Bibliotheken als Bildungseinrichtungen

28.02.2009

Abgegeben

Kategorien Grundsätzliches, Vorhaben / Gepostet 17:11

Photo von den Exemplaren der Arbeit bei der Abgabe
Gestern habe ich es endlich geschafft, die Arbeit abzugeben. Jetzt geht alles seinen bürokratischen Lauf: Die Prüfer lesen und schreiben Gutachten, die Arbeit liegt aus, die Verteidigung wird angesetzt, irgendwer muss irgendwann irgendwas unterschreiben, dass dann wieder von irgendjemand anders unterschrieben und weitergereicht werden muss etc. Aber das wichtige ist: die Arbeit ist fertig.
Damit habe ich jetzt Zeit, mich wieder etwas mehr dem Bloggen zu Bibliotheken und Bildung zu widmen. Da ist in der Endphase einiges liegen gebleiben, was ich noch gerne gesagt hätte. Perspektivisch neigt sich dann aber auch dieses Blog dem Ende zu. Es sollte ja die Promotion begleiten und das wird es bis zur Veröffentlichung wohl auch tun. Und man kann über Bibliotheken als Bildungseinrichtungen ja offenbar tatsächlich Doktorarbeiten schreiben, aber irgendwann ist dann auch mit diesem Thema erstmal Schluss. Ich werde dann wohl in ein Blog umziehen, in welchem ich die ganzen anderen Themenbereiche, die mich im Bezug auf Bibliotheken als pädagogischer, kultureller und sozial verantwortlicher Einrichtung, der realen gesellschaftlichen Mediennutzung, den digitalen Medienwelt etc. interessieren gemeinsam weiter verfolgen kann.

6.07.2007

Methodenmix, sortiert

Die Beantwortung der Frage, welche Bildungseffekte Öffentliche Bibliotheken haben, ist nur durch einen Methodenmix möglich. Nicht zuletzt, wenn gleichzeitig ein Modell geliefert werden soll, welches diese Ergebnisse für die Bibliothekspraxis nutzbar macht.

Evidence Based Library Practice -Internationaler Ansatz
Dabei gibt es – wenn auch nicht in Deutschland, sondern vorrangig in der englischsprachigen Bibliothekspraxis und hier vor allem der in Großbritannien – Arbeiten und Forschungstendenzen, die ähnliches versuchen. Zum einen hat sich in den 1990ern das Paradigma einer Evidence Based Library Practice etabliert, zuletzt 2006 mit einer eigenständigen Open Access Zeitschrift (Evidence Based Library and Information Practice).
Durch dieses Paradigma wird eine Erdung von Bibliothekspraxis durch wissenschaftliche Methoden angestrebt. Primär soll die Planung und der Betrieb von Öffentlichen Bibliotheken und ihrer Services nicht (mehr) normativen Vorstellungen und Einzelentscheidungen von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren überlassen werden. Die angewandten Methoden sollen einerseits die Realität abbilden und wissenschaftlichen Standards genügen, anderseits relativ einfach und praktikabel sein. Insoweit experimentieren die meisten Studien damit

  1. oft schon vorhandene oder leicht im Bibliotheksalltag zu gewinnende Daten für neue Aussagen zu verwenden.

  2. Arbeiten und Ansätze so zu dokumentieren, dass diese auch von anderen Bibliothekspraktikerinnen und -praktikern einfach reproduziert werden können.

  3. die Grenzen der jeweiligen Studien zu reflektieren und für Teilfragen auf schon veröffentliche Studien zurückzugreifen.

