliche Museen zu Berlin &#8211; Preu&#223;ischer Kulturbesitz Institut f&#252;r Museumsforschung / Statistische Gesamterhebung an den Museen der Bundesrepublik Deutschland f&#252;r das Jahr 2007. &#8211; (Materialien aus dem Institut f&#252;r Museumsforschung ; 62]). &#8211; Institut f&#252;r Museumsforschung : Berlin, 2008. &#8211; <a href="http://museum.zib.de/ifm/mat62.pdf">http://museum.zib.de/ifm/mat62.pdf</a>. &#8211; Seite 18</em>]<br />
<ol></p>
	<p><li>Museen mit volkskundlichem, heimatkundlichem oder regionalgeschichtlichem Sammlungsschwerpunkt </li><br />
<li>Kunstmuseen</li><br />
<li>Schloss- und Burgmuseen</li><br />
<li>Naturkundliche Museen</li><br />
<li>Naturwissenschaftliche und technische Museen</li><br />
<li>Historische und arch&#228;ologische Museen</li><br />
<li>Sammelmuseen mit komplexen Best&#228;nden</li><br />
<li>Kulturgeschichtliche Spezialmuseen</li><br />
<li>Mehrere Museen in einem Geb&#228;ude (Museumskomplexe)</li><br />
</ol></p>
	<p>Weiterhin differenziert das Institut Ausstellungshallen &#8211; Einrichtungen, welche allgemein zug&#228;ngliche Ausstellungen veranstalten, ohne eigene Sammlungen zu haben &#8211; von den Museen. In der im weiteren angef&#252;hrten Literatur werden zudem Science Center &#8211; also Einrichtungen, die weniger einen historischen Schwerpunkt haben, sondern vielmehr einen oder mehrere Teilbereiche der Naturwissenschaften oder Technik didaktisch aufbereitet darstellen &#8211; als weitere Museumsform angef&#252;hrt.<br />
Das Institut f&#252;r Museumsforschung gibt j&#228;hrlich eine Museumsstatistik heraus, welche auf einer Befragung der dem Institut bekannten Museen beruht und naturgem&#228;&#223; zeitlich immer etwas hinterherh&#228;ngt und zudem nie 100% vollst&#228;ndig sein kann. (Auch das eine Parallele zum Bibliotheksbereich, bei dem die Bibliotheksstatistik ja &#228;hnlich funktioniert.) Bedenkt man dies, so kann man aus der aktuellsten Statistik, welche Daten f&#252;r das Jahr 2007 vorlegt, folgendes schlie&#223;en [<em>Staatliche Museen zu Berlin &#8211; Preu&#223;ischer Kulturbesitz Institut f&#252;r Museumsforschung / Statistische Gesamterhebung an den Museen der Bundesrepublik Deutschland f&#252;r das Jahr 2007, a.a.O.</em>]:</p>

	<p><ul></p>
	<p><li>Von rund 6.200 Museen, die in Deutschland bekannt sind, antworteten etwas mehr als 5.000, von denen also ausgegangen werden kann, dass sie existieren und funktionieren.</li><br />
<li>Rund 4.700 dieser Museen meldeten die (unterschiedlich erhobene) Zahl der Besucherinnen und Besucher. Zusammen wurden 2700 rund 107.000.000 Besuche gemeldet. (Was nicht weit entfernt von den rund 122.000.000 Besuchen in den rund 104000 &#214;ffentlichen Bibliotheken ist, die f&#252;r das gleiche Jahr in der Bibliotheksstatistik gemeldet werden.)</li><br />
<li>Hinzu kommen 319 Ausstellungsh&#228;user, die eine solche Zahl meldeten und insgesamt auf rund 6.000.000 Besuche im Jahr 2007 kommen.</li><br />
<li>Die Zahl der Besuche steigt relativ kontinuierlich, obgleich jedes Jahr eine relativ hohe Anzahl von Museen einen starken R&#252;ckgang der Besuche melden muss.</li><br />
<li>Der Gro&#223;teil der Museen (rund 45%) sind Volks- und Heimatmuseen, rund 12% sind naturwissenschaftliche oder technische Museen, rund 15% gelten als kulturgeschichtliche Spezialmuseen und rund 10% als Kunstmuseen.</li><br />
<li>Immerhin rund 36% der Museen in Deutschland erheben keinen Eintritt, die meisten anderen einen zwischen 0,50 und 5,00 Euro.</li><br />
<li>Nicht alle Museen, sondern nur etwas &#252;ber 60%, gaben an, regelm&#228;&#223;ige w&#246;chentliche &#214;ffnungszeiten zu haben.</li><br />
<li>Es werden auch Angaben zum museumsp&#228;dagogischen Personal erhoben. Rund 720 haben daf&#252;r hauptamtliches Personal eingestellt, einige weitere haben Personal in anderen Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnissen eingegliedert. Der Gro&#223;teil dieser Arbeit wird aber &#8211; in rund 1.300 Museen &#8211; von ehren- und nebenamtlich T&#228;tigen verrichtet. (Hinzuzudenken sind allerdings noch museumsp&#228;dagogische Dienste, die nicht in die Statistik eingehen.)</li><br />
<li>Der Gro&#223;teil dieser museumsp&#228;dagogischen Arbeit besteht in F&#252;hrungen, Vortr&#228;gen, Vorf&#252;hrungen, Ferienprogrammen und &#8211; erstaunlicherweise wird dies hinzugez&#228;hlt &#8211; in Kindergeburtstagen.</li><br />
</ul></p>

	<p>In einem einleitenden Text zu einer Schwerpunktausgabe &#8222;Lernen im Museum&#8220; der Zeitschrift f&#252;r Erziehungswissenschaft referieren Bernhard Graf und Annette Noschka-Roos weitere, teilweise erstaunliche, Erkenntnisse &#252;ber die Besucherinnen und Besucher von Museen [<em>Graf, Bernhard ; Noschka-Roos, Annette / Stichwort: Lernen im Museum : oder: Eine Kamerafahrt mit der Benutzerforschung. &#8211; In: Zeitschrift f&#252;r Erziehungswissenschaft, 12 (2009) 1, S. 7-27</em>]:</p>

	<p><ul></p>
	<p><li>In den Naturkundlichen Museen ist der Gro&#223;teil (&#252;ber 50%) der Besuchenden unter 20 Jahren alt. Es dominieren dort also Kinder und Jugendliche.</li><br />
<li>Auch in den Kunstmuseen, den kulturgeschichtlichen und arch&#228;ologischen Museen dominieren j&#252;ngere Menschen. Dort sind &#252;ber 50% der Besuchenden zwischen 20 und 30 Jahren alt.</li><br />
<li>Der Gro&#223;teil (rund vier F&#252;nftel) der Besuche finden in Begleitung statt. Es dominiert also eine Freizeitnutzung mit hohem sozialen Faktor (Besuche im Urlaub, Familienausfl&#252;ge, Freizeitgestaltung in Freundschaften, Flirten und so weiter). Deshalb kann &#8211; bezogen auf die Museumsp&#228;dagogik &#8211; zwar die Lernmotivation der Besuchenden angesprochen, aber nicht vorausgesetzt werden.</li><br />
<li>An sich differiert die Erwartungshaltung und der Besuchsgrund bei Museumsbesuchen sehr stark. Dies hei&#223;t auch, dass man nicht ein f&#252;r alle gleich bedeutendes Angebot planen kann.</li><br />
<li>Kunstmuseen haben ein Publikum, welches h&#246;here Bildungstitel als der Durchschnitt der Bev&#246;lkerung erworben hat oder anstrebt. Dies hat auch damit zu tun, dass der Gro&#223;teil der Ausstellungen in diesen Museen voraussetzungsvoll ist.</li><br />
<li>Hingegen ist das Bildungskapital des Publikums in allen anderen Museumsformen &#8211; auch wenn man das unterschiedliche Alter heraus rechnet &#8211;, bezogen auf die durchschnittlichen Bildungstitel und Bildungswege in der Gesellschaft, relativ ausgeglichen und teilweise sogar unterdurchschnittlich. Insbesondere bei Regional- und Technikmuseen, bei denen rund 25% der Besucherinnen und Besucher einen Hauptschulabschluss haben oder anstreben, ist dies auff&#228;llig. Vom Museum als Ort der &#8222;gebildeten Schichten&#8220; oder einer wie auch immer gearteten &#8222;Elite&#8220; l&#228;sst sich nur &#8211; und auch das unter Einschr&#228;nkungen &#8211; bei Kunstmuseen sprechen.</li><br />
</ul></p>

	<p>Graf und Noschka-Roos betonen, auch aufgrund dieser Kenntnisse, dass die &#8222;Erfolgsfaktoren&#8220; von museumsp&#228;dagogischer Arbeit gerade nicht kurzfristig gedacht und zum Beispiel als reines Faktenwissen operationalisiert werden d&#252;rften.<br />
<blockquote>Trotz der konzeptionellen Vielfalt sind Besucherprogramme mit der didaktisch-analytischen Frage konfrontiert, mit welchen Zielgruppen, mit welchen Inhalten/Museumsobjekten, mit welchen Methoden welche Ziele erreicht werden und inwieweit es sich um ein Konzept handelt, das sowohl sach- wie teilnehmerad&#228;quat im Sinne der Zielsetzung erfolgreich umgesetzt werden kann. Hierf&#252;r die Voraussetzungen und Bedingungen zu analysieren, die Ma&#223;nahmen zu entwickeln und gegebenenfalls Ziele zu formulieren, stellt sich in zwei Formen: In der personalen Vermittlungsform, die Nuissl von Rein als organisierte Form definiert und die Museumsgespr&#228;che, F&#252;hrungen, Workshops oder andere Programme mit personellem Einsatz umfasst. Davon unterscheidet er die nicht organisierte Form, bei der den Museumobjekten zugeordnete Interpretationshilfen bzw. mediale Vermittlungsformen die Pr&#228;sentation erschlie&#223;en. Dabei gilt weiterhin zu unterscheiden, dass z.B. in Kunstausstellungen das Exponat &#8218;f&#252;r sich sprechen‛ kann und je nach Intention der Ausstellungsmacher nur mehr oder weniger differenzierte Zusatzinformationen zu den autonomen Werken ben&#246;tigt werden. In naturwissenschaftlich-technischen oder naturhistorischen Museen werden Objekte so pr&#228;sentiert, dass Besucherinnen und Besucher durch das Arrangement der Objekte und den Ausstellungskontext angeregt werden, sich selbstst&#228;ndig damit zu besch&#228;ftigen, um das Pr&#228;sentierte verstehen oder nachvollziehen zu k&#246;nnen &#8211; und somit zu lernen. Eine Vielfalt an erg&#228;nzenden Medien wie interaktive Installationen, Bilder, Filme, Texttafeln, Multimedia, Dioramen oder Hands-On dienen dazu, die Objekte &#8218;lesen‛ zu k&#246;nnen. Die Analyse der Voraussetzungen und Bedingungen sowie die Entwicklung von Ma&#223;nahmen, die der Transparenz einer Ausstellung dienen, und somit das Lernen erm&#246;gliche, bilden den Gegenstand der Besucherforschung. [Graf, Bernhard ; Noschka-Roos, Annette / Stichwort: Lernen im Museum : Oder: Eine Kamerafahrt mit der Besucherforschung, a.a.O., S. 15f.]</blockquote></p>

	<p><strong>Was wird jetzt wie vermittelt? Grundz&#252;ge der Museumsp&#228;dagogik</strong><br />
Schaut man die Literatur zur Museumsp&#228;dagogik durch, so werden einige Grundprinzipien immer wieder genannt:</p>

	<p><ul></p>
	<p><li>Es geht nicht darum, Faktenwissen zu vermitteln. Vielmehr geht es darum, entweder gr&#246;&#223;ere Zusammenh&#228;nge erfahrbar zu machen oder aber Anregungen f&#252;r eine Auseinandersetzung mit Themengebieten zu liefern. Gerade sogenannte Science Center zielen offenbar vor allem darauf, das Bild von bestimmten Naturwissenschaft zu verbessern und beispielsweise Zukunftsvisionen zu entwerfen, in denen die Naturwissenschaften bestimmte Probleme der Menschheit l&#246;sen, anstatt explizites Faktenwissen zu vermitteln. [1]</li><br />
<li>Die Museumsp&#228;dagogik muss &#8211; von Ausnahmen wie organisierten Besuchen von Schulklassen im Rahmen des Unterrichts &#8211; davon ausgehen, dass sie nicht auf das Interesse von Besucherinnen und Besuchern setzen kann, bei ihrem Besuch &#8222;etwas zu lernen&#8220;. Vielmehr muss sich davon ausgehen, dass es sehr unterschiedliche Besuchsinteressen sowie pers&#246;nliche Voraussetzungen und Interessen gibt. [2]</li><br />
<li>Zwar achtet auch die Museumsp&#228;dagogik stark auf Kinder und Jugendliche, aber sie muss sich damit auseinandersetzen, dass ein Gro&#223;teil der Besucherinnen und Besucher von Museen Erwachsene sind.</li><br />
<li>Es geht in der Museumsp&#228;dagogik darum, zu entscheiden, was dargestellt wird, wie es dargestellt und in einen Zusammenhang gebracht wird und wie mit den Ausstellungsgegenst&#228;nden Informationen verbunden werden. [3]</li><br />
<li>Die Museumsp&#228;dagogik geht davon aus, dass sie quasi Einstiegsknoten in Lernprozesse anbieten, aber keine Vorgaben machen kann, ob diese genutzt werden. [4] Dabei ist zu beachten, dass beispielsweise die Art der H&#228;ngung, die Pr&#228;sentation von Objekten und die Gestaltung des Museumsraums eine wichtige Orientierung gibt, teilweise auch Interpretationen nahelegt, dass dem aber durch die Besucherinnen und Besucher gar nicht gefolgt werden muss. [5]</li><br />
<li>Die Lernangebote in Museen sind zwar freiwillig von den Besuchenden anzunehmen und auch jederzeit wieder abzubrechen. Das hei&#223;t allerdings nicht, dass sie unstrukturiert w&#228;ren. Vielmehr &#252;ben sie einen gewissen Zwang aus oder &#8211; wie Schrader, Stadler und K&#246;rber (siehe Fu&#223;note 1) schreiben &#8211; enthalten &#8222;implizite instruktions-didaktische Elemente&#8220; (ebenda, S. 109). Es ist eigentlich immer einigerma&#223;en klar, wie man ein Angebot nutzen soll, wenn es da ist; also ob man etwas betrachten, einen Text lesen, Tafeln auf und zu machen, einer <span class="caps">HTML</span>- oder Flashpr&#228;sentation folgen soll, was die Lernhaltung ist ( ob man sich setzt, gebeugt steht und nach unten blickt oder an die Wand schaut) und so weiter. Freiwillig Lernen im Museum &#8211; auch nebenbei &#8211; hei&#223;t also nicht, vollkommen unstrukturiert zu lernen.</li><br />
<li>Museen arbeiten explizit mit sehr unterschiedlichen Medienformen und Arrangements: &#8222;Vergleicht man die Lernsituation in der Schule mit derjenigen im M/SC [naturwissenschaftlich-technische Museen und Science Center, K.S.], so werden gro&#223;e Unterschiede sichtbar. M/SC setzen im Gegensatz zum Unterricht vor allem nicht-personale Formen der Vermittlung ein. Mithilfe von Exponaten m&#252;ssen Informationen so pr&#228;sentiert werden, dass die Besucher angeregt werden, sich selbstst&#228;ndig damit zu besch&#228;ftigen und zu lernen. Diese Lernorte er&#246;ffnen damit vielf&#228;ltige Freiheitsgrade in der Auseinandersetzung mit den dargebotenen Informationen. Die BesucherInnen entscheiden in der Regel selbst, mit welchen Exponaten sie sich wie intensiv auseinander setzen m&#246;chten. Ein weiteres Kennzeichen von M/SC ist die hohe Medienvielfalt, die sich u.a. aus realen Objekten, interaktiven Installationen, Hands-on, Bildern, Video/Film und Texten zusammensetzt, die sich gegenseitig in ihrer didaktischen Funktion erg&#228;nzen und vielf&#228;ltige Zugangsm&#246;glichkeiten auf der kodalen und modalen Ebene anbieten.&#8220; [<em>Lewalter, Doris ; Geyer, Claudia / Evaluation von Schulklassenbesuchen im Museum. &#8211; In: Zeitschrift f&#252;r P&#228;dagogik, 51 (2005) 6, S. 774-785,  S. 774f.</em>]</li><br />
</ul></p>

	<p><strong>Kontextmodell der Museumsp&#228;dagogik</strong><br />
Die Museumsp&#228;dagogik orientiert sich heute &#8211; wie zu erwarten ist &#8211; an den Vorstellungen der konstruktivistischen Lerntheorie, welche davon ausgeht, dass die Hauptarbeit bei einer Lernaktivit&#228;t durch die Lernenden selber geleist wird, welche ihr Wissen erst selber konstruieren. Die Aufgabe einer Bildungseinrichtung ist in dieser Vorstellung, Lernenden Wissen anzubieten, Lernr&#228;ume zur Verf&#252;gung zu stellen und Lernen zu motivieren (wobei Motivation auch durch Druck und soziale Konventionen erfolgen kann). Bildungspersonal kann demnach Bildungsprozesse strukturieren und begleiten, aber nicht (mehr) vollst&#228;ndig bestimmten. Gleichwohl scheint der Bezug auf dieses Theoriegeb&#228;ude prek&#228;r. Zumindest Lewalter und Geyer (siehe Fu&#223;note 2) konstatieren, dass es bislang keine eigenst&#228;ndige konstruktivistische Theorie der Museumsp&#228;dagogik g&#228;be, sondern sich Studien vor allem auf Einzelerfahrungen beziehen w&#252;rden. [6]<br />
Ute Harms und Angela Kromba&#223; [<em>Harms, Ute ; Kromba&#223;, Angela / Lernen im Museum &#8211; das Contextual Model of Learning. &#8211; In: Unterrichtswissenschaft, 36 (2008) 2, S. 130-166</em>] verweisen dennoch auf ein aus der US-amerikanischen Museumsp&#228;dagogik stammendes Modell, welches auf der Basis von zahlreichen Studien erstellt wurde und die M&#246;glichkeit bieten soll, Lernprozesse in Museum beschreibbar und mehr vorhersagbar zu machen, als dies durch einfaches Ausprobieren vor Ort m&#246;glich w&#228;re. Dieses Contextual Model of Learning benennt acht Faktoren in drei Kontexten, welche einen Einfluss auf das Lernen in Museen h&#228;tten. Nicht alle diese Faktoren sind durch Museen zu gestalten; sind sie allerdings einmal benannt, so lassen sich Lernprozesse verstehen und die Ausstellungen auf bestimmte Faktorenauspr&#228;gungen hin orientieren. Harms und Kromba&#223; &#252;bersetzen das Modell die folgt:</p>

	<p><em></p>
  Pers&#246;nlicher Kontext<br />

    1. Motivation und Erwartung<br />

    2. Vorwissen, Interessen und &#220;berzeugungen<br />

    3. Wahl- und Steuerungsm&#246;glichkeiten<br />

  <br />

  Soziokultureller Kontext<br />

    4. Vermittlung innerhalb der sozialen Gruppe<br />

    5. Vermittlung durch Au&#223;enstehende<br />

  <br />

  Gegenst&#228;ndlicher Kontext<br />

    6. Strukturierungs- und Orientierungshilfen<br />

    7. Design<br />

    8. Verst&#228;rkende Ereignisse und Erfahrungen au&#223;erhalb des Museums<br />
</em><br />
(F&#252;r die weitere Beschreibung des Modells sei auf den Artikel von Harms und Kromba&#223; verwiesen.)