Es hat sich unter dem Paradigma der Evidence Based Practice eine, wenn auch nicht unumstrittene, Richtung der von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren selber durchgeführten Applied Science etabliert, auf deren Überlegungen auch im deutschen Kontext zurückgegriffen werden kann.

inspiring learning for all – Britischer Ansatz
Eine zweite Grundlage bieten die Überlegungen, welche im Rahmen des Umbaus der öffentlichen Dienste in Großbritannien unter der New Labour Regierung für Bibliotheken in dem Framework inspiring learning for all kumulierten [Vollständiger Framework hier]. New Labour verband in seiner Bildungspolitik mehrere Ansprüche an die steuerfinanzierten Einrichtungen. Einerseits tragen diese Einrichtungen seit Mitte der 1990er Jahre mehr und mehr Eigenverantwortung für die Qualität ihrer Angebote, deren Auswahl und Gestaltung, ihrer Effizienz und deren Nachweis; anderseits wurden bisher eher marginale politische und gesellschaftswissenschaftliche Diskurse zum Thema social exclusion durch die Regierung aufgegriffen und ein pro-aktive Politik der social inclusion zur Pflicht gemacht. Dies heißt, dass öffentliche Einrichtungen nicht mehr einfach diskriminierungsfrei zu sein haben, sondern aktiv daran arbeiten müssen, nur diffus erfahrbare, aber doch vorhandene Barrieren zu identifizieren und abzubauen.
[Im Rahmen von Bibliotheken heißt dass zum Beispiel, nicht einfach einen formal gleichen Zugang für alle zu schaffen, sondern zu bestimmen, welche Bevölkerungsgruppe zu den strukturellen Nicht-Nutzenden gehören, warum sie dies sind und letztlich mit ihnen zusammen daran zu arbeiten, die offenbar vorhandenen strukturellen Hindernisse abzubauen – auch wenn dass manchmal gerade nicht durch eine Spezialbestand mehr für diese oder jene Gruppe zu machen ist. Siehe dazu den grundlegenden Bericht “Open to all? The Public Library and Social Exclusion“]
Der Framework inspiring learning for all liefert nun in diesem Zusammenhang eine relativ tief gehende Gliederung, die es Bibliotheken (und Museen und Archiven) ermöglichen soll, diese eher unpräzisen Anforderungen sowohl zu erfüllen als auch den Erfolg dieser Anstrengungen zu evaluieren. Ein Grundprinzip dieses Frameworks ist eine kreislaufförmig angelegte Selbstevaluation durch Teams in den Bibliotheken, die auf einer größeren – und zumindest dem Ansatz nach – immer wieder erneuerten wissenschaftlichen Grundlage, die gesellschaftliche Ansprüche in der Bibliothekspraxis umzusetzen helfen und gleichzeitig Erfolge messbar machen sollen.

Arbeitsmodell
Im Folgenden möchte ich den ersten Arbeitsentwurf eines ähnlichen Frameworks, bezogen auf Bildungseffekte von Öffentlichen Bibliotheken in Deutschland, vorschlagen. Dieser ergab sich als Ergebnis der Durchsicht von relevanten Forschungsansätzen im Bibliotheks- und Bildungsbereich. Wie gesagt: ein Arbeitsentwurf und Vorschlag, welcher erst noch vervollständigt werden und anschließend erprobt werden muss.


[als pdf]

Der Framework ist in vier Phasen unterteilt, welche wiederum in zwei Kreisläufen organisiert sind. Kreislauf eins umfasst alle vier Phasen von der Begriffsbestimmung von Bildung bis zur Projektimplementierung und ist als längerfristige, eher wissenschaftliche Arbeit angelegt, welche im besten Fall in größeren Abständen wiederholt werden sollte. Kreislauf zwei umfasst die Phasen III (Datensammlung) und IV (Interpretation und Umsetzung) und wird hier als praktische Anwendung im Bibliotheksalltag verstanden, die einerseits auf den Phasen I und II aufbaut, andererseits eher auf die einzelne Institution orientiert ist und nicht jedes mal erneut den verwendeten Bildungsbegriff bestimmt.
Folgende eine kurze Charakterisierung der vier Phasen.