	<p><strong>Was k&#246;nnte eine Bibliotheksp&#228;dagogik lernen?</strong><br />
Das hier Beschriebene sagt noch wenig &#252;ber die tats&#228;chliche Umsetzung der Museumsp&#228;dagogik in den konkreten Museen. (Daf&#252;r sei auch auf die Links am Ende des Textes verwiesen.) Dennoch zeichnet sich schon ab, dass &#214;ffentliche Bibliotheken und eine zuk&#252;nftig zu formulierende Bibliotheksp&#228;dagogik von einer Orientierung an den Grunds&#228;tzen der Museumsp&#228;dagogik profitieren k&#246;nnte. Dazu einige abschlie&#223;ende Gedanken:</p>

	<p><ul></p>
	<p><li>Wichtig ist, sich auf die tats&#228;chlichen M&#246;glichkeiten und Grenzen der Institution Bibliothek zu beziehen und diese nicht mit einem zu umfassenden und zu engen Bildungsbegriff zu belasten.</li><br />
<li>Es ist nicht sinnvoll, sich best&#228;ndig an der Schule und der Schulp&#228;dagogik zu orientieren. Vielmehr muss man sich darauf einlassen, dass Lernen in der Bibliothek freiwillig geschieht und sanktionsfrei abgebrochen werden kann.</li><br />
<li>Im Bezug auf Schulen ist es notwendig, klar zu definieren, welche Rolle man einnehmen kann. Bibliotheken k&#246;nnen &#8211; ebenso wie Museen &#8211; Schulen nicht ersetzen, sie k&#246;nnen sie nur bei ihrer Arbeit sinnvoll unterst&#252;tzen.</li><br />
<li>Es ist notwendig, Lernprozesse als sehr unterschiedlich zu begreifen. Wann wie welche Lernprozesse durchgef&#252;hrt werden und wie sie wirken, hat sehr viel mit den Merkmalen der einzelnen Personen zu tun und kann nicht von Bibliotheken beeinflusst werden (zumindest nicht kurzfristig &#8211; was ein weiter Unterschied zu Schulen und Kindertagesst&#228;tten ist, welche langfristig auf die von ihnen Erzogenen einwirken k&#246;nnen). Eine Bibliotheksp&#228;dagogik muss sich darauf einlassen und kann nicht potentielle Lernende ohne empirische Basis zu einigerma&#223;en einheitlich lernenden Gruppen erkl&#228;ren, wie dies manchmal getan wird.</li><br />
<li>Es ist notwendig zu akzeptieren, dass die Gr&#252;nde f&#252;r den Besuch einer Bibliothek sehr unterschiedlich sind (wie auch in Museen). Man kann nicht davon ausgehen, dass Personen, die eine Bibliothek besuchen, Lernen wollen. Manche wollen beispielsweise nur Unterhaltung, einen Platz zum Schreiben oder in soziale Interaktion mit anderen treten. Diese Menschen sind f&#252;r Bildungsangebote nicht unbedingt unerreichbar, aber halt auch nicht einfach zu interessieren. Doch, auch das kann man von Museen lernen, ist das nicht einmal notwendig: egal, wie sehr Teile der Politik und Wirtschaft Bildung als notwendig beschreiben: es gibt immer auch mehr im Leben.</li><br />
<li>Die Nutzerinnen und Nutzer von Bibliotheken sind nicht nur Kinder und Jugendliche. Auch eine &#8222;Erm&#246;glichungsp&#228;dagogik&#8220; muss darauf reagieren, dass viele Erwachsene in der Bibliothek lernen k&#246;nnten und auf diese eingehen.</li><br />
<li>Bildungsaktivit&#228;ten und -r&#228;ume sind auch in Bibliotheken vorstrukturierbar, obgleich man nicht davon ausgehen kann, dass sie so genutzt werden, wie dies bei ihrer Planung intendiert war. Dennoch kann der sanfte Zwang der didaktischen Strukturierung Verwendungsm&#246;glichkeiten und Lernwege anregen.</li><br />
<li>Auch die Bildung in Bibliotheken darf nicht auf einige Kompetenzen oder schnell messbare Ergebnisse reduziert werden. Die Bildungsziele sind vielmehr in der Gestaltung und Transformation der Individualit&#228;t der Nutzenden und der Er&#246;ffnung von Erm&#246;glichungsr&#228;umen zu sehen. Hier gilt es wohl, sich mehr von den Schulen und vor allem den Schulleistungsvergleichsstudien &#8211; die ja f&#252;r Schulen da sind &#8211; abzuwenden und eher einer langfristigen Perspektive von Bildung zuzuwenden.</li><br />
</ul></p>

	<p>Schlie&#223;lich w&#228;re es auch sinnvoll, dar&#252;ber nachzudenken, ob sich das von Harms und Kromba&#223; vorgestellte Contextual Model of Learning auch f&#252;r &#214;ffentliche Bibliotheken und die Gestaltung von bibliothekarischen Bildungsangeboten sinnvoll nutzen l&#228;sst.</p>


	<p><blockquote><strong>Fu&#223;noten</strong><br />
[1] Schrader, Stadler und K&#246;rber kritisieren dies sehr explizit: &#8222;Die idealtypischen Adressaten, an denen sich die Gestalter im Science Center vorrangig orientieren, sind Laien mit geringem Wissen und eher ablehnenden Einstellungen in Bezug auf Naturwissenschaften. Dem entsprechen die expliziten didaktischen Ziele. Nicht die Entwicklung kognitiver Kompetenzen steht im Vordergrund. [&#8230;] Vorrangig geht es um die Entwicklung motivationaler und volitionaler Kompetenzen [...] Erreicht werden soll dies durch emotionales Lernen mit allen Sinnen und erlebnisorientiertes Handlungslernen in der &#8218;Interaktion‛ mit den ausgestellten Objekten; die Lernmotivation soll durch das Erleben von Autonomie und eigener Kompetenz in der Selbstst&#228;ndigkeit sowie durch intensive soziale Kommunikation an den Stationen gef&#246;rdert werden.&#8220; [Schrader, Josef ; Stadler, Matthias ; K&#246;rber, Klaus / Die Bedeutung informeller Lernumgebungen f&#252;r die naturwissenschaftliche Grundbildung Erwachsener. &#8211; In: Unterrichtswissenschaft, 36 (2008) 2, S. 98-116. S. 109] &#8222;Es ist auff&#228;llig, dass au&#223;erhalb der Schule vor allem jene Vermittlungspraxen von Naturwissenschaft und Technik an Bedeutung gewinnen, die auf Interesse, Akzeptanz und Legitimation zielen, w&#228;hrend diejenigen stagnieren oder an Bedeutung verlieren, die Kompetenzzuwachs in genuin p&#228;dagogischen Settings anstreben. Man k&#246;nnte diese Beobachtung zu der These zuspitzen, dass funktional differenzierte Gesellschaften Inkompetenz besser ertragen &#8211; und vermutlich kompensieren &#8211; k&#246;nnen als Ignoranz.&#8220; [Ebenda, S. 112]<br />
[2] Vgl. Lewalter, Doris ; Geyer, Claudia / Evaluation von Schulklassenbesuchen im Museum. &#8211; In: Zeitschrift f&#252;r P&#228;dagogik, 51 (2005) 6, S. 774-785. Dort hei&#223;t es beispielsweise, dass Museen auf die &#8222;Ver&#228;nderung kognitiver Strukturen, der Neuorganisation des Wissens und dem Erwerb nicht-intendierter Informationen&#8220; [S. 775] zielen w&#252;rden, aber nicht auf eine direkte Informationsvermittlung. Die beiden Autorinnen gehen im Anschluss ihrer Forschungen davon aus, dass es einen hohen Einfluss der &#8211; durch das Museum nicht direkt und kurzfristig zu beeinflussenden &#8211; &#8222;Sch&#252;lermerkmale&#8220; darauf gibt, wie ein Museumsbesuch und somit auch museumsp&#228;dagogische Angebote wirken.<br />
[3] &#8222;Die Aufgabe einer wissenschaftlichen Museumsp&#228;dagogik besteht nun [&#8230;] in zweierlei. Auf der Ebene der Erarbeitung von virtuellen Ausstellungen m&#252;ssen Urteilskriterien erarbeitet werden, was pr&#228;sentiert, d.h. in einen Zusammenhang gebracht werden soll und was nicht. In didaktisch-methodischer Hinsicht ist es notwendig Kriterien zu erarbeiten, die es m&#246;glichen machen, die Ergebnisse der Auswahl so zu pr&#228;sentieren, dass sie [...] einen Einstieg in das Thema erm&#246;glichen. Dar&#252;ber hinaus muss die Gesamtinformationsmenge zu einem Thema so strukturiert werden, dass auch dem vorgebildeten Besucher vielf&#228;ltige &#8211; von seinem subjektiven Interesse geleitete &#8211; Einstiegsknoten angeboten werden. Der Besucher k&#246;nnte also die M&#246;glichkeit erhalten, den Lernprozess selbst zu gestalten und sich trotzdem nicht in der Datenflut zu verlieren.&#8220; [Rockweiler, Nicole ; Weinhold, Matthias / Dimensionen der Virtualisierung von Museen. &#8211; In: Zeitschrift f&#252;r P&#228;dagogik, 51 (2005) 6, S. 786-796  S.794]<br />
[4] Vgl Schwan, Stephan ; Zahn, Carmen ; Wessel, Daniel ; Huff, Markus ; Herrmann, Nadine ; Reussner, Eva / Lernen in Museen und Ausstellungen &#8211; die Rolle digitaler Medien. &#8211; In: Unterrichtswissenschaft, 36 (2008) 2, S. 117-135. Schwan et al. gehen davon aus, dass man dieses Lernen auch nicht einfach als &#8222;informelles Lernen&#8220; beschreiben kann, weil dies implizieren w&#252;rde, dass es einigerma&#223;en &#228;hnliche Strukturen in allen Lernprozessen die in Museen stattfinden g&#228;be. Sie betonen auch, dass Museen zumeist gar nicht als Gesamtheit als Lernort angesehen werden, sondern sich vielmehr in Museen einzelne &#8222;Lernepisoden&#8220; finden w&#252;rden (z.B. der Inhalt einer Vitrine, ein Gem&#228;lde etc.). Objekte &#8211; so ihre These &#8211; sind nicht per se interessant, sondern entwickeln ihre &#8222;Spannung&#8220; erst im Bezug auf das Vorwissen und das Interesse der Schauenden.<br />
[5] Vgl. Parmentier, Michael / Die Kunst und das Museum: Stationen eines didaktischen Dilemmas. &#8211; In: Zeitschrift f&#252;r P&#228;dagogik, 51 (2005) 6, S. 756-773. Er beschreibt den historischen Weg der Debatten und Umsetzungen um den Museumsraum und die Pr&#228;sentation von Objekten in Museen. Die Orientierung am &#8211; wie Parmentier schreibt &#8211; &#8222;neutralen Atellierraum&#8220;, die heute in vielen Museen vorherrscht, ist n&#228;mlich nicht selbstverst&#228;ndlich, sondern das Ergebnis museumstheoretischer Debatten, die auch zahlreiche Gegenstimmen hervorgebracht hat. Vgl. dazu beispielsweise die Arbeiten und Kritik von Daniel Buren. [Beispielsweise gesammelt in: Buren, Daniel ; Fietzek, Gerti (Hrsg.) ; Inboden, Gudrun (Hrsg.) / Achtung! : Texte 1967-1991. &#8211; (Fundus-B&#252;cher ; 129). &#8211; Dresden ; Basel : Verlag der Kunst, 1995]<br />
[6] Eine Situation die sich wieder mit dem Bibliothekswesen vergleichen l&#228;sst, wo es ja auch keine eigenst&#228;ndige Bildungstheorie, sondern vor allem Studien &#252;ber oder zumindest Beschreibungen einzelner Projekte publiziert werden.<br />
</blockquote></p>

	<p><blockquote><strong>Links</strong><br />
Institut f&#252;r Museumsforschung <a href="http://www.smb.spk-berlin.de/ifm/" target="_blank">http://www.smb.spk-berlin.de/ifm/</a><br />
Bundesverband Museumsp&#228;dagogik e.V. <a href="http://museumspaedagogik.org/index.php4" target="_blank">http://museumspaedagogik.org</a><br />
Michael Parmentier: Schwerpunkt Museumsp&#228;dagogik <a href="http://www.60320ffm.de/orbis/" target="_blank">http://www.60320ffm.de/orbis/</a><br />
schule@museum <a href="http://schule-museum.de/" target="_blank">http://schule-museum.de/</a><br />
</blockquote></p>
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		<item>
		<title>Schleswig-Holstein: Schulbibliotheken mit welchen Standards normieren?</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Dec 2009 00:50:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Schule und Bibliothek / Schulbibliothek</category>
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		<description><![CDATA[	Erstaunlicherweise kaum beachtet wurde bisher offenbar eine Studie der Arbeitsstelle Bibliothek und Schule des B&#252;chereivereins Schleswig-Holstein, welche auf einer Fragebogenverschickung an alle Schulen in Schleswig-Holstein im Schuljahr 2007/2008 basiert und im im September 2009 ver&#246;ffentlicht wurde. [Anonym (2009) / &#8222;Sch&#252;lerb&#252;chereien in Schleswig-Holstein&#8221; : Ergebnisse der Umfrage zum Stand von Sch&#252;lerb&#252;chereien in Schleswig-Holstein. &#8211; (Bibliothek &#38; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Erstaunlicherweise kaum beachtet wurde bisher offenbar eine Studie der <em>Arbeitsstelle Bibliothek und Schule</em> des <em>B&#252;chereivereins Schleswig-Holstein,</em> welche auf einer Fragebogenverschickung an alle Schulen in Schleswig-Holstein im Schuljahr 2007/2008 basiert und im im September 2009 ver&#246;ffentlicht wurde. [<em>Anonym (2009) / &#8222;Sch&#252;lerb&#252;chereien in Schleswig-Holstein&#8221; : Ergebnisse der Umfrage zum Stand von Sch&#252;lerb&#252;chereien in Schleswig-Holstein. &#8211; (Bibliothek &#38; Schule; Arbeits- und Informationsmaterialien, 4). &#8211; Rendsburg ; Flensburg : B&#252;chereiverein Schleswig-Holstein e.V., 2009. &#8211; <a href="http://www.bz-sh.de/schule/doku/absah4.pdf">http://www.bz-sh.de/schule/doku/absah4.pdf</a></em>] [1] Diese Studie erhebt den Anspruch, den Status Quo der Schulbibliotheken in Schleswig-Holstein darzustellen. Sie liefert reichhaltiges Datenmaterial &#252;ber diese Schulbibliotheken, welches in dieser Masse bislang nicht zug&#228;nglich war und eine Grundlage f&#252;r weitergehende Entscheidungen bieten kann. Gleichzeitig zeigt die Studie insbesondere bei der Interpretation der Daten auch, wie falsch eine rein bibliothekspolitische Herangehensweise an solche Daten sein kann.</p>

	<p><strong>Was will man?</strong><br />
Wissenschaft und auch praxisorientierte Studien, welche wissenschaftliche Methoden verwenden, unterscheiden sich im Allgemeinen von Studien, welche vor allem dazu erstellt werden, um eine Meinung zu popularisieren oder die Arbeit einer Institution hervorzuheben bzw. zu bef&#246;rdern. Arbeitet man (geistes-)wissenschaftlich, folgt man einem wissenschaftlichen Ethos. Dieser Ethos beinhaltet, dass man, selbst wenn man als Forschende oder Forschender in den untersuchten Themenbereich involviert ist, die Forschungsfragen so anlegt und die Interpretation so vornimmt, dass nicht automatisch im Untersuchungsdesign ein vorhersehbares und erw&#252;nschtes Ergebnis der jeweiligen Studie angelegt ist. Vielmehr geht es bei einer wissenschaftlichen Untersuchung darum, eine Situation, eine Intervention oder eine Struktur in ihrer realen Auspr&#228;gung zu untersuchen. [Diese Aussagen m&#252;ssten f&#252;r Fragestellungen, die sich nicht auf gesellschaftliche Strukturen beziehen, selbstverst&#228;ndlich weiter abstrahiert werden.]<br />
Eine Studie, wie die von der <em>Arbeitsstelle Bibliothek und Schule</em> vorgenommene &#252;ber Schulbibliotheken in Schleswig-Holstein, h&#228;tte dann zum Beispiel zu fragen, wie sich die Situation dieser Schulbibliotheken darstellt und wie die vorgefundene Situation zu erkl&#228;ren ist. Dabei kann immer davon ausgegangen werden, dass eine vorgefundene Situation auch ihre Gr&#252;nde hat, die nicht einfach nur als Fehlen von Voraussetzungen verstanden werden kann. Das z.B. eine Schulbibliothek eher klein ist, kann seine Gr&#252;nde auch darin haben, dass sich eine Schulgemeinschaft daf&#252;r entschieden hat &#8211; direkt oder indirekt &#8211;, diese Einrichtung in ihrer Schule nicht gr&#246;&#223;er sein muss. Wer allerdings, wie dies diese Studie tut, die Interpretation der vorgefundenen Situation ausschlie&#223;lich unter einem Defizitfokus vornimmt, bei dem am Ende herauskommt, dass die <em>Arbeitsstelle</em> selber und der <em>B&#252;chereiverein</em> mehr Geld bekommen sollen, macht sich mehr als unglaubw&#252;rdig. Er vergibt auch die gro&#223;e Chance, zu verstehen, was f&#252;r Bibliotheken Schulen wollen oder ben&#246;tigen und damit auch die Chance &#8211; anstatt einfach nur bibliothekarische Vorstellungen auf Schulen &#252;bertragen zu wollen &#8211; Schulbibliotheken zu unterst&#252;tzen, welche im jeweiligen Schulkontext entweder Lernr&#228;ume, lernunterst&#252;tzende Einrichtungen oder soziale R&#228;ume darstellen k&#246;nnten.<br />
Weil diese Studie das aber nicht beachtet, sondern &#8211; wie zu zeigen sein wird &#8211; vielmehr einen Fokus w&#228;hlt, bei dem quasi jede real existierende Schulbibliothek als disfunktionale Einrichtung erscheinen muss, liefert sie zwar wichtiges Datenmaterial, aber leider nur wenige Aussagen &#252;ber die tats&#228;chliche Situation der Schulbibliothek in Schleswig-Holstein.</p>