Phase I. Bildungsvorstellungen
In der ersten Phase werden die Bildungsvorstellungen, welche im Bereich Öffentlicher Bibliotheken verwendet werden, bestimmt. Hierbei sind unterschiedliche Gruppen und deren
Bildungsvorstellung zu beachten:

  1. die Bibliotheken, bzw. Bibliothekarinnen und Bibliothekare

  2. die Nutzerinnen und Nutzer

  3. die Gesellschaft, das hießt die allgemein akzeptierten Bildungsvorstellungen und hier auch die der Personen, welche keine Öffentlichen Bibliotheken benutzen

  4. die Träger der Bibliotheken, in Deutschland zumeist die lokale und die Landespolitik

Dabei bieten sich insbesondere für die Gesellschaft und Politik Diskursanalysen an, während die Bildungsvorstellungen von Bibliotheken und Nutzenden wohl eher durch qualitative Methoden, vorrangig die der grounded theory gewonnen werden können. Dabei ist – gerade bei den Diskursanalysen – darauf zu achten, dass es im Rahmen dieses Frameworks darauf ankommt, in irgendeiner Form quantifizierbare Vorstellungen und Kategorien zu gewinnen.

Phase II. Operationalisieren
Ausgehend von den Ergebnissen der ersten Phase müssen die Bildungsvorstellungen operationalisiert, also in messbare Kategorien und Codierungen umgesetzt werden. Hierzu liegen zwei Modelle vor: Entweder die Codierung anhand der in den meisten Studien, die einem grounded theory-Ansatz folgen, als Forschungsergebnis entwickelten Kategorien. Oder aber das Fassen der Ergebnisse in einen Checklist-ähnlichen Framework, wie dies bei inspiring learning for all getan wurde.

Phase III. Status Quo und Zielbestimmung
In dieser und der nächsten Phase geht es hauptsächlich um die einzelne Bibliothek. Mithilfe des erarbeiteten Frameworks oder der Kategorienliste – oder, was eher zu erwarten ist, einem Mix beider Ansätze – wird einerseits der Status Quo bestimmt, anderseits das Framework, wenn nötig, modifiziert und Ziele bestimmt, die sich aus dem Status Quo und den Bildungsvorstellungen für einen überschaubaren Zeitraum für die einzelne Bibliothek ergeben.
Etwas weniger abstrakt: Es könnte sich zeigen, dass eine Bildungsvorstellung lautet, dass rund die Hälfte aller Erwachsenen im Einzugsbereich einer Bibliothek mindestens alle fünf Jahre mithilfe von Medien aus der Bibliothek ihre Fremdsprachenkenntnisse auffrische oder eine neue Sprache lernen. Das könnte so im Framework aus der Phase II stehen. Bei den Daten, die dazu in einer Bibliothek zu erfassen sind, muss man zwar einigermaßen herum rechnen – schließlich will man ja nicht über fünf Jahre die Bestandsnutzung der Sprachlernmedien erfassen, um zu einer Aussage zu kommen. Letztlich könnte dann aber die Feststellung der Bibliothek lauten, dass eine solche Nutzung nicht stattfindet. Hier könnte dann das Ziel formuliert werden, dass die Medien tatsächlich in der geforderten Quantität und in der geforderten Weise genutzt werden. Eine Justierung des Frameworks könnte dann nötig sein, wenn die Bibliothek ihr Umfeld betrachtet und – wieder als Beispiel – feststellt, dass in ihrem Umfeld eine akademisch geprägte Elite wohnt, alle potentiellen Nutzerinnen und Nutzer mindestens ein Abitur erhalten haben oder dieses anstreben. In diesem Fall müsste die angestrebt Nutzungshäufigkeit angepasst, also erhöht werden.
Es geht also letztlich um die Anpassung des gegebenen Frameworks an die Gegebenheiten der Bibliothek und um eine sinnvolle Auswahl von erreichbaren Zielen.