	<p><strong>Daten</strong><br />
Die Studie basierte auf Fragebogen, welche an die 1701 Schulen in Schleswig-Holstein verschickt wurden. Der Fragebogen (in der Brosch&#252;re auf Seite 48f. abgedruckt) selber war relativ einfach gehalten und offenbarte auf den ersten Blick, dass es sich bei der Studie um eine einfache Abfrage von Werten zur Schulbibliothek handelte. Gleichzeitig zeigte der Fragebogen, dass die Funktion der Schulbibliothek haupts&#228;chlich auf die Lesef&#246;rderung beschr&#228;nkt wurde, was der Breite der m&#246;glichen Einrichtungen, die als Schulbibliothek beschrieben werden k&#246;nnen und der dort betriebenen Arbeit &#252;berhaupt nicht gerecht wird, sich aber unter Umst&#228;nden aus dem bibliothekarischen Fokus erkl&#228;ren l&#228;sst &#8211; obgleich auch &#214;ffentliche Bibliotheken weit mehr Aufgaben erf&#252;llen, als das Lesenlernen zu unterst&#252;tzen. Insoweit ist die Breite der m&#246;glichen Ergebnisse der Studie von vornherein durch den Fragebogen eingeschr&#228;nkt.<br />
Der R&#252;cklauf betrug 36,8% oder 626 von 1701 Schulen, was f&#252;r eine solche Umfrageformen ein relativ gutes Ergebnis darstellt. Anzunehmend ist, dass vor allem solche Schulen geantwortet haben, welche auch eine Schulbibliothek betreiben. Nicht gerechtfertigt ist die Vermutung der <em>Arbeitsstelle</em>, dass man die Werte &#252;ber Schulbibliotheken aus den 36,8% beantworteten Frageb&#246;gen auf alle 1701 Schulen hochrechnen k&#246;nnte. Vielmehr ist zu vermuten, dass diejenigen 496 Schulen (29,2%), welche antworteten, eine Schulbibliothek zu betreiben, tats&#228;chlich den &#252;berwiegenden Teil der Schulen mit solchen Einrichtungen in Schleswig-Holstein darstellen.<br />
Bei den zur&#252;ckmeldenden Schulen l&#228;sst sich der schon oft ge&#228;u&#223;erte Verdacht nachweisen, dass vor allem Schulen, die zu h&#246;heren Bildungszertifikaten f&#252;hren, Schulbibliotheken anbieten. Wie auch bei &#228;hnlichen Z&#228;hlungen ist festzustellen, dass Gesamtschulen und Gymnasien weit &#246;fter Schulbibliotheken anbieten, als Realschulen, die wiederum auff&#228;llig &#246;fter dieser Einrichtungen betreiben als Hauptschulen oder Sonder- und F&#246;rderschulen. Die Grundschulen betreiben &#8211; wie auch in Berlin [2] &#8211; prozentual weniger Schulbibliotheken, als die Gesamtschulen und Gymnasien, aber mehr als die Real-, Haupt- und F&#246;rderschulen, obwohl zu vermuten w&#228;re, dass Grundschulen aufgrund der Schulbibliotheken zugeschriebenen Funktion als Einrichtungen der Lesef&#246;rderung die meisten dieser Einrichtungen betreiben m&#252;ssten. (S. 15)<br />
Diese Ungleichheit setzt sich fort, betrachtet man die abgefragten Gr&#246;&#223;en wie Bestand, &#214;ffnungszeiten etc. Die meisten Schulbibliothek sind relativ klein (unter 2000 Medien). Allerdings sind in Schleswig-Holstein Schulen mit mehr als 500 Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern auch eine Seltenheit. Gleichwohl l&#228;sst sich kein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Schulgr&#246;&#223;e und der Gr&#246;&#223;e der Schulbibliothek feststellen. Die Bibliotheken mit mehr als 4000 Medieneinheiten finden sich allerdings fast ausschlie&#223;lich in Gymnasien und Gesamtschulen, so dass man von einem leichten Einfluss der Schulform auf die Gr&#246;&#223;e der Schulbibliotheken ausgehen kann.<br />
Erstaunlich ist die Zusammensetzung des Bestandes der Bibliotheken. 25% stellen Nachschlagewerke, 29% Sachb&#252;cher und 29% Belletristik dar, der Rest verteilt sich vor allem auf andere Medienformen, Zeitschriften, Zeitungen und Spiele. Es stellt sich die Frage, wozu eine so gro&#223;e Zahl von Nachschlagewerken vorhanden ist, obgleich ein Gro&#223;teil des Faktenwissens heute anders und aktueller gefunden werden kann und die Ausbildung bei der Suche und Bewertung solchen Faktenwissens eigentlich zum schulischen Auftrag geh&#246;rt. Werden diese Nachschlagewerke genutzt? Wenn ja, wie? Oder stehen sie eher aus habituellen Gr&#252;nden in den Best&#228;nden?<br />
Andere Werte bewegen sich im Rahmen dessen, was schon &#252;ber Schulbibliotheken in Deutschland bekannt ist: der &#252;berwiegende Gro&#223;teil des Personals sind Lehrkr&#228;fte, Eltern und Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler. Alle anderen M&#246;glichkeiten, insbesondere ausgebildete Bibliothekarinnen und Bibliothekare, sind nur sehr selten vertreten. (Obwohl nicht gesondert nach der Ausbildung der t&#228;tigen Eltern gefragt wurde, welche ebenso &#252;ber eine bibliothekarische und / oder p&#228;dagogische Ausbildung verf&#252;gen k&#246;nnten.) &#220;ber 60% der Schulbibliotheken haben h&#246;chstens drei Stunden in der Woche offen, was ihre Nutzung als Stadtteilbibliotheks-&#228;hnliche Einrichtung einschr&#228;nkt und Fragen danach aufwirft, wie genau diese Einrichtungen ansonsten genutzt werden. 49% der Bibliotheken geben an, ohne jeglichen Etat auskommen zu m&#252;ssen, was darauf hindeutet, dass ein beachtlicher Teil der Schulbibliotheken offenbar nicht die Aufgabe hat, die Lernenden mit neuern und neusten Medien zu versorgen, sondern andere Aufgaben haben muss, welche weitergehend zu erfragen w&#228;ren.<br />
Vers&#228;umt wurde leider in der Studie, die Schulen auf ihre soziale Zusammensetzung hin zu vergleichen. Dies w&#228;re zwar aufgrund Datenschutzrechtlicher Bestimmungen schwierig, aber zumindest n&#228;herungsweise unter Einbeziehung von Daten des Statischen Landesamtes m&#246;glich gewesen. Da anscheinend auch in Schleswig-Holstein Schulbibliotheken oft von der Unterst&#252;tzung durch die Eltern der Lernenden abh&#228;ngig sind, kann man vermuten, dass sich Effekte der &#246;konomisch und sozial ungleich ausgestatteten Elternh&#228;user von Schulen in unterschiedlichen Gegenden auch in den Schulbibliotheken niederschlagen, was Fragen der Sozialen Gerechtigkeit und Chancengleichheit aufwirft.</p>

	<p><strong>Interpretation: Wir wissen alles, wir wollen Geld</strong><br />
Die Daten, welche die Studie hervorgebracht hat, sind &#8211; trotz aller m&#246;glicher Kritik &#8211; nicht zu missachten, insbesondere nicht, wenn sie in den folgenden Jahren mit weiteren Umfragen fortgeschrieben werden. Allerdings beschr&#228;nkt sich die Studie nicht darauf, diese Daten zu erheben, darzustellen, aus sich heraus zu interpretieren und weitere Fragen zu stellen. Ein solches Vorgehen h&#228;tte das Potential gehabt, die Situation der Schulbibliotheken in Schleswig-Holstein so zu beschreiben, wie sie sich offenbar von einem gro&#223;en Teil der &#252;ber den jeweiligen Schulalltag entscheidenden Kr&#228;fte im Groben gew&#252;nscht wird. Zumindest h&#228;tte man nach diesen Daten die Frage stellen k&#246;nnen, ob vielleicht immer nur ein Teil der Schulen &#252;berhaupt eine Schulbibliothek w&#252;nscht und dann vielleicht auch lieber eine kleinere Einrichtung. Es darf nicht vergessen werden, dass Schulen heute eine &#8211; obgleich finanziell sehr eng gesteckte &#8211; gro&#223;e Autonomie zugestanden wird bei der Gestaltung ihrer zus&#228;tzlichen Angebote. Insoweit k&#246;nnte man auch vermuten &#8211; egal, was man pers&#246;nlich oder als <em>Arbeitsstelle</em> des <em>B&#252;chereivereins</em> davon h&#228;lt &#8211;, dass unter Umst&#228;nden nur ein Teil der Schulen eine Schulbibliothek f&#252;r notwendig ansieht, w&#228;hrend ein anderer Teil offenbar andere zus&#228;tzliche Angebote organisiert (die ja dann ebenso oft von Eltern und / oder Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern mitgetragen werden).<br />
Die <em>Arbeitsstelle Schule und Bibliothek</em> nimmt demgegen&#252;ber eine ganz andere Haltung ein und betrachtet die erhobenen Daten unter einem reinen Defizitfokus, indem sie ohne weitere Begr&#252;ndung implizit unterstellt, dass nur eine 100%-ig Abdeckung der Schulen mit Schulbibliotheken als Erfolg zu betrachten w&#228;re und gleichzeitig die vorhandenen Schulbibliotheken sich an den Standards der <em>Expertengruppe</em> (jetzt <em>Kommission</em>) <em>Bibliothek und Schule</em> des <em>Deutschen Bibliotheksverbandes</em> zu orientieren h&#228;tten [3]. Der gesamte vierte Teil der Arbeit besch&#228;ftigt sich damit, die Schulbibliotheken in Schleswig-Holstein mit diesen Standards zu vergleichen.<br />
Dabei wird mit der Vermutung gearbeitet, dass einzig diese Standards eine funktionierende Schulbibliothek beschrieben w&#252;rden. Gleichzeitig wird der Vorstellung gefolgt, dass Standards heutzutage zur Beschreibung der Qualit&#228;t von Einrichtungen notwendig w&#228;ren. Aber das ist beides so nicht haltbar. Standards eignen sich nur dann dazu, Qualit&#228;t zu beschreiben, wenn sie offen genug sind, um den mit diesen Standards untersuchten Einrichtungen Entscheidungsm&#246;glichkeiten offen zu lassen und nicht genau eine oder zwei L&#246;sungen vorzuschreiben. Ansonsten stellen sie nur umformulierte (implizite) Vorschriften dar. Gleichzeitig m&#252;ssen solche Standards begr&#252;ndet sein, also auch etwas ausdr&#252;cken und nachweisbar eine Aussage &#252;ber Qualit&#228;t zulassen. Das sich Personen, die sich berufen f&#252;hlen, zusammensetzen und Werte festlegen, welche sich bestenfalls auch ihrer Erfahrung ergeben, mag ein Anfang f&#252;r einen Standard darstellen, ist aber f&#252;r sich genommen noch lange nicht ausreichend. Zudem muss beachtet werden, dass &#252;ber solche Standards immer auch Interessen mitvermittelt werden, insbesondere dar&#252;ber, wie die jeweils anhand von Standards untersuchte Einrichtung auszusehen habe.<br />
Ansonsten k&#246;nnte jede und jeder Standards aufstellen und behaupten, Einrichtungen h&#228;tten sich an diese zu halten. Ich k&#246;nnte das, genauer: ich tue das einfach mal. Weil ich ein Verfechter Freier Software und moderner Technologie bin und der Meinung anh&#228;nge, dass eine Schule und auch eine Schulbibliothek, eine m&#246;glichst hohe Qualit&#228;t bei den zur Arbeit verwendeten Materialen und Hilfsmitteln aufweisen und gleichzeitig m&#246;glichst moralisch handeln soll, lege ich hiermit als Standard f&#252;r Schulbibliotheken fest: <em>eine Schulbibliothek hat mit mehreren Rechnern ausgestattet zu sein, die eines der quelloffenen Betriebssysteme verwenden und, wenn irgend m&#246;glich, Freie Software einsetzen. Ansonsten gilt eine Schulbibliothek als Einrichtung, die wichtigen moralischen und p&#228;dagogischen Grunds&#228;tzen nicht gen&#252;gt.</em> Nennen m&#246;chte ich das den <em>Schuldt&#8216;chen Linux-Schulbibliotheksstandard</em>.<br />
Das klingt vielleicht absurd: warum sollte ich einfach aus dem Nichts einen solchen Standard aufstellen k&#246;nnen und warum sollte das jemand ernst nehmen? Nun, immerhin habe ich einen Grund f&#252;r diesen Standard angegeben (ich bin der &#220;berzeugung, der Freie Software technisch besser und zudem moralischer ist) und kann mich darauf berufen, einiges Wissen &#252;ber Schulbibliotheken und &#252;ber Freie Software gesammelt zu haben. Nimmt man jetzt diesen Standard und &#252;berpr&#252;ft ihn in Schulbibliotheken, wird man wohl feststellen, dass ihn nur sehr wenige erf&#252;llen. Ich k&#246;nnte sie dann als nicht ausreichend ausgestattet Schulbibliotheken beschreiben. Selbstverst&#228;ndlich tue ich das nicht wirklich.<br />
Das Problem ist aber, dass die Standards der<em> Expertengruppe Bibliothek und Schule</em> &#8211; welche in der Studie der <em>Arbeitsgruppe Bibliothek und Schule</em> verwendet werden &#8211; zumindest nach dem, was man aus den Publikationen nachvollziehen kann, &#228;hnlich entstanden zu sein scheinen: Sie wurden von Expertinnen und Experten einzig aufgrund ihrer eigenen Erfahrung erstellt und nicht etwa wissenschaftliche oder anderweitig begr&#252;ndet. Dies wurde garantiert mit den besten Absichten getan, dabei aber doch verschwiegen, dass diese Standards allesamt vom Paradigma einer Schulbibliothek als Abbild einer &#214;ffentlichen Bibliothek ausgehen &#8211; was der Vielf&#228;ltigkeit der Schulbibliotheken nicht gerecht wird. Und das ist das wirklich &#196;rgerliche: die Standards der <em>Expertengruppe</em> sind so gefasst, dass nur Einrichtungen, die den Vorstellungen der <em>Expertengruppe</em> selber entsprechen, als vollwertige Schulbibliotheken gez&#228;hlt werden. Und zwar ohne, dass die <em>Expertengruppe</em> darauf eingeht, dass es auch weit mehr und anders funktionierende Einrichtungen gibt, die sich Schulbibliothek oder &#228;hnlich nennen und im jeweiligen Schulalltag eine wichtige Funktion haben. Wollte man Standards f&#252;r Schulbibliotheken erstellen, m&#252;sste man genau aber das beachten: dass es sehr unterschiedliche Vorstellungen von den Aufgaben und Leitbildern dieser Einrichtungen gibt, dass diese unterschiedlichen Vorgaben allesamt ihre Berechtigung haben und das bislang eigentlich f&#252;r keinen Standardwert, der auftaucht, wenn &#252;ber solche Regelwerke gesprochen wird, eine mehr als anekdotenhafte Begr&#252;ndung vorliegt. Und diese Standards d&#252;rften dann nicht nur von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren &#8211; welche zudem oft keine p&#228;dagogische Ausbildung durchlaufen oder keine schulpraktische Erfahrung gesammelt haben &#8211; erstellt werden, sondern m&#252;ssten auch Lehrerinnen und Lehrer, Eltern, Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sowie Forschende aus den Erziehungswissenschaften und der Bibliotheks- und Informationswissenschaft gleichberechtigt in den Prozess der Erstellung einbeziehen.<br />
Wenn jetzt allerdings die <em>Arbeitsgruppe Bibliothek und Schule</em> die Schulbibliotheken in Schleswig-Holstein mit den Standards der <em>Expertengruppe</em> vergleicht, ist das Ergebnis auch schon vor Beginn dieser Arbeit vorherzusehen: die Schulbibliotheken gen&#252;gen diesen Standards nicht und m&#252;ssen offenbar mit viel Kraft und Geld umgebaut werden. Aber das ist im besten Fall eine Aussage &#252;ber die &#8211; verst&#228;ndlichen &#8211; W&#252;nsche der <em>Arbeitsgruppe</em> und des <em>B&#252;chereivereins</em>, nicht &#252;ber die Schulbibliotheken selber. Vor allem gibt es bislang keine Grund anzunehmen, dass Schulbibliotheken, welche den Standards der <em>Expertengruppe</em> entsprechen, tats&#228;chlich als Einrichtung in den jeweiligen Schulen besser funktionieren w&#252;rden, als die jetzigen Einrichtungen. Wenn zudem die <em>Arbeitsgruppe</em> implizit voraussetzt, dass ein vollst&#228;ndiges Schulsystem auch in jeder Schule eine Bibliothek erfordern w&#252;rde &#8211; was wieder als Wunsch verst&#228;ndlich, als bildungspolitische Forderung denkbar, aber nicht aus dem deutschen Schulsystem und den Curricula der deutschen Schulen zu begr&#252;nden ist &#8211; und zudem sich als einzigen tats&#228;chlichen Ansprechpartner f&#252;r Schulbibliotheken darstellt, was ebenso nicht stimmt, dann wird sehr schnell offensichtlich, dass der letzte Teil der Studie nicht daf&#252;r verwendet wurde, die Situation der Schulbibliotheken in Schleswig-Holstein zu beschreiben; sondern vielmehr dazu da ist, die Diskurshoheit der <em>Arbeitsgruppe</em> &#252;ber Schulbibliotheken zu behauptet und damit im Nachgang den Zugriff auf Geldmittel einzufordern. Auch das ist aufgrund der monet&#228;ren Situation verst&#228;ndlich, aber es ist unbefriedigend und im Zusammenhang mit dieser Studie, die sich &#252;ber weite Strecken wissenschaftlich gibt und &#8211; wie ja schon mehrfach erw&#228;hnt &#8211; auch interessante Daten zur Verf&#252;gung stellt, unredlich. All der Beratungsbedarf, der in der Studie konstatiert wird, w&#252;rde ja in der pr&#228;sentierten Konzeption darauf hinauslaufen, dass er durch den <em>B&#252;chereiverein</em> organisiert w&#252;rde.</p>

	<p><strong>Fazit</strong><br />
Die Studie <em>&#8220;Sch&#252;lerb&#252;chereien in Schleswig-Holstein&#8221; : Ergebnisse der Umfrage zum Stand von Sch&#252;lerb&#252;chereien in Schleswig-Holstein</em> ist ohne Frage, trotz all der Einschr&#228;nkungen, die hier ausgebreitet wurden, eine wichtige Grundlagenarbeit. Man w&#252;nschte sie sich &#8211; trotz der eher einschr&#228;nkend Kritik, die <em>G&#252;nter Schlamp</em> in diesem Blog vor einigen Monaten &#252;ber Schulstatistiken gemacht hat &#8211;, dass sie auch in anderen Bundesl&#228;ndern unternommen w&#252;rde, insbesondere kontinuierlich. So w&#228;re es n&#228;mlich m&#246;glich, tats&#228;chlich zu kl&#228;ren, ob und wenn ja wie, bibliothekarische Strukturen die Arbeit von Schulbibliotheken unterst&#252;tzen oder nutzen k&#246;nnten.<br />
Allerdings m&#252;sste daf&#252;r auch akzeptiert werden &#8211; was die Daten dieser Studie auch nahe legen, aber dessen ungeachtet bei der Interpretation der Daten nicht getan wird &#8211;, dass es offenbar in Deutschland nicht die Tendenz gibt, in jeder Schule eine Schulbibliothek zu gr&#252;nden und auch nicht die Tendenz, jede Schulbibliothek als kleinere Ausgabe einer Stadtteilbibliothek zu konzipieren. Das ist offenbar gar nicht notwendig. Schulen entscheiden &#8211; heutzutage mitsamt der engagierten Elternschaft und eigentlich auch der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler &#8211; dar&#252;ber, ob und wie sie eine Schulbibliothek einrichten und nutzen. Dabei k&#246;nnten sie unterst&#252;tzt, teilweise auch Beraten werden. Und f&#252;r eine solche Beratung liefert die Studie mit ihrer Methodik, bei den Schulen selber nachzufragen &#8211; so eingeschr&#228;nkt der verwendete Fragebogen auch ist &#8211; einen guten Ansatzpunkt. Eine Interpretation allerdings, welche die Vorstellung bibliothekarisch Engagierter als alleinige Grundlage zul&#228;sst und die in der Konzeption und Ausstattung der realen Schulbibliotheken zum Ausdruck kommenden Vorstellungen der Eltern, Lehrenden und Lernenden, die ja mit den vorhandenen Einrichtungen arbeiten und sie konzipieren, ignoriert, ist dagegen ein Weg weg von den realen Schulbibliotheken und ihren Nutzerinnen und Nutzern. Unter Beachtung dieser Einschr&#228;nkungen w&#228;re es dennoch angebracht, wenn die Studie auch anderswo rezipiert werden w&#252;rde.</p>

	<p><blockquote><br />
<strong>Fu&#223;noten</strong><br />
[1] Neben einer kurzen Meldung in der BuB, die untergr&#252;ndig auch die Zentralisierung der Schulbibliotheksentwicklung propagiert, ohne daf&#252;r einen Grund anzugeben (<a href="http://www.b-u-b.de/Aktuell/nachrichten.shtml" target="_blank">http://www.b-u-b.de/Aktuell/nachrichten.shtml</a>), gab es einen kurzen Hinwies im Blog informationskompetenz.de (<a href="http://infokompetenz.de/node/274" target="_blank">http://infokompetenz.de/node/274</a>), eine kurze Erw&#228;hnung bei G&#252;nter Schlamp im Rahmen weiterer Ausf&#252;hrungen &#252;ber Schulbibliotheken in Schleswig-Holstein (<a href="http://basedow1764.wordpress.com/2009/09/10/bemerkenswertes-aus-schleswig-holstein/" target="_blank">http://basedow1764.wordpress.com/2009/09/10/bemerkenswertes-aus-schleswig-holstein/</a>) sowie einer l&#228;nger Besprechung auf dem Bildungsserver (<a href="http://www.lesen-in-deutschland.de/html/content.php?object=journal&#38;lid=934" target="_blank">http://www.lesen-in-deutschland.de/html/content.php?object=journal&#38;lid=934</a>), welche allerdings haupts&#228;chlich auf die Lesef&#246;rderung als Aufgabe von Schulbibliotheken abhebt.<br />
[2] Vgl. Schuldt, Karsten (2009) / Schulen und Schulbibliotheken in Berlin, 2009. <a href="http://www.divshare.com/download/7214782-286" target="_blank">http://www.divshare.com/download/7214782-286</a><br />
[3] Vgl. <a href="http://www.schulmediothek.de/index.php?pfad=/organisation_praxis/&#38;nonav=nein" target="_blank">http://www.schulmediothek.de/index.php?pfad=/organisation_praxis/&#38;nonav=nein</a><br />
</blockquote></p>
 ]]></content:encoded>
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		<title>Fertig!</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Nov 2009 15:09:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Grundsätzliches</category>
	<category>Fortschritt</category>
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		<description><![CDATA[	Da, noch einmal die &#214;ffentliche Ank&#252;ndigung f&#252;r die gestrige Disputation meiner Promotion. (Und mit nur zwei kleinen Tippfehlern im Titel. Super.)

	

	Ansonsten wurde das Promotionsverfahren gestern erfolgreich abgeschlossen. Wenn jetzt die letzten technischen Fragen mit der Ver&#246;ffentlichung der Arbeit gekl&#228;rt sind, darf ich mich auch ofiziell Doktor nennen.
So, ich lege jetzt erstmal die Beine hoch und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Da, noch einmal die &#214;ffentliche Ank&#252;ndigung f&#252;r die gestrige Disputation meiner Promotion. (Und mit nur zwei kleinen Tippfehlern im Titel. Super.)</p>

	<p><img src='/images/DSC00216.JPG' alt='Ank&Atilde;&#038;frac14;ndigung der Disputation' width='500px'/></p>

	<p>Ansonsten wurde das Promotionsverfahren gestern erfolgreich abgeschlossen. Wenn jetzt die letzten technischen Fragen mit der Ver&#246;ffentlichung der Arbeit gekl&#228;rt sind, darf ich mich auch ofiziell Doktor nennen.<br />
So, ich lege jetzt erstmal die Beine hoch und besch&#228;ftige mich mit was anderem, zumindest f&#252;r ein paar Tage. Danke nochmal an alle, die direkt und indirekt dazu beigetragen haben, dass die Arbeit fertig wurde.</p>
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		<title>Private Schulen: Muss man die als Bibliothek wahrnehmen? Kann man dort besser Schulbibliotheken betreiben?</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Nov 2009 22:47:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Grundsätzliches</category>
	<category>Schule und Bibliothek / Schulbibliothek</category>
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		<description><![CDATA[	Dass das deutsche Schulsystem sich &#228;ndern m&#252;sse ist ein Allgemeinsatz, der sich historisch wohl schon seit der Etablierung dieses Schulsystems finden und immer wieder gut begr&#252;nden l&#228;sst. Ge&#228;ndert werden vor allem die Vorschl&#228;ge, was wie reformiert werden soll. Unter anderem finden sich zur Zeit &#8211; auch durch den Wahlerfolg der FDP bei der letzten Bundestagswahl, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Dass das deutsche Schulsystem sich &#228;ndern m&#252;sse ist ein Allgemeinsatz, der sich historisch wohl schon seit der Etablierung dieses Schulsystems finden und immer wieder gut begr&#252;nden l&#228;sst. Ge&#228;ndert werden vor allem die Vorschl&#228;ge, was wie reformiert werden soll. Unter anderem finden sich zur Zeit &#8211; auch durch den Wahlerfolg der <span class="caps">FDP</span> bei der letzten Bundestagswahl, die ja offiziell das Konzept der Bildungsgutscheine vertritt &#8211; einige Vertreterinnen und Vertreter einer Position, von welcher aus argumentiert wird, dass die Gr&#252;ndung und F&#246;rderung privater Schulen eine Reform des deutschen Schulwesens vorantreiben w&#252;rde. Die Idee ist, dass private Schulen, bei freier Schulwahl der Lernenden, zu einer Konkurrenz und Entstehung eines Bildungsmarktes f&#252;hren und diese Konkurrenz zur &#220;berarbeitung p&#228;dagogischer Konzepte und zu einer Didaktik, welche an den Interessen der Lernenden ansetzte, f&#252;hren w&#252;rde. Das, was in der Wirtschaft &#8211; vielleicht auch nur vorgeblich &#8211; funktioniert, soll auch im Schul- und gesamten Bildungsbereich funktionieren. Dagegen gibt es selbstverst&#228;ndlich Stimmen, welche die F&#246;rderung privater Schulen als Gefahr f&#252;r ein egalit&#228;res Bildungssystem ansehen und vor einer Vertiefung der eh schon vorhandenen Spaltung in Bildungsreiche und Bildungsarme warnen.<br />
Dessen ungeachtet argumentieren auch Bibliotheken und bibliothekarische Engagierte &#8211; beispielsweise im Bereich der Schulbibliotheken &#8211; immer wieder einmal, dass die Gr&#252;ndung privater Schulen neue Formen der Zusammenarbeit von Schulen und Bibliotheken beziehungsweise bessere Chancen f&#252;r die Etablierung von Schulbibliotheken bedeuten w&#252;rde.<br />
Allerdings gibt es nur wenige Forschungen zum Privatschulwesen in Deutschland. Die erziehungswissenschaftliche Forschung, aber auch die Bildungspolitik, besch&#228;ftigt sich vielmehr, wenn sie sich mit dem Schulwesen in Deutschland befasst, fast ausschlie&#223;lich mit den staatlichen Schulen. Dies wird im aktuellen Heft der Zeitschrift f&#252;r P&#228;dagogik [55 (2009) 5], welches sich in seinem Thementeil mit Privatschulen besch&#228;ftigt, mehrfach betont. Thomas Koinzer und Achim Leschinsky versuchen in ihrem Beitrag zu diesem Schwerpunkt, zumindest das Feld &#8222;private Schulen in Deutschland&#8220; zu umrei&#223;en. [<em>Koinzer, Thomas ; Leschinsky, Achim / Privatschulen in Deutschland. &#8211; In: Zeitschrift f&#252;r P&#228;dagogik, 55 (2009) 5, S. 669-685</em>] In einem zweiten Beitrag am Ende dieses Schwerpunktes entwerfen diese beiden Autoren zusammen mit Kai S. Cortina, aufgrund der Erfahrungen aus anderen Staaten, ein Szenario f&#252;r die Entwicklung des privaten Schulwesens in Deutschland. [<em>Cortina, Kai S. / Koinzer, Thomas / Leschinsky, Achim / Nachwort: Eine international informierte Prognose zur Entwicklung privater Schulen in Deutschland. &#8211; In: Zeitschrift f&#252;r P&#228;dagogik, 55 (2009) 5, S. 747-754</em>]</p>

	<p><strong>Wenig Innovation, viel Habitus</strong><br />
Die Ergebnisse sind interessant, weil sie den grunds&#228;tzlichen Annahmen &#252;ber private Schulen in vielen Punkten widersprechen.<br />
<ol></p>
	<p><li>Private Schulen sind kein reiner &#8222;Randbereich&#8220; des Bildungswesens, sondern schon deutlich in der Schullandschaft vertreten. 3,3 % der Grundschulen, 7,9% der Schulen im Sekundarbereich I und 8,6% der Schulen im Sekundarbereich II sind in Deutschland private Einrichtungen, wobei hierzu auch die von religi&#246;sen Institutionen &#8211; also in Deutschland fast ausschlie&#223;lich der katholischen Kirche und der evangelischen/reformierten Landeskirchen &#8211; gef&#252;hrten Schulen z&#228;hlen.</li><br />
<li>Wenig &#252;berraschend ist, dass sich in Westdeutschland eine Anzahl von etablierten privaten Schulen finden. Entgegen der Erwartungen werden aber gerade in Ostdeutschland Schulen des Sekundarbereichs II auff&#228;llig oft als private Schulen gef&#252;hrt: 11,4 % in Sachsen-Anhalt, 11,7% in Th&#252;ringen und 19,5% in Sachsen.</li><br />
<li>Diese Zahlen sind zu revidieren, wenn man sich die Schulen genauer anschaut. Von den 912.300 Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern, die 2007/08 eine private Schule besuchten, waren &#252;ber 550.000 davon in einer konfessionell gebundenen Einrichtung angemeldet. Erst danach folgen Schulen des Bundesverbandes Deutscher Privatschulen (270.000 Lernende), des Bundes Freier Waldorfschulen (77.000 Lernende), der Bundesverband Freier Alternativschulen (4.500) und die Vereinigung Deutscher Landerziehungsheime (6.000 Lernende). Man kann also nicht davon sprechen, dass es sich haupts&#228;chlich um Schulen handeln w&#252;rde, die aus privat-wirtschaftlichen Interessen heraus gegr&#252;ndet w&#252;rden.</li><br />
<li>Interessant ist auch, dass eine relativ gro&#223;e Anzahl von privaten Schulen nicht gegr&#252;ndet wird, um ein alternatives Schulkonzept durchzusetzen. Vielmehr sind viele diese Neugr&#252;ndung eine Reaktion auf den Abbau staatlicher Schulangebote. Gerade in Regionen, in denen Schulen geschlossen und / oder zusammengelegt werden, finden sich oft Eltern zusammen, die daran interessiert sind, Schulangebote lokal, wenn auch f&#252;r weniger Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, aufrecht zu erhalten. Dazu werden oft Geb&#228;ude ehemals staatlicher Schulen &#252;bernommen und Institutionen etabliert, die dann entweder als Eltern-Initiativ-Schule oder aber unter dem Dach der beiden gro&#223;en Konfessionen gef&#252;hrt werden. Diese Schulen stellen dann meist keine alternativen Schulkonzepte auf und versuchen auch nicht, privatwirtschaftlichen Erfolg zu haben, sondern sind vielmehr dazu da, Angebote weiter zu f&#252;hren, die der Staat nicht als notwendig ansieht. Die meisten dieser Einrichtungen sind dann allerdings folgerichtig sehr klein.</li><br />
<li>Auch die relativ kleine Anzahl von Schulen, die sich einem alternativen Schulkonzept zuwenden, sind dabei nicht unbedingt sehr experimentierfreudig. Vielmehr &#252;berwiegen die bekannten drei Schulkonzepte Walddorfschule, Montessori-Schulen und Freie Schulen. Nur die &#8222;Freien Schulen&#8220; versuchen zum Teil eine demokratischeres Schulkonzept umzusetzen. Ansonsten herrschen gerade bei den explizit als privatwirtschaftliches Einrichtungen konzipierten privaten Schulen eher konservative Schulkonzepte und Lernvorstellungen vor. Die Vorstellung, dass durch private Schulen Innovationen im Schulbereich gef&#246;rdert werden, l&#228;sst sich nicht best&#228;tigen. Vielmehr scheinen private Schulen gerade damit Erfolg zu haben, einen eher konservativen Habitus zu vermitteln und einer eher strikten Lernorientierung zu folgen. [Dies mag zum Teil auch damit zusammenh&#228;ngen, dass offenbar ein Gro&#223;teil der Kinder und Jugendlichen auf privaten Schulen &#8211; auch Alternativschulen &#8211; diese nicht deswegen besuchen, weil diese alternativ oder innovativ w&#228;ren, sondern weil sie den Eindruck vermittelten, dass sie besser Wissen vermitteln w&#252;rden, als staatliche Schulen. Allerdings ist bislang &#252;berhaupt nicht klar, ob sie das wirklich tun. Vergleiche aber auch <em>Lammers, Christoph ; Welker, Frank [Hrsg.] / Mission Klassenzimmer : Zum Einflu&#223; von Religion und Esoterik auf Bildung und Erziehung. &#8211; Aschaffenburg : Alibri, 2005</em>, wo mehrfach von ehemaligen Lehr- und Leitungskr&#228;ften &#8222;alternativer Schulen&#8220; die Auffassung vertreten wird, dass die Eltern ihre Kinder nicht wegen des alternativen Konzeptes, sondern wegen des Rufes, eine elit&#228;re Ausbildung zu vermitteln, auf diese Schulen schickten, mithin sich also mehr darum k&#252;mmerten, dass ihre Kinder eine vorgeblich bessere Bildung erhielten, egal was das Konzept der jeweiligen Schule wirklich aussagte. Gleichzeitig wird in diesem Buch auch die Meinung vertreten, dass entgegen dieser Vorstellung die p&#228;dagogische Qualit&#228;t alternativer Schulen gerade schlechter ist und sie zumeist von den Lehrkr&#228;ften als Durchgangsstation in den staatlichen Schuldienst verstanden werden.]</li><br />
<li>Ein Problem ist selbstverst&#228;ndlich, dass private Schulen in Deutschland &#8211; obwohl sie gr&#246;&#223;tenteils massiv staatlich gef&#246;rdert werden, da sie gesetzlich als Ersatzschulen gelten und nicht etwa als Konkurrenz zum staatlichen Schulwesen &#8211; auf Schulgeb&#252;hren angewiesen sind. Obgleich eigentlich alle privaten Schulen davon berichten, diese Geb&#252;hren auch daf&#252;r zu nutzen, Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern aus einem schwachen &#246;konomischem Umfeld den kostenlosen Schulbesuch zu erm&#246;glichen, liegt in diesem Faktum selbstverst&#228;ndlich die Gefahr einer weiteren Abgrenzung von Lernenden aus reichen Familien vom Rest der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler.</li><br />
<li>Allerdings gibt es, wie Koinzer und Leschinsky mehrfach betonen, bislang nur wenig Forschungen oder gar empirische Erkenntnisse &#252;ber das private Schulwesen in Deutschland, obwohl dieses langsam, aber kontinuierlich w&#228;chst.</li><br />
</ol></p>

	<p><blockquote>Die p&#228;dagogische Funktion von Privatschulen im Schulsystem hebt ab auf die angenommene Bedeutung privater Schulen f&#252;r die Innovation des schulischen Feldes insgesamt. Privatschulen gelten weithin als Orte zur Entfaltung unkonventioneller p&#228;dagogischer und schulorganisatorischer Ideen, wo Reformen erprobt oder im Konsens mit den Eltern erweiterte Erziehungsaufgaben wahrgenommen werden. Historisch betrachtet ergeben sich hierf&#252;r jedoch wenig Belege. Vielmehr zeigt sich, dass sich Reforminitiativen ebenso im staatlichen Schulwesen realisieren lassen. Der Erfolg privater Schulen ist &#252;blicherweise eng an das pers&#246;nliche Wirken der Gr&#252;nder und Tr&#228;ger gebunden, sofern jene nicht in einer Lehre (z.B. Waldorf-, Montessori-, Jena-Plan-P&#228;dagogik) institutionalisiert werden. Zudem sind explizite Reformintentionen nur bei einem Teil privater Schulen zu verorten. Mehrheitlich sind jene in der p&#228;dagogischen Ordnung eher traditionell-konventionell, sehen ihre Aufgabe in einer kontrollierten und zuverl&#228;ssigen Wissensvermittlung bzw. bauen auf den weltanschaulichen oder religi&#246;sen Konsens mit den Eltern. [Koinzer / Leschinsky, S. 677f.]</blockquote></p>

	<p><strong>Zusammenarbeit mit privaten Schulen?</strong><br />
Was hei&#223;t das f&#252;r Bibliotheken und Schulbibliotheken? Vor allem wohl, dass es auch nicht so einfach ist, private Schulen mit innovativen Einrichtungen gleichzusetzen, die bereit w&#228;ren, sofort mit Bibliotheken zusammen zu arbeiten oder Schulbibliotheken zu gr&#252;nden. Gleichzeitig k&#246;nnte sich gerade ein eher konservativer p&#228;dagogischer Habitus darin niederschlagen, Bibliotheken als Leseorte hochzusch&#228;tzen oder Schulbibliotheken, die vielleicht gerade nicht als innovative Schulbibliotheken konzipiert und gef&#252;hrt werden, als notwendigen Bestandteil der Schule anzusehen. Zumindest scheint es auch hier wieder notwendig, weniger den politischen Aussagen &#252;ber private und staatliche Schulen zu vertrauen und eher die konkreten Einrichtungen anzuschauen. Gerade die kleinen privaten Schulen, die aus der Not heraus gegr&#252;ndet werden, haben offenbar andere Sorgen, als die Frage, ob sie mit der Bibliothek vor Ort &#8211; wen es die den &#252;berhaupt gibt &#8211; im Rahmen eines Kooperationsvertrages zusammenarbeiten sollen oder nicht, zu beantworten.</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Jugendforschung: für einen fundierte statt einer additiven Interdisziplinarität</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Oct 2009 12:26:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Grundsätzliches</category>
	<category>Berichte</category>
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		<description><![CDATA[	Die Bibliotheks- und Informationswissenschaft als interdisziplin&#228;re Wissenschaft zu beschreiben, w&#228;re mindestens gewagt. Nicht, dass in dieser Wissenschaft nicht sehr verschiedene Themenbereiche mit sehr unterschiedlichen Methodiken und Fragestellung von Forschenden mit sehr unterschiedlichen disziplin&#228;ren Hintergr&#252;nden behandelt w&#252;rden. Aber es fehlt doch sehr offensichtlich der zu einem wissenschaftlichen Feld geh&#246;rige gemeinsame Bezug auf die Forschungen anderer auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Die Bibliotheks- und Informationswissenschaft als interdisziplin&#228;re Wissenschaft zu beschreiben, w&#228;re mindestens gewagt. Nicht, dass in dieser Wissenschaft nicht sehr verschiedene Themenbereiche mit sehr unterschiedlichen Methodiken und Fragestellung von Forschenden mit sehr unterschiedlichen disziplin&#228;ren Hintergr&#252;nden behandelt w&#252;rden. Aber es fehlt doch sehr offensichtlich der zu einem wissenschaftlichen Feld geh&#246;rige gemeinsame Bezug auf die Forschungen anderer auf dem gleichen Feld, es fehlt fast vollst&#228;ndig eine disziplin-interne Forschungsdebatte, Terminologie und, wenn man es genau nimmt, fehlt auch ein gemeinsamer Forschungsgegenstand. In gewisser Weise ist die Bibliotheks- und Informationswissenschaft (zumindest in Deutschland) &#8211; trotz aller Versuche, dass zu &#228;ndern &#8211; immer noch vorrangig ein Sammelbegriff f&#252;r verschiedenste Ans&#228;tze, Studien und Forschungen und weniger eine etablierte und sich selbst reproduzierende wissenschaftliche Disziplin. Das hei&#223;t nicht, dass sie es nicht werden k&#246;nnte.<br />
Bei einer solchen m&#246;glichen Umgestaltung der Bibliotheks- und Informationswissenschaft in eine besser funktionierende Disziplin w&#228;re es sicherlich sinnvoll, auf die Erfahrungen von Disziplinen zur&#252;ckzugreifen, die einen &#228;hnlichen Institutionalisierungsprozess scheinbar etwas besser durchgestanden haben. Ein Beispiel, welches nicht einmal unbedingt weit von den Forschungsthemen und Forschungsmethodiken der Bibliotheks- und Informationswissenschaft entfernt ist, scheint die Jugendforschung zu sein. Diese Wissenschaft ist trotz aller Probleme heute als eine Disziplin zwischen spezieller Sozialwissenschaft, Sozialer Arbeit, P&#228;dagogik und Erziehungspsychologie etabliert. Selbstverst&#228;ndlich wird sich auch in der Jugendforschung dar&#252;ber beklagt, dass die praktische Umsetzung der wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Jugendpolitik, Bildungs- und sozialarbeiterischen Praxis und der &#214;ffentlichkeit defizit&#228;r sei; selbstverst&#228;ndlich gibt es auch in dieser Disziplin immer Stimmen, die sich &#252;ber eine zu geringe Wissenschaftlichkeit und / oder Praxisorientiertheit der Forschung beklagen und selbstverst&#228;ndlich sind mehr Geld, mehr Stellen und mehr Beachtung durch andere fast immer besser und werden deshalb auch in der Jugendforschung eingefordert. Dennoch scheint es &#8211; im Gegensatz zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft &#8211; einerseits in der &#214;ffentlichkeit akzeptiert, dass Jugendforschung notwendig ist. Anderseits hat sich eine mehr oder minder intensive Forschungsdiskussion innerhalb der Disziplin etabliert.<br />
Mit dieser Etablierung treten allerdings andere Probleme zutage, die in solchen &#8222;neuen&#8220; Disziplinen angelegt sind und offenbar von jeder einzelnen zu kl&#228;ren sind. Eines dieser Themen ist die Disziplinarit&#228;t beziehungsweise Interdisziplin&#228;rit&#228;t der jeweiligen Forschung.<br />
Zu diesem Thema, n&#228;mlich dem Verh&#228;ltnis von p&#228;dagogischer und soziologischer Jugendforschung &#8211; was praktisch auf die Frage nach der notwendigen oder nicht notwendigen Form der Interdisziplin&#228;rit&#228;t in der Jugendforschung hinausl&#228;uft &#8211; hat die <em>Zeitschrift Diskurs Kindheit- und Jugendforschung</em> in der aktuellen Ausgabe (3/2009) einen Schwerpunkt ver&#246;ffentlicht.</p>