Phase IV. Projekte, Dokumentation und Fortschreibung
In der letzten Phase geht es darum, aus den gewonnenen Erkenntnissen über den Status Quo und den Zielen, die sich aus den Bildungsvorstellungen ergeben, umsetzbare Projekte und Organisationsveränderungen zu formulieren, zu implementieren und – wenn sie erfolgreich sind – fortzuführen.
Im Gegensatz zu heute durchgeführten Projekten ergäbe sich der Vorteil, dass eine Dokumentation und Evaluation dieser Projekte durch den gegebenen Framework leichter möglich wäre. Die Ergebnisse wären einfacher anzugeben, von anderen nachzuvollziehen und einmal durchgeführte Projekte auch für andere nutzbar. (Das wäre ein Vorteil gegenüber den eher oberflächlichen Beschreibungen heutiger Beispielsammlungen. Ein allgemeiner Framework würde beispielsweise aus Best-Practice-Sammlungen auch tatsächliche Best-Practice-Sammlungen machen, weil die Bewertungsgrundlage für die jeweilige Auswahl und eine nachvollziehbare Evaluationsgrundlage angegeben werden könnte.)
Hierzu müsste sich allerdings eine Kultur etablieren, die erstens Projekte, Veränderungsbemühungen und Erfahrungen auch als solche nachvollziehbar dokumentiert und gleichzeitig auf solche Dokumentationen wieder zurückgreift. Dies wäre im Rahmen eines Frameworks allerdings eher zu erwarten, als bei der Fortschreibung der heutigen unsystematischen Herangehensweise.

7.05.2007

Bildungsprojekte in deutschen Bibliotheken

Ein Problem der Forschung über Öffentliche Bibliotheken in Deutschland sind schlicht und ergreifend die fehlenden Daten. Zwar liefert die Bibliotheksstatistik relativ umfangreiches Datenmaterial. Dieses ist aber, wie immer wieder bedauert wird, hauptsächlich “bibliothekarisch” (d.h. die Bestandsgröße, der Umsatz, die Besuche usw. wie das beispielsweise in der aktuellen Auswertung aufgeführt wird). So wichtig diese Statistik auch ist, so schwer ist es dennoch, mit diesen Daten quantitative Forschung zu betreiben.
Vielleicht lässt sich aus dem Mangel an spezifischen Daten auch erklären, warum die meisten Arbeiten zu Öffentlichen Bibliotheken in Deutschland qualitativ angelegt sind. Diese Ausrichtung hat auch ihre Vorteile. Aber nicht nur.
Ich frage nach Projekten in deutschen Bibliotheken, die etwas mit dem Bildungsauftrag von Bibliotheken zu tun haben. Es gibt hierzu keine Übersicht und auch keine Daten. Zwar führe ich, seit ich an der Promotion arbeite, eine Liste mit interessanten Projekten, auf die ich bei meinen Recherche stoße. Doch letztlich sind das bedauerlich wenige. Ich benötige einfach eine weiter gefasste Übersicht. Dabei hatte ich auch schon an den Einsatz (einfacher) statistischer Hilfsmittel gedacht, doch letztlich würden diese wenig bringen, da mir mit hoher Wahrscheinlichkeit Projekte entgehen würden. Wenn ich aber eines gelernt habe, dann das ohne einen gewissen Größenwahn kaum ein Forschungsprojekt zum Abschluss gebracht werden kann. Letztens hörte ich beispielsweise den Vortrag eines ehemaligen Kommilitonen, welcher alle noch vorhanden Akzessionsjournale der Berliner Staatsbibliothek von 1933-1945 und darüber hinaus auf Raubgut der Nazis hin durchgeschaut hatte. Solch einen Größenwahn meine ich. Selber hatte ich in meiner Magisterarbeit die Homepages aller Schulen in Berlin durchgeschaut, nur um am Ende sagen zu können, das 5,1% von ihnen eine Schulbibliothek betreiben. Und jetzt also wieder: wenn ich keine ausreichende Übersicht zu Bildungsprojekten in Öffentlichen Bibliotheken in Deutschland finde, muss ich sie halt selber machen.
Insoweit hat sich ein weiteres Projekt eingeschoben, ohne dessen Ergebnisse allerdings die Promotion kaum weiter vorankommen wird. Ich habe mich dabei erstmal auf die Öffentlichen Bibliotheken in Deutschland beschränkt, die hauptamtlich geführt werden. Und zwar aus zwei Gründen: a.) erstens sind das etwas unter 2000 und nicht etwas über 8000 Bibliotheken und b.) ist die Chance, dass Projekte durchgeführt werden, in besser (also mit Vollzeitstellen) ausgestatteten Bibliotheken höher, als in Bibliotheken die ehrenamtlich oder in Teilzeit geführt werden. Aber ansonsten habe ich – auf Grundlage der Bibliotheksstatistik, welche zum Glück solche Daten in Excel-Tabellen liefert – angefangen, die Homepages jeder Öffentlichen Bibliotheken in Deutschland auf Hinweise zu Bildungsprojekten oder einer Reflektion des Bildungsanspruches durchzusehen. In zwei Tagen Arbeit bin ich bis “BE…” gekommen. (Ich weigere mich aber, auszurechnen, wie lange der Rest dann dauern könnte.)