	<p><strong>Interdisziplinarit&#228;t? Welche Interdisziplinarit&#228;t?</strong><br />
Interessant f&#252;r die Frage, was aus dieser Diskussion in der Jugendforschung f&#252;r die Bibliotheks- und Informationswissenschaft gelernt werden k&#246;nnte, scheint vor allem der einf&#252;hrende Artikel von Albert Scherr [<em>Scherr, Albert / Warum theoretisch undisziplinierte Interdisziplinarit&#228;t eine gesellschaftstheoretisch fundierte reflexive Jugendforschung nicht ersetzen kann. &#8211; Diskurs Kindheits- und Jugendforschung, 4 (2009) 3, S. 321-335</em>]. In diesem kritisiert Scherr das, was er additive Interdisziplinarit&#228;t nennt und entwirft stattdessen eine fundierte Interdisziplinarit&#228;t.<br />
Erstere Form der Forschungspraxis ist laut Scherr aktuell in der Jugendforschung vorherrschend. Hierbei werden auf einen relativ unbestimmten Forschungsgegenstand &#8222;Jugend&#8220; relativ beziehungslos unterschiedliche Forschungsans&#228;tze verwendet, deren Auswahl offenbar haupts&#228;chlich von den Vorlieben der Forschenden und den m&#246;glichen Aussagem&#246;glichkeiten der jeweiligen Studien bestimmt ist. Das Problem ist dabei laut Scherr nicht, dass unterschiedliche Ans&#228;tze verwendet werden, sondern, dass sich die Forschungen und Methoden nicht aufeinander beziehen w&#252;rden und deshalb nicht an einem gemeinsame Diskurs gearbeitet wird.<br />
<blockquote>&#8222;Eine nicht blo&#223; additive (und insofern theoretisch undisziplinierte), sondern theoriegeleitete Interdisziplinarit&#228;t&#8220; &#8211; so Scherr weiter &#8211; &#8222;setzt dagegen als Minimalbedingen eine Kl&#228;rung der Unterschiede zwischen den beteiligten Disziplinen in Verbindung mit einer f&#252;r diese anschlussf&#228;higen transdisziplin&#228;ren Bestimmungen des Forschungsgegenstandes voraus. Bedingung einer theoriegeleiteten Interdisziplinarit&#228;t in der Jugendforschung w&#228;re so betrachtet die Verst&#228;ndigung auf einen Jugendbegriff, der es erm&#246;glicht, sozialhistorische, soziologische, p&#228;dagogische und psychologische Theorien, Begriffe und Forschungsperspektiven in nachvollziehbarer Weise unterscheiden und auf dieser Grundlage aufeinander beziehen zu k&#246;nnen.&#8220; [Scherr (2009), S. 323f.]</blockquote><br />
Die hier von Scherr vertretende Hauptthese lautet also, dass erst eine Disziplin, welche sich auf einen gemeinsamen Forschungsgegenstand (hier den Jugendbegriff) verst&#228;ndigt, tats&#228;chlich in der Lage ist, eine produktive Interdisziplinarit&#228;t hervorzubringen, w&#228;hrend sie ansonsten auf die reine Ansammlung von Studien und Forschungsrichtungen unter einem Oberbegriff, aber mit wenigen Bez&#252;gen untereinander, verwiesen bliebe. [1]<br />
Das die Jugendforschung bislang &#8211; angesichts solcher empirischen Sammlungen wie den Shell-Jugendstudien oder dem Jugendsurvey des Deutschen Jugendinstituts und darauf aufbauender Forschungen &#8211; auf eine &#8222;grundlegendtheoretische Fundierung&#8220; verzichten zu k&#246;nnen scheint, ist nach Ansicht Scherrs auch einer Forschungspraxis geschuldet, die sich &#8211; unter anderem wegen der haupts&#228;chlichen Finanzierung durch Drittmittelprojekte und &#228;hnlichen Quellen &#8211; bei der Definition dessen, was im Rahmen der jeweiligen Studie als &#8222;Jugend&#8220; untersucht wird und welche Fragen wie bearbeitet werden, vor allem nach der potentiellen Verwendbarkeit der Ergebnisse richte und nicht nach einer disziplin-eigenen Logik und &#220;bereinkunft. Allerdings w&#228;re dies, so Scheer, f&#252;r eine funktionierende Forschungsdisziplin notwendig.</p>

	<p><strong>Probleme additiver Interdisziplinarit&#228;t</strong><br />
Scherr nennt drei grunds&#228;tzliche Probleme, die sich seiner Meinung nach aus der additiven Interdisziplinarit&#228;t in der Jugendforschung ergeben:<br />
<ol></p>
	<p><li>Zentrale Kategorien &#8211; nicht nur Jugend, sondern auch Altersgruppe, Migrationshintergrund, Kriminalit&#228;t etc. &#8211; werden zwar nicht diskutiert oder zumindest ausreichend reflektiert, aber dennoch verwendet. Anstatt also in einer Gesamtschau auf das Konzept Jugend die Begrifflichkeiten &#8222;Migrationshintergrund&#8220; und &#8222;Kriminalit&#228;t&#8220; zu untersuchen, werden diese eher als unumstritten gegeben verwendet [obwohl sie dies bekanntlich nicht sind] und aus disziplinfremden Quellen zitiert.</li><br />
<li>Teile der Jugendforschung koppeln sich explizit von der gesellschaftstheoretischen Fundierung ab. Dass hei&#223;t Jugendforschung wird im besten Fall zu einer Jugendkulturforschung, welche den &#8211; eigentlich wirkungsm&#228;chtigen &#8211; gesellschaftlichen Hintergrund ausblendet und deshalb auch wichtige Erkl&#228;rungszusammenh&#228;nge nicht herstellen kann.</li><br />
<li>Institutionell wird die origin&#228;re Soziologie aus der Forschung und Ausbildung verdr&#228;ngt (was sich auch in der geringen Einstellung von Soziologinnen und Soziologen in der Ausbildungseinrichtungen niederschlagen w&#252;rde, also tats&#228;chlich personelle Konsequenz hat) und daf&#252;r sehr selbstbewusst aus der Soziologie eine eigenst&#228;ndige Jugendsoziologie extrahiert. Diese spezifische Verengung &#8211; die auch Vorteile hat und an der Scherr mit seinem Standardwerk &#8222;Jugendsoziologie&#8220; aktiv mitgewirkt hat &#8211; sei m&#246;glicherweise problematisch, da Jugend ein Konstrukt mit gesamtgesellschaftlicher Relevanz sei und deshalb auch als gesamtgesellschaftlicher Verh&#228;ltnis wahrgenommen werden m&#252;sse, um verstanden zu werden.</li><br />
</ol></p>

	<p><strong>Was w&#228;re notwendig?</strong><br />
Weiterhin stellt Scherr sieben Thesen f&#252;r eine notwendige, theoriefundierte Interdisziplinarit&#228;t auf, von denen einige sich direkt auf die Jugendforschung beziehen, andere aber auch auf andere (geisteswissenschaftliche) Disziplinen zu &#252;bertragen sein werden.<br />
<ol></p>
	<p><li>Notwendig ist eine Bestimmung der Jugendbegriffs [oder, bezogen auf andere Disziplinen, des genauen Forschungsgegenstandes].</li><br />
<li>Akzeptiert werden muss als allgemeiner Forschungsgegenstand der Jugendforschung die gesellschaftliche Institutionalisierung und Strukturierung des Jugendbegriffs, nicht nur das rein kulturwissenschaftliche Forschungskonstrukt &#8222;Jugend&#8220;.</li><br />
<li>Mit der zweiten These zusammen h&#228;ngt, dass als allgemeiner Forschungsgegenstand akzeptiert werden muss, dass die unterschiedlichen Jugenden (verstanden als Vielheiten der gelebten Jugendkonzepte), gesellschaftliche strukturiert sind und diese Strukturierung auch auf heutige Jugendszenen und -kulturen nicht bedeutungslos ist.</li><br />
<li>Notwendig ist eine kritisch-reflexive Perspektive der Jugendforschung, also die kontinuierliche Selbstaufkl&#228;rung der Disziplin &#252;ber ihren eigenen Stand und ihre Bedeutung im gesellschaftlichen Diskurs (dass hei&#223;t auch, des Einflusses von Aussagen der Jugendforschung auf die Jugendpolitik und die &#246;ffentliche Debatte &#252;ber Jugend).</li><br />
<li>Jugend muss als transistorische Lebensphase verstanden werden, also als eine Phase, in der nicht nur best&#228;ndig Ver&#228;nderungen auftreten und gefordert werden, sondern die von einer Lebensphase (Kindheit) in eine andere Lebensphase (Erwachsen-Sein) f&#252;hrt. Jugend kann nicht als alleinstehende Entit&#228;t verstanden und untersucht werden.</li><br />
<li>Die Frage, wie Jugend und Erwachsen-Sein zu trennen seien (die in den unterschiedlichen Studien der Jugendforschung tats&#228;chlich sehr unterschiedlich beantwortet werden) sei wie folgt zu l&#246;sen: &#8222;Als Jugendliche im Unterschied zu Erwachsenen k&#246;nnen diejenigen gelten, von denen dies [eigene Erwerbst&#228;tigkeit, faktische Distanzierung von der Herkunftsfamilie, K.S.] noch nicht erwartet werden.&#8220; [Scherr (2009), S. 332] Damit beharrt Scherr darauf, dass Jugend weder allein durch ein konkretes Alter, noch durch einen Arbeitsmarktstatus ausgedr&#252;ckt werden kann, sondern eine kulturelle Grundlage hat.</li><br />
<li>Zur Frage der Abgrenzung von Kindheit und Jugend benennt Scherr parallel das Ph&#228;nomen der Selbstvergesellschaftung als Differenzierungsmerkmal: Jugendliche nehmen sich &#8211; im Gegensatz zu Kindern &#8211; Freir&#228;ume ohne Erwachsene, bilden eine eigene Sprache und eigene Inhalte aus und weigern sich, alle sie selbst und ihr Leben Betreffende, mit Erwachsenen zu besprechen. Auch das ist nicht unbedingt an ein genaues Alter gebunden.</li><br />
</ol></p>

	<p><strong>Schlussfolgerungen f&#252;r die Bibliotheks- und Informationswissenschaft?</strong><br />
W&#228;hrend die f&#252;nfte bis siebente These sich sehr direkt auf die Jugendforschung beziehen und deren Relevanz auch eine gewisse Kenntnis der dort implizit gef&#252;hrten Debatten voraussetzt, lassen sich die Thesen eins bis vier auch auf Disziplinen beziehen, die &#228;hnlich strukturiert sind (oder sein k&#246;nnten, wie die Bibliotheks- und Informationswissenschaft). Interdisziplinarit&#228;t, die &#252;ber die reine Sammlung von Studien unter einem Oberbegriff hinausgehen und vielmehr eine Disziplin theoretisch fundieren soll, ben&#246;tigt also Scherrs Meinung:<br />
<ol></p>
	<p><li>Einen gemeinsam geteilten Forschungsgegenstand. Einen solchen hat die Bibliotheks- und Informationswissenschaft aktuell nicht. Vielmehr ist in den letzten Jahren durch die Ausweitung der Forschungsanstrengungen in Richtung Informationsnutzung, Kommunikationsnutzung, Standards und Bestandssicherung/-katalogisierung die Themenvielfalt sogar erweitert worden (was wiederum zu begr&#252;&#223;en ist).</li><br />
<li> und 3.) Die gesellschaftliche Verortung des Forschungsgegenst&#228;nde. Scherr verlangt, dass der jeweilige Forschungsgegenstand nicht als rein selbstst&#228;ndige Entit&#228;t aufgefasst wird. Wer nicht versteht, dass die umgebende Gesellschaft nicht nur am Rand des Forschungsgegenstandes vorhanden ist, sondern diesen mit strukturiert, sei darauf verwiesen, best&#228;ndig defizit&#228;re Ergebnisse zu produzieren. Selbstverst&#228;ndlich l&#228;sst sich fragen, ob dies f&#252;r die Themen der Bibliotheks- und Informationswissenschaft ebenso zutrifft, wie f&#252;r die Jugend, insbesondere, wenn man diese Themen weiter differenziert. Dass das Funktionieren einer &#214;ffentlichen Bibliothek nicht verstanden werden kann, wenn man die Gesellschaft, in welcher sie wirkt, nur als Umfeld oder als Anforderungen stellende Nutzerinnen und Nutzer interpretiert, d&#252;rfte leicht einsichtlich sein. Aber bei Fragen beispielsweise der Standardisierung von Markup-Sprachen scheint dies schon schwieriger. Allerdings &#8211; und dies ist eine pers&#246;nliche Meinung, mit der ich mich Scherr anschlie&#223;en m&#246;chte, auch wenn sie anderswo eventuell weiter ausgef&#252;hrt werden m&#252;sste &#8211; ist es richtig, dass alle Themen und Diskussionen, die in der Bibliotheks- und Informationswissenschaft behandelt werden, nicht sinnvoll zu f&#252;hren sind, wenn die gesellschaftliche Struktur dieser Themenkomplexe und Institutionen nicht mit beachtet wird.</li><br />
<li>Eine Forschungsdisziplin muss sich kontinuierlich selbst &#252;ber ihre Funktionsweisen und Bedeutung aufkl&#228;ren. Nur auf diese Weise l&#228;sst sich eine sinnvolle disziplin&#228;re Weiterentwicklung von Themen und Strukturen bewerkstelligen. Eine Disziplin, die sich nicht kritisch ihrer selbst versichert, wird auch nicht in der Lage sein, sich als Forschungs- und Diskussionszusammenhang zu verstehen. Hierzu bedarf es nicht nur des Willens der Forschenden, sich auf diese Aufgabe einzulassen und einer ausgepr&#228;gten Diskussionskultur. [2] Es bedarf dazu auch funktionierender und in der Disziplin wahrgenommener Publikationsstrukturen.</li><br />
</ol></p>

	<p><strong>Zusatz: Kann man Methoden einfach &#252;bernehmen?</strong><br />
An dieser Stelle kann auf ein Problem hingewiesen werden, dass vielleicht in der Jugendforschung nicht so verbreitet ist und deshalb von Scherr nicht besprochen wird, welches allerdings bezogen auf die Vorstellung, was interdisziplin&#228;re Forschung sein soll, immer wieder auftritt. Interdisziplinarit&#228;t bedeutet eigentlich die &#220;bernahme von Forschungsmethoden und Fokussen aus unterschiedlichen Forschungsdisziplinen in eine &#8211; zumeist durch ihren Gegenstand bestimmte &#8211; Disziplin. Diese &#220;bernahme soll nicht kontextlos geschehen, sondern dazu beitragen, den jeweiligen Forschungsgegenstand mit Methoden und Fragen aus einer anderen Disziplin umfassender zu untersuchen. Insoweit ist Interdisziplinarit&#228;t kein Selbstzweck. Vor allem aber setzt Interdisziplinarit&#228;t voraus, dass bei denjenigen, welche die genutzten Methoden ausw&#228;hlen und Forschungsfragen bestimmen, auch die Kompetenzen vorhanden sind, dies zu tun. Das bedeutet, dass sie den Forschungszusammenhang, den sie &#8222;beleihen&#8220;, immerhin soweit als Disziplin kennen und ernst nehmen m&#252;ssen, dass sie auch die Entstehungs- und Verwendungszusammenh&#228;nge der dann &#8222;entliehenen&#8220; Methoden und Fragestellungen nachvollziehen k&#246;nnen.<br />
Die Praxis hingegen sieht &#8211; und das l&#228;sst sich direkt auf die Bibliotheks- und Informationswissenschaft beziehen &#8211; oft so aus, dass aus einer Forschungsdisziplin heraus einfach eine Methode aus einer anderen Disziplin gew&#228;hlt wird, wobei nicht ersichtlich wird, warum es gerade diese ist. Bei der Verwendung derselben wird dann zumeist der Eindruck vermittelt, als ob die gew&#228;hlte Methode in der Disziplin, aus der sie &#8222;entliehen&#8220; wurde, allgemein akzeptiert sei und ihre Verwendung praktisch die Einbeziehung der anderen Disziplin in der eigenen Forschung darstellen w&#252;rde.<br />
Das ist selbstverst&#228;ndlich immer falsch. Jede funktionierende Forschungsdisziplin, die Methoden und Fragen hervorbringt, welche &#8222;entliehen&#8220; werden k&#246;nnen, hat eine aktive Forschungsdiskussion. Alle Methoden stehen in einer solchen Forschungsdisziplin in einem Zusammenhang mit anderen Methoden: mal sind sie Alternativen, mal Erg&#228;nzungen, oft ist in einer Disziplin akzeptiert, dass eine Methode nur Aussagen &#252;ber bestimmte Fragen erm&#246;glicht, aber nicht &#252;ber den gesamten Forschungszusammenhang. Oft gibt es zu den Methoden einer Disziplin innerhalb dieser grundlegende Kritiken. Und immer ist die Verwendung einer Methode oder eines Fokus eingelassen in einen gr&#246;&#223;eren Forschungszusammenhang. Eine Praxis, die einfach nur eine Methode &#252;bernimmt, ignoriert diesen Forschungszusammenhang.<br />
Notwendig f&#252;r eine interdisziplin&#228;re Forschung w&#228;re, den Forschungszusammenhang, aus dem eine Methode entnommen wurde, mit zu reflektieren und sich dabei klar zu sein, dass die &#220;bernahme einer Methode aus beispielsweise der Sozialwissenschaft, nicht bedeutet, sozialwissenschaftlich zu arbeiten. Vielmehr m&#252;sste es darum gehen, auch die &#8222;entliehene&#8220; Methode als eine in ihrer Aussagekraft begrenzte zu akzeptieren, deren Verwendung zudem oft &#220;bung, Methodenwissen und ein Wissen &#252;ber die Hintergr&#252;nde dieser Methode voraussetzt. Sie einfach zu &#252;bernehmen und damit nicht nur eine andere Forschungsrichtung vollst&#228;ndig zu repr&#228;sentieren, sondern zudem davon auszugehen, dass die &#8222;entliehene&#8220; Methode quasi automatisch ausreichend korrekt verwendet wurde, ist nicht wirklich realistisch. Es bedarf auch in der Interdisziplinarit&#228;t eines ausreichenden Respekts vor den Forschenden und deren Forschungen in anderen Disziplinen. Diese sind &#8211; wie man selber als Forschender oder Forschende &#8211; auf ihrem Gebiet kompetent und engagiert. Andere Disziplinen einfach nur als Baukasten f&#252;r die eigene Forschung zu betrachten, ist noch lange nicht ausreichend, um die eigene Forschung interdisziplin&#228;r nennen zu k&#246;nnen.<br />
Vielleicht wird dies in folgender Skizze etwas verst&#228;ndlicher:<br />
<img src='/images/blog_graphikinterdisziplinrepraxis.png' width='450px' /><br />
Interdisziplinarit&#228;t ist also kein Selbstzweck und auch nicht &#8222;nebenher&#8220; zu etablieren. Vielmehr ist eine sinnvolle interdisziplin&#228;re Forschungspraxis als valide Praxis nur dann zu verwirklichen, wenn andere Forschungsdisziplinen als ebenso divers und engagiert akzeptiert werden, wie die eigene Forschung.</p>

	<p><strong>Fu&#223;noten</strong><br />
[1] Akzeptiert man diese These, so w&#228;re dies auch einen m&#246;gliche Erkl&#228;rung f&#252;r die relative Unproduktivit&#228;t der deutsch-sprachigen Gender Studies im Gegensatz zur englisch-sprachigen, die beide fraglos interdisziplin&#228;r arbeiten. W&#228;hrend die englisch-sprachige Gender Studies sich fast ausschlie&#223;lich auf den Themenbereich der Konstitution und Reproduktion von Geschlecht bezieht, und andere, angrenzende Forschungsbereiche anderen &#8222;angrenzenden&#8220; Disziplinen &#252;berl&#228;sst, hat sich in der deutsch-sprachigen Gender Studies eine solche Fokussierung (bislang) nicht ergeben. Vielmehr sind in dieser sehr unterschiedliche Teildisziplinen wie die Frauen- und Geschlechtersoziologie, die Frauengeschichte, die feministische Naturwissenschaftskritik, die feministische Kunstgeschichte und Kulturwissenschaft, die feministische Theologie und so weiter zusammengefasst und zudem eine ganze Reihe von kritischen Forschungsdisziplinen, welche anderswo  eigenst&#228;ndige existieren &#8211; wie die critical witness studies, die homosexual studies, die postcolonial studies &#8211; &#8222;eingegliedert&#8220; worden. Nicht zuletzt ist in der deutsch-sprachigen Gender Studies der Streit um die Bedeutung des K&#246;rpers, der insbesondere mit dem Streit Babara Duden / Judith Butler verbunden wird, nicht gel&#246;st, sondern eher aufgeschoben worden, was aber auch dazu f&#252;hrt, dass in der Forschung selber undiskutiert von sehr unterschiedlichen Forschungsgegenst&#228;nden ausgegangen wird.<br />
[2] Schaut man in andere Disziplinen wird ersichtlich, dass es nicht nur eine einzige Form dieser Diskussionskultur gibt. Der konfrontative Stil, welcher in der Erziehungswissenschaft gepflegt wird, hat wenig mit dem offenen Stil in den Gender Studies oder dem Stil, welcher in der Philosophie gepflegt wird &#8211; bei welchem es f&#252;r die Diskutierenden offenbar notwendig ist, sich best&#228;ndig selber seiner oder ihres Wissens zu versichern &#8211; zu tun. Die Diskussionskultur einer Disziplin kann sich auch &#228;ndern. So ist es heute in den Sozialwissenschaften usus, die eigenen Leistungen zu kleinen Beitr&#228;gen zu gr&#246;&#223;eren Forschungen abzuqualifizieren und die Leistungen anderer Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler, selbst wenn man ihnen widerspricht, als wichtige und spannende Beitr&#228;ge zu loben. Das hat schon dazu gef&#252;hrt, dass sich Forschende voll Wehmut an Soziologiekongresse in den sp&#228;ten 1980er Jahren zur&#252;ck erinnerten, in welchem offenbar vor allem Vertreterinnen und Vertreter der Luhmannschen Systemtheorie sich lautstarke Auseinandersetzungen mit Vertreterinnen und Vertretern der sich etablierenden soziologischen Frauenforschung und der neo-marxistisch orientierten Forschenden lieferten und sich auf dem Podien offenbar beleidigt und angeschrien wurde, was zumindest f&#252;r etwas Aufregung gesorgt h&#228;tte. [Klassisch zu dieser Auseinandersetzung ist der Aufsatz <em>Luhmann, Niklas / Frauen, M&#228;nner und George Spencer Brown. &#8211; In: Zeitschrift f&#252;r Soziologie 17 (1998) 1, <span class="caps">S 47</span>&#8211;71</em>. Dieser Text, der eigentlich als Ablehnung der Frauenforschung durch Luhmann interpretiert wird, hat die heutige feministische Forschung nicht davon abgehalten, sp&#228;ter (als die Diskussionskultur sich ge&#228;ndert, aber Luhmann auch verstorben war), sich diesen Text &#8222;produktiv anzueignen. Vgl. <em>Pasero, Ursula ; Weinbach, Christine / Frauen, M&#228;nner, Gender Trouble : Systemtheoretische Essays. &#8211; Frankfurt am Main : Suhrkamp, 2003</em>] So oder so zeigt sich aber: jede dieser Disziplinen hat eine eigene Diskussionskultur, mit eigenem Habitus und eigenen Grenzen. Aber welchen Habitus, welche Grenzen hat die Diskussionskultur in der Bibliotheks- und Informationswissenschaft?</p>
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		<title>That&#8217;s what young people wear today. In Berlin.</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Sep 2009 01:20:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[	Seen at the feminist / antifascist protests against christian fundamentalism and the &#167;218 and for every woman&#8217;s right to choose an abortion in Berlin at 09/26/2009.