12.04.2007

Schwerpunkt Evaluationsmodelle

Aktuell wollte ich an einer Übersicht zur Nutzung und Wirkung von Öffentlichen Bibliotheken als Bildungseinrichtungen im internationalen Rahmen arbeiten. Ich habe dies erstmal aufgegeben. Dafür sprachen zwei Gründe.
Zum einen war mehr und mehr vorauszusehen, dass diese Übersicht ein weitere Beispielssammlung ohne klaren Anwendungsbereich darstellen würde. Meine Mittel sind sehr begrenzt, praktisch hätte ich nur auf Beispiele zurückgreifen können, die in deutsch, englisch oder französisch dokumentiert sind. Davon gibt es Zahlreiche, vor allem im englisch-sprachigen Bereich. Doch letztlich würde diese Sammlung an der Unbestimmtheit kranken, die leider viele ähnliche Arbeiten im bibliothekarischen Bereich auszeichnet. Es wären nicht genügend Beispiele, um Trends aufzuzeigen, die Repräsentativität der vorgestellten Beispiele zu überprüfen oder um Aussagen über die Innovativität derselben zu machen. Es wären einfach Beispiele ohne größeren theoretischen Rahmen.
Gerade bei vielen Abschlussarbeiten, die an Hochschulen geschrieben werden, finden sich meines Erachtens zahlreiche ähnlicher Beispielsammlungen, die zwar immer wieder wichtige Bereiche der bibliothekarischen Arbeit diskutieren, anschließend Beispiele aus der bibliothekarischen Praxis vorstellen, welche zumeist einzig durch großes Engagement der jeweils involvierten Bibliothekarinnen und Bibliothekare funktionieren. Doch letztlich bleibt bei diesen Beispielsammlungen zumeist vollkommen offen, warum gerade die ausgewählten Beispiele gewählt wurden, ob diese Schlaglichter der allgemeinen Arbeit von Öffentlichen Bibliotheken darstellen, ob sie regional verankerte Lösungsansätze regionaler Probleme darstellen oder ob sie innovativ sind und zur weiteren Umsetzung vorgestellt werden. Das ist dann, trotz aller Arbeit, oft etwas unbefriedigend.
Dabei war die Grundhoffnung, die ich mit dieser Studie verband, dass sich genügend Anwendungen von Öffentlichen Bibliotheken als Bildungseinrichtungen finden lassen würden, um an diesen eine einigermaßen tragfähige Kategorisierung – und sei es nur als Arbeitshypothese – zu formulieren. Dies würde einen Rahmen liefern, in welchem die Aktivitäten in deutschen Bibliotheken hätten verortet werden können.