	

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			<content:encoded><![CDATA[	<p>Seen at the<a href="http://no218nofundis.wordpress.com/"> feminist / antifascist protests</a> against christian fundamentalism and the &#167;218 and for every woman&#8217;s right to choose an abortion in Berlin at 09/26/2009.</p>

	<p><img src='/images/DSC00194_klein.JPG' width='500px' alt='Picture of a bag, that states "she blinded me with library science"' /></p>

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		<title>Zur Angst vor dem Web 2.0</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Sep 2009 19:04:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Grundsätzliches</category>
	<category>Jugendliche</category>
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			<content:encoded><![CDATA[	<p>Gerade bei den Bibliothekarinnen und Bibliothekaren au&#223;erhalb der Blogosphere gibt es bekanntlich auch erhebliche Vorbehalte gegen das Web 2.0. Dabei geht es zumeist noch nicht einmal darum, diesen Begriff als Hype zu beschreiben oder als unscharf, wie das anderswo geschieht; zumeist geht es einfach darum, dass nicht nachvollzogen werden kann, wie Jugendliche (und Kinder) im Netz kommunizieren. Das ist zumeist der Hauptpunkt, an dem &#8211; nun ja &#8211; Kritik ge&#228;u&#223;ert wird. Jugendliche seien nicht in der Lage, zu verstehen, was sie da eigentlich mit ihren pers&#246;nlichen Daten tun. Sie w&#252;rden sich exhibitionieren, sie w&#252;rden ohne jede Not ihre Privatsph&#228;re aufgeben und seien nicht (mehr) in der Lage, zu verstehen, dass sie sich mit ihrer Internetnutzung in Gefahr begeben. Und Bibliothekarinnen und Bibliothekare sind nicht die Einzigen, welche diese Meinung vertreten, vielmehr wird diese Anschauung auch in f&#252;hrenden deutschen Medien oder beim B&#228;cker um die Ecke vertreten.<br />
Es w&#228;re leicht, diese Vorbehalte als weiteren Ausdruck der kaschierten Verachtung &#228;lterer Generationen gegen&#252;ber der jeweiligen Jugend zu interpretieren &#8211; und das w&#228;re gewiss noch nicht einmal vollst&#228;ndig falsch. Es w&#228;re auch m&#246;glich, dem Gro&#223;teil der Menschen, welche diese Meinung vertreten, nachzuweisen, dass sie selber so gut wie keine Ahnung von der tats&#228;chlichen Kommunikation im Internet, den dort geltenden Codes und Verhaltensweisen haben, sondern sich auf Einzelf&#228;lle und Horrormeldungen als Informationsquelle zu beschr&#228;nken &#8211; also, sie als die prototypischen Anh&#228;ngerinnen und Anh&#228;nger Ursula von der Leyens darzustellen. Auch das mag teilweise nicht ganz falsch sein, wenn es auch etwas &#252;berspitzt w&#228;re.<br />
Es scheint aber daneben einen weiteren Kern dieses Mi&#223;-/Verst&#228;ndnisses zwischen den Nutzerinnen und Nutzern des Web 2.0 (die sich zumeist ja noch nicht einmal als solche bezeichnen w&#252;rden, sondern einfach nur die Kommunikationssp&#228;hren nutzen, an denen sie Interesse haben) und den Warnenden zu geben, n&#228;mlich Themenkomplex Privatheit und informationelle Selbstbestimmung im Internetzeitalter. Auch auf diesem Gebiet wurden in den letzten Monaten und Jahren Debattenbeitr&#228;ge ausgetauscht, obgleich es teilweise so schien, als w&#252;rde die eine Seite die Argumente der anderen Seite nicht wahrnehmen wollen &#8211; was unter Umst&#228;nden auch daran lag, dass die Debatten am Lautesten in der Politik ausgetragen wurden und sich mit von der Leyen eine Symbolfigur etablierte, die sowohl (f&#252;r ihrer Anh&#228;ngerinnen und Anh&#228;nger) als hartn&#228;ckige Vertreterin ihrer Position als auch als realit&#228;tsfremde und absichtlich mit falschen Informationen an einer Zensur arbeitende Hassfigur interpretiert werden kann.<br />
Aber zum eigentlichen Anlass dieses Postings: die neue Ausgabe der merz (<em>medien + erziehung, zeitschrift f&#252;r medienp&#228;dagogik</em>, August 2009) hat gerade das Thema informationelle Selbstbestimmung als Schwerpunktthema. Und zwei der vier Hauptbeitr&#228;ge liefern gute Argumente gegen eine Verdammung der heutigen Jugend, wie sie so gerne (wenn auch nicht immer offen) in der &#246;ffentlichen Diskussion betrieben wird.</p>

	<p><strong>Ist die Jugend dumm?</strong><br />
<blockquote>Dabei [bei den Debatten um die Nutzung des Internets durch Jugendliche, K.S.] wird meist [&#8230;] unterstellt, dass es der mediale Wandel sei, insbesondere also das Internet, das diese Ver&#228;nderungen [beim Umgang mit den eigenen Daten, K.S.] bewirkt habe. Derartigen Ansichten sollten immer misstrauisch stimmen, denn sie siedeln sozialen Wandel in technischen Gegebenheiten an, was in der Regel nicht stimmt, wie alle historischen Untersuchungen zeigen: Medientechniken sind Potenziale und es kommt in einem ersten Schritt zun&#228;chst einmal darauf an, ob und wie diese Techniken sozial und kulturell von den Menschen verwendet werden. Erst auf der Basis dieser Grundlage stellt sich die Frage, wie die Techniken, um die es geht, genau funktionieren und wie sie ausgelegt sind. <strong>Dass und wie spezifische mediale Potenziale verwendet werden, hat soziale und kulturelle Gr&#252;nde, erst, was dann daraus wird, ist auch von den technischen Bedingungen und Realisierungen abh&#228;ngig.</strong> [Krotz, Friedrich (2009) / Die Ver&#228;nderung von Privatheit und &#214;ffentlichkeit in der heutigen Gesellschaft. &#8211; In: merz 53 (2009) 4, S. 12-21]</blockquote><br />
Der eben zitierte Text von <em>Friedrich Krotz</em> geht auf eine grunds&#228;tzliche Frage ein: hat das Internet das Kommunikationsverhalten und das Verh&#228;ltnis von Privatheit und &#214;ffentlichkeit grundlegend ver&#228;ndert, insbesondere bei Jugendlichen? Er bespricht hierzu vier Perspektiven auf das genannte Verh&#228;ltnis.<br />
<ol></p>
	<p><li>Die politische Perspektive, bei welcher &#8211; an <em>J&#252;rgen Habermas</em> angelehnt &#8211; Privatheit als individuelles Menschenrecht in der Moderne und &#214;ffentlichkeit als Ort der Aushandlung demokratischer Prozesse verstanden wird.</li><br />
<li>Eine medienbezogen Perspektive, in welcher Medien als &#8222;vierter Gewalt&#8220; eine immanente Funktion in der demokratischen Gesellschaft zugeschrieben wird, weil sie die Aufgabe h&#228;tten, &#252;ber reine Berichterstattung hinauszugehen.</li><br />
<li>Eine medienpraktische Perspektive, die nicht fragt, welche Aufgabe Medien in der Demokratie theoretisch h&#228;tten, sondern welche Rolle sie tats&#228;chlich spielen. Hier kommt Krotz zu dem Ergebnis, dass es gerade die Medien sind (wenn man auch nicht alle verallgemeinern darf), die &#8222;immer wieder die Menschenw&#252;rde Einzelner [verletzen], indem sie ganz private Informationen mit oder ohne Einwilligung der Betroffenen ver&#246;ffentlichen, um damit Publikum zu gewinnen.&#8220; [<em>Krotz (2009), S. 15</em>]</li><br />
<li>Eine Perspektive, die einbezieht, dass Medien und Dienste im Web 2.0 mit den (privaten) Daten der Nutzerinnen und Nutzer Geld verdienen wollen (m&#252;ssen).</li><br />
</ol></p>
	<p>Diese Unterteilung des Verh&#228;ltnisses von Privatheit und &#214;ffentlichkeit zeigt nach Krotz, dass es keine einfache Antwort auf die Frage geben kann, wie dieses Verh&#228;ltnis heute aussieht. Es ist aber klar, dass nicht allein das Internet dazu gef&#252;hrt haben kann, dass es eine Ver&#228;nderung gibt, wenn es den eine Ver&#228;nderung gibt.<br />
Allerdings weist er in seinem Artikel die Vorstellung, dass Jugendliche heute bedenkenlos mit ihrer Daten umgehen w&#252;rden und sie deshalb dazu erzogen werden m&#252;ssten, dies nicht zu tun, entschieden zur&#252;ck. Vielmehr betont er, dass es eine lebenspraktische Aufgabe im Jugendalter w&#228;re, sich vom seiner / ihrer Familie zu trennen und dies gerade &#252;ber die Darstellung seiner / ihrer Selbst:<br />
<blockquote>Es ist eine der wichtigen Entwicklungsaufgaben Heranwachsender, aus dem Schutz der engeren Familie herauszutreten, sich selbst mit den je eigenen St&#228;rken und Schw&#228;chen zu pr&#228;sentieren und zu erleben, dar&#252;ber Anerkennung, Freunde und Freundinnen zu gewinnen und so auch ein realistisches Selbstbild zu entwickeln. Das tun Jugendliche schon immer in ihren Peergroups oder in der Schule, und heute tun sie das eben auch in den sozialen Vergemeinschaftungsformen, die das Internet anbietet, weil das Internet zu ihrem normalen Lebensumfeld geh&#246;rt. [Krotz (2009), S. 13]</blockquote><br />
Auf die m&#246;gliche Frage, ob diese Selbstdarstellung nicht dennoch in hohem Ma&#223;e gef&#228;hrlich ist, antwortet Krotz, dass es nicht die Aufgabe der Jugendlichen (allein) sein kann, sich darum zu k&#252;mmern, wie mit ihren privaten Daten umgegangen wird. Es sind Firmen und Medienunternehmen, welche den gr&#246;&#223;ten Missbrauch mit diesen Daten betrieben. Die Gesellschaft als Ganzes h&#228;tte deshalb die Pflicht, diesen Missbrauch zu unterbinden, was mit einer aktiven Datenschutzpolitik zu bewerkstelligen sei. Das Problem seine nicht die Jugendlichen, die Daten ver&#246;ffentlichen, sondern die Firmen, die diese Daten (falsch) nutzen w&#252;rden. Dabei geht es nicht nur um direkten Datenmissbrauch, sondern auch um die Praxis von Firmen, sich die Rechte an Daten, die sie beispielsweise als social network hosten, zuzuschreiben und per Einverst&#228;ndniserkl&#228;rung zuschreiben zu lassen, obwohl diese Daten von den Nutzerinnen und Nutzern aus privaten Gr&#252;nden erstellt wurden.</p>

	<p><strong>Das geht euch nichts an, obwohl es im Netz steht</strong><br />
Ein weiteres Problem bei der Bewertung des Verh&#228;ltnisses &#214;ffentlichkeit versus Privatheit thematisiert <em>Niels Br&#252;ggen</em> in einem Text, welche die Ergebnisse eines Forschungsprojektes des <em>Instituts f&#252;r Medienp&#228;dagogik in Forschung und Praxis</em> darstellt. [<em>Br&#252;ggen, Niels (2009) / &#8222;Privatsachen im Internet&#8220; oder &#8222;Mein Privatleben geht nur mich was an&#8220; : Auf den Online-Spuren Jugendlicher und ihrer Vorstellungen von Privatsph&#228;re. &#8211; In: merz 53 (2009) 4, S. 27-33</em>] Die Auffassung davon, was privat und was &#246;ffentlich ist, k&#246;nnte einfach sehr differenzieren.<br />
Im Allgemeinen wird in der Debatte um Privatheit davon ausgegangen, dass einfach alles, was ins Internet gestellt und nicht explizit durch Passw&#246;rter et cetera gesch&#252;tzt wird, &#246;ffentlich w&#228;re. Privat sei, was explizit privat gehalten w&#252;rde. Das beschriebene Forschungsprojekt wollte untersuchen, wie Jugendliche mit ihren privaten Daten umgehen und stie&#223; dabei auf ein die Forschenden irritierendes Problem: die Jugendlichen sahen das &#252;berhaupt nicht so, dass die ihre Daten einfach so f&#252;r Forschungen genutzt werden d&#252;rften.<br />
Vielmehr scheint es, das Jugendliche bestimmte Bereiche des Internets, gerade soziale Netzwerke, nicht als &#246;ffentlich verstehen, sondern als privat. Zwar h&#228;tte jede und jeder die M&#246;glichkeit, die dort eingestellten Daten einzusehen, aber das sei nicht der Sinn des Ganzen: es geht darum, mit Freundinnen und Freunden zu kommunizieren, eventuell auch neue Menschen kennen zu lernen &#8211; aber nicht darum, alles allen mitzuteilen. [1]<br />
Dies widerspricht zwar der intuitiven Auffassung der Forschenden, die &#8211; wie auch andere &#8211; davon ausgingen, dass Dinge, die im Netz stehen, dort stehen, damit sie jede und jeder sehen kann (oder mit ihnen forschen kann). Aber wenn man ehrlich ist, muss man sich fragen, woher eigentlich diese &#220;berzeugung kommt. Gesellschaftlich ist es etabliert, dass es bestimmte Schamgrenzen gibt, die man nicht &#252;berschreitet; dass es Situationen und R&#228;ume gibt, die man absichtlich nicht wahrnimmt, obwohl man es vielleicht k&#246;nnte. Und &#196;hnliches scheint sich f&#252;r Jugendliche auch im Netz etabliert zu haben: ein Beitrag in einer Online-Community ist f&#252;r die da, die ein berechtigtes Interesse haben, diese Informationen zu erhalten &#8211; wobei berechtigt nicht hei&#223;t, dass sie damit Geld machen wollen, sondern dass es Freundinnen und Freunde sind oder Menschen, die bestimmte Interessen teilen. Jeder Vergleich hinkt, aber vielleicht ist diese Auffassung gut mit einen Gespr&#228;ch in einem Caf&#233; zu vergleichen: dass kann zwar jede und jeder am Nebentisch h&#246;ren, aber es ist erstmal nur f&#252;r die Personen am gleichen Tisch bestimmt. Wer teilhaben will, soll sich mit an den Tisch setzen und wenn er oder sie dort akzeptiert wird, ist das okay. Ansonsten geht der Inhalt des Gespr&#228;ches niemand etwas an. In dieser Situation ist es im Allgemeinen sozial eintrainiert, diese Gespr&#228;che am Nebentisch &#8222;nicht zu h&#246;ren&#8220;. &#196;hnliches scheint von Jugendlichen im Netz auch vorausgesetzt zu werden.<br />
Sie fordern also, wie Br&#252;ggen das formuliert, eine &#8222;Privatsph&#228;re in Online-Communities&#8220; [<em>Br&#252;ggen (2009), S. 32</em>]. Zwar l&#228;sst sich die Frage stellen, ob diese Forderung realistisch ist, aber wie Krotz im vorher besprochen Text schon andeutete, w&#228;re es falsch, die Verantwortung an der Nutzung von Daten nur denen zuzuschreiben, welche die Daten einstellen. Es geht offenbar auch um eine Frage des gesellschaftlichen Moral: muss man und soll man alles wahrnehmen, was ins Web 2.0 eingestellt wird?</p>

	<p><blockquote>Fu&#223;note:<br />
[1] Dies deckt sich auch mit der Erkenntnis, dass die Kommunikation Jugendlicher im Internet zumeist gerade nicht &#8222;mit allen&#8220; stattfindet, sondern mit denjenigen Menschen, mit denen sie auch in ihrem Alltag au&#223;erhalb des Netzes (im Reallife) kommunizieren. Das Netz ist f&#252;r die Meisten zuv&#246;rderst eine weitere Kommunikationssph&#228;re innerhalb der eigenen Peergroups.</blockquote></p>
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		<title>Schulbibliothekspolitik mit den immer gleichen Argumenten machen?</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Sep 2009 23:34:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Grundsätzliches</category>
	<category>Schule und Bibliothek / Schulbibliothek</category>
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		<description><![CDATA[	In der Juli/August-Ausgabe der BuB durfte die DBV-Epertengruppe &#8222;Bibliothek und Schule&#8220; wieder einmal einen Schwerpunkt zum Thema Schulbibliotheken ver&#246;ffentlichen. Und wieder einmal wurde dabei offensichtlich, dass es weder bei der Schulbibliothekspolitik, noch bei der Vorstellung, was in Deutschland Schulbibliotheken sind, noch bei den Ideen, wie Schulbibliotheken in Deutschland wirken und wie f&#252;r sie geworben werden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>In der Juli/August-Ausgabe der BuB durfte die <em><span class="caps">DBV</span>-Epertengruppe &#8222;Bibliothek und Schule&#8220;</em> wieder einmal einen Schwerpunkt zum Thema Schulbibliotheken ver&#246;ffentlichen. Und wieder einmal wurde dabei offensichtlich, dass es weder bei der Schulbibliothekspolitik, noch bei der Vorstellung, was in Deutschland Schulbibliotheken sind, noch bei den Ideen, wie Schulbibliotheken in Deutschland wirken und wie f&#252;r sie geworben werden k&#246;nnte &#8211; wenn man das den wollte &#8211; bei dieser Expertengruppe viel Realit&#228;tssinn vorhanden ist.<br />
Nichts soll damit gesagt sein gegen die Idee, dem <span class="caps">DBV</span> eine Institution anzugliedern, die sich um Schulbibliotheken und um die Arbeit von Schulen und Bibliotheken (beziehungsweise im Verst&#228;ndnis der Gruppe der Zusammenarbeit von Bibliotheken und Schulen, also mit dem Schwerpunkt auf Bibliotheken) k&#252;mmert. Und selbstverst&#228;ndlich hat auch diese Gruppe das Problem, dass ihre Arbeit von engagierten Ehrenamtlichen getragen wird, die immer im Vergleich zur gestellten Aufgabe immer viel zu wenige sind und die die notwendige Arbeit f&#252;r diese Gruppe neben vielen anderen T&#228;tigkeiten bew&#228;ltigen m&#252;ssen. Deshalb w&#228;re es auch ungerecht, von dieser Gruppe die gleiche Qualit&#228;t und Quantit&#228;t an Leistungen zu fordern, wie von Institutionen, die von Festangestellten betrieben werden.<br />
Das gesagt, ist es trotzdem notwendig, am Schwerpunkt in der BuB Kritik zu &#252;ben. Ganz offensichtlich schafft es diese Expertengruppe seit Jahren nicht, die Realit&#228;t in den deutschen Schulen wahr- und ernstzunehmen. Vielmehr herrscht &#8211; wie auch schon in der indirekten Vorg&#228;ngerorganisation<em> Beratungsstelle Schulbibliotheken</em> im <em>Deutschen Bibliotheksinstitut</em> &#8211; ein rein auf bibliothekarische Interessen bezogenes Verst&#228;ndnis von Schulbibliotheken vor, dass gerade nicht dazu beitr&#228;gt, die Schulbibliothekspolitik voranzubringen, die real in zahlreichen Schulbibliotheken in Deutschland geleistete Arbeit wahrzunehmen oder die Zusammenarbeit von Schulen und Bibliotheken zu unterst&#252;tzen. Was diese Haltung, welche sich beispielsweise dadurch ausdr&#252;ckt, dass es der Expertengruppe nicht wirklich gelingt, praktizierende P&#228;dagoginnen und P&#228;dagogen kontinuierlich in ihre Arbeit einzubinden, zudem verhindert, ist, realistische Konzepte f&#252;r Schulbibliotheken aus der Realit&#228;t im deutschen Bildungswesen heraus zu formulieren und damit &#8211; wie das ganz offensichtlich versucht wird &#8211; Werbung f&#252;r diese Einrichtungen in bibliothekarischen, schulischen und (bildungs-)politischen Zusammenh&#228;ngen zu machen. Vielmehr zeigen die Ver&#246;ffentlichungen der Expertengruppe &#8211; und damit auch der Schwerpunkt in der BuB &#8211; ein erstaunliches Ma&#223; an selbstbewusster Nabelschau, welche sich darin zu gen&#252;gend scheint, die immer gleichen (zumeist nicht ganz stimmigen) Argumente zu wiederholen, die Ehrenamtlichen in den Schulbibliotheken ungewollt, aber dennoch best&#228;ndig zu diskreditieren und den Wert des bibliothekarischen Wissens konsequent zu &#252;bersch&#228;tzen (und dass in einem Kontext wie der Schule, wo das p&#228;dagogische Personal daf&#252;r bekannt ist, potentielle Eingriffe in ihren Kompetenzbereich sehr schnell abzulehnen).<br />
Soll dies hei&#223;en, dass Schulbibliotheken unn&#246;tig oder sinnlos sind? Nein, sie k&#246;nnen sinnvolle Erg&#228;nzungen zum Angebot einer Schule, sowohl im Unterricht als auch im Freizeitbereich, darstellen. Soll das hei&#223;en, dass die Arbeit der Expertengruppe unn&#246;tig und falsch ist? Nicht unbedingt. Aber in ihrer jetzigen Form scheint sie kontraproduktiv und gerade gegen&#252;ber Aktiven au&#223;erhalb der Bibliothekswesens regelrecht anma&#223;end. Hei&#223;t das, um Schulbibliotheken voranzubringen m&#252;sste sich die Expertengruppe und deren Wahrnehmung der Realit&#228;t des deutschen Schulwesens radikal &#228;ndern? Ja, dass hei&#223;t es. Es soll gar nicht bestritten werden, dass die Expertinnen und Experten der Expertengruppe und das Personal in den ausgew&#228;hlten Schulbibliotheken, welche von der Expertengruppe akzeptiert und immer wieder einmal &#246;ffentlich vorgestellt werden, das, was sie tun, mit bestem Wissen und Gewissen tun und dabei sehr engagiert sind. Aber engagiert zu sein reicht nicht aus, um Recht zu haben.</p>

	<p><strong>Satzbausteine</strong><br />
Der Schwerpunkt in der BuB besteht aus einem theoretischen Text und vier Texten, welche &#252;ber Praxisbeispiele berichten. Deshalb steht zu vermuten, dass der theoretische Text, welcher zudem vom Vorsitzenden der Expertengruppe &#8222;Bibliotheken und Schule&#8220;, Ronald Schneider stammt [1], die Grundz&#252;ge dessen vorstellt, was sich die Expertengruppe &#8211; welche sich mehr oder minder als die deutsche Hauptinstanz verstehen, wenn es um Schulbibliotheken geht &#8211; als die k&#252;nftige Entwicklung der Schulbibliotheken in Deutschland vorstellt. [<em>Schneider, Roland (2009) / Neue Lernkultur und bibliotheksgest&#252;tzter Unterricht : Der Ausbau von Schulbibliotheken als Herausforderung f&#252;r das &#214;ffentliche Bibliothekswesen. &#8211; In: BuB 61 (2009) 7/8, S. 506-511</em>]<br />
Und gerade deswegen ist dieser Text so enervierend: folgt man ihm, dann hat sich die Position der Expertengruppe seit ihrer Gr&#252;ndung 2003 nicht um einen Deut ver&#228;ndert. Immer noch macht die Expertengruppe alles richtig, immer noch versteht die Politik einfach nur nicht, dass Schulbibliotheken die einzig relevanten Einrichtungen einer erfolgreichen Bildungsreform sind, und immer noch gilt, dass eine Schulbibliothek immer nur als solche bezeichnet werden darf, wenn sie von einer ausgebildeten Diplombibliothekarin oder einem Diplombibliothekar geleitet wird; ansonsten gilt sie der Expertengruppe nichts.<br />
Der gesamte Text ist zu gro&#223;en Teilen aus Textbausteinen zusammengesetzt, die sich teilweise w&#246;rtlich in fr&#252;heren Ver&#246;ffentlichungen finden. Aber Textbausteine zu wiederholen hei&#223;t halt nicht, dass sie wahrer werden.<br />
Schneider beginnt mit einem immer wieder bem&#252;hten Bild: &#8222;Im Vergleich zu fast allen anderen westlichen Industriel&#228;ndern ist Deutschland im Blick auf die Ausstattung der Schulen mit Schulbibliotheken [&#8230;] auf dem Stand eines Entwicklungslandes.&#8220; [<em>Schneider (2009), S. 506</em>] Abgesehen davon, dass heute die Begrifflichkeit &#8222;Entwicklungsland&#8220; eher vermieden wird, weil sie normativ ein Wirtschaftssystem als erstrebenswert voraussetzt, ist dieses Bild schon oft in Texten zu Schulbibliotheken erschienen und trotzdem falsch. Der Sinn ist leicht ersichtlich: es wird behauptet, dass jedes Land, dass etwas auf sich halten w&#252;rde, Schulbibliotheken br&#228;uchte. Und nur Deutschland w&#252;rde dabei ausscheren, was per se schlecht und zu bek&#228;mpfen sei. Selbst wenn man akzeptieren w&#252;rde, dass man sich bei diesem Vergleich auf Industriestaaten beschr&#228;nken sollte (was nicht notwendig ist, haben doch auch andere Staaten ein Schulbibliothekssystem), ist erst einmal die Aussage falsch. Auch solches Staaten wie Japan, Belgien, Luxemburg oder Spanien haben kein ausgebautes Schulsystem. Das h&#228;lt sie aber ebenso wie Deutschland nicht davon ob, funktionierende Schulen zu haben.<br />
Das Argument unterschl&#228;gt auch, dass alle Staaten ein eigenes Schulsystem haben. Gerade das deutsche Schulsystem mit seiner Lehrbuchzentrierung, fr&#252;hzeitigen Separation der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler in Leistungsstufen und dem immer noch in hohem Ma&#223;e gegen jede Inklusion wirkenden Sonderschulwesen, ist eines, dass nur wenig mit anderen Staaten zu vergleichen ist. Wenn Schneider &#8211; und andere &#8211; mit dem Bild vom &#8222;Schulbibliotheks-Entwicklungsland Deutschland&#8220; suggerieren wollen, dass jedes erfolgreiche Schulsystem automatisch Schulbibliotheken braucht und die vorgebliche Bildungskrise in den deutschen Schulen daher r&#252;hrt, dass es nur wenige Schulbibliotheken gibt, dann ist das einfach nur falsch. Der Ausbau oder Nicht-Ausbau eines Schulbibliothekssystems sagt wenig bis gar nichts &#252;ber die Qualit&#228;t eines Schulsystems aus. Deshalb ist auch das Bild vom Entwicklungsland grundfalsch. Es gibt keine &#8222;Krise&#8220;, weil zu wenig Schulbibliotheken finanziert werden. Vielmehr scheint es Schulsysteme zu geben, die Schulbibliotheken als elementar ansehen und Schulsysteme, die keine Schulbibliotheken fordern und / oder sie als besondere Einrichtungen behandeln. [2]</p>

	<p>Aber dieses Bild ist nur der Anfang des Textes. Weiter bedauert auch Schneider &#8211; wieder einmal &#8211;, dass Schulbibliotheken in Deutschland zumeist nicht von bibliothekarisch ausgebildetem Personal gef&#252;hrt werden. Das mag man im Rahmen eines Berufsverbandes bedauern, weil das die Aufgabe eines Berufsverbandes ist. Als Expertengruppe m&#252;sste man aber erstens wahrnehmen, welche Arbeit von diesem nicht-bibliothekarischen Personal geleistet wird, anstatt dieses einfach abzukapseln. Und weiterhin m&#252;sste man als Expertengruppe &#8211; wenn man es wichtig findet, dass Schulbibliotheken mit bibliothekarischem Personal ausgestattet werden &#8211; in der Lage sein zu sagen, was dieses Personal relevant anders machen w&#252;rde und was dies der jeweiligen Schule bringen w&#252;rde. So, wie die meisten Schulbibliotheken in Deutschland r&#228;umlich und finanziell ausgestattet sind, w&#252;rde h&#246;chstwahrscheinlich auch eine Super-Bibliothekarin wenig anders machen k&#246;nnen, als das jetzige Personal. Und deswegen m&#252;sste eine Expertengruppe mit und &#252;ber diese nicht-bibliothekarisch gef&#252;hrten Schulbibliotheken reden und sie nicht einfach als &#8222;Wildwuchs&#8220; [<em>Schneider (2009), S. 510</em>] diskreditieren. [3]<br />
<blockquote>Die Konsequenzen hieraus [aus der Situation der Schulbibliotheken, K.S.] sind nicht nur fehlende schulische Medien- und Informationszentren sowie didaktisch kontraproduktive schulische B&#252;chersammlungen, sondern &#8211; in unmittelbarer Konsequenz daraus &#8211; das Abschieben der Lesef&#246;rderung und fach&#252;bergreifender Lernziele wie der Lese-, Medien- und Informationskompetenz auf ein unterrichtliches Nebengleis. Eine erst auf den zweiten Blick sichtbare, weil mittelbare Konsequenz ist die indirekte F&#246;rderung veralteter oder didaktisch defizit&#228;rer Lehr- und Lernformen, allem voran des klassische Frontalunterrichts mit f&#252;r alle Sch&#252;ler gleich g&#252;ltigen Curricula und normierten Lernb&#252;chern. [Schneider (2009), S. 506]</blockquote><br />
Dieser Abschnitt zeigt, wie &#252;bertrieben bipolar sich offenbar in der Expertengruppe die jetzige Schulrealit&#228;t und die Wirkung einer Schulbibliothek vorgestellt wird. Zwar ist diese Zuspitzung neu, aber die Grundtendenz dieser Argumentation findet sich auch in &#228;lteren Texten zu Schulbibliotheken. Es wird ohne jede weitere Begr&#252;ndung behauptet, dass die Schule heute (immer noch) eine Einrichtung sei, die nur mit Lehrb&#252;chern arbeiteen, haupts&#228;chlich zum Auswendiglernen animieren und auf Frontalunterricht setzen w&#252;rde. Zudem sei sie nicht in der Lage, &#252;bergreifende Lernziele zu verfolgen. Hingegen w&#252;rde die Schulbibliothek dies alles &#228;ndern und zwar nur zum Guten.<br />
Es ist reichlich erstaunlich, dass &#252;berhaupt noch P&#228;dagoginnen und P&#228;dagogen mit der Expertengruppe kommunizieren, denn diese Darstellung des heutigen Schulunterrichts und Schulalltags ist &#8211; bei aller Kritik, die man am Schulwesen haben kann und muss &#8211; eine Beleidigung. Sie hat mit der Realit&#228;t in Schulen wenig zu tun. Viel Interessanter ist hier allerdings, dass die Behauptung, eine Schulbibliothek w&#252;rde den Ausweg aus einer so beschriebenen schlechten Schule liefern, durch nichts weiter gedeckt ist, als &#8230; vielleicht die Hoffnung der Expertengruppe selber. Eine Schulbibliothek kann sehr wohl dazu beitragen, einen besseren Unterricht zu erm&#246;glichen, aber nur in eine relativ gut funktionierenden Schule. Eine Schule, die so sehr gescheitert ist, wie das im Zitat angedeutet wird, braucht etwas g&#228;nzlich anderes, als nur eine Schulbibliothek.<br />
Aber eine solche &#220;bertreibung angeblicher Effekte von Schulbibliotheken herrscht bei der Expertengruppe vor. Was auch immer als Problem der deutschen Schulen beschrieben wird: best&#228;ndig wird behauptet, dass dieses durch Schulbibliotheken zu l&#246;sen sei. Der Effekt solcher durch nichts untermauerten Behauptungen ist selbstverst&#228;ndlich der, dass die Aussagen zu Schulbibliotheken von immer weniger Menschen ernst genommen werden. Diese st&#228;ndigen &#220;bertreibungen machen Schulbibliotheken unglaubw&#252;rdig, verstellen den Weg, die tats&#228;chlichen Effekte von Schulbibliotheken zu untersuchen und diese Einrichtungen mit ihren Grenzen sinnvoll in den Schulalltag zu integrieren.</p>

	<p>Anschlie&#223;end f&#228;hrt der Text mit einem im Bibliothekswesen oft angewandten, aber auch leicht zu durchschauenden Trick fort. Er behauptet einen &#8222;Blick &#252;ber die Grenzen&#8220; zu wagen, nennt dann aber nur solche Staaten, (beziehungsweise Bundesstaaten), die der eigenen Argumentation zutr&#228;glich sind und ignoriert diejenigen m&#246;glichen Beispiele, die zeigen k&#246;nnten, dass es gerade keine internationale Entwicklung gibt, der Deutschland hinterherhinken w&#252;rde und der man jetzt sofort unter Strafe des Untergangs nachfolgen m&#252;sste; sondern dass es vielmehr sehr unterschiedliche Entwicklungen gibt, ohne dass dies unbedingt eine Bedeutung f&#252;r Deutschland haben muss. Auch hier stellt sich schnell die Frage nach der Glaubw&#252;rdigkeit der Argumentation, wenn noch nicht einmal die Kriterien benannt werden, nach denen die genannten Beispiele ausgew&#228;hlt wurden. Warum Deutschland immer wieder mit S&#252;dtirol und D&#228;nemark vergleichen? Warum zum Beispiel nicht mal Deutschland mit Luxemburg, einem sehr reichen Land ohne nennenswertes Schulbibliothekswesen, vergleichen?</p>

	<p>Der restliche Text l&#228;sst sich, obwohl er noch einige Seite weiter geht, wie folgt zusammenfassen: wir (die Expertengruppe) machen gute Arbeit, Schulbibliotheken werden quasi jedes Problem l&#246;sen, dass sich im Schulsystem stellt, au&#223;er man h&#246;rt nicht auf uns und gibt uns nicht mehr Stellen. Immer wieder z&#228;hlt Schneider angebliche oder tats&#228;chliche Entwicklungen und Diskussionen im Bildungswesen auf, nur um dann zu sagen, dass das eine Aufgabe von Schulbibliotheken sei. Abgesehen davon, dass er bestimmte bildungspolitische Entwicklungen, die schon vor 2000 zu beobachten waren, den <span class="caps">PISA</span>-Studien zuschreibt, verweigert er auch die ganze Zeit konsequent, zu erl&#228;utern, warum gerade Schulbibliotheken jeweils die einzige L&#246;sung darstellen w&#252;rden. Und das macht den gesamten Text unglaubw&#252;rdig, bei aller Sympathie, die man f&#252;r diese Einrichtungen haben kann.<br />
Interessant ist auch, dass er behauptet, dass trotz aller Schwierigkeiten immer bessere Arbeit f&#252;r Schulbibliotheken geleistet wird. Allerdings meint er damit nicht etwa die Abschlussarbeiten, die in den letzten Jahren erschienen sind (von denen er indirekt behauptet, dass sie nicht als relevant zu erachten seien, Seite 510), auch nicht die Arbeit der Ehrenamtlichen in Schulbibliotheken, es sei den, sie wurden von Bibliothekarinnen oder Bibliothekaren angeleitet (ansonsten nennt er sie &#8222;Wildwuchs&#8220;, Seite 510) oder die Arbeit der Institutionen, die in diesem Jahr einen berlin-brandenburgischen, eine schleswig-holsteinischen und einen bayerischen Schulbibliothekstag organisiert haben (die erw&#228;hnt er gar nicht) &#8211; nein, er setzt einfach die Arbeit der Expertengruppe mit Fortschritten im Bereich Schulbibliotheken gleich. Dabei gibt es gar keine richtige Evaluation dieser Arbeit, sondern einfach nur die Behauptung, dass sie gut w&#228;re. Das l&#228;sst sich aber auch bezweifeln. Beispielsweise hebt Schneider das Online-Portal www.schulmediothek.de als Anlaufstelle f&#252;r alle Themen rund um die Schulbibliothek hervor. Schaut man aber einmal auf diese Seite, bemerkt man sehr schnell, dass sie nur ein wenig gef&#252;llter Anfang eines Portals darstellt, aber keine ausreichende Informationsquelle f&#252;r die Arbeit in Schulbibliotheken. Genauso kann man bezweifeln, ob die Ver&#246;ffentlichungen, die Schneider hervorhebt (S. 511) tats&#228;chlich eine Breitenwirkung haben.<br />
Um es noch einmal zu sagen: Schulbibliothek k&#246;nnen eine Rolle in den einzelnen Schulen spielen und zu einem besseren Unterricht oder Schulalltag beitragen. Die Arbeit in der Expertengruppe &#8222;Schule und Bibliothek&#8220; wird ehrenamtlich und engagiert betrieben. Aber all das bedeutet nicht, dass es sinnvoll oder rechtens w&#228;re, ohne jede Begr&#252;ndung Schulbibliotheken als Allheilmittel jeder Bildungsmisere darzustellen; es bedeutet auch &#252;berhaupt nicht, dass man, ohne es begr&#252;nden zu k&#246;nnen, behaupten darf, dass all die Ehrenamtlichen in den Schulbibliotheken &#8211; egal ob sie von der Ausbildung her Bibliothekarinnen / Bibliothekare, Lehrerinnen / Lehrer oder irgendetwas anderes sind &#8211; als &#8222;Wildwuchs&#8220; bezeichnet werden d&#252;rften oder das man deren Existenz als Bedrohung f&#252;r die Schul- und Bibliotheksqualit&#228;t darstellen darf, nur weil man einen berufsst&#228;ndischen Verband vertritt. Vielleicht ist es noch einmal notwendig, daran zu erinnern: wie Schulbibliotheken in Deutschland tats&#228;chlich funktionieren, was sie f&#252;r die jeweiligen Schulen tun oder tun k&#246;nnten, was ihre Verbindung zum Unterricht ist &#8211; all das wissen wir nicht. Niemand. Es gibt dazu keine Forschung, nur Ans&#228;tze und Anekdoten. Aber es gibt keine Daten, auf denen Schneider (und andere) ihre Behauptungen von der Allwirksamkeit bibliothekarisch gef&#252;hrter Schulbibliotheken aufbauen k&#246;nnten. Dieser ganze Text &#8211; der offenbar Ausdruck eine prinzipiellen Haltung der Expertengruppe ist &#8211;  tr&#228;gt nur dazu bei, dass sich ernsthaft an Schulbibliotheken Interessierte weniger gerne an diese Expertengruppe wenden werden. Was diese Gruppe vertritt, sind nicht die Interessen von Schulbibliotheken, sondern die Interssen von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren gegen&#252;ber Schulen. Das geschieht nicht aus b&#246;ser Absicht, aber es ist doch kontraproduktiv.<br />
Wenn Schneider am Ende seines Textes postuliert:<br />
<blockquote>Die Bibliotheksverb&#228;nde m&#252;ssen gemeinsam mit Schulministerien und den Lehrerausbildungs- und -fortbildungseinrichtungen darauf hinwirken, dass die M&#246;glichkeiten und Chancen &#8222;bibliotheksgest&#252;tzten Lernens&#8220; k&#252;nftig zum p&#228;dagogischen Grundwissen geh&#246;rt[,] [Schneider (2009), S. 511]</blockquote><br />
dann ignoriert er, dass er selber und die gesamte Expertengruppe (und die Vorl&#228;uferorganisation) es bisher vers&#228;umt haben, klarzustellen, was dieses &#8222;bibliotheksgest&#252;tzte Lernen&#8220; sein soll, was es hervorbringen soll und warum sich jemand daf&#252;r einsetzen sollte. Es wird einfach postuliert, dass es wichtig ist. Aber bei allem Verst&#228;ndnis daf&#252;r, dass man Schul- und andere Bibliotheken wichtig findet: Ein Postulat bleibt ein Postulat, egal wie oft es wiederholt wird. [4]<br />
Seit Jahren ver&#228;ndert sich das deutsche Schulbibliothekswesen nur langsam und dies zumeist aufgrund des Engagements von Einzelpersonen vor Ort in den Schulen. Allzuviel scheint die Arbeit der Expertengruppe &#8222;Bibliothek und Schule&#8220; nicht vorangebracht zu haben, was gerade deshalb zu bedauern ist, weil diese Gruppe tats&#228;chlich kontinuierlich gearbeitet hat. Aber anstatt daraus zu lernen, dass die best&#228;ndig bedienten Argumente und Textbausteine offenbar keine nachhaltige Wirkung haben, werden sie in diesem, Schwerpunkt einfach noch einmal wiederholt.</p>