Der zweite Grund ist, dass immer klarer wird, dass es für für die Frage, welche Bildungseffekte Öffentliche Bibliotheken haben, sinnvoller ist, sich eingehender mit Evaluations- und Messmethoden zu befassen. Dies werde ich die nächsten zwei Monate tun. Das Problem ist, dass sich für den deutschsprachigen Bereich wieder einmal wenige dokumentierte Ansätze finden lassen, welche für Bibliotheken zugeschnitten sind oder gar von Bibliotheken verwendet werden. (Dies heißt nicht, dass nicht undokumentiert Evaluationen unternommen würden.) Auch englisch-sprachig liegen nicht allzu viele Modelle vor, aber immerhin einige. Beispielsweise in Svanhild Aabøs “The Value of Public Libraries”, Sharon Markless’ und David Streatfields “Evaluating the impact of your Library” und einer Anzahl von Artikeln.
Eine andere Quelle werden deshalb die in der Bildungsforschung angewandten Modelle darstellen. Dabei geht es mir erst einmal darum, solche Modelle zusammen zu tragen. Erstes Kriterium soll sein, dass sie tatsächlich in der bibliothekarischen oder bildungswissenschaftlichen Praxis benutzt werden. Methoden, die zwar theoretisch ausgearbeitet, aber bisher nicht in diesem Bereich angewandt wurden, möchte ich ausschließen. Nicht, weil sie nicht auch praktisch oder vorteilhaft sein könnten, sondern weil ich mir eine Bewertung allein aufgrund der theoretischen Fassung nicht zutraue. Die gewählten Modelle sollen gesammelt, gruppiert und auf ihre Eignung für den bibliothekarischen Bereich hin untersucht werden.
Wichtig finde ich dabei, dass ich mich nicht schon in dieser Phase auf ein Modell festlege. Eigentlich sollen möglichst viele Modelle erprobt werden. Aber wenn ich Modelle verwerfe, möchte ich das auch begründen können.
Es ist allerdings auch nicht so, dass kanonisierte Evaluationsmethoden für Bildungseffekte in der Erziehungswissenschaft vorliegen würden. Vielmehr ist der Bereich der empirischen Bildungsforschung offenbar ein in der letzten Jahren stark wachsender Bereich, welcher zuvor eher ein Schattendasein führte. Ergebnis dieses Wachstums ist selbstverständlich die Vielzahl der aktuell vorgeschlagenen und der – oft auch projektweise – angewendeten Modelle und Methoden. Zudem werden diese Modelle und Methoden aktuell beständig modifiziert und ergänzt.

6.03.2007

Zur Pause

Krankheit, Arbeit und Stress verhinderten gleich zu Anfang, dass dieser Weblog hier geführt wird. Das soll besser werden. Wirklich.
Dennoch ist weiter gearbeitet worden.

Kurz zum Aufbau der Promotion:
Im ersten Jahr soll der theoretischen Rahmen gezeichnet werden. Dazu werden einige Teilstudien durchgeführt, von denen eine fertig ist und sich eine weitere (etwas verspätet) in der Korrekturphase befindet. Im zweiten Jahr sollen Instrumente zur Evaluation des Bildungseffektes von Bibliotheken formuliert und an einzelnen, herausragenden Bespielen getestet werden. Im dritten Jahr dann sollen diese Instrumente “in der Fläche” (größere Regionen) ausprobiert und zu individuell von Bibliotheken zu Nutzenden weiterentwickelt werden. Das soll beschrieben und im dritten Jahr auch als Text abgeschlossen werden.

Ob jetzt die Teilstudien schon vorher veröffentlicht werden dürfen, wenn sie in de Promotion einfließen, dass muss der Prüfungsausschuss der Fakultät noch entscheiden. Machen werde ich sie trotzdem.
Die erste beschäftigt sich mit dem bibliothekarischen Bildungsbegriff, die zweite mit dem Verhältnis von Öffentlichen Bibliotheken und Sozialer Gerechtigkeit. Die Teilstudie, welche ich gerade begonnen habe, wird sich mit Beispielen bibliothekarischer Bildung in anderen Ländern befassen.
Soweit der Stand.

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