	<p><strong>Beispiele</strong><br />
Neben dem Text von Schneider enth&#228;lt der Schwerpunkt nur noch Texte zu Beispielbibliotheken. Es wird nicht klar, wieso gerade diese Beispiele ausgew&#228;hlt wurden und nicht andere, aber es wird auch bei dieser Auswahl klar, dass eine Schulbibliothek offenbar &#8211; im Gegensatz zur Praxis in den meisten Schulbibliotheken &#8211; nur dann von der Expertengruppe ernst genommen wird, wenn dort eine bibliothekarisch ausgebildete Fachkraft arbeitet.<br />
Interessanterweise widersprechen aber selbst diese Beispiele einigen Grundannahmen der &#8222;Expertengruppe Bibliothek und Schule&#8220; &#252;ber Schulbibliotheken, die Schneider im ersten Text postuliert. So unterscheiden sich alle diese Bibliotheken fundamental, folgen keinen klaren Standards und funktionieren dennoch im Rahmen ihrer jeweiligen Schule. (So ist es &#252;brigens auch bei vielen Schulbibliotheken, die nicht bibliothekarisch betreut werden.) Es wird angesichts dieser Beispielen &#252;berhaupt nicht klar, warum Schneider unbedingt Standards und einheitliche Ausbildungen fordert, wenn doch jede Schule &#8211; so zumindest die Forderung der aktuellen Bildungspolitik &#8211; anders ist und somit auch jede Schulbibliothek, wenn sie denn existiert.<br />
So stellt Jana Haase [<em>Haase, Jana (2009) / Recherche und Literaturbeschaffung als Bestandteil des Unterrichts : Die Fachbibliothek des Berufsausbildungszentrums Lette-Verein in Berlin. &#8211; In: BuB 61 (2009) 7/8, S. 508</em>] die Arbeit der Bibliotheken einer Berufsschule in Berlin vor und zeigt, dass es m&#246;glich ist, die Bibliothek in den Unterricht zu integrieren, wenn man genau auf die Erfordernisse der Unterrichts zugeschnittene Angebote macht. Dieser Zuschnitt bedeutet allerdings auch, dass man &#252;ber die Grenzen dieser Arbeit wei&#223;: man kann den Unterricht unterst&#252;tzen, aber nicht ihn allein durch die Bibliothek reformieren.<br />
Franziska Sievert stellt eine &#8222;Vorzeigebibliothek&#8220; vor, die aus einem Bundesf&#246;rderprogramm finanziert wurde. [<em>Sievert, Franziska (2009) / Medienkompetenz f&#252;r alle Sch&#252;ler : F&#246;rderprogramme an der Kooperative Gesamtschule Schneverdingen. &#8211; In: BuB 61 (2009) 7/8 , S. 512-514</em>] Sie zeigt, dass man mit gen&#252;gend Geldmitteln auch in der Lage ist, eine gro&#223;e Bibliothek aufzubauen, die neben dem &#8222;normalen&#8220; Bibliotheksbetrieb Veranstaltungen anbieten und elektronische Kataloge aufbauen kann. Auch diese Bibliothek ist mit viel Engagement aufgebaut worden. Allerdings ist es auch etwas absurd, weil in den letzten Jahrzehnten Dutzende, vielleicht auch mehr solcher Vorzeige- und Projektbibliotheken in deutschen Schulen aufgebaut wurden (von einer ganzen Anzahl wurde sogar in der BuB selber berichtet). Die Idee ist immer die gleiche: man baut eine oder einige wenige gut ausgestattete Schulbibliotheken auf und diese sollen dann andere Schulen dazu motivieren, ebenso solche Bibliotheken aufzubauen. Die Idee selber mag nicht falsch sein, aber es ist doch erstaunlich, wie wenig diese Projektbibliotheken tats&#228;chlich zu wirken scheinen: sie verschwinden oft sehr schnell wieder, ohne wirkliche Eindruck zu hinterlassen. Und statt aus dem Ende zahlreicher dieser Modelleinrichtungen zu lernen, werden dann &#8211; wie in Schneverdingen &#8211; wieder neue Bibliotheken mit dem gleichen Ziel errichtet.<br />
[Die Bibliothek, &#252;ber die Sievert berichtet, ist &#252;brigens jetzt (wo die Autorin ihre Karriere vorangetrieben und die Stelle gewechselt hat) auf der Homepage der Gesamtschule, die ansonsten sehr detailliert ist, nicht zu finden.]<br />
Auch der darauf folgende Text von Effi Schumacher und Heidrun Littmann, die eine Schulbibliothek in einer Grundschule in Biberach an der Ri&#223; vorstellen [<em>Schumacher, Effi ; Littmann, Heidrun (2009) / F&#246;rderung von Lese-, Informations- und Medienkompetenz in der Grundschule : Ein Modellprojekt in Biberach an der Ri&#223;. &#8211; In: BuB 61 (2009) 7/8, S. 515-518</em>], widerspricht indirekt dem Eingangstext von Ronald Schneider. Die Bibliothek, die hier in Zusammenarbeit mit der &#246;rtlichen Stadtb&#252;cherei aufgebaut wurde, ist n&#228;mlich gerade nicht daf&#252;r da, den gesamten Unterricht zu revolutionieren oder f&#252;r jeden Themenbereich eine L&#246;sung anzubieten, wie dies Schneider impliziert. Vielmehr ist sie genau den Anforderungen der Schule angepasst: Sie vermittelt zuv&#246;rderst das Lesen und den Umgang mit Kommunikationsmitteln. Alles andere ist zweitrangig. Das ist eine sinnvolle Beschr&#228;nkung auf die lokal m&#246;gliche bibliothekarische Arbeit &#8211; n&#228;mlich auf die Unterst&#252;tzung der Schule bei ihrer Literarisierungsarbeit. Anstatt sich also hinter &#252;bertriebenen Anspr&#252;chen zu verstecken, wurde diese Bibliothek offenbar f&#252;r einen wichtigen, aber eingegrenzten Arbeitsbereich entworfen und errichtet.<br />
Der letzte Text der Ausgabe ist dann eher ein Hinweis darauf, wie separiert das deutsche Schulwesen bislang schon ist. Birgit Dankert beschreibt die Renovierung und Arbeit einer Schulbibliothek in einem offenbar viel zu reichen Gymnasium in Hamburg. [<em>Dankert, Birgit (2009) / &#8222;Und sie bewegt sich doch&#8230;&#8220; : Bibliotheca Johannei: Die neue Schulbibliothek der Gelehrtenschule des Johanneums in Hamburg. &#8211; In: BuB 61 (2009) 7/8, S. 519-521</em>] Der Bestand dieser Bibliothek enthielt schon lange vor der Renovierung 2008 historische Best&#228;nde &#8211; unter anderem eine gerne angef&#252;hrte Bibel von 1491 &#8211;, die so in keiner &#214;ffentlichen Bibliothek zu finden sein werden. Der Umbau (nicht etwa ein Neuaufbau einer Bibliothek, sondern einzig der Umbau) dieser Bibliothek und die Digitalisierung historischer Buchbest&#228;nde kostete rund eine halbe Millionen Euro, welche haupts&#228;chlich aus Spenden ungenannter M&#228;zen und der Zeit-Stiftung aufgebracht wurden. Dieser Bibliothek geht es gut. Mehr noch als bei allen anderen Beispieltexten, fragt man sich, was dieser Text lehren soll. Das es eine Unversch&#228;hmtheit ist, wie reich einige Schulen sind, w&#228;hrend andere ihre Schulbibliotheken nicht einmal mit einem regelm&#228;&#223;igen Etat ausstatten oder ein Musikzimmer einrichten k&#246;nnen? Dass die Segregation des deutschen Schulwesens auch in den Schulbibliotheken wieder zu finden ist?</p>

	<p>Diese Beispiele stehen im Schwerpunkt relativ unvermittelt nebeneinander. Sie zeigen vielleicht, dass an vielen Orten vielen Menschen versuchen, gute und engagierte Schulbibliotheksarbeit zu machen. Aber gerade durch die Konzentration auf Bibliotheken, die bibliothekarisch geleitet sind &#8211; was in Deutschland eher die Ausnahme als die Regel zu sein scheint &#8211; ist die Beispielhaftigkeit der genannten Bibliotheken mehr als eingeschr&#228;nkt. Dieser BuB-Schwerpunkt wird weder dazu beigetragen haben, dass neue Schulbibliotheken entstehen, noch dass die Vorhandenen sich st&#228;rker vernetzen.</p>


	<p><blockquote><strong>Fu&#223;noten:</strong><br />
[1] Zumindest laut dem Text in der BuB. Die offizielle Hompepage der Expertengruppe beim dbv f&#252;hrt Birgit L&#252;cke als Vorsitzende.<br />
[2] Was gerade nicht hei&#223;en soll, dass Schulbibliotheken nicht die Qualit&#228;t des Unterrichts in einer Schule verbessern k&#246;nnten. Das k&#246;nnten sie sehr wohl, aber nicht, wenn man versucht, sie mit Katastrophenbildern einzufordern, wie das Schneider tut, sondern, wenn man sie den Anforderungen der jeweiligen Schule entsprechend entwickelt, beitreibt und nutzt.<br />
[3] &#8222;Wildwuchs&#8220; wird in diesen Zusammenhang als negative Bezeichnung verwendet. W&#252;rde man &#8211; was im Rahmen der Schulautonomie logisch w&#228;re &#8211; die Diversit&#228;t der Schulbibliotheken als Vorteil akzeptieren, k&#246;nnte man Wildwuchs auch positiv verstehen.<br />
[4] Zumal auch dieser Text schon wieder den Sinn von Schulbibliotheken darauf reduziert, Lehreinrichtungen zu sein oder das Lernen in Schulen zu unterst&#252;tzen. Selbstverst&#228;ndlich wird das eine gro&#223;e Rolle spielen, aber es war und ist nie der einzige Grund, warum Schulbibliotheken etwas zum Schulalltag beitragen k&#246;nnen. Sie k&#246;nnen ebenso Aufenthalts- und Freizeitort sein oder ein Raum ohne Zensurendruck. Sie k&#246;nnen auch als potentielle Wissensquelle existieren, die schon durch ihre Existenz anzeigt, dass es ein &#252;ber die Schule hinausgehendes Wissen gibt, dass man nicht  im schulischen Sinne, sondern aus Interesse lernen k&#246;nnte. Und es gibt noch andere m&#246;gliche Rollen, die f&#252;r einzelne Schulbibliotheken zutreffen k&#246;nnten. Sie nur auf Bildung zu reduzieren, wird der Realit&#228;t nicht gerecht.</blockquote></p>
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		<title>Mit Evidence Based Librarianship gegen die Forschungs-Praxis-Lücke?</title>
		<link>http://bildungundgutesleben.blogsome.com/2009/08/29/mit-evidence-based-librarianship-gegen-die-forschungs-praxis-lucke/</link>
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		<pubDate>Sat, 29 Aug 2009 10:00:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Grundsätzliches</category>
	<category>Forschungsansätze</category>
	<category>Evaluation und Empirie</category>
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		<description><![CDATA[	Wolfgang G. Stock berichtet in einem kurzen Text in der aktuellen Bibliotheksdienst &#252;ber die letzte Evidence Based Library &#38; Information Practice Conference in Stockholm. [Stock, Wolfgang G. (2009) / Evidenzbasierte Bibliotheks- und Informationspraxis : EBLIP5, Stockholm, 2009. &#8211; In: Bibliotheksdienst 43 (2009) 8/9, S. 902-908]. Dies scheint der erste &#8211; und wenn nicht, dann einer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Wolfgang G. Stock berichtet in einem kurzen Text in der aktuellen <em>Bibliotheksdienst</em> &#252;ber die letzte <em>Evidence Based Library &#38; Information Practice Conference</em> in Stockholm. [<em>Stock, Wolfgang G. (2009) / Evidenzbasierte Bibliotheks- und Informationspraxis : <span class="caps">EBLIP5</span>, Stockholm, 2009. &#8211; In: Bibliotheksdienst 43 (2009) 8/9, S. 902-908</em>]. Dies scheint der erste &#8211; und wenn nicht, dann einer der ersten &#8211; deutschsprachigen Text zum Evidence Based Librarianship (EBLS) zu sein. [1] Deshalb ist Stock auch gen&#246;tigt, &#252;berhaupt das Konzept einzuf&#252;hren.<br />
Allerdings folgt auch er ohne Not der Unsitte, englische Begrifflichkeiten, die nicht mit ihrem gesamten relevanten Bedeutungsinhalt &#252;bersetzt werden k&#246;nnen, trotzdem ins Deutsche zu &#252;bersetzen. Seine eins-zu-eins-translation zu &#8222;Evidenzbasierte Bibliotheks- und Informationspraxis&#8220; unterschl&#228;gt deshalb leider den Zusammenhang des Begriffes Evidence &#8211; der im Englischen weit gebr&#228;uchlicher ist, als dass Deutsche &#8222;Evidenz&#8220; &#8211; mit der Vorstellung, Menschen Wahlm&#246;glichkeiten zu er&#246;ffnen (having a choice) und die M&#246;glichkeit zu geben, Ihre gesellschaftliche Umwelt zu beeinflussen (make a difference). W&#228;hrend das <span class="caps">EBLS</span> als Praxis im Englischen in einem engen Zusammenhang zur Gestaltung der Gesellschaft und der Betonung der Individualit&#228;t steht, wird in der Darstellung von Stock dieser Bedeutungszusammenhang unterschlagen. Das ist deshalb relevant, weil meines Erachtens das wirklich Interessante an der <span class="caps">EBLS</span>-Bewegung ist, dass Bibliothekarinnen und Bibliothekare sich als mit ihrer Arbeit gesellschaftlich aktiv verorten und (Forschungs-)Fragen stellen, die f&#252;r die lokale und die gesamte Gesellschaft relevant sind. Bei Stock hingegen wird die <span class="caps">EBLS</span> zu einer Praxis der Verwaltung von Bibliotheken &#8211; was sie auch sein kann, aber gerade nicht ausschlie&#223;lich ist.<br />
Nichtsdestotrotz ist die Einf&#252;hrung von Stock zu empfehlen, gerade weil sie kurz und knapp eine grundlegende Darstellung des <span class="caps">EBLS</span> bietet. <span class="caps">EBLS</span> ist ein Praxis, in der Bibliotheken sich selber die Definitionsmacht &#252;ber die Entscheidungen, welche die langfristige Strategie ihrer Organisationsentwicklung betreffen, zuschreiben und sich in einem geordneten Prozess daran machen, zu untersuchen, welche Instrumente zur L&#246;sung welcher Problemstellungen oder einfach zur Verbesserung ihrer Arbeit erfolgversprechend sind. Dazu untersuchen sie die im Begriff <span class="caps">EBLS</span> angesprochen Evidence, sie fragen also, ob Instrumente Effekte haben und wenn ja, welche und in welchem Ma&#223;e. Diese Effekte werden dann f&#252;r Entscheidungen &#252;ber die Organisationsentwicklung der Bibliotheken genutzt.<br />
Stock w&#228;hlt aus mehreren konkurrierenden Prozessdarstellungen, die f&#252;r die <span class="caps">EBLS</span> vorliegen, eine zehnstufige aus, die er am sinnvollsten h&#228;lt. Folgend die zehn Stufen (Seite 902-903, mit erl&#228;uternder Skizze auf Seite 903):<br />
<ol></p>
	<p><li>Frage formulieren (z.B. Wie nutzen unseren Nutzerinnen und Nutzern die Selbstlernbereiche?, Wie wird unser Bestandsaubau wahrgenommen?, Wie nutzen Jugendliche unsere Bibliothek?)</li><br />
<li>Suche nach Evidenz (Quellenrecherche in bibliothekarischen/bibliothekswissenschaftlichen Studien und Statistiken, aber auch in angrenzenden Themenbereichen, eventuell eigene Forschung)</li><br />
<li>Kritische Bewertung der Quellen</li><br />
<li>Entscheidung (Organisationsentwicklung, Projekte etc.)</li><br />
<li>Evaluation (Gesamtprozess)</li><br />
<li>Ist die richtige Entscheidung getroffen worden? (rekursive Evaluation)</li><br />
<li>Wurde die Evidenz korrekt bewertet? (rekursive Evaluation)</li><br />
<li>War die eigenen Forschung derart erfolgreich, dass sie die passende Evidenz erbrachte?</li><br />
<li>Ist &#252;berhaupt richtig recherchiert worden?</li><br />
<li>Wurde zu Beginn die richtige Frage gestellt?</li><br />
</ol></p>
	<p>Bei Punkt 2 und 8 w&#252;rde ich Stock zum Teil widersprechen. Er stellt es so dar, als w&#252;rde eine eigenst&#228;ndige Forschung durch Bibliothekarinnen und Bibliothekare im Rahmen des <span class="caps">EBLS</span> eine Ausnahme darstellen, die dann greift, wenn anderweitig keine Quellen gefunden werden k&#246;nnen, um die gestellten Fragen zu beantworten. Schaut man aber die englisch-sprachige Literatur zum <span class="caps">EBLS</span> durch, scheint es eher so zu sein, als w&#228;re das herausragend Neue gerade das Bibliothekarinnen und Bibliothekare eigenst&#228;ndig im Rahmen ihrer Bibliothek forschen und dabei Forschungsfragen stellen, die sich an der Realit&#228;t ihrer Einrichtung orientieren (und beispielsweise weniger an den W&#252;nschen der Verwaltung).<br />
So oder so wertet Stock die <span class="caps">EBLS</span> als M&#246;glichkeit, auch in Deutschland eine von ihm (und zahlreichen anderen) postulierten Forschungs-Praxis-L&#252;cke zwischen bibliothekarischer Praxis und Bibliotheks- und Informationswissenschaft zu &#252;berwinden, wie dies zum Teil auch in anderen L&#228;ndern gelungen sei. Dem ist zuzustimmen.</p>

	<p><blockquote><br />
Fu&#223;note<br />
[1] (Some shameless self-promotion) But watch out for my forthcoming Doktorarbeit, Kapitel 3.3.<br />
</blockquote></p>
 ]]></content:encoded>
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		<title>Verteidigung der Promotion</title>
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		<pubDate>Thu, 27 Aug 2009 23:50:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karsten Schuldt</dc:creator>
		
	<category>Grundsätzliches</category>
	<category>Fortschritt</category>
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		<description><![CDATA[	Es hat seine Zeit gedauert, aber jetzt ist alles geregelt und ein Termin f&#252;r die Verteidung meiner Promotion &#8220;Bibliotheken als Bildungseinrichtungen. Bestimmung der Effekte von Bildungsaktivit&#228;ten im Rahmen &#214;ffentlicher Bibliotheken unter dem Fokus Sozialer Gerechtigkeit. Entwurf eines bibliothekswissenschaftlichen konzeptionellen Forschungsrahmens&#8221; festgelegt.

	Die Verteidung wird am Mittwoch, den 18. November 2009, von 10.00 bis 12.00 Uhr am [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Es hat seine Zeit gedauert, aber jetzt ist alles geregelt und ein Termin f&#252;r die Verteidung meiner Promotion &#8220;<em>Bibliotheken als Bildungseinrichtungen. Bestimmung der Effekte von Bildungsaktivit&#228;ten im Rahmen &#214;ffentlicher Bibliotheken unter dem Fokus Sozialer Gerechtigkeit. Entwurf eines bibliothekswissenschaftlichen konzeptionellen Forschungsrahmens</em>&#8221; festgelegt.</p>

	<p>Die Verteidung wird am Mittwoch, den 18. November 2009, von 10.00 bis 12.00 Uhr am <em>Institut f&#252;r Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt Universit&#228;t zu Berlin</em> (Dorotheenstra&#223;e 26, Berlin), Raum 3e statt finden.  Sie ist &#246;ffentlich, also wenn irgendwer vorbei kommen will&#8230; gerne doch.</p>
 ]]></content:encoded>
